Ein wunderschöner Oktobertag im Felsenmeer, das ZDF war zum Dreh vor Ort. Ich führte Reporterin Inken Klinge durch die Felsen und zeigte ihr und den Kameraleuten die schönsten Stellen. Mit zwei Drohnen wurden Luftaufnahmen gemacht. Insgesamt vier Stunden waren wir unterwegs, dabei kamen vier Minuten Sendezeit heraus.

 

Klar, daß dabei meine gästeführerischen Qualitäten nicht wirklich zur Geltung kommen konnten. Trotzdem erklärte ich die geologische Entstehung des Felsenmeeres zunächst ausführlich, dann etwas kürzer, dann noch kürzer. Daß die Felsen aus einem gewaltigen Magmapluton vor 340 Millionen Jahren durch Verwitterung an Ort und Stelle entstanden, durch Einwirkung von Regen und Frost und durch chemische Verwitterung aufgrund von Säure-Basen-Reaktionen. Warum der gewaltige Magmapluton überhaupt unterirdisch entstand und nicht zur Eruption kam. Warum es wichtig ist, auf den Felsen zu klettern, aber auf keinen Fall rechts und links davon durch den Wald zu trampeln und den Boden zu verdichten. Aber das hatte alles nicht genug "Athmo". Das kannte ich ja schon von einem Dreh mit Reinhard Schall aus dem Jahr 2009.

Reinhard Schall im Felsenmeer, links Durchblick-Redaktionsmitglied Thomas Glaser, 2009.

"Das muß kürzer werden", so Inken Klinge. Denn der ZDF Länderspiegel vom 24.10.2020 zeigte im Rahmen aller anderen Beiträge den "Indian Summer im Odenwald": die vier Minuten teilte sich das Felsenmeer mit einer Fahrt mit der Draisine, der Entdeckungstour in der Burg Breuberg und einer Führung durch Michelstadts Unterwelten mit Antje Vollmer.

Also kürzte ich meine Erläuterungen noch weiter. Und dann war er da: ein Satz von elementarer Wucht!

"Entstanden ist das Gestein vor rund 350 Millionen Jahren durch Bewegungen im Erdinneren."

Wow!!!

Immerhin ersparte mir das ZDF-Team die Peinlichkeit, diesen Satz selbst im Film aussprechen zu müssen. Reporterin Inken Klinge sprach ihn selbst. Mir blieb die Riesensage übrig, doch so kurz sogar der wichtigste Teil der Geschichte geschnitten wurde: nämlich der letzte Satz "doch die beiden Riesen sind nicht tot nach ihrem Streit. Sie schlafen nur. Und wenn man ganz leise ist, kann man sie sogar manchmal schnarchen hören".

Dafür wurde ein Junggesellenausflug gezeigt, der Traum aller Verantwortlichen im Felsenmeer. Alkoholisiert und mit Badeschlappen: bestes Vorbild für all die vielen Menschen, die hierher zum Klettern kommen. Daß an schönen Sommerwochenenden oftmals sechs sieben Mal die Rettungskräfte mit Notarztwagen, Feuerwehr und dem großen Besteck ins Felsenmeer müssen, weil Leute in unverantwortlicher Weise durch die Felsen klettern - das wurde mal wieder nicht gesagt. Zu wenig "Athmo".

   

links: Indian Summer, Foto Thomas Glaser / rechts: Menschen im Felsenmeer, Foto M. Hiller 2005

Trotzdem hat der Dreh viel Spaß gemacht, denn ich hatte ja viel Zeit. Das Felsenmeer ist zwar so voll wie nie in den Jahren vor Corona, aber Führungen wurden dieses Jahr fast keine gebucht. Niemand legt sich in diesen schwierigen Zeiten gern fest, obwohl es bei mir keine Stornogebühr gibt, wenn ein Lockdown - ob komplett oder "light" - droht.

ZDF Länderspiegel "Indian Summer im Odenwald" - ausgestrahlt am 31.10.2020, Video verfügbar bis 01.11.2021