Die einheimische Spezialitätenküche machte aus der Not eine Tugend: einfach, preiswert und bodenständig, aber dafür nahrhaft und fantasievoll waren die Gerichte. Der Küchenzettel einer typischen Alltagswoche liest sich so:

  • Sonntags gab es Fleisch, zum Beispiel "Hingel mit Filsel". Wer kein Fleisch hatte, mußte zumindest so tun als ob, das verlangten die guten Sitten. Also stellte man sich ins Fenster und puhlte mit dem Zahnstocher in den Zähnen, so daß jeder glaubte, man hätte ordentlich Fleisch gegessen.
  • Montags wurden die Reste vom Sonntag aufgetischt, z. B. Brotdungselsoß un Sala
  • Dienstags standen etwa Unererdkohlroawe auf dem Speisenplan
  • Mittwochs ein Kartoffelgericht wie Verheijde un gebaggene Eier
  • Donnerstags gab es Gemüse wie Saure Stiel oder ein Kohlgericht
  • Freitags aß man eine Süßspeise, z. B. Himmel un Erd
  • und am Samstag Eintopf, z.B. Schichteintopf

Der Tagesablauf sah so aus: morgens aß man Kartoffelkuche, das Mittagessen siehe oben: zum Kaffee, der eigentlich Malzkaffee war, gab es Latwergebrot, und abends Hausmacher Wurst mit Brot oder Bratkartoffel und eingemachte Gummern.

Die Winter-Speisenfolge einer Rechen-Hausiererfamilie vor 1914 ist im Heimatkundlichen Museum in Lorsch verzeichnet:

  • Sonntag: Sauerkraut, Salzkartoffeln und Bauchlappen
  • Montag: Kartoffelbrei mit Milch und Sauerkraut
  • Dienstag: Mehlklöße, Milchsuppe mit Brotkrusten
  • Mittwoch: Saure Bohnen mit Räucherfleisch
  • Donnerstag: Arme Ritter oder süße Quetschesupp
  • Freitag: Reis- oder Griesbrei
  • Samstag: Krautsuppe aus zerstampften Kartoffeln und Sauerkraut, dazu trockenes Brot.

Hausierer waren gern gesehene Gäste im Haus

"Hausierer" war zu jenen Zeiten kein abfälliges Wort: als Hausierer bezeichnete man die vielen Familienmanufakturen, also Kleinstbetriebe im Haushalt. Die selbsthergestellten Produkte wurden vom Familienvater in die Kiepe gepackt und von Tür zu Tür verkauft. Die Hausierer waren also Kleinhändler, deren Waren überall benötigt wurden. So stellte die Elmshäuser Familie Adam Rettig noch bis vor einigen Jahrzehnten Rechen, Schlitten und Schi her. Der Doppelrechen, auch Hessenrechen genannt, wurde zum Getreidereinigen gebraucht und überall im Odenwald hergestellt.

Der Steckrübenwinter - oder was unsere Eltern und Großeltern über Vollkornnudeln dachten...

"Geh mir fort mit dem braunen Zeug!" bekam ich zu hören, wenn ich davon sprach, wie gesund und lecker Vollkornnudeln sind. Bio? Kein Interesse! Meine Großmutter kochte noch bodenständig: was es regional und saisonal eben gab. Meist Salzkartoffeln mit Mehlschwitzgemüse und Fleisch. Unsere Elterngeneration aber fuhr auf Maggi & Co. ab, auf Convenienceprodukte. Man muß dazu wissen, daß sich die Menschen im eiskalten Nachkriegswinter 1946/47, dem sogenannten Steckrübenwinter - von nicht viel mehr als Steckrüben ernähren konnten. Dazu gab es - mit etwas Glück - Zichorienkaffee, auch Blümchenkaffee genannt.

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Preisfrage: Was ist in gekaufter Maggiwürze enthalten?*
1. Geschmacksverstärker                     2. Liebstöckel                        3. eine Geheimrezeptur

Antwort: 1 und 3 ist richtig, aber Liebstöckel oder Maggikraut ist nicht drin...
Man kann sich Maggi ohne Geschmacksverstärker und Geheimrezeptur, aber mit Liebstöckel, auch ganz einfach selbermachen: 50g frischen Liebstöckel, 25 g Petersilie fein hacken und in Salzwasser (25g Salz oder 2 Eßlöffel in 250 ml Wasser) aufkochen, zugedeckt 20 Minuten köcheln lassen, absieben und ausdrücken. Wer auf Geschmacksverstärker nicht verzichten will: 1 TL Zucker karamellisieren und einrühren, man kann auch Sojasoße zugeben wenn man möchte. Zur Verdickung kann Johannisbrotkernmehl verwendet werden, muß aber nicht. Falls doch, kurz quellen lassen.
Dann die Soße in ausgekochte kleine Schraubgläser oder Glasflaschen abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Diese Soße enthält nur 40% der Salzmenge von gekaufter Würzsoße, bleibt aber trotzdem im Kühlschrank lange haltbar. Mit diesem Rezept können auch andere Gartenkräuter konserviert werden.
Das Etikett der gekauften Würzsoße verrät - außer daß das Rezept streng geheim ist - daß vor allem künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und fast 25 % Salz drin ist...