Zweitimpfung des Corona-Impfstoffs erfolgreich verlaufen

Bevor ich Zutritt zum Seniorenheim „Haus Elisabeth“ in Gadernheim erhalte, muss ich mich im Freien vor dem Eingang einem für viele fast schon zum Selbstverständnis gewordenen Corona-Schnelltest unterziehen. Die stellvertretende Pflegedienstleitern Patrizia „Trixi“ Geyer führt mir den langen Wattstab bis in die hintersten Regionen meiner Nase ein und ist letztlich zufrieden mit mir und mit dem gewonnenen Untersuchungsmaterial. „Auch wir Angestellten werden inzwischen zwei Mal in der Woche getestet“, ist Patrizia Geyer sehr dankbar für diese zu ihrer Routine zählende Prozedur.

 

Erste Hürde also erfolgreich genommen. Jetzt heißt es noch etwas warten, bis mir Senior-Chef Jürgen Machleid und seine Tochter Bianka Reichling, die Leiterin der Einrichtung, signalisieren, dass mein Test negativ ausgefallen ist und ich kein Infektionsrisiko für die Angestellten und die Heimbewohner darstelle. Für Bianka Reichling ist der heutige Tage gleich zwei Mal ein Tag zum Feiern. Zum einen hat sie heute Geburtstag, zum anderen ist sie glücklich, dass heute die zweite Corona-Schutzimpfung bei allen Erstgeimpften Heimbewohnern und Angestellten erfolgen wird. „Ich bin heilfroh, dass es in unserer Einrichtung nicht einen einzigen Fall einer Corona-Erkrankung gegeben hat“, ist ihr die Erleichterung trotz der obligatorischen FFP2-Maske anzusehen. „Die letzten drei Wochen, seit der Erstimpfung am 29. Dezember waren aufgrund der ansteigenden Corona-Zahlen eine Zitterpartie“, blickt sie zurück. „Wir sind dabei sehr stolz auf unser Personal, das während der gesamten Zeit, unter der Leitung von Pflegedienstleiterin Maria Bickel, hervorragende Arbeit zum Schutz unserer Bewohner geleistet hat, so dass wir unbeschadet durch diese Zeit gekommen sind“, ergänzt Jürgen Machleid.

Kurz darauf füllt sich das „Rosenzimmer“, wo schon Tische, Stühle und Trennscheiben bereitstehen, mit den eintreffenden Mitarbeitern des Impf-Teams. Schon anhand der Anzahl von acht Personen wird deutlich, welcher logistische und personelle Aufwand mit dieser Impfung verbunden ist. Zum Team, von dem heute 75 Personen die Zweitimpfungen erhalten sollen, gehören Jan Pothoff als verantwortlicher Arzt, Karin Kroschl, Elke Opper und Susanne Thum als „Kern-Impfteam“, Melanie Suntrup für die Dokumentation und Erstellung der Impfbescheinigungen mit dem Laptop, Mirko Lulay und Felix Kröger für den Aufbau und die Einrichtung der Hard- und Software und Christian Schlosser vom DRK-Bergstraße als Fahrer des Mannschaftstransportwagens. Alle haben im Impfzentrum in Bensheim zuvor eine Schulung erhalten. Die Zusammenstellung der Teams erfolgt dann nach der Verfügbarkeit des vorhandenen Personals.

Während Laptop, Scanner und Drucker eingerichtet werden, haben Jan Pothoff, ohne dessen Prüfung und Unterschrift nicht eine Impfung erfolgen kann, zunächst die Anamnese-/Einwilligungs- und Aufklärungsbögen zu sichten und die Krankenkassenkärtchen der zu impfenden Personen zu sortieren. Letzte Absprachen erfolgen, unter anderem etwa, dass auch dokumentiert werden soll, in welchen Arm beim Patient geimpft wurde. Dann kehrt eine erwartungsfrohe Ruhe bei dem zuvor noch geschäftigen Team ein.

Um 10.07 Uhr ist es dann soweit. Es werden die ersten Spritzen mit dem aufgezogenen Impfstoff aus der Charge 477 an Elke Opper, Susanne Thum und Karin Kroschl übergeben. Dieser wird in dem eigens dafür umgerüsteten Rettungswagen des DRK, der vor der Einrichtung parkt, von zwei weiteren Mitarbeitern des Mobilen Impfteams sorgfältig aufbereitet. Der Zutritt zum RTW ist verboten. Nur durch ein kleines Fenster, das als Durchreiche dient, ist ein Kontakt nach Außen möglich. So muss das dort hochkonzentriert arbeitende „Impf-Pärchen“ in dem Rettungswagen letztlich ungenannt bleiben.

Der Impfstoff wird anschließend direkt zum Patient ins Zimmer geliefert. So ist Maria Ameis die erste Heimbewohnerin, die jetzt mit der zweiten Schutzimpfung über den derzeit bestmöglichen Schutz gegen das Covid 19-Virus verfügt. Sie kennt das Procedere schon vom ersten Mal und so sitzt sie ganz entspannt wartend im Sessel ihres Zimmers. Und nach wenigen Sekunden ist alles auch schon überstanden und das Impfteam kann sich dem nächsten Patienten zuwenden. Nach und nach werden so vollig unspektakulär weitere 74 Heimbewohner und Heimmitarbeiter mit der zweiten Impfung versorgt. Gerne wäre ich auch schon unter den Geimpften gewesen. Aber da muss ich wohl noch etwas warten. Für die Heimbewohner und Angestellten freue ich mich, denn ein Stück weit bedeutet der heutige Tag für sie die Aussicht auf eine Rückkehr zur Normalität und eine bessere Zukunft.

„Impfen ist die beste Waffe“ / Hausarzt Ernst Neuschild rät zur Impfung gegen Covid 19

"Impfen ist die beste Waffe, um Krankheiten vorzubeugen“. Das sagt der langjährig erfahrene Hausarzt Ernst Neuschild, der seit über dreißig Jahren in dem Lautertaler Ortsteil Gadernhein praktiziert und seit dieser Zeit unter anderem auch die dort ansässige Senioreneinrichtung „Haus Elisabeth“ betreut. „Ich freue mich sehr für die Heimbewohner, dass sie jetzt innerhalb der letzten drei Wochen zwei Mal gegen Corona geimpft werden konnten“.

„Nach meiner Auffassung handelt es sich um einen sehr sicheren Impfstoff. Er wurde zwar extrem schnell entwickelt. Es wurden aber alle heute gültigen Standards eingehalten und die für die Zulassung sehr hohen Kriterien erfüllt. Der Impfstoff gilt somit nach den Regeln der ärztlichen Kunst als sicher“, verdeutlicht er seine Aussage. „Es gab dabei keine überhastete Zulassung, wie etwa in Russland oder China“, hat er vollstes Vertrauen in den in Deutschland entwickelten Impfstoff.

„Sobald ich an der Reihe bin – ich gehöre aufgrund meines Alters und meiner Tätigkeit zur zweiten Kategorie – werde ich mich auch sofort impfen lassen. Nicht nur um mich, sondern auch andere zu schützen“, unterstreicht er seine Aussagen.

Hier setzt aber auch seine Kritik an. „Es gibt zum einen bisher leider zu wenig Impfstoff. Zum anderen hat man sich seitens der Regierungen für eine zentrale Impfung in Zentren entschieden. Dies bedeutet einen enormen bürokratischen Aufwand“, sagt Neuchild weiter. „50-80 Prozent der Administration ließen sich vermindern“, schätzt er. „In anderen Ländern ist man da schon weiter.“ Dabei wirbt er besonders dafür, die Hausärzte hier einzubinden. „Die deutschen Hausärzte haben in drei Monaten rund 20 Millionen Grippeschutz-Impfungen verabreicht“, macht er deren Leistungsfähigkeit deutlich. „Wenn die logistische Problematik einmal gelöst ist, wird es hoffentlich schneller gehen. Wir könnten etwa ganze Impftage anbieten, wie schon bei der Grippeschutz-Impfung“, hofft er abschließend auf eine Verbesserung der Situation.

Ferdinand Derigs