Umstrittenes Investorenprojekt Krematorium in Elmshausen

Bauch, Herz oder Kopf - wo treffen wir unsere Entscheidungen?

Enorme Widerstände gibt es gegen das Vorhaben, in Elmshausen ein Krematorium zu bauen. Es sind weniger stichhaltige sachbezogene Einwände dagegen als vielmehr eine sehr emotionale Ablehnung, die mit großem Aufwand präsentiert wird. Dagegen ist wohl mit Argumenten kaum noch anzukommen, und es ist fraglich, ob es Lautertaler Gemeindevertreter wagen werden, gegen diese massive Front zu votieren. Die permanente Konfrontation mit dem Tod kann eigentlich nicht der Grund der Ablehnung sein, denn von alters her liegen Friedhöfe nahe bei oder sogar in den Dörfern direkt an der Kirche. In der christlichen Tradition war die Einäscherung nicht akzeptiert, in unserem Kulturkreis herrschte bisher die Erdbestattung vor. Die Einäscherung ist, nachdem die Kirche ihren Widerstand aufgegeben hatte, heute nicht mehr umstritten. Es gibt Krematorien in Mainz, Wiesbaden, Kempten, Memmingen - sie alle liegen mitten in der Wohnbebauung.

Nur eines habe ich gefunden, dessen Lage ich als pietätlos empfinde: in Bratislava, direkt hinter einer Müllkippe. Seit im Jahr 1912 im Berliner Wedding das erste Krematorium in Betrieb ging, wurden in Deutschland ca. 140 Krematorien gebaut. Sie alle unterliegen der 27. BImSchV (Bundes-Immissionsschutz-Verordnung) und sind mit modernen Rauchgasreinigungsanlagen ausgerüstet. Das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) e.V., der Bundesverband Deutscher Bestatter (er vergibt das Markenzeichen Krematorium), die VDI-Richtlinie 3891 „Emissionsminderung - Einäscherungsanlagen“ - sie alle regeln die Umweltauswirkungen strikt und gründlich. Die Bürgerinitiative gegen das Krematorium befürchtet Störfälle mit Filterausfällen. Der Betreiber des Krematoriums Stade, der auch in Elmshausen investieren möchte, hat dazu Zahlen geliefert: in einem Krematorium darf zwar im Störfall die laufende Einäscherung nicht unterbrochen werden, die entstehenden - und in diesem Moment ungefilterten - Schadstoffe jedoch werden in einer Rauchgasreinigungsanlage aufgefangen, wo sie nochmals mit mindestens 850 oC verbrannt werden. Bei dieser Temperatur werden die gefährlichen aromatischen Kohlenwasserstoffe wie Furane und Dioxine gekrackt. Dafür gibt es mehrere Kammern, die im Störfall über einen Bypass arbeiten. Sollte die Rauchgasanlage nicht intakt sein, ist schon die Klappe zum Befahren für den Sarg blockiert. Ein Krematorium vom Typ des in Elmshausen vorgesehenen ist in Stade seit 10 Jahren in Betrieb mit bislang ca. 45000 Einäscherungen. Dort kamen bisher insgesamt 6 Störfälle mit vor, die je 10-15 Minuten anhielten, bis sie behoben waren.

Vergleichbare Zahlen zur Dioxinbelastung Bei normalem Krematoriums-Betrieb liegen die Meßwerte für Dioxin-Rückstände im Abgas bei 0,002 ng/m3 (ng = ein Nanogramm, das ist ein Milliardstel Gramm), das sind 2% des gesetzlich zulässigen Grenzwertes von 0,1 ng/m3. Ein Holzofen im trauten Heim stößt immerhin fast 0,03 ng/m3 aus, wenn er mit naturbelassenem Holz betrieben wird. Verbrennt man darun auch Zeitung, Karton und Prospekte, sind es immerhin schon 0,07 ng/m3! Ein Diesel-LKW kann pro Jahr etwa 4,5 µg Dioxin freisetzen, das Krematorium Stade stößt dagegen nur 3,9 µg aus (ein µg ist ein Millionstel Gramm, also 1000 ng.) Im Zigarettenrauch sind zehnmal mehr Dioxine, wer Fisch, Milch, Käse, Butter und Eier ißt, nimmt ebenfalls ein Vielfaches des täglichen Dioxinausstoßes eines Krematoriums zu sich - das Argument der Umweltbelastung zieht also nicht. Zumal im Krematorium alle Schadstoffe wie Amalgam, radioaktive Isotope (aus Bestrahlungen), Rückstände von Chemotherapie oder Herzschrittmachern herausgefiltert und sicher deponiert werden, während sie auf dem Friedhof vor unserem Wohnzimmerfenster aus den Erdbestatteten friedlich ins Erdreich übergehen. Immer mehr Menschen lassen sich einäschern, dieser Trend wird sich allein aus Platzgründen und den genannten Gründen des Umweltschutzes noch verstärken. Da liegt es auf der Hand, daß die Kapazitäten dafür geschaffen werden müssen. Selbst wenn es im Lautertal kein Krematorium geben wird - interessant wäre an dieser Stelle die jährliche Anzahl Einäscherungen aus dem Lautertal -, im näheren Umkreis wird sich das nicht verhindern lassen. (mh)