Wie man früher geschlachtet hat, und welche Bedeutung die Viehhaltung für uns hat

Und weil es ums Schwein geht, wird hier auch alles über das Metzgerhandwerk, über das Schlachten früher und heute und über die Viehhaltung in der Landwirtschaft gezeigt.

Infos zur Entwicklung des Menschen - und mit ihm seiner Haustiere - vom Jäger und Sammler zum Bauern finden Sie auf diesen Seiten

Schweinefleisch = Lieblingsessen

In Europa und Ostasien ißt man am liebsten Schweinefleisch. In China wreden mit etwa 490 Mio Schweinen fast die Hälfte aller Schweine weltweit gehalten, die USA folgt an 2. Stelle. Die größten Schweinefleischerzeuger sind in Brasilien, Vietnam, Kanada, Mexiko, Indien und Rußland. In Dänemark gibt es mehr Schweine als Einwohner. In islamischen Ländern ißt man kein Schwein, das einzige Schwein in Afghanistan lebt im Zoo in Kabul.

1876 aß ein Deutscher noch 11 kg Schweinefleisch im Jahr. Heute 40 kg, was insgesamt 28 Mio Schweinen entspricht.

Exponate im Schweinemuseum

Früher war Schweinefleisch ein Luxusprodukt, und das Schlachten war ein Fest für die ganze Nachbarschaft. Der Schlachter kam mit seinem Werkzeug auf den Hof und bekam als Lohn die Borsten.
Geschlachtet wurde im Winter, weil die kühle Witterung für die Haltbarkeit des Fleisches sorgte.
Frischfleisch gab es nur direkt nach der Schlachtung, deshalb wurde meist vor Festtagen geschlachtet. Alles andere wurde getrocknet, geräuchert, gekocht oder zu Würsten verarbeitet.

Eines der Exponate im Schweinemuseum ist diese alte Türglocke

Ein anderes der Fleischwolf aus dem Alexanderwerk: Generationen von Schweinehack sind hiermit durchgedreht worden

Das Hausschwein lebt seit 9000 Jahren mit uns

Das Schwein ist eines der ältesten Haustiere, älteste Belege stammen sind 9000 Jahre alt und stammen aus der südöstlichen Türkei. Noch lange züchtete man aus dem Wildschwein keine Hausschweinrassen. Im Mittelalter waren dann die Hausschweine oft nur 75 cm hoch und glichen noch weitgehend den Wildschweinen. Sie suchten ihr Futter im Wald, so daß sich die Pacht für ein Waldgrundstück danach berechnete, wieviele Schweine es ernähren konnte.

Schwein = Glückssymbol; der Heilige Antonius

Zu Silvester verschenken wir Marzipanschweine. Dies geht auf alte germanische Opfertraditionen zurück. Der Namenstag des Hl. Antionius am 17. Januar ist der Festtag zu Ehren des Schweines, an diesem Datum schlachtete man früher auch gern.

Antonius lebte etwa um 251-356 nach Christus in Ägypten. Sein Orden, die Antoniter - die Begründer des christlichen Mönchtums - heilten einmal den Sohn eines französischen Adligen vom Antoniusfeuer, einer Pilzvergiftung. Der Adlige gründete aus Dankbarkeit 1095 den Antoniterorden. Die Antoniter haben das Recht, ihre Schweine frei herumlaufen zu lassen, die Bevölkerung fütterte sie das ganze Jahr und am Antoniustag wurden sie geschlachtet, gesegnet und an die Armen der Gemeinde verteilt.

Die eierlegende Wollmilchsau: darf im Schweinemuseum nicht fehlen!

Figur des Heiligen Antonius im Schweinemuseum

 

Das Jahr des Schweins

In China gibt es ein ganzes Jahr des Schweins, es ist das letzte der 12 chinesischen Tierzeichen und steht für Stärke, Glück und Reichtum.

Das alte Ägypten: durch Klimawandel wird das Schwein zum unreinen Tier

Im alten Ägypten war das Schwein das heilige Tier des Seth, Gott der Finsternis und des Bösen. Seth konnte sich in einen schwarzen Eber verwandeln und verletzte im Kampf das "Mondauge" (linkes Auge) des Horus. Darauf sprach Ra die Forderung aus "verabscheut das Schwein um des Horus willen".

Im Judentum und bei den Muslimen durfte und darf kein Schweinefleisch gegessen werden. Dies hat sicherlich auch die fehlende Kühlmöglichkeit in früheren Zeiten zum Hintergrund, Schweinefleisch ist sehr leicht verderblich.

Die lange Tradition der Schweinezucht im vorderen Orient wurde durch diese Glaubensregel beeendet.

In Altägypten gab es bis zur Klimaveränderung mit Wüstenbildung und Nomadenleben eine weitverbreitete Schweinehaltung. Durch die in Folge des Kulturwandels verwahrlosenden Hausschweine, die irgendwann nicht mehr artgerecht gehalten wurden, könnte die Vorstellung vom "unreinen" Schwein entstanden sein.

Marieta Hiller, Mai 2018