Welterbe Kloster Lorsch und Freilichtlabor Lauresham nehmen den Führungsbetrieb im Außenbereich ab 1. Juni 2021 wieder auf

Von Dienstag an, dem 1. Juni 2021, sind wieder Führungen in den Außenbereichen der UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch und im Freilichtlabor Lauresham möglich. Gäste können die Königshalle von Dienstag bis Sonntag unter fachkundiger Leitung stündlich zwischen 11 und 16 Uhr erkunden. Das Experimentalarchäologische Freilichtlabor macht dieses Angebot um 11, 13 und 15 Uhr. Eine Anmeldung ist erforderlich. Vor Führungsbeginn soll ein gültiger, maximal 24 Stunden alter Coronatest, ein Impf- oder ein Genesungsnachweis an der Kasse vorgelegt werden.

„Ist der Mai recht kühl und nass, füllt‘s dem Bauern Scheun‘ und Fass“. So lautet zwar eine alte Bauernregel, für das Lorscher Tabakprojekt jedoch bringen die unwirtlichen Wetterverhältnisse vor allem eines mit sich: Verzögerungen. Schon bei der Anzucht im Frühbeet kamen die Pflänzchen nur langsam voran. „Allerdings ist der Samen in diesem Jahr sehr gut aufgegangen“, ist Projektleiter Bernhard Stroick trotzdem zufrieden. Das Quellen der winzigen Körnchen – Voraussetzung für eine erfolgreiche Aussaat in die vorbereitete Erde – liegt mittlerweile in Frauenhände. Annemarie Remeza übernahm den diffizilen Job, der vor allem zwei Dinge erfordert: Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Die Tabakbegeisterte, die seit vielen Jahren wie alle ehrenamtlich beim Lorscher Tabakprojekt mitarbeitet, hat denn auch weiteren Rat von Tabak-Kundigen eingeholt. Sie lacht: „Wenn das nicht gelungen wäre, hätte ich sofort aufgehört!“

Seit 24. Mai 2021 bietet die Tourist-Information „NibelungenLand“ in Lorsch wieder Gästeführungen an. Möglich macht dies die sinkende Inzidenz, die den Kreis Bergstraße diese Woche aus der Bundesnotbremse entließ. Vorerst sind Führungen im Freien möglich, die Interessierten die Geschichte der Stadt Lorsch sowie den in voller Blüte stehenden Pfingstrosengarten näherbringen. Die Teilnahme ist nur negativ getesteten, geimpften und genesenen Personen möglich. Den Führungen, die auf zehn Personen pro Gruppe begrenzt sind, liegt zudem ein umfassendes Hygienekonzept zu Grunde. Sollten Gruppen größer sein, müssen sie geteilt werden.

Öffentliche Führungen in Lorsch: jeweils sonntags 14 Uhr!
Informationen sowie Termine und Preise sind auf www.nibelungenland.net zu finden. Die Tourist-Information „NibelungenLand“ in Lorsch ist Montag bis Sonntag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet und unter der Rufnummer 06251 / 17526-0 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar.

Ab Samstag, 22. Mai 2021, wieder Zutritt zu allen Gebäuden und zum Freilichtlabor Lauresham!

Die gesunkene Inzidenzzahl macht es nun auch im  Kreis Bergstraße möglich, dass die Stufe I des Öffnungsplans der Hessischen Landesregierung greift. Für das Lorscher Welterbe heißt das, dass das Museumszentrum, das Innere der Königshalle, das Schaudepot Zehntscheune sowie das Freilichtlabor Lauresham wieder zugänglich sind. Während dies in allen Liegenschaften stets von Dienstag bis Sonntag und von 10 – 17 Uhr gilt, ist die Zehntscheune – wie vor der Pandemie – ausschließlich an Sonn- und Feiertagen zu diesen Uhrzeiten geöffnet.

Jetzt lohnt ein Besuch im Lorscher Pfingstrosengarten:
Letztes Jahr blühten die Ersten bereits an Ostern. „Der Name Pfingstrose führt leicht in die Irre, will man ihre Blüten bewundern“, weiß auch Petra Raulin, die das Gärtnerinnen-Team im Lorscher Päoniengarten leitet. Denn mit über 200 Arten und Sorten, die alle unterschiedlich früh oder spät ihre Pracht entfalten, geht die Blütezeit in dem Spezialgarten rund um die Evangelische Kirche gegenüber dem Welterbe acht bis zehn Wochen lang, je nach Witterung zwischen Anfang April bis Mitte Juni. Und liegt daher – insbesondere was den Höhepunkt betrifft – meist ein ganzes Stück vor dem Pfingstfest. „Leider wissen das die wenigsten Leute“, bedauert die Pfingstrosenkennerin, „und verpassen deshalb oft viel!“

Freilichtlabor Lauresham startet innovatives Vermittlungsprojekt „12 Monate im Herrenhof“

LORSCH. Das Experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham im UNESCO Welterbe Kloster Lorsch startet Anfang 2021 ein innovatives Vermittlungsprojekt. Mit dem Vorhaben wolle man die Monat für Monat wechselnden, typischen Tätigkeiten frühmittelalterlicher Menschen in einer von den Jahreszeiten geprägten Lebens- und Umwelt erkennbar machen. „12 Monate im Herrenhof“ soll nach Angaben seines Leiters Claus Kropp am Dienstag, den 22. Dezember, viele unterschiedliche Zielgruppen für die Ideen der Einrichtung begeistern.

Das Freilichtlabor stellt das begehbare 1:1-Modell eines frühmittelalterlichen Herrenhofes dar. Es ist ein archäologisches Freilichtmuseum und zugleich eine Forschungseinrichtung der Experimentellen Archäologie. Es vermittelt Besuchern und Besucherinnen anschaulich und lehrreich, wie nach aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen ein sogenannter Zentralhof der Karolingerzeit ausgesehen haben mag und wie Landwirtschaft sowie Handwerk betrieben wurde. Zahlreiche Detailfragen werden untersucht, beispielsweise, welches Raumklima in den Häusern herrschte.

Mit dem neuen Projekt wollen Kropp und sein Team anhand verschiedener Vermittlungsansätze analog und digital Einblicke in den Alltag eines solchen Hofes im Jahreslauf liefern. „Jeweils am letzten Sonntag des Monats widmet sich ein spezieller Öffnungstag im Freilichtlabor jenen Aufgaben und Themen, die nach Ausweis frühmittelalterlicher Quellen eine besonders große Rolle spielten“, sagte Kropp. Das Konzept werde am 31. Januar in Lorsch unter dem Motto „Januar im Herrenhof“ vorgestellt. Sollte eine analoge Präsentation vor Ort aufgrund der Pandemielage nicht möglich sein, biete das Freilichtlabor ein entsprechendes digitales Format an.

Neben den Aktionen auf dem Gelände selbst wird es von Anfang 2021 an wöchentlich auf den sozialen Medien spezielle, weitere Informationen zum Jahresgeschehen in einem Herrenhof geben. Zum wechselnden Angebot zählen audio-visuelle Geschichten, die sich an ein jüngeres Publikum richten, Vorstellungen von laufenden Forschungsprojekten sowie archäologischen Funden und Repliken. Sie würden ergänzt um Zitate eines Benediktinermönchs aus dem 9. Jahrhundert: Wandalbert von Prüm. Dieser hatte seinem liturgischen Heiligenkalender „Martyrologium“ für Kaiser Lothar I. auch ein Gedicht angehängt, in dem er über die Monate, die Jahreszeiten, das Landleben, Jagd, Fischerei, Obst- und Weinanbau schrieb.

Lorscher Freilichtlabor startet Anbau alter Getreidesorten – Emmer und Urroggen für mehr Vielfalt auf den heimischen Äckern

Das zur UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch gehörende Experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham hat einen großangelegten Anbauversuch mit alten Getreidesorten in der Lorscher Gemarkung gestartet. Mit Unterstützung der Landwirte Matthias und Simon Helmling wurde auf einer Fläche von einem Hektar sowohl Emmer ausgesät als auch Waldstaudenroggen, der auch „Urroggen“ genannt wird. Beide Sorten werden in ganz Deutschland kaum noch angebaut.

Der Leiter des Freilichtlabors, Claus Kropp, teilte am Freitag, den 4. Dezember 2020, mit, dass sein Team damit nicht nur die Kultivierung alter, robuster Sorten fördern wolle, sondern mit den zu gewinnenden Produkten bereits weiterführende Pläne habe. So soll der Roggen nicht nur für leckeres Laureshambrot sorgen. Sein langes Stroh werde auch zum Decken eines neuen Hauses im frühmittelalterlichen Modelldorf des Freilichtlabors verwendet. Auch der Emmer, eine Weizenart, würde später in dieser Weise weiterverarbeitet. Das Freilichtlabor strebe Kooperationen mit dem regionalen Bäckereihandwerk an.

Für das neu entstandene Getreidefeld kann das Freilichtlabor die Fläche im Ehlried nutzen, auf der ursprünglich der Neubau der Schön Klinik Lorsch geplant war. „Wir danken der Schön Klinik für diese wichtige Unterstützung unserer wissenschaftlichen Arbeit und zugleich der Vielfalt von Kulturpflanzen“, so Kropp. Bis zum Sommer 2021 wird die Ackerfläche nun ökologisch bewirtschaftet. Es ist vorgesehen, bei der Ernte die Zugochsen des Freilichtlabors einzusetzen. Informationstafeln entlang des Radweges sollen in den kommenden Wochen über das neue Projekt informieren.

Foto: SG, Infos: https://www.kloster-lorsch.de/lauresham0/rundgang0/fruehmittelalterlicher-ackerbau/

 

März 2020: Auerrindprojekt freut sich über Nachwuchs

Erstes Kalb der zweiten Zuchtgeneration geboren – Projekt erreicht nächste Stufe: das vom Lorscher Freilichtlabor und dem Förderkreis Große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße e.V. initiierte Auerrindprojekt ist eine neue Phase getreten. In der rheinland-pfälzischen Gemeinde Frankenstein, einer von deutschlandweit nur sechs Zuchtstandorten, ist am Wochenende ein Kalb der zweiten Generation zur Welt gekommen.

Das Projekt widmet sich der Erforschung des 1627 ausgestorbenen Auerochsen und züchtet im Rahmen von Naturschutzprojekten eine Rinderrasse, die dieser Wildform heutiger Hausrinder möglichst nahekommen soll. Das Bullenkalb in Frankenstein sei wohlauf, teilte Claus Kropp, der Projektzuständige und Leiter von Lauresham im UNESCO Welterbe Kloster Lorsch, am Montag, den 23. März, mit. Genetisch vereine es zu jeweils 25 Prozent die Rassen Maremmana, Watussi, Sayaguese und Chianina. In den nächsten Monaten würden noch weitere Kälber der zweiten Zuchtgeneration erwartet. Mit diesen Tieren habe das Projekt nun eine neue Stufe erreicht, in der es um eine stärkere Selektion der Tiere in Richtung der gewünschten Eigenschaften gehe. „Jetzt ist ein erstes Etappenziel des Auerrindprojektes erreicht. Ich bin zuversichtlich, dass wir in einigen Jahren bereits Tiere im Projekt haben werden, die dem Auerochsen schon sehr stark ähneln“, sagte Kropp.

Die in Frankenstein aus vier Tieren bestehende Herde durchstreift ein insgesamt über zwanzig Hektar großes Waldweidegebiet im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Seit dem Beginn der nachhaltigen Beweidung des Areals durch die Tiere im Juli vergangenen Jahres hat sich die Herde zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt.

Eine Geopunkt-Tafel „Das Auerrindprojekt“ wurde am 12. August 2020 um 9:30 Uhr an der Wattenheimer Brücke in 64653 Lorsch enthüllt.

Interessante Infos zu Lauresham finden Sie auch bei den Felsenmeerdrachen: Auerrindprojekt, Wölbäckerprojekt u.a. - einfach Suchbegriff "Lauresham" oder "Lorsch" eingeben! www.felsenmeerdrachen.de

August 2020: Laureshamer Auerrindprojekt gewinnt neuen Partner

Der landwirtschaftliche Betrieb Schweickert ist neuer Projektpartner des Laureshamer Auerrindprojektes und züchtet zukünftig Chianina-Rinder. Bereits am 17. August haben Beate und Jörg Schweickert vier Chianina-Rinder bei sich aufgenommen, die bisher bei der Wattenheimer Brücke standen. Die Herde mit drei Kühen und einem Bullen soll nun auf einer mehrere Hektar großen Weidefläche für Nachwuchs sorgen.

Die ursprünglich aus Italien stammende Rinderrasse Chianina setzt das Experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham seit einigen Jahren in seinem Auerrindprojekt ein. Mithilfe weiterer Rinderrassen wie Maremmana, Sayaguesa und Watussi will das Projektteam um Leiter Claus Kropp eine Rinderrasse züchten, die dem 1627 ausgestorbenen Auerochsen hinsichtlich Erscheinungsbild, Verhalten und Genetik möglichst nahe kommt. Die Partnerschaft mit dem Schwanheimer Bauernhof begrüßt Claus Kropp sehr: „Es ist wunderbar, dass sich ein Betrieb, wie der der Familie Schweickert, die ihren Hof in nun fünfter Generation bewirtschaften, unserem ehrgeizigen Ziel anschließen und uns unterstützen möchte“.

Der Familienbetrieb Schweickert vermarktet sein Vieh, Schweine, Rinder und Geflügel, über den eigenen Hofladen. Das Futter für die Tiere produziert die Familie selbst auf 80 Hektar Ackerland. Mit der Zucht der Chianina-Rinde tragen die Schweickerts zu einem weiteren Ziel des Auerrindprojektes bei: der Erhaltung alter Rinderrassen, die in ihren Ursprungsländern mittlerweile im Bestand bedroht sind. Eine ähnliche Initiative wurde bereits vom Förderkreis Große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße e.V. gestartet: Die zuvor im Auerrindprojekt eingesetzten Ungarische Steppenrinder werden mittlerweile in Einhausen reinrassig gezüchtet.

Mit den Chianina-Kühen sind auch drei Kreuzungskälber aus dem Auerrind-Projekt nach Schwanheim umgezogen. Im Herbst kommen sie wieder zurück nach Lorsch, wo sie in einer Jungrinderherde auf ihren späteren Einsatz im Naturschutz vorbereitet werden. Auf der jetzt freien Beweidungsfläche rund um die Wattenheimer Brücke wird im kommenden Jahr eine neue Zuchtgruppe aus Kreuzungstieren stehen, die dann mehrere Jahre dort weiden wird.