Bundestagswahl und Bürgermeisterwahl Lautertal

Zum Ergebnis der Bundestagswahl mag man gar nichts mehr schreiben. Nur soviel: die meisten AfD-Wähler haben wohl offenbar nicht aus Überzeugung AfD gewählt, sondern weil sie mit den anderen Parteien unzufrieden waren. Mit einer Protestwahl erreicht man leider meist nicht viel, und vor allem nicht das was man sich wünscht. Das böse Erwachen wird sicher kommen, und dann wird es den Protestwählern möglicherweise leid tun.

Mehr kann man zur Bürgermeisterwahl im Lautertal schreiben:

eine deutliche Mehrheit erzielte der langjährige Verwaltungsfachmann Andreas Heun. Die Lautertaler scheinen sich weitgehend einig zu sein, daß die verfahrene Finanzsituation der Gemeinde jetzt nur von einem gewieften Spezialisten geklärt werden kann, der emotionslos und zielorientiert an die Sache herangeht. Weiterer Vorteil von Andreas Heun ist, daß er nicht aus der Gemeinde Lautertal stammt und so in keiner persönlichen Beziehung zu Lautertaler Bürgern und Kommunalpolitikern steht. Oft war ja der Vorwurf an den bisherigen Bürgermeister Kaltwasser zu hören gewesen, daß es alte Seilschaften gebe. Dazu mag man anmerken, daß es Seilschaften in allen Parteien gibt, das ist eine archaische menschliche Eigenschaft und in ganz Deutschland - wie in jeder Staatsform - an der Tagesordnung.

Beide Vorteile - Fachwissen und Unabhängigkeit - haben wohl das Wahlergebnis herbeigeführt: 56,2 % der Stimmen für Andreas Heun, 43,8 % für Markus Bormuth. Die Wahlbeteiligung lag mit 79,3 % erfreulich hoch. Markus Bormuth, der 2007 bereits als Bürgermeister kandidierte und sich seither vor allem mit der Windkraft-Initiative Lautertal einen Namen gemacht hat, erhielt in Knoden und Schannenbach 79,4 % der Stimmen. Dies liegt darin begründet, daß auf der Höhe bei Knoden drei Windkraftanlagen gebaut werden sollten, die durch die Initiative erfolgreich verhindert wurden.

Allgemein konnte Bormuth in den hochgelegenen Ortsteilen rechts und links des Tales stärker punkten als in den B-47-Ortsteilen.

Was hat Andreas Heun versprochen, wenn er die Wahl gewinnt?

Sozialer Ausgleich und sozialer Frieden sind ihm wichtig. Seine politischen Vorbilder sind der Krisenmanager Helmut Schmidt und der Visionär Willy Brandt. Helmut Schmidt ist mit Konrad Adenauer übrigens auch das politische Vorbild von Markus Bormuth.

Andreas Heun will die Gräben aus der Vergangenheit überwinden, zugleich will er die Anbindung Lautertals an die wirtschaftlichen Ballungsräume Rhein-Main und Rhein-Neckar verstärken. Lautertal soll familienfreundlich mit bezahlbaren attraktiven Wohn- und Lebensmöglichkeiten sein.

Um dies innerhalb vertretbarer Zeit wieder zu erreichen, will er selbst das Rechnungswesen überwachen. Auf keinen Fall will er Kernaufgaben nach außen delegieren, wie das Markus Bormuth anstrebte. Es sei die originäre Aufgabe von Verwaltungsfachleuten, einen Haushalt korrekt zu erstellen. Hierfür sprächen die dreijährige Ausbildungszeit und zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten. Die kommunale Selbstverwaltung dürfe nicht durch einen privatwirtschaftlichen Berater gesteuert werden. Besser sei hier eine interkommunale Zusammenarbeit. Die Kassenkredite in Höhe von 7 Millionen müssen laut Heun dringend abgebaut werden, sie seien zwischenzeitlich - nachdem sie zum Ausgleich der Finanzkrise aufgenommen worden waren - einer zweckentfremdet Nutzung zugeführt worden.

Die Hessenkasse befürwortet Heun. Das Land solle an den Kassenkrediten der Kommunen beteiligt werden. Das Modell sieht vor, daß 50 % selbst gezahlt werden müssen, der Rest wird über 30 Jahre lang im normalen Haushalt ausgeglichen.

Perspektivisch möchte Heun daher - um eine familienfreundliche Gemeinde Lautertal zu schaffen - die Grundsteuern und die Kindergartengebühren senken; Voraussetzung wäre jedoch gewesen, daß die SPD-Politik in Bund und Land die Führung übernimmt. Dies wurde leider durch die Wahl vom 24. September 2017 konterkariert.

Auf die Frage, wie er mit der Windkraft-Problematik umgegangen wäre, konterte Andreas Heun übrigens, daß ein Bürgermeister keine Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung machen könne.

Ein sehr wichtiger Punkt ist die Jugendpflege der Gemeinde Lautertal. Markus Bormuth sprach sich für den Erhalt dieser freiwilligen Leistung aus, da die Vereine die Unterstützung durch Gemeinde und Jugendpflege brauchen. Allerdings müsse die Arbeitsweise der Jugendpflege geänderten Verhaltensweisen der Jugendlichen angepaßt werden. Andreas Heun sieht das ähnlich: die Angebote der Vereine müssen durch die Jugendpflege koordiniert und den Erfordernissen angepaßt werden, zusätzlich könne man hier vielleicht Jugendliche und Senioren zusammenbringen.

Zum aktuellen Eklat um den Spielplatz in der Straße "Viermorgen" in Reichenbach merkt Heun an, daß der Spielplatz erhalten bleiben muß.

Insgesamt strebt Andreas Heun nicht nur die konkrete Konsolidierung der Gemeinde an, sondern möchte auch Visionen für die Zukunft Platz einräumen. Seine wichtigste Vision: nach der ersten Amtszeit sind die Finanzen gut organisiert, erste Schritte in Richtung Sozialer Ausgleich sind getan.

Markus Bormuth bot hier vor allem Offenheit und ein gutes Miteinander an. Dies war den Lautertalern offenbar nicht genug...

Marieta Hiller