Der Odenwald ist eine Region, die vom Tourismus lebt. Hier gibt es wenig Industrie und lange Transportwege - unattraktiv für die bei Unternehmen beliebte Just-in-time-Lagerhaltung auf der Autobahn. Je tiefer man in den Odenwald kommt, desto idyllischer wird die Landschaft. Zugleich ist die Region aber keine Biedermeier-Puppenstube: sie hat durchaus ihre Existenzprobleme. Ohne die Landwirtschaft und die Streuobstwiesenkultur würde der Odenwald ganz anders aussehen. Ein friedliches Miteinander von Touristik und Wirtschaft ist auch hier dringend notwendig. Am westlichen Rand des Odenwaldes gibt es eine Mischzone, in der die Menschen ihr Auskommen als Pendler in die großen Wirtschaftszentren finden. Hier ist der Stellenwert des Tourismus entsprechend niedriger, man fühlt sich eher durch Touristen gestört. Trotzdem hat auch diese Region ihre Gastfreundlichkeit und landschaftlichen Reize.

Tourismus einst in den Anfängen: die „Fremdenpflege“

Als der Tourismus im Odenwald blühte...

Tourismus und wir - ein gutes Gespann?!  ein Interview mit Bürgermeister Heun (Lautertal) und Lautenschläger (Modautal) vom November 2018

Lautertal: zwölf Schlafdörfer oder Mittelpunkt für Bewohner und Touristen

Der Tourismus und ich - wie ehrenamtliche Arbeit im Lautertal betrachtet wird... eine Abrechnung

Großes Mausohr, Geotourismus und Naturschutz

Auch das gibt es: „Sozialtourismus“ für unerwünschte Zuwanderer - Meine kleine Wörterwerkstatt: Euphemismen

Blick auf Burg Lindenfels vom Alten Köpfchen, Foto M. Hiller

Mühlen sind die Keimzelle maschinenbaulicher Ingenierskunst und zugleich der erste Ort von Gastlichkeit.

Die Brombacher Wassermühle bei Hirschhorn: hier ist die uralte Kultur der Wässerwiese noch sichtbar...

Mühlen - Infos, Fotos, Veranstaltungen:

70 Mühlen an einem Bach: keine Seltenheit

  • das Mühltal zwischen Ober-Ramstadt und Eberstadt
  • Die Pulvermühle im Mühltal
  • Die Mühlen an der Weschnitz
  • die Nieder-Beerbacher Mühlen und auf der Mordach
  • die alte Mühle in Schlierbach
  • die historische Mühle in Brombach bei Hirschhorn
  • Pappenfabrik Brücher in Reichenbach
  • Neumühle in Brandau

 "Ohne Wasser kein Leben" mit zahlreichen Beiträgen zum Thema Wasser

Lautern: Vom Mühlendorf zum Gewerbezentrum
 die Erbacher Mühlordnung von 1769 Es klappert die Mühle am rauschenden Bach...  
 Das Wirtshaus: Nicht nur im Spessart... Der Ursprung der Mühle als Ort der Gastlichkeit Geheimnisvolle Untersee-Wanderung  unter dem Marbach-Stausee
Woher das Wort Mahlzeit kommt Mühlen in Heppenheim: der Heppenheimer Mühlenrundweg  
Nibelungenkorn: Dinkel, Emmer und Einkorn Lohmühlen
https://www.deutsche-muehlen.de/deutscher-muehlentag/

https://www.wasserkraft-in-hessen.de/

www.milldatabase.org
http://www.vvrothenberg.de/wassermotor

https://www.hessischermuehlenverein.de/de/
 

 

Deutscher Mühlentag auf Tag des offenen Museums verlegt

Bislang fand der Deutsche Mühlentag immer am Pfingstmontag statt, in Zeiten der anhaltenden Pandemie wurde die bundesweite Veranstaltung auf den Tag des offenen Denkmals verlegt. Im Juni 2021 wurde die Veranstaltung "Der Deutsche Mühlentag" patentiert. Nachdem sie 2020 zum ersten Mal seit 1994 bundesweit abgesagt werden mußte, haben sich nun Mühlenvereine, -eigner und -freunde wieder bundesweit ein attraktives Programm für Besucher einfallen lassen.
Unter www.milldatabase.org findet man weltweit alle verschiedenen Mühlen mit Typ, Antrieb und heutiger funktion, außerdem eine ganze Reihe von Mühlenwanderwegen.  
Sie finden alle Mühlen, die am Tag des offenen Museums öffnen, indem Sie aufmilldatabase die gewünschte Region auswählen und im Feld Teilnahme Mühlentag 1 das Datum anklicken. Dann sehen Sie, wo es etwas zu erleben gibt.
Mühlen bilden einen Schwerpunkt in der Denkmal-Landschaft, die sich am Tag des offenen Denkmals für Besucher öffnen mit Führungen, Vorträgen und Ausstellungen. 2021 findet der Tag wieder an vielen Orten statt, zugleich aber auch virtuell auf https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/programm/.  Der Hessische Mühlenverein e.V. (HMV) und die Arbeitsgemeinschaft Hessischer Wasserkraftwerke (AHW) setzen sich für den Erhalt der Mühlen ein. "Nur was man kennt, kann man auch schützen"  ist das Motto des HMV, und die AHW sieht zudem als Ziel die Förderung von Wasserkraft im Sinne der Energiewende. Beide Internetseiten laden zum Stöbern ein.

Marieta Hiller, Im August 2021

Von bahnbrechender Mobilität zum Industriedenkmal innerhalb eines Jahrhunderts...

Für Industrieromantiker wie mich sind gerade die Bauwerke der Eisenbahn besonders interessant, gleich ob es hübsch restaurierte historische Gebäude und Anlagen sind oder malerische Ruinen. Die Einführung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert brachte einen Quantensprung in der Technologie: Mensch und Transportgut wurde plötzlich mobil - zu bezahlbaren Preisen und zuverlässigen Bedingungen!

Himbächel-Viadukt bei Hetzbach, Foto T. Glaser

 
Plan für die Strecke Bensheim-Lindenfels Die versunkene Lok im Rhein   Eine ganz kurze Geschichte der Technologie...  
Plan der Strecke Ober-Ramstadt - Modautal - Lindenfels Das Waldhaus: ein lebendiges Museum 19. Jahrhundert: Eisenbahnkomitees allerorten
Wie die Fuhrleute über den Eisenbahnbau dachten Erhalt einer Strecke: Solardraisinenfahrt auf der Überwaldbahn Als der Tourismus im Odenwald blühte...
Flucht aus Syrien: 3000 Kilometer...  

 

War früher wirklich alles besser? Steampunk - die rückwärtsgewandte Utopie   Die Entwicklung der Eisenbahn war der Anstoß der ersten industriellen Revolution - und umgekehrt  
Altstraßen und historische Ansiedlungen   2000 Jahre Steinbearbeitung im Felsberg - die Neuzeit   Neuzeitliche Steinindustrie im Felsberg  
Louise von Ploennies, „Auf der Eisenbahn“ - ein Gedicht des Realismus? ICE-Neubaustrecke: Darmstadt und Hessen-Forst stellen gemeinsame Forderungen Ein Lautertaler Bauer in Paris...
Die Modelle von Peter Elbert demnächst hier: die Originalpläne der Lautertalbahn! Der Kirchenlampert und sein Bauch: aus dem Dibbezauber

 

 

Der geplante Bahnhof Gadernheim, als Modell von Peter Elbert realisiert

 

Transport mit Pferdegespannen und Fahrten mit der Postkutsche auf unbefestigten Straßen waren ungleich schwieriger und gefährlicher. Vierspännig mußte der Granit für das Reichtagsgebäude vom Granitsteinbruch Ober Scharbach auf die Kreidacher Höhe gebracht werden, von wo es zweispännig weiter zum Rhein ging. Damals waren die Straßen noch steil, denn für Zugpferde war es einfacher, ein steiles Stück zu schuften und dann Pause zu machen, als über längere Zeit gemäßigte Bergstrecken zu bewältigen.

Mit dem Bau lokaler Eisenbahnstrecken im Odenwald blühte die Wirtschaft auf, und die Pferde konnten sich erholen. Was die Fuhrleute um 1900 allerdings auf die Palme brachte: Jahrhundertelang verdienten sich die Odenwälder Bauern neben ihrer mühseligen Landwirtschaft durch Transportfahrten ein Zubrot. Den Eisenbahnbau an der Bergstraße und im Odenwald empfanden sie als äußerst schädlich fürs Geschäft, aber letztlich sorgte der Ausbruch des 1. Weltkrieges dafür, daß im Lautertal keine Eisenbahn gebaut wurde...

Eine weitere nie gebaute Eisenbahnstrecke war die Linie von Ober-Ramstadt nach Lindenfels. Bedenkt man, daß die Menschen im Odenwald nach Ober-Ramstadt oder  Bensheim mußten, wenn sie einen Arzt oder eine Apotheke brauchten (vor Ort gab es nur Heilgehilfen und Rasierer), sind dies fast unerreichbare Ziele.

Andernorts hatte man mehr Glück: Pfungstädter Industrielle, Wilhelm Büchner* (Ultramarinfabrik) und Justus  Hildebrand (Brauerei) betrieben den Bau der Pfungstadtbahn, einer „Secundärbahn“ der Rhein-Neckar-Bahn. Sie wurde am 20. Dezember 1886 angeschlossen und Pfungstadt zur Stadt erhoben.

Was bedeutet die Eisenbahn für den Odenwald?

Hätten wir 1914 im Lautertal die geplante Bahnstrecke bekommen, wäre der Verkehr auf der B 47 wesentlich entspannter. Der Odenwald dagegen hat seine Bahn, und sie wird stärker als je genutzt. Die Züge sind voll, und man denkt über Möglichkeiten zur Erweiterung nach. Horst Schnur, Landrat a.D. des Odenwaldkreises, erläuterte dies bei einem spannenden Vortrag im September in Michelstadt.
Übrigens war 1867 auch die Streckenführung über das Modautal im Gespräch, ebenso wie das Gersprenztal, beide wären dann mit der Lautertalbahn verbunden worden. Entschieden hat man sich jedoch für das Mümlingtal, 1882 wurde die Odenwaldbahn gebaut. Himbächel-Viadukt, Krehbergtunnel und viele weitere Bauwerke brachten Arbeit in den Odenwald und die ersten Gastarbeiter: Mineure aus Italien. Die Odenwaldbahn schuf nicht nur neue Arbeitsplätze, sie  sorgt seither für gute Pendler-Verbindungen in die Zentren. Am Bahnhof Schöllenbach war die Grubenholzverladung für das Ruhrgebiet, im Tausch von dort kam Kohle in den Odenwald. Der 3 km lange Krehbergtunnel bekam unter Verteidigungsminister Georg Leber in den 80er Jahren strategische Bedeutung: hier ließen sich  Munitionswaggons unterstellen. Die Munition war bei Vielbrunn gelagert und wurde in Michelstadt umverladen.

 

Der traditionelle Odenwälder Weihnachtszug, Nikolaus, Christkindchen und Rauhnächte, das Leben im Winter und vieles mehr findet ihr auf diesen Seiten. Wir wünschen euch eine besinnliche Zeit, in der ihr außer Weihnachtsfeiern und Einkaufsmarathon auch einmal an euch selber denkt und ruhig werdet. Die Natur macht es euch vor, macht es ihr nach. Und bedenkt bei all der Schenkerei: das schönste Geschenk, das ihr euren Lieben machen könnt, ist etwas von eurer Zeit. Eure Marieta Hiller, natürlich auch Kobold Kieselbart für das gesamte Kleine Volk, das jetzt alle Hände voll zu tun hat um dem Christkindchen zu helfen, und die Räuberbraut und Köhlerstochter Bawweddsche. Aus Nebeln heraus höre ich gerade, daß auch die alte Hutzel sich unseren Weihnachtswünschen anschließen möchte... Der Christstollen und der Butterbrief
Wintergedanken
Speis Trank und Tiere
Das Martinsfest
Der Nikolaus
Die Thomasnacht
Weihnacht und Rauhnächte
Der Gäulschesmacher
Aufstand im Zauberwald
Das Weihnachtsdorf
Für Leseratten
Weihnachtsmarkt in Neunkirchen

PS: Von Weihnachtsmännern und Lichterketten, vom Christkind - und von Owie

Der Weihnachtsmann fährt im Skidoo mitten hinein in deutsche Stuben, Spekulatius kauft man im August, Weinachtsmärkte öffnen schon vor dem Totensonntag, Halloween-Klamauk und Almabtrieb im Odenwald - ist das alles wirklich echt? Wozu brauchen wir zu Weihnachten (und schon Wochen davor) grüne blaue rote gelbe Lichterketten am ganzen Haus, blinkende „A...löcher“ im Fenster, wild in die Nacht leuchtende Rudis mit Rednose? Je greller die Lichter, desto leuchtender die Gesichter? Wo ist der Lichterglanz der Kerzen geblieben? Wo der Lichterglanz in den vielzitierten leuchtenden Kinderaugen? Weihnachten - unabhängig vom christlichen Hintergrund - war einmal rein jahreszeitlich ein Fest der Einkehr, man zog sich vom hektischen Treiben draußen zurück in die gemütliche Stube. Aber wer will dort heute noch hin: aus dem Flachbild-TV quakt es fröhlich bunt - schon seit November „Ho ho ho!“ Wo ist die stille Nacht geblieben? Auch Owie, ständiger Weihnachtsbegleiter meiner Kindheit ("Owie lacht") läßt sich nicht mehr blicken. Was ist aus dem Schenken geworden? Das erste Geschenk dieses Festes war die Geburt des Christkindes für die Menschen, aber ein Geschenk kann auch ein Lächeln, ein Freundschaftsdienst, ein nettes Wort sein. Der Geist des Geschenkes ist es, daß es gerne und im Sinne des Beschenkten gegeben wird, daß man sich vorher Gedanken gemacht hat darüber, womit man dem Beschenkten eine besondere Freude machen kann. Stille und Einkehr halten tut not: vielleicht auch einmal, um über den berühmten Spruch von Thomas Morus nachzudenken, der vor über 500 Jahren feststellte,

das Bewahren einer Tradition bedeute eine Flamme zu nähren,
nicht Asche aufzubewahren.

Und noch ein weiterer, ebenso wichtiger Spruch von Odenwaldforscher Peter Assion (Breuberg-Bund):

„Brauchtum ist für die kulturelle Gemeinschaft verpflichtend, Folklore nicht“.

Also weg mit dem Weihnachtsmann, her mit Owie!

Weihnachtsaktion für hilfebedürftige Kinder im Kreis Bergstraße

„Alle Jahre wieder“, organisiert der Kreis Bergstraße gemeinsam mit den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege die Spendenaktion „Weihnachtsfreude für Kinder“. Mit dem Erlös soll hilfebedürftigen Kindern und Jugendlichen im Kreisgebiet zum Weihnachtsfest eine Freude bereitet werden. „Mit der Spendenaktion soll besonders an materiell ungesicherte Kinder alleinerziehender Eltern, an Kinder aus Familien in außergewöhnlichen Notlagen, an die schwerbehinderten Kinder und an Kinder in unzureichenden Wohnverhältnissen gedacht werden“, erklärte Landrat Matthias Wilkes.
Bürgerinnen und Bürger werden aufgerufen, mit einer Spende zum Gelingen der Aktion beizutragen. Geldspenden sind mit dem Betreff "Weihnachtsaktion für hilfebedürftige Kinder" auf das folgende Konto der Kreiskasse Bergstraße erbeten: Sparkasse Starkenburg Konto-Nr. 30 166, BLZ 509 514 69. Ist eine Spendenbescheinigung gewünscht, wird um Angabe der vollständigen Andresse gebeten.    Ihre Durchblick-Redaktion, Dezember 2013.

Odenwälder Schoggelgäulsche –
ein besonderes Spielzeug nicht nur für Kinder

Wer erinnert sich nicht mehr daran - oder hat noch immer tagtäglich seinen Spaß damit: das Lieblings-Spielzeug! Sei es ein Teddibär, einst geknuddelt und geherzt als bester Freund, später viele Jahrzehnte lang an einem Ehrenplatz gehütet, oder die alte Holzeisenbahn mit dem wackligen Schornstein, die früher durch dick und dünn - sprich durch Sandkästen, Matschlöcher und über das Wohnzimmersofa mit einem fuhr und sich heute um den PC auf dem Schreibtisch ringelt... Wenn man älter wird, wird man auch seltsamer - so sagen jedenfalls die Jungen. Aber eigentlich wird man nur sorgsamer; sorgsamer mit Erinnerungen, mit kostbaren Momenten, die aus der Vergangenheit heraufblitzen und uns froh machen. Wie einfach war es doch, als Kind nur spielen zu müssen! Und wie wundervoll muß es zu jener Zeit gewesen sein - bei aller Beschränkung der Mittel, wie es in den meisten Familien ja war - zu Weihnachten ein neues Spielzeug zu bekommen. Ein neues Spielzeug, wohlgemerkt! Weil es nicht dauernd neue Sachen gab, wurde jedes Geschenk zu etwas Besonderem. Während Kinder heute oftmals das Spiel „wer sich mit dem meisten Spielzeug langweilt, hat gewonnen“ spielen, kamen Kinder früher mit viel weniger Spielsachen und dafür mit viel mehr Fantasie zurecht. Nach dem letzten Krieg bekamen die Kinder Spielzeug aus Pappe und Restmaterialien geschenkt, von Eltern oder Verwandten liebevoll selbst gebastelt und bemalt. Damals hatte ein Geschenk viel mehr von dem, was es eigentlich sein soll: ein Stück das man selbst einem lieben Menschen schenkt, und das ein Stück von einem selbst enthält. Etwas ganz Besonderes unter dem Lichterbaum vergangener Jahrzehnte war ein Schaukelpferdchen, ein Geschenk fürs Leben sozusagen. In vielen Wohnzimmern steht heute ein solches Pferdchen mit abgewetztem Sattel und gesprungenen Kufen, meist auch ohne Schwanz. Gemacht wurden die Pferdchen auf dem Land in den Bauernstuben. Die ganze Familie mußte dabei mithelfen. Aus leichtem Pappelholz wurde der wuchtige Körper geschnitzt, aus weichem Kiefernholz der Kopf, und harte Buche ergab die Beine und Kufen. Dann wurden die Pferdchen bemalt und bekamen oft auch einen Sattel aus rotem Leder. Gäulschen heißen sie im Odenwald, und ihre Hersteller sind die Gäulschesschnitzer. Heute gibt es nur noch einen einzigen Gäulschesmacher hier, doch er stellt seine Gäulchen mit viel Liebe und Begeisterung her, wer noch vor Weihnachten eines erstehen möchte, der muß sicher schon das Weihnachten nächstes Jahr ins Auge fassen. Vor vierzig fünfzig Jahren, sagt er, habe niemand mehr nach den hübschen Pferden gefragt. Dann aber seien überall die kleinen, idyllischen Weihnachtsmärkte entstanden, und so ein Weihnachtsmarkt ohne Gäulchen - das geht nicht. Seither kommen Harald Boos und seine Frau Annette Krämer mit der Arbeit kaum noch nach. Gefräst, geschnitzt, gedreht, getaucht und gespritzt wird da ab Herbstbeginn von früh bis spät. Die Spielwarengroßhändler, die einst vom Vater Philipp Adam Krämer Gäulchen en gros kauften, gibt es nicht mehr. Sie alle sind dem veränderten Spielzeugmarkt zum Opfer gefallen. Aber jeder, der den Geheimtip „geh doch mal zum Gäulschesmacher!“ ins Ohr geflüstert bekommt, macht früher oder später einen Besuch in Beerfurth im Odenwald. Und die vielen alten Pferdchen, die in den Familien von Generation zu Generation weitergegeben werden, mit ihren verwetzten Farben, abgestoßenen Nasen - und natürlich ohne Schwanz! - sie kommen auch irgendwann wieder nach Beerfurth. Denn hier in der Werkstatt erhalten auch sie wieder neue Frische - und einen neuen Schwanz. Aus Hanf muß er sein. Neuerdings gibt es auch Kunstborsten aus einer modernen Besenfabrik, aber die sind ja nicht wirklich echt. Und so konnte ein schönes Stück Kindheitserinnerung herübergerettet werden in die hektische Zeit des Hier und Jetzt. Der Gäulschesmacher schnitzt und fräst, und seine Schoggelgäul’ kommen hinaus in die weite Welt - und in unsere gute Stube. Infobox: Odenwälder Gäulschesmacher in 64385 Reichelsheim-Beerfurth

Odenwälder Weihnachtszug in Lindenfels zu sehen!

Historische Gestalten beim Lindenfelser Weihnachtsmarkt

Wenn das Jahr sich seinem Ende zuneigt, die Tage kürzer werden und die Dunkelheit früher hereinbricht und in eine lange Nacht mündet, dann war das früher die Zeit der Sagen und Spukgestalten. Mit den leuchtenden Rübenköpfen, mit denen man Alt und Jung erschreckt hat, begann es. Durch die „Bouze“ (Schreck-gestalten) sollten die bösen Geister, die Kälte, Dunkelheit, Hunger und Armut brachten, gebaizt (vertrieben) werden.
Im Schlierbacher Tal waren früher zur Weihnachtszeit der Bensnickel begleitet von der Trachtenfrau (dem „Odenwälder Christkind“) und im Gefolge das Mehlweibchen, die Stoppelgans und der Bolischbock. Der Bensnickel, im zotteligen Schaffell gekleidet, verbreitete Schrecken. Die Trachtenfrau war in Tracht gekleidet, auf dem Kopf ein Tragekissen, den sogenannten „Wisch“. Daran waren bunte Trachtentücher und Rockenbänder befestigt, die den ganzen Oberkörper und das Gesicht verhüllten.
Nach den Erzählungen älterer Leute kam in alter Zeit auch das Mehlweibchen. Es war ganz weiß gekleidet, weißes Kopftuch, mehliges Gesicht. In den Händen zwei lange Kochlöffel, die es ständig zusammenschlug um die bösen Geister zu vertreiben. Die Stoppelgans: ein großer Kopfkissenbezug mit einem Kissen ausgestopft, wurde auf den gebückten Rücken eines Mädchens aufgebunden. Der Kopf wurde mit eingebunden. Es waren nur die Beine zu sehen. Das war eine gansähnliche, aber komische Figur. Der Bolischbock war allein schon von der Erscheinung her, mit dem wackelnden Kopf, eine furchterregende Gestalt. Zu seiner Herstellung diente eine Schüllgabel aus Holz mit der Heu aufgeschüttet wurde. Über die Verzweigung der Gabel wurde ein Leintuch, das kopfähnlich ausgestopft ist, gezogen. Das Gesicht war aus rotem und schwarzem Stoff gefertigt. Schwarze Ohren und Augenbrauen, rote Augen und Nase, langer schwarzer Bart, darüber hängt eine lange rote Zunge aus einem breiten Maul. Die Gabelenden bilden die Hörner und sind rot und schwarz umwickelt. Der Brauchtumsforscher Dr. Winter (Heppenheim) hatte diese Figuren in den Dreißiger Jahren fotografisch festgehalten. Er deutete das Gebaren und Lärmen dieser alten kultischen Gestalten so, dass sie nach dem Naturglauben unserer Uhrahnen die bösen Geister vertreiben sollten, die die belebende Sonne entführt hatten. Josef Metzendorf (Weschnitz) schrieb später dazu: Im Laufe der vielen christlichen Jahrhunderte bekamen diese kultischen Gestalten einen christlichen Sinn unterlegt, sie wurden zu Boten des beseligten Lichts der Christnacht. Heute weiß kaum einer mehr etwas vom Schlierbacher Mehlweibchen und der Trachtenfrau, heutzutage geht da und dort sogar der Glaube an das bethlehemsche Christuskind verloren, aber ein „Christkind-chen“ (eine Weihnachtsgabe), möchte keiner vermissen. Damit die Erinnerung an diese alten Brauchtumsgestalten nicht verloren geht, zeigt die Lindenfelser Trachtengruppe diese Figuren alljährlich beim Lindenfelser Weihnachtsmarkt. Die Kostüme waren von Dina Pfeifer, welche in den dreißiger Jahren selbst einmal eine dieser Figuren darstelle, im Jahre 1995 geschneidert worden. (K. Johe)

An dieser Stelle treten gelegentlich Tintenklecksereien auf. Wichtiges und Unwichtiges, freche Randbemerkungen und Weisheiten des Tages - für Risiken und Nebenwirkungen wird keine Gewähr übernommen... Ein Glas Wasser für die schlimmsten Reaktionen sollten Sie also zur Hand haben.

Die meisten dieser Tintenklecksereien sind als Randbemerkung "Was der Redaktion so alles am Herzen liegt" oder "Nur mal angenommen..." im Durchblick erschienen. Das ist eine Monatszeitschrift für Lautertal und Modautal, die seit 1995 erscheint und die wichtigsten Themen aus Kommunalpolitik, lokaler Wirtschaft und dem Vereinsleben in jeden Haushalt bringt.

Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern - Marieta Hiller

Wenn der Hund gerne Fernseh guckt, liegt es an HD TV!

Facebook - nein danke! Ich bin gern altmodisch...

Von der Schwierigkeit, beim lokalen Händler statt im Internet zu kaufen..

Ein perfekter Tag, perfekt beendet vor dem Fernseher ...

Ethnische Säuberung oder political correctness?

Frühling, Zeit der Abnehmkuren ...

Das Ende der Weisheit ...

Volxmusik als Renner in der Unterhaltungsbranche

Contracting: Löschknotenpunkte lösen Feuereimer und LF8 ab

Industrie 4.0 und wir...

Auch das haben wir Menschen gebaut...

Hochproduktiv nur noch im selbstreferenziellen Informationsraum...

Lesen für Mädchen und Alkohol für Schüler

Einwurf: Warum Frauen kein Hazet-Werkzeug kaufen

Fundstück: Das Perfunzativ

Nur mal angenommen... Kindergartenplatz

Nur mal angenommen... Kapitallebensversicherung

Wir drucken wacker weiter - und ihr werdet weiterhin lesen!

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