Lärmfeuer im Odenwald am 30. März

Wie alt ist der Brauch der Lärmfeuer? Die Heimatforscher sind sich uneins, ob er tatsächlich auf die Zeit zurückgeht, als die Römer im Odenwald waren, da für den Odenwald die Belege fehlen.

Dennoch ist es ein alter Brauch der Informationsübertragung: von Hügel zu Hügel flammt ein Feuer auf, etwa um vor einmarschierenden Feinden zu warnen. Vor Erfindung von Semaphoren und Telegrafie war dies eine effektive Methode, wesentlich schneller als reitende Boten. In den Kriegen des 16., 17, und 18. Jahrhunderts wurden die Lärmfeuer gezündet, desgleichen in den Revolutionsjahren bis Mitte des 19. Jahrhunderts. „Lärmfeuer“ kommt von Alarm, was aus dem Französischen stammt und „zu den Waffen“ bedeutet.

Das Lärmfeuer-Projekt ist der Versuch, diese historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren, seit 2007 gibt es sie im Odenwald wieder. Feuer ist ein archaisches Element, das auf alle Menschen Faszination ausübt, die Veranstaltung der Odenwaldweiten Lärmfeuer etablierte sich schnell. Mit einem Feuer 2007 auf der Raidelbacher Höhe in Lautertal begann es, seither werden an etwa dreißig Orten im ganzen Odenwald immer an einem bestimmten Abend im Vorfrühling die Lärmfeuer entzündet. Der touristische Rahmen für die Lärmfeuer wurde ausgebaut, denn sie sollten nicht nur Spaß an knisternden Feuern darstellen, sondern der Region auch einen Nutzen in der Vorsaison bringen.
Viele Gemeinden und weitere Förderer tragen zum Gelingen bei, es gibt an jedem Ort ein eigenes Rahmenprogramm.

So wurden die historischen Signalfeuer zu Brauchtumsfeuern, ähnlich den Martinsfeuern und Osterfeuern. Das Regierungspräsidium Darmstadt gestattet diese nach vorheriger Anmeldung, die unteren Naturschutzbehörden der Kreise regeln die Bedingungen für den jeweiligen Standort, der Zeitpunkt wurde in Absprache mit ihnen auf den Vorfrühling, genauer auf den letzten Samstag der Winterzeit gelegt.

Bei solchen jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen treffen sich Bürger und Vereine, vor allem die Freiwilligen Feuerwehren, zu einem Fest. Diese Feuer unterliegen nicht dem Abfallrecht wie das Verbrennen pflanzlicher Abfälle auf landwirtschaftlichen Flächen oder Gartengrundstücken. Etliche Details zu Brandschutz, Aufsichtsperson und Sicherheitsabständen sind zu beachten. Ein entsprechendes Formular ist auf der Lärmfeuerseite auf www.felsenmeerdrachen.de, Rubrik Odenwaldweite Lärmfeuer, zu finden.

Hier lesen Sie auch:

- die Veranstalter am 30.03. mit Programm, Ort und Ansprechpartner

- was man wissen muß, um selbst ein Lärmfeuer zu veranstalten (mit Formular „Brauchtumsfeuer“

- die historischen Hintergründe der Lärmfeuer

- was die Römer vor fast 2000 Jahren in der Region machten

- die Lärmfeuer-Veranstaltungen der letzten Jahre

Freiwillige Feuerwehren, Geschichtsvereine, Brauchtumsvereine, Gemeinden und einzelne Gastronomen laden am 30. März 2019 wieder zu den Odenwaldweiten Lärmfeuern ein. Mit Einbruch der Dunkelheit werden die Feuer entzündet und das Signal immer weitergegeben von Hügel zu Hügel. Die genaue Uhrzeit der Entzündung richtet sich nach Wetter und Rahmenprogramm der einzelnen Feuer-Veranstalter, jeder ist selbst verantwortlich für das Programm. Veranstaltungen gibt es unter anderem in Modautal Neunkirchen und Neutsch, in Lautertal auf der Raidelbacher Höhe und am Borstein, der Kaiserturm gibt ein Leuchtsignal über die Höhen.

Wer nicht ins Internet schauen möchte: ein Faltblatt mit den Veranstaltungen 2019 liegt zur Abholung bei Marieta Hiller, Waldstraße 2, 64686 Lautertal bereit im Abholkasten rechts vom Briefkasten.

Seien die Lärmfeuer nun historisch oder touristisch: auf jeden Fall sind sie eine tolle Gelegenheit, sich am Feuer zu begegnen und auf friedliche Weise das Lodern der Flammen zu genießen. M. Hiller