Brunhilds Traum, Lautinchen und Drachenstangen: "Was wir nicht selbermachen, haben wir nicht" ist die Philosophie von Metzgermeister Gunther Hornung und seiner Frau Helga. Beide stehen seit 1984 mit Begeisterung für ihren ausfüllenden Beruf ein.

Gunther Hornung war zuvor bis 1979 Sozialversicherungsfachangestellter bei der Krankenkasse beschäftig und begann am 1.8. 1979 eine Umschulung zum Metzger bei der Metzgerei Klock in Spachbrücken. Diese schloß er am 31.7.1981 als Innungsbester ab. Nach einem kurzen Intermezzo in einem Supermarkt ("war absolut nicht mein Ding") hat er auf Wunsch seiner damaligen Chefin am 1.1.1982 wieder in der Metzgerei Klock als Geselle angefangen und bis 30.9.1983 dort gearbeitet. Danach besuchte er den Meisterkurs in der Fleischerfachschule Heyne in Frankfurt und schloß diesen mit Ablegung der Meisterprüfung als bester am 6.12.1983 ab. Bis Okotber 1984 führte er dann überwiegend Hausschlachtungen durch und half bei dem einen oder anderen Kollegen aus. Am 8.Oktober 1983 eröffnete er mit seiner Frau Helga in Gronau die erste Metzgerei.

Sechs Jahre später wechselten Hornungs nach Reichenbach in die bisherige Metzgerei Krätzig in der Nibelungenstraße. Von Anfang an setzten sie auf handwerklich hochwertige Qualität. Helga Hornung absolvierte neben den vielen Stunden hinter der Verkaufstheke in der Abendschule die Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin. Erfindungsreichtum und Innovationen prägten das vielfältige Wurstangebot von Anfang an, ergänzt von bestem Fleisch von Rind, Schwein, Lamm und Wild. Die Kundschaft kommt zur Hälfte aus dem Dorf und der näheren Umgebung, die andere Hälfte kommt aus Mannheim, Mainz, Frankfurt oder läßt sich regelmäßig Wurst- und Fleischspezialitäten von Hornungs schicken.

25 Pokale und über 200 Urkunden für beste Produkte im Bereich Wurst und Schinken wurden in dieser Zeit erlangt, die Zeitschrift "der Feinschmecker" und andere Gourmetmedien berichteten immer wieder. Acht Auszubildende absolvierten bei Hornungs ihre Lehrzeit, alle waren sehr gut und lagen weit vorne bei den Prüfungen, darunter ist Jaqueline Wohland (heute Reinig) mit zahlreichen Siegerrängen: Innungsbeste, Landessiegerin, 2. Bundes- und Europasiegerin.

"Es hat viel Spaß gemacht, aber jetzt ist es gut." So formuliert Gunther Hornung den Entschluß, zum 31. Juli 2021 zu schließen und in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Sechs Tage pro Woche mit jeweils 14-15 Stunden auf den Beinen beanspruchen Helga und Gunther Hornung und lassen kaum Zeit für Freiräume. Ein Fernsehgerät haben die beiden nicht. Zum Ausgleich für die anstrengende Arbeit lesen sie gerne und machen Fahrradtouren.

Das wird künftig häufiger sein: zunächst wollen Hornungs die Ruhe und Erholung genießen.

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die beiden weiter aktiv bleiben: entweder bei den Brüdern von Neffen Fabian Schüttler, die beide einen Landwirtschaftlichen Betrieb haben und schon mit der Hilfe rechnen oder bei Fabian Schüttler, der sich nach der Ausbildung zum Metzger selbständig machen will mit einer Metzgerei. Sein 1. Lehrjahr absolvierte er in der Landmetzgerei und erzielte mit seinen Pfefferbeißern à la Fabian eine Prämie. Der gelernte Agrartechniker setzt seine Ausbildung in Bayern fort, weil er  auch in einer Metzgerei mit eigener Schlachtung lernen  möchte.  Vom Schüttlerhof kommen bislang Spargel, Kartoffeln, Erdbeeren und Eier in der Landmetzgerei der Hornungs.

Aktuell beschäftigen Hornungs drei Mitarbeiter, eine Fleischereifachverkäuferin und einen Fleischergesellen, die - wie Fabian Schüttler - bereits anderweitig weiter arbeiten werden. Und natürlich setzt Gunther Hornung auch sein ehrenamtliches Engagement fort: seit 50 Jahren ist er Mitglied, seit 20 Jahren Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Hähnlein (wo Hornungs wohnen), seit fünf Jahren ist er Obermeister der Fleischerinnung, in der er zuvor schon lange im Vorstand mitgearbeitet hat. Auch in der Wirtschaftsvereinigung Lautertal war er schon kurz nach Gründung im April 1994 Vorstandsmitglied bis zur Beendigung der WVL im Frühjahr 2015.

Auch wenn Gunther und Helga Hornung nun in den wohlverdienten Ruhestand gehen, werden sie ebenso wie Brunhilds Traum und Lautinchen wohl noch lange bei der treuen Kundschaft in Erinnerung bleiben.

M. Hiller