Jürgen Kaltwasser: „jetzt kriegen wir endlich eine runde Sache“

Lautertal geht ganz neue Wege im Naturschutz

Angeregt durch die Studie zum „vergessenen Naturschutzgebiet  Felsberg“ des Kasseler Dozenten Karoly Henrich tagte Ende März erstmalig der runde Tisch, der die Interessen des Naturschutzes mit den ökonomischen Bedürfnissen des Lautertales in Einklang bringen soll. Überraschungsgast war Dr. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der im Schweizerischen Güllen beheimateten Claire-Zachanassian-Stiftung. „Die Namensgleichheit mit anderen Josef Ackermännern dieser Welt ist ein etwas unglücklicher Zufall, der meiner Arbeit nicht immer förderlich ist“, stellte der hochdotierte Unternehmensberater gleich zu Beginn klar.
Er verbringe seit Jahren seinen Urlaub im Lautertal, das Felsenmeer sei ihm als Freizeitgebiet sehr ans Herz gewachsen. Er habe allerdings im Internet die rege Diskussion um den Naturschutz am Felsberg mit großem Interesse verfolgt und sei zu der Einsicht gekommen, daß hier dringend etwas getan werden müsse. Zum Beweis seines Engagements brachte er einen vierstelligen Scheck aus seiner persönlichen Kasse mit. Seine Stiftung könne sich vorstellen, ein weltweit einmaliges Projekt großzügig zu fördern, das exakt den Stiftungsstatuten entspricht. Die Claire-Zachanassian-Stiftung sieht in ihren Stiftungszielen vor, die moralisch-ethischen Grundlagen unseres Kulturkreises mit allen ökologischen und ökonomischen Belangen in ein ganzheitliches Konzept zu bringen. Dr. Ackermann habe, so führte er aus, bereits erste Vorgespräche im Vorstand der Stiftung geführt, und man sei dort nicht abgeneigt, ein derart prestigeträchtiges Projekt zu unterstützen.

Das Projekt: eine Kuppel für Spaß und Freizeit, ein Berg für die Natur
„Die römischen Werkstücke im Felsberg müssen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich bleiben, das Felsenmeer als solches muß als Spaßbereich für Kleine und Große zum Klettern bleiben. Das Ökosystem Felsberg muß vor den zur Zeit extrem schädigenden Eingriffen durch den Massentourismus geschützt werden. Dies sind die Vorgaben,“ führte Ackermann weiter aus. Für seine Stiftung sei dies gerade aufgrund seiner schieren Unmöglichkeit ein strategischer Leckerbissen.
Dr. Ackermann legte nun sein Konzept dar: es gebe in Elmshausen ein großes Gewerbegebiet, dessen Vermarktung aufgrund schlechter Internetmöglichkeiten nur schleppend vorangeht. Es gebe weiterhin am Fachbereich Architektur  der TU Darmstadt eine Gruppe „Experimental-Archäologie“, die seit drei Jahren vergeblich einen Platz sucht, an dem sie ihr ehrgeiziges Projekt verwirklichen kann: den Nachbau des römischen Pantheon (Betonbauweise!) mit den zu römischen Zeiten zur Verfügung stehenden Mitteln und Kenntnissen. Beides wolle er nun zusammenbringen, so Dr. Ackermann.
„Bereits in den ersten drei Jahren aus den roten Zahlen“

Das Pantheon passe thematisch so gut zu den römischen Werkstücken im Felsberg, daß sich die daraus resultierenden Möglichkeiten geradezu aufdrängen: das Projekt sehe vor, die wichtigsten römischen Werkstücke „Riesenschiff“, „Altarstein“, Riesensäule“, „Riesensarg“, „Pyramide“, „geschrammter Stein“ und „Kreisplatte“ sowie einige weitere Stücke, an denen man römische Arbeitstechniken und Bearbeitungsfehler gut erläutern kann, im Museumsteil des neuen Pantheon auszustellen. Ein weiterer Bereich des Pantheon soll einen Klettergarten für Kinder und Erwachsene mit den Felsen des untersten Felsenmeerbereiches beherbergen. Die übrigen Felsen im Felsberg sollen danach der Natur überlassen werden, so daß sich dort nach und nach die ersehnte Ruhe einstellen wird.
Das Pantheon dagegen wird ein touristischer Magnet und eine erhebliche Einnahmequelle für die Gemeinde Lautertal werden.
Wie das Original-Pantheon wird auch die Kupp im Lautertal oben ein Loch haben. Von außen wird die Kuppel begrünt, und im Zentrum wird ein Glas-Aufzug nach oben durch das Loch führen. Dort startet die Allwetter-Rodelbahn, die rundherum um die Kuppel nach unten  verläuft.
Auch um die ungünstige Erreichbarkeit des Areals mit öffentlichen Verkehrsmitteln - im Sinne des Umweltschutzes sollte dies an allen touristischen Zielen oberste Priorität haben - sieht das Konzept von Dr. Ackermann eine Kleinbahn vor, die sich von der Bushaltestelle an der Nibelungenstraße durch die Wiesen der Lauter schlängelt. Unterwegs soll es Haltepunkte an ökologisch besonders interessanten Punkten geben, wo Informationstafeln aufgestellt werden.
Zum Schluß seiner Ausführungen signalisierte Dr. Ackermann den sprachlos am runden Tisch Sitzenden gute Aussichten auf Genehmigung dieses Projektes durch die Claire-Zachanassian-Stiftung sowie im Anschluß daran einen zügigen Ablauf in der Realisation. Um diese Realisation innerhalb von zwei Jahren - so schätzt Dr. Ackermann den Zeitbedarf ein - sofort nach Genehmigung in Angriff nehmen zu können, bat er zum Schluß alle Anwesenden um konstruktive Beiträge, welche Elemente dem Konzept weiterhin zugefügt werden könnten. Auch die Öffentlichkeit möchte er an dieser Stelle zur Mitarbeit aufrufen. Die Finanzierung des Projektes werde einerseits durch komplette Kostenübernahme seitens der Stiftung gewährleistet, für die laufenden Kosten stelle die Stiftung solange ein zinsloses Darlehen zur Verfügung, bis die Einnahmen der touristischen Attraktion in die schwarzen Zahlen komme. Dies müsse nach seinen Schätzungen innerhalb der ersten drei Jahre der Fall sein, so Ackermann. (aa)

Das war unser Aprilscher aus dem vergangenen Jahr.