Auf Spurensuche: Steinbearbeitung im Odenwald über die Jahrhunderte am Krehberg und am Johannesberg

 

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Kristallin nennt man die Gesteine im vorderen Odenwald, die als Tiefengestein aus magmatischen Schmelzen durch Kippung der Odenwaldscholle an die Oberfläche traten, als der Rheingraben einbrach. Das ist alles lange her, doch findet man Spuren aus allen Zeiten, seit der Mensch begann die Steine abzubauen. Nichts ist spannender, als bei einem Spaziergang alte Steinbrüche zu untersuchen. Prominentester Ort dafür ist das Felsenmeer, denn hier findet man eine fast 4000jährige Tradition der Steinbearbeitung. Die Hügel ringsum bergen nicht weniger spannende Geheimnisse: Bangertshöhe und Marmoritwerk, Katzenstein und Hohenstein, Krehberg, Johannesberg, Schenkenberg und Buch in Lindenfels, Meßbach und Seidenbach,  - überall zeugen bearbeitete Stücke von der mühevollen Arbeit im oft harten Gestein: Granit, Melaquarzdiorit, Gabbro. Feldspat, Quarz, Hornblende und Glimmer in unterschiedlicher Zusammensetzung wurde hier vor ca. 340 Millionen Jahren unter großem Druck zu Stein. Erstaunlicherweise findet man aber auch Schiefer: uralter Meeresboden, geschichtet aus Sedimenten, gefaltet und gehoben durch die Bewegung von Kontinenten. Von Nordost nach Südwest zieht sich der variszische Glimmerschiefer durch den kristallinen Odenwald, sichtbar wird er am Bismarckturm in Lindenfels, zieht weiter über das Seidenbacher Eck Richtung Heppenheim. Der variszische Glimmerschiefer am Bismarckturm wurde 2019 zum Geotop des Jahres gewählt (das erste Geotop des Jahres war 2002 das Felsenmeer).  
Genutzt wurden die Gesteine überall, wo dauerhaftes robustes Baumaterial  benötigt wurde: Maschinensockel für Fabriken im Ruhrgebiet, tragende Teile der Rheinbrücke in Worms, im Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Der Vorschlag August von Kotzebues (1761-1816, deutscher Dramatiker), die Riesensäule aus dem Felsenmeer für den Bau des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig zu verwenden, wurde zum Glück nicht realisiert. Aber das Tannenberg-Denkmal (bei Olsztynek in Polen) wurde mit Brandauer Rot (Granit) gebaut und zum Bau des Reichstages in Berlin soll auch Granit aus den Weberner Steinbrüchen am Johannesberg verwendet worden sein. Hier, im Streithain am Johannesberg zwischen Brandau, Lützelbach und Webern gibt es drei ehemalige Steinbrüche. Der oberste, in der Nähe von Lützelbach gelegen, ist heute Wildacker in Gemeindeeigentum. Früher hat die Destag hier gearbeitet, man sieht noch den Trafoturm mit elektrischen Anlagen im Wald. Der mittlere Steinbruch weist neben Bauwerksruinen ein sehr tiefes Wasserloch auf. Der unterste Steinbruch liegt oberhalb von Webern. Die Gesteinsart vor Ort wird im Volksmund Schwartemagen genannt, zeigt sich in geschliffenem Zustand rötlich und wird auch Brandauer Rot genannt, im Deutschen Museum so zu finden. Gearbeitet wurde hier ab Ende des 19. Jahrhunderts, Hauptzeit 20er Jahre, jedoch gab man schließlich auf, weil der Stein schwer zu bearbeiten war. Ich danke für die umfangreichen Informationen zum Johannesberg einem Herrn aus Brandau, der ungenannt bleiben möchte.
Vom Johannesberg nach Süden gelegen ist der Krehberg. Hier stellte eine Projektgruppe aus Reiner Rößler, Nathalie Benker, Harald Lannert und Wolf Nevermann Informationen zu ehemaligen Steinbrüchen zusammen. Ein Film mit Impressionen ist bereits auf www.schannenbach.de zu sehen. Von Norden bei Knoden, von Westen (Märkerwald bei Gronau) und den Hauptplätzen im Krehberg und Kesselberg Richtung Scheuerberg-Seidenbach zeigt sich der Granit in unterschiedlicher Gestalt, als Barytquarz oder Flasergranit etwa. In Schannenbach am Dorfgemeinschaftshaus wird ein Geopunkt eingerichtet: eine alte Seilwinde wurde bereits aufgestellt. Steinexponante, Natursteinmauer und Infotafeln werden folgen, derzeit läuft noch die redaktionelle Abstimmung, die Finanzmittel für das Projekt sind im Lautertaler Haushaltsplan eingestellt. Später soll ein Steinlehrpfad folgen, auf dem nicht nur über geologische Hintergründe, sondern auch über die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen des Abbaus Informiert werden soll.

Der Brandauer Karl Essinger, geboren 1913, lernte bei der Destag, arbeitete am Tannenberg Denkmal mit, war bei der Einweihung dabei und fand es nach seiner Rückkehr aus Rußland 1945 gesprengt vor.

Reichstagsgebäude Berlin: auf der Seite http://www.steine-und-minerale.de als Herkunft des Granits nur Strzegom in Polen erwähnt (im Magazin Suchwort Reichstag eingeben). Wer kann zur Herkunft aus Webern Genaueres mitteilen?

M. Hiller, September 2019

Ein großes Loch im Berg: Hinein in den Wachenberg - Vulkan, Steinbruch, einzigartiges Biotop - geologische Führung mit Franz Piva (Geopark- und Stadtführer), Karl Anthrakopoulos (Betriebsleiter des Steinbruchs und Ludwig Meitzler (Mineraloge)

Im Oktober 2019 nahm ich an der Exkursion in die Tiefe des Wachenberges teil - wenigstens mit den Augen. Denn betreten darf man den riesigen Steinbruch nicht: zu viele Gefahren lauern. Aber was die drei Spezialisten ihrer Gruppe zu bieten hatten, ist spektakulär - auch von weitem. Führungstermine 2020 sind am 14.3., 11.7. 22.08. und 17.10. (Infos: https://www.weinheim.de/1535867.html)

1894 nahm das große Loch im Berg seinen Anfang: Firma Herpel & Wilhelm baute hier erstmals Porphyrgestein ab. Inzwischen sind die abbaubaren Gesteinsvorkommen erschöpft. Infos dazu: https://www.rnz.de/nachrichten/bergstrasse_artikel,-Bergstrasse-Weinheims-Mega-Steinbruch-ist-bald-Geschichte-_arid,216600.html

2016 war die letzte Schicht, der Steinbruch wird jetzt verfüllt. Die PWS hat ihn gepachtet von der Stadt Leutershausen, jedoch hat Weinheim die Entscheidungshoheit. Diese Kuriosität rührt von der Gebietsreform und in deren Folge einem Flächenausgleich.

Der Vulkan mit einem Aufstiegskanal mit 1 km Durchmesser, der aus Porphyr mit zersetzten Anteilen Granodiorit = Saprolith (Grus) besteht,  in die der Porphyr eingedrungen war, brach zuletzt vor 290 Millionen Jahren au, die Lava-Streuung reicht bis Dossenheim.

Die heutige Steinbruchwand ist 260m hoch mit zahlreichen breiten Etagen, auf denen sich mühelos zwei Kipper begegnen konnten.

Beton ist das aktuelle Haupt-Standbein der PWS, ferner Schotter - aus dem Aushub wurde am Hockenheimring und im Gleisbett der OEG verarbeitet. Verschiedene Körnungen werden nur gehandelt, nicht hier erzeugt: Privatleute oder Gartenbaufirmen brauchen meist zu kleine Mengen um sie vior Ort zu erzeugen. Auch Lieferung an Baumärkte wäre zu teuer. Eigenprodukt ist die 08er Körnung für wassergebundenen Wegebau, für die es eine größere Abnahme gibt.

 

Von der Zufahrt auf dem Betriebsgelände führt ein Stollen nach Süden duch die Steinbruchwand in den Trichter.

Im Jahr 2003 ereignete sich eine massive Großrutschung: ein ganzes Stück der südwestlichen Steinbruchwand stürzte in den Kessel und hinterließ eine 140 m breite Schneise. Die Farben des Gesteins zeigen die Richtung der Klüftung, je nach der Verformung während des Ausbruchs. Schräg von links unten nach rechts oben oder umgekehrt, an manchen Stellen auch in Meilerform zeigen sich Risse und Klüfte mit unterschiedlichem Gestein. Hellerscheint relativ frisch gebrochenes, dunkelrot oder gelbgrün ältere, bereits verwitterte Flächen. In den gibt es Klüften Eisen, Ocker und Rhyolith mit Dendriten.

2019 wurden von PWS über 10.000 Euro für Umweltschutzmaßnahmen in Weinheim und Leutershausen investiert. Der Steinbruch, der momentan verfüllt wird, stellt ein einzigartiges Biotop dar, mit Fledermäusen und Uhu sowie Gelbbauchunke und Molche, die den eigens mit Folie nach unten abgedichteten Teich bevölkern.

 

Links: Dendriten - Strukturen im Gestein / Mitte: Beton-Rückstellmuster der PWS / Rechts: verschiedene lieferbare Körnungen


An der nahegelegenen Weschnitz leben 42 Arten Brutvögel, die hin und wieder einen Abstecher in die Wände des Steinbruches unternehmen, wo sich inzwischen ein reiches Angebot an Nahrungspflanzen angesiedelt hat.

 

Ganz in der Nähe: die ehemalige Freudenberg-Fabrikanlage

Marieta Hiller, Herbst 2019

Ein ganz besonderes Erlebnis bot das Arbeitstreffen Montanarchäologie im Mai 2013 in Reichelsheim neben zahlreichen Exkursionen und Vorträgen: einen Ausflug in die Unterwelt des Marmoritwerkes in Hochstädten.

Der zum Schutz vor Vandalismus tief unter Erdreich verschüttete Eingang zum Stollen wurde eigens für die Altarchäologen freigebaggert, das Wasser wurde abgepumpt, und dann konnte die Gruppe sorgsam gezählt in den Berg hinein.

Die ehrenamtlichen Betreuer des  Blei- und Silberbergwerkes „Marie in der Kohlbach“ in Weinheim sicherten im Berg jeden Abzweig, so daß sich niemand verlaufen konnte. Denn nach der Fahrt hinein in das seit 1975 geschlossene Stollensystem wurde der Eingang vom Bagger wieder sicher verschlossen.

Hier wurde Marmor gewonnen, zuletzt stellten die Marmorit-Werke daraus feinen Trockenmörtel und Edelputz her. Schon die alten Römer bauten hier Marmor ab, wie ein Grabmalfund in Mainz belegt. Dies läßt - nebenbei - die Annahme zu, daß auch die Werkstücke aus dem Felsberg möglicherweise über die Strecke Felsberg-Hochstädten-Zullestein transportiert wurden, da hier bereits eine Teilstrecke von Hochstädten aus existierte.

Auch darüber war beim Symposium ein spannender Vortrag von Alexander Vögler zu hören. Als Werkstein wurde der Auerbacher Marmor seit 1900 nicht mehr abgebaut, nur noch als Putz.

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Gegen Ende des 2. Weltkrieges (1944-1945) schließlich war das Werk Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof, etwa 130 griechische Zwangsarbeiter mußten täglich von ihren Baracken in Auerbach zu Fuß nach Hochstädten marschieren und in den Stollen geschützt vor Bomben kriegswichtige Rüstungsmittel produzieren.

Marmor aus Hochstädten in Xanten

In Xanten, dem römischen Colonia Ulpia Traiana der ersten Jahrhundertwende nach Chr., benannt nach dem römischen Kaiser Marcus Ulpius Traianus (kurz Trajan, Kaiser von 98-117 n. Chr.), finden sich Gesteine aus aller Welt (der alten Welt, versteht sich). Der Archäologische Park Xanten zeigt sie, und darunter ist eben auch Marmor aus Hochstädten. (Vilma Rupienne, Auerbach Marble Quarries in the Odenwald near Hochstädten, Tagungsband Mining  and Cultural Landscape 2013 S. 120ff)

Doch nicht nur die Römer verarbeiteten den Odenwälder Marmor aus dem Bergwerk bei Hochstädten: Marmor aus den Pingen der Bangertshöhe nordwestlich von Reichenbach, gelb-bräunlich und feinkörniger als aus Hochstädten, wurde im Wormser Dom verbaut, datert auf das 11. Jh.; der Hochstädter Marmor findet sich in Mannheim, im Wormser Dom und in der Wormser St. Pauluskirche, in Lorsch, Trier und in Xanten. Dabei ist der Hochstädter Marmor recht inhomogen und kommt in vielen verschiedenen Ausprägungen vor, unter anderem enthält er das glitzernde Katzengold Pyrit. Interessant ist der Hinweis, daß es hier auch Stinkmarmor gibt. Dieser rieche nach faulen Eiern, wenn er gemahlen oder geritzt wird. Und was könnte das anderes sein, wenn nicht die Überbleibsel von ein paar unglücklich abgelegten Dracheneiern!

   

Am Aufzug im Bergwerk, Blick in die Stollen

 

Bohrloch, Stollendecke, helles Band im Gestein

   

Kompressorbude, Mauerdecke, Stollenabgang

   

Sprengkapsel-Lager, Halt für Lokomotive...

Erzreichtum im Odenwald

Angeblich sind ja die Hügel des Odenwaldes entstanden, als der eine Felsenmeer-Riese auf der Suche nach Edelsteinen für seinen Schatz alles durchwühlt hat. Tatsächlich finden sich in diesem kleinen Gebirge fast alle Edelsteinarten. Wichtiger für die Menschen war jedoch Metall: Eisen, Kupfer, Silber, Blei. Eisenerz wurde schon früh geschürft: die ältesten Belege stammen aus dem 8. Jahrhundert n. Chr., zum Teil fand man es in Erdlöchern, sogenannten Pingen, oder man grub flache Schächte, selten weiter als 10 Meter abgeteuft.Während Silber, Blei und Kupfer meist im kristallinen Odenwald abgebaut wurden, grub man im Sandsteinodenwald nach Eisenerz, Mangan und Schwerspat.

Geht man suchenden Blickes über bestimmte Äcker, wenn sie frisch gepflügt sind, findet man an manchen Stellen im Odenwald Steine mit Granateinschlüssen, Manganknollen oder auch Schwerspatbrocken. Schon im Lorscher Kodex wurde anno 773 die Mark Heppenheim beschrieben, demnach zog sich die Grenze von der Bergstraße und den Felsberg hinauf zum Winterkasten auf der Neunkircher Höhe und weiter zur Arezgrefte, was schlicht Erzgrube heißt. Lange vermutete man, daß diese Arezgrefte bei Erzbach (Nomen est Omen!) lagen, heute ortet man sie eher am Fuß des Kahlberges bei Fürth-Brombach.

Viele Orts- und Geländenamen im Odenwald künden von der mittelalterlichen Bergbautätigkeit. (Jochen Babist, Anthropogene Geländemorphologie des Bergbaureviers Weschnith bei Fürth im mittleren Odenwald, Tagungsband Mining and Cultural Landscape 2013 S. 72ff)

Geotop des Jahres 2017: Blei- und Silberbergwerk Marie in der Kohlbach

Mittelalterliche Pingengrabung als Reifenschacht

Eine Besonderheit wurde beim letzten Arbeitstreffen zur Montanarchäologie im Mai 2013 in Reichelsheim vorgestellt: eine Pingengrabung mit Reifenausbau. Wie bei einer Brunnengrabung wurde von oben in die Erzlagerstätte hineingegraben und die Schachtwände jeweils mit Reifen aus jungen Buchen- und Birkenästen versehen, die durch angespitzte senkrechte Pfähle fixiert wurden. Mit Flechtwerk, Birkenborke und Birkenlaub wurden die Schachtwände dann abgedichtet. Untersuchungen des Fundes bei Rohrbach ergaben, daß zu jener Zeit (die noch nicht genau datiert werden konnte) im Odenwald eine Birken-Niederwaldwirtschaft betrieben wurde, das heißt man erntete die jungen Birkenstämme als Stangenholz ab, so daß die Baumstrünke immer mehr neue Stangen trieben. Alte Hackwaldbestände (= Niederwald) findet man z.B. noch um das alte Bergwerk in Bergfreiheit (Kellerwald), wo einst die sieben Zwerge ihr Schneewittchen umhegten - kein Märchen: historische Quellen belegen, daß nach dem 30jährigen Krieg hier zwei Schichten zu je sieben Bergleuten und ein Weibsbild tätig waren. Alte Bergwerke findet man im Odenwald viele, so auch in Reichenbach. Hier wurden über 40 verschiedene Mineralien gefunden, auch Silber. Leider war das Lager nie sehr ertragreich, und heute liegen die Schlacken in der Barriere am Reichenbacher Wasserreservoir. Das legendäre Reichenbacher Gold aber lebt in den Köpfen der Menschen, und am Borstein sowie gegenüber am Katzenstein und Hohenstein tritt es noch leibhaftig als wunderschöner Quarz zutage. Im Bergbau spricht man übrigens von Schießen, wenn gesprengt wird. Vor Erfindung des Sprengstoffes mußten die Bergarbeiter per Hand in gebückter Haltung mit Eisen und Schlägel (= Hammer und Meißel) den harten Fels bearbeiten. Pro Tag schaffte ein Bergmann auf diese Weise 2-3 Zentimeter Vortrieb.
In der Grube Marie etwa wurden insgesamt während der gesamten Betriebszeit nur drei Kilogramm Silber gefördert.

 

Der Odenwald bietet auf kleinster Fläche (50 Quadratkilometer) die meisten vorkommenden Mineralien: Beryll, Opal, Granat, Chalzedon, Karneol, Gold, Jaspis. Zur Zeit des Karbon herrschten Temperaturen und massive Schollenbewegungen, die zum Auskristallisieren der verschiedensten chemischen Elemente führte. Diese bildeten Klüfte und Gänge im Gestein. Vor allem der vordere Odenwald, auch kristalliner Odenwald genannt, ist reich an Mineralien:

Eisen findet sich bei Hummetroth, Wallbach, Steinbach bei Michelstadt, Zipfen und Hering - und natürlich in Eisenbach. Der Ort gehört zu Obernburg, hier gibt es zwischen Eisenbach und Mömlingen mehrere Eisenerz- und Basaltadern, deren Ausbeutung jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts unrentabel wurde. Allerdings ist es eher wahrscheinlich, daß das Eisenvorkommen im Odenwald auch vor über 2000 Jahren schon die geheimnisumwitterten Kelten angelockt hat.

Ein Gemisch aus Eisen und Mangan ist häufiger zu finden: vor allem um Bockenrod, Ober-Kainsbach, Rehbach, Rohrbach, Ober Ostern und Weschnitz, weiter südlich um Aschbach und Wald-Michelbach sowie bei Heidelberg. Am Morsberg gab es von 1890 bis 1901 eine2,5 km lange Seilbahn mit Endstation in Bockenrod. Die Verladestelle lag an der B47 ein Stück nach dem Abzweig Ostern kurz vor Ortsbeginn Bockenrod.

Manganknollen, auch Hundeknoddel genannt, wurden als schwarzer Glaskopf oder Psilomelan am Michelsberg abgebaut: nördlich der B47 zwischen Abzweig Kainsbach und Vierstöck. Hier befand sich früher der Schacht „Vulkan“ einer Firma aus dem Ruhrgebiet.

 Man beutete in gemischten Vorkommen zunächst im Mittelalter auf Eisen aus, konnte dann später oftmals alte Halden noch auf Mangan verhütten, vor allem im 1. Weltkrieg.

Kupfer wurde in Reichenbach, Rimbach, Hohensachsen und Ober-Ramstadt abgebaut, Blei oder Silber in Reichenbach, Hochstädten, Schriesheim, Hohensachsen, Großsachsen.

Ein gutes Marmorvorkommen lag in Hochstädten, hier wurde 1841 der Stollen zwischen beiden Gebäuden des alten Forsthauses eröffnet. Turmalin, Pegmatit, Feldspat, Glimmer wurde hier gefunden, auch Granat und Doppelspat. Turmalin ist ein Borsilikat, das die letzte Entstehungsphase der Magmenkörper im Dach des Pluton bildet, Doppelspat ist ein Kalziumkarbonat, das im Gegensatz zum amorphen Marmor auskristallisiert. Der Abbau ging 7 Sohlen tief auf 140m Teufe und war max. 50 m breit. Der Marmor war schwarz bis weiß, hellblau war am begehrtesten. Diese Färbung wurde durch Graphit hervorgerufen. In diesem Vorkommen sank in der variskischen Phase vor 340-360 Mio Jahren Sediment ab, wurde metamorph überlagert und später wieder an die Oberfläche gehoben. Das hohe Wasseraufkommen im Berg erforderte permanentes Pumpen. Als das Bergwerk stillgelegt wurde und die Pumpen abgeschaltet waren, lief das Bergwerk in acht Tagen voll. Als Wasserreservoir sind die Stollen leider nicht geeignet, weil das Wasser zuviel Blei und Arsen enthält. Auf der Bangertshöhe oberhalb Reichenbach / Elmshausen liegt das Erdreich nur 2m dick auf diesem Vorkommen. Munitionsfunde aus dem Kreis Bergstraße wurden hier in einem Schacht versenkt in einer 5-6m dicken Schicht mit drei VW-Käfern als Deckel obendrauf.

Baryt fand man überall der Böllsteiner* Verwerfung. Das ist eine Bruchlinie von Nordost nach Südwest zwischen Klein-Umstadt und Schriesheim, die den kristallinen Odenwald vom Buntsandstein-Odenwald trennt. Diese Trennung kam geologisch durch schräges Abkippen und ebene Erosion der Odenwaldscholle zustande, so daß die Schichten verschiedener Entstehungsphasen angeschnitten wurden und in der Ebene zutage traten. Der kristalline Odenwald im Westen weist vor allem Gneise und Granodiorite auf, aber auch Biotit, Metamorphit, Schiefer und Basit sowie Basalt und Quarzporphyr. Das Landschaftsbild zeigt sich hier sehr kleinräumig mit vielen Tälern und kleinen Kuppen.

Der Buntsandstein-Odenwald mit weiten Höhenzügen und langen tiefen Tälern entstand geologisch später aus Wüstensand. Der Name Buntsandstein rührt nicht von seinen schönen Farbnuancen her, sondern bezeichnet den Verbund von Sanden.

Schmelzen und Hütten entstanden immer dort, wo sich ein Fließgewässer stauen ließ, damit man genügend Betriebswasser und auch Löschwasser zur Verfügung hatte für die Hammerwerke. In vielen Orten gibt es noch Flur- oder Straßennamen oder sogar Ortsteile, die den Begriff Hammer oder Hütte beinhalten. Unterer Hammer in Michelstadt oder Hüttenthal. In Rehbach bei Michelstadt ist noch heute der Teich zu sehen, wo die Rehbach gestaut wurde, desgleichen der Marbachstausee, heute Ausflugsziel und Erholungsgebiet. Für die Verhüttung von Erz brauchte man Holzkohle, die im Odenwald reichlich gewonnen wurde und hohe Temperaturen erzeugen kann. Die Köhlerei ist hier ebenso beheimatet wie Experimente mit einem historischen Rennofen zur Verhüttung.

Im Einzelnen sind folgende Vorkommen oder Funde bemerkenswert:

Der Quarzgang, der als Reichenbacher Gold berühmt wurde: er beginnt beim Emmerlingsborn in der Nähe des Borsteins inRichtung Elmshausen (Selterswasserhäuschen), tritt am Teufelsstein, Borstein und unterhalb in einem großen Steinbruch zutage und zieht sich in 60m Tiefe unter Reichenbach hindurch bis zum Hohenstein und zum Katzenstein, wo er wieder zutage tritt.

Dieser Quarzgang sorgte in Reichenbach sprichwörtlich für Goldgräberstimmung, und so heißt einer der "Steinkerle", wie wir sie nannten, Goldgräber. Noch um 1985 erzielte man für bruchfrischen Quarz 1400 DM pro Kubikmeter. Der Goldgräber baute zuletzt 1999 am Hohenstein Quarz ab, dieser zeigte jedoch Risse und Verfärbungen. Doch während heute die meisten Steine aus Schweden, Finnland, Südafrika und Indien kommen, weil Transport und Arbeitskräfte billig sind, verarbeitete er noch bis zuletzt Steine aus Reichenbach.

Erze im Gestein konnten zwar für reiche Ausbeute sorgen, doch meist störten sie die Steinschleifer, weil sie Unebenheiten beim Schleifen verursachten.

In Reichenbach gab es ein Bergwerk, in dem Kupfer, Silber und Blei abgebaut wurde. Der Abbau im verkieselten Barytgang (= Quarz) wurde von 1513-1565, im Jahr 1590, 1600 und wiedeer 1687 urkundlich belegt betrieben. 1841 teufte man einen Schacht auf Bleierz ab und fand Kupfererz neben dem Gang. Dieses wurde in mehreren Sohlen auf 1100 Meter streichender Länge abgebaut von 1843-1944. Bereits 1855 wurde eine Schmelze gebaut, in der 2. modernen Periode von 1850-19868 förderten hier bis zu 45 Bergmänner 60.000 Zentner Erz im Wert von 1862,4 Mark pro Tonne Garkupfer. Dieses wurde in der Laugerei gewonnen. 1902, 1914 und 1917 gab es weitere Erschließungsversuche, 1937-1944 lieferte die Mine 171,1 Tonnen reines Kupfer, die in Hamburg verhüttet wurden. Seither ruht der Betrieb. Der Stollen soll jedoch noch zu finden sein, leider auf einen Privatgrundstück. Die Abraumhalde des Bergwerkes lagerte bis 1974 offen, danach verwendete man sie zum Bau des Dammes für die Retentionsfläche der Lauter. Im Abraum fand man noch gediegenes Kupfer.

Bergwerksfelder rund um Reichenbach

 

Weitere Bergwerke auf Kupfer-, Blei- und Silber

Auf Bergbau weisen in Gadernheim an der Borgersmühle die Bergbauzeichen Schlägel und Eisen hin. Hier wurde Graphit gemahlen, der am Schwarzen Buckel gefördert wurde. Noch heute sieht man im frisch gepflügten Acker die dunkle Verfärbung, wo das Stollenmundloch des Bergwerks war. Hier wurde auch Granatfels mit Kinzingit entdeckt. Graphit wurde auch am Raupenstein bei Winterkasten und bei Seidenbach abgebaut. Nußgroße Granate fand man im Vogelherd bei Winterkasten, außerdem Graphitschiefer und Graphitquarzit. Diesen erkennt man daran, daß Steinbrocken schwarz abfärben.

Schwerspat findet man häufig, oftmals verwendeten die Bauern Schwerspatsteine als Deckel auf dem Sauerkrautstänner. Eines der schwersten Mineralien ist das Hösbachit. Man findet es links der Straße zwischen Schöne Aussicht und Winterkasten. In den Tongruben Vierstöck wurden neben Schwerspat auch Kristallstufen gefunden, deren Verkauf oft mehr brachte als der Erzabbau. Die Kristalle wurden im Gasthaus Vierstöck verkauft. Ein himmelblauer Kristall von 20cm Größe ist im Museum Wien.

Korundfelsen, die zu Schleifsteinen verarbeitet werden können, gibt es bei Laudenau, außerdem schwarzen Diorit, den Kreuzer und Böhringer im Steinbruch östlich Laudenau abbauen.

Interessant ist die These, daß der verkieselte Schwerspat, der südlich von Gumpen am Leimberg ansteht, mit Reichenbach einen Zug bildet, dies ist jedoch noch nicht nachgewiesen. Bei einer Exkursion mit Geologe Michael Fettel (2002) wurde über diese Möglichkeit gesprochen.

Basalt entstand im Zusammenhang mit dem Rheingrabenbruch, er ist 20-50 Mio Jahre alt und zieht sich von Brensbach Richtung Hippelsbach zum Kohlbacher Hof.

Der Kalkzug von Südwest nach Nordost beginnt heute in Bensheim an der Kalkgasse und geht über die Marmoritwerke in Hochstädten bis Hummetroth, wo man auch Karneol fand. Karneol, Jaspis und Opal lagen auch südöstlich unterhalb des Otzberg auf den Äckern, außerdem steht südlich Hummetroth ein 20m mächtiger Zechsteindolomit an, den man zum Kalkbrennen (Straßenname am Kalkofen) abbaute. Darin gab es Schwerspateinlagerungen.

Sogar Gold soll im Odenwald gefunden worden sein: eine alte Frau erzählte, daß man vor vielen Jahren beim Brunnenbohren in einem Gutshof in der Nähe des Otzberges Gold gefunden habe, dies sei durch eine Analyse der Degussa bestätigt worden. Leider weiß niemand mehr genau, wo das gewesen ist.

Beryllfunde machte man direkt an der B47 zwischen Vill Hutzwiese und Hutzwiese „Am Hirschert“.

*Böllstein, Ort im Odenwald. Der Name „Böllsteine“ kommt vermutlich daher, daß es in der Gegend nicht ganz geheuer war. Man hörte Geräusche wie Bellen - sicherlich hat dies etwas mit der direkten Nachbarschaft zu tun: mit dem Haalhof und dem Schnellertsheer.

Marieta Hiller, März 2018, Quelle: Michael Fettel, Heppenheim - Exkursion Bergbau 2002

Kupfer-, Blei- und Silberbergbau

  • in Schriesheim  - heute Schaubergwerk Grube Anna Elisabeth - 4m mächtig, erste Quelle für Abbau 1473, Schenke und Mühle wurde durch Kurfürst Friedrich I im Tal eingerichtet. Erst als 1780 auf der Suche nach Bleiglanz und Koblad stattdessen Eisen-Kupfer-Vitriol gefunden wurde, arbeitete das Bergwerk rentabel. Nach einer abenteuerlichen Geschichte seit 1985 wurde es für die Öffentlichkeit hergerichtet und kann bei Führungen besichtigt werden.
    Zunächst konnten nur die Strecken vom Oberen Wetter bis zur Aussichtsplattform begangen werden, ich war jedoch während einer Spezialführung schon im Jahr 1996 über lehmverschmierte Leitern im "Keller", im Gesenk Blautopf, von wo aus man einen Blick in die die Tiefsohle werfen konnte.
  • in Großsachsen seit 1551, silberhaltiger Bleiglanz. Lieferte zwischen 1775 und 1783 aus zwei Stollen etwa 4 kg Brandsilber jährlich an die kurfürstliche Generalkasse in Mannheim. 1784 Stillegung
  • Hohensachsen: Grube Marie in der Kohlbach seit 1012 - älteste urkundlich belegte Mine auf Blei und Silber, 4 Erzgänge. 1773-1795 fand mit 18 Bergleuten und 10 Waschkindern im Pochwerk der Hauptabbau statt, das Erz enthielt pro 100 kg bis zu 121 g Silber. Ein zweites Bergwerk St. Christian lieferte Vitriol zur Alaunherstellung nach Schriesheim.
  • Ober-Ramstadt - Nieder-Modau: auf der Ostseite des Silberberges wurde ab 1506 Silber aus unverkieselten Gängen gewonnen. Beim Auffahren eines Wasserhaltungsstollen fand man 1581 reiche Erzvorkommen: im Zentner fanden sich 30 Lot Silber und 20 Pfund Kupfer. Als der Tiroler Bergmeister Stalder um 1590 starb, wurde das Bergwerk geschlossen. 1858 bzw. 1907/08 fand man drei Sohlen und einen Hauptschacht.
  • Nieder-Beerbach / Waschenbach:am Glasberg bei Nieder-Beerbach fand man 1977 Silber. Im November 1981 wurde ein Abbaufeld an die Gewerkschaft Anbgelika verliehen, die sich 1995 in Odenwälder Erzbergbau umbenannte. Seit 1986 wird jährlich ein Ausbeutetaler herausgegeben.
  • In Gorxheim am Eichelberg wurde kurzzeitig Kupfergrün zur Farbherstellung gefördert.
  • Ein mächtiger Kupfergang lag in Rimbach, er wurde mit 20 Gewerken von 1775-77 ausgebeutet.
  • In Roßdorf an der Goldkaute gab es ein Kupferbergwerk im Rotliegenden-Schieferletten. 1500-1514 sowie 1577-1686 lieferte das Bergwerk Erze, die in Ober-Ramstadt verhüttet wurden. 1854-1859 wurde nach Reichenbach geliefert, doch die Reichenbacher Hütte wurde 1860 stillgelegt.

Bergwerksfelder um Reichenbach

Alfred am Teufelstein und Borstein

Heinrich nördlich von Reichenbach zum Felsberg hin

Reichenbach südlich von Hohenstein und Katzenstein

Bleialf um Raidelbach

Bergwerke auf der Bangertshöhe, am Feufelstein, unterhalb des Hohenstein, in Gadernheim (Graphit) und westlich von Knoden, durch Knoden zieht parallel zum Reichenbacher Gold ebenfalls ein Quarzgang.

Marieta Hiller, März 2018, Quelle: Michael Fettel, Heppenheim - Exkursion Bergbau 2002

 

Der RAD-Stein am Weinweg zwischen Gadernheim und Neunkircher Höhe, Foto G. Hogen

Das große Interesse am Stein des freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD), der in einer unserer Heftausgaben vorgestellt wurde zeigt, dass Regionalgeschichte nach wie vor viele Menschen beschäftigt und fasziniert. 

Der FAD-Stein steht an der Straße von Gadernheim nach Neunkirchen links an der Böschung und trägt die Inschrift „Freiw. Arbeitsdienst 1932-1933“. In dieser Zeit wurde die Straße fertiggestellt, über die man heute vorbei an Allmeiwiese und Lauterquelle zum Radarturm und dem Kaiserturm spazieren kann. Karl Heinz Hechler aus Reichenbach erklärte: arbeitslose Steinarbeiter steckten diesen Weg wie auch den „Arbeitsdienstweg“ vom Selzerwasserhäuschen bis zur Brücke in Elmshausen. Im Neunkirchner Wald wurde der alte Weg von den Pulverhäuschen bis zur Allmeiwiese weiter bis zur Neunkircher Höhe gebaut, das Sumpfgebiet um die Quellen wurde trockengelegt. Die Arbeiten hörten schnell auf, als das Arbeitsamt Bensheim Steinarbeiter für den Autobahnbau brauchte. Freiwillig hieß der Arbeitsdienst nach einer Information von Felix Klingenbeck* in Unterscheidung zum Reichsarbeitsdienst RAD, zu diesem Zeitpunkt hatte dies noch nichts mit dem nationalsozialistischen Staat zu tun. Erst 1938 wurden die lokalen FADs durch die Organisation Todt umorganisiert.

Es sollen in diesem Beitrag nun 2 weitere Arbeitsdiensteine vorgestellt werden, die sich im Lautertal finden lassen

Zum Einen, ein weiterer des FAD am heutigen Felsenmeerweg und ein Stein des Reichsarbeitsdienstes (RAD) an der Straße von Schannenbach nach Ober-Hambach. Dabei ist es wichtig auf den geschichtlichen Rahmen, der in untrennbarem Zusammenhang steht, einzugehen.

RAD-Stein zwischen Schannenbach und Ober-Hambach, Foto F. Klingenbeck

 

Der FAD-Stein im Felsberg

Direkt oberhalb des Riesenschiffes im Felsenmeer findet sich der Stein mit der eingemeißelten Inschrift "FAD Borstein 1933". Den Hinweis auf diesen Stein erhielt ich von Familie Bernhardt aus Beedenkirchen. Georg Bernhardt, 1949 in Beedenkirchen geboren und zur Schule gegangen, erinnert sich noch daran, daß sein Großvater Peter Bernhardt an diesem Weg (gelbe Markierung Nr. 5 im nordöstlichen Felsberg) mitgearbeitet hat. Der Stein muß noch lange Jahre nach Ende des 3. Reiches neben der besagten Inschrift ein Hakenkreuz getragen haben, denn nach Georg Bernhardts Erinnerungen mußten die Schüler der 7. und 8. Klasse dieses Hakenkreuz entfernen, das wäre also erst 11-12 Jahre nach Kriegsende gewesen. Ein weiterer FAD-Stein mit Inschrift steht im Neunkircher Wald sowie auf dem Krehberg. Marieta Hiller, Oktober 2016

Der Thalhofweg in einer alten Karte, Foto F. Klingenbeck

Der freiwillige Arbeitsdienst

war eine Einrichtung der späten Weimarer Republik, als die Wirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre schon in vollem Gange war. Ideen für einen Arbeitsdienst gab es in Deutschland und auch vielen anderen europäischen Staaten schon seit Ende des ersten Weltkrieges. Interessengruppen, Verbände, Parteien und auch Einzelpersonen versuchten den Staat aus den unterschiedlichsten Gründen heraus zur Einrichtung eines Arbeitsdienstes per Gesetz zu bewegen. Das Spektrum der Befürworter eines Arbeitsdienstes reichte von eher Konservativen, die dies als guten Ersatz für die durch den Versailler Vertrag abgeschaffte Wehrpflicht ansahen, bis hin zu studentischen bzw. von der Jugendbewegung geprägten Kreisen, die es als eine Möglichkeit zum Ausgleich von Klassengegensätzen verstanden und um Verständnis für die jeweils anderen Gruppen der Gesellschaft aufzubringen. Auch völkische Bewegungen, wie zum Beispiel der Bund Artam, suchten der damaligen Landflucht mit einem Arbeitsdienst entgegenzuwirken.

Die Entwicklung des Arbeitsdienstes zum RAD in 3 Phasen

vom FAD bis zum heute uns eher bekannten Reichsarbeitsdienst (RAD) des nationalsozialistischen Staates lässt sich grob in 3 Entwicklungsphasen einteilen. Man kann schon vorweg sagen, dass die beiden vom FAD hinterlassenen Steine im Reichenbacher Felsenmeer und am Weg von Gadernheim nach Neunkirchen Zeugnisse der 2. Phase sind.
Der Stein an der Straße zwischen Schannenbach und Ober – Hambach stammt aus der späteren RAD Zeit.

1. Phase - 1918 bis 1931:

Wie bereits erwähnt gab es in dieser Phase viele, die die Einrichtung eines Arbeitsdienstes des Staates forderten dies aber nicht erreichen konnten. Es gab einige private Initiativen und auch bestimmte Verbände hielten sogenannte Arbeitsdienstlager ab. Letztere muss man sich allerdings eher wie ein Zeltlager von wenigen Tagen vorstellen, in denen man sich bei gemeinsamer Arbeit begegnete.

2. Phase – 1931 bis 1933:

Etablierung der rechtlichen Grundlagen für den freiwilligen Arbeitsdienst im Juli 1931. Hierbei ist er unter anderem ein Bestandteil der „Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen“ während der Regierung von Reichskanzler Brüning.

3. Phase - 1933 bis 1935:

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt die Zentralisierung des Arbeitsdienstes bis zur Schaffung des Reichsarbeitsdienstgesetztes vom 26.06.1935, das ihn zu einer dem Wehrdienst vorgelagerten Pflicht für junge Männer machte. Er diente vor allem als Erziehungs – und Indoktrinierungsinstrument des NS – Staates.

Weltwirtschaftskrise

Wie schon erwähnt, ist die zweite Phase 1931 bis 1933 für die Betrachtung des geschichtlichen Zusammenhangs, in dem die beiden FAD Steine stehen am Wichtigsten. Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er betraf auch das Deutsche Reich in starkem Ausmaß. Es gab damals schon eine finanzielle Unterstützung für Arbeitslose. Die Einrichtung des Arbeitsdienstes erfolgte anders als man heute glaubt, nicht um die Wirtschaft in ökonomischer Hinsicht zu beleben oder bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Es war eine Beschäftigungsmöglichkeit vor allem für junge Menschen um diese nicht in völliger Entmutigung versinken zu lassen. Gründe für einen Arbeitsdienst, die während der ersten Phase vorgebracht wurden, spielten dabei keinerlei Rolle mehr. Ein Arbeitsloser erhielt, wenn er sich zum freiwilligen Arbeitsdienst meldete, nicht mehr Geld, als er ohnehin als Arbeitslosenunterstützung bekam. Das FAD Gesetz gestattete es den sogen. Trägern der Arbeit einen Arbeitsdienst einzurichten und auch vollkommen selbstständig zu bestimmen, welche Arbeiten zu leisten waren und wie viel die Arbeitszeit pro Tag betrug. Träger der Arbeit konnten alle Körperschaften öffentlichen oder privaten Rechts sein. Das heisst: Gemeinden, Kirchen, Verbände, Parteien, etc.

Die Träger der Arbeit konnten Arbeitskräfte anfordern,  diese erhielten nicht mehr Geld als die Arbeitslosenunterstützung

Für die zentrale Koordinierung unserer Gegend war das Arbeitsamt Darmstadt zuständig. Stellen wie diese wurden wiederum als Träger des Dienstes bezeichnet. Unter anderem kümmerte man sich hier um Nachschub und Zuweisung neuer Freiwilliger.

Freiwilliger Arbeitsdienst in Gadernheim, Lautern und Reichenbach

Aus einer Bestandsaufnahme vom Februar 1933 über die Verteilung der Gemeinden mit freiwilligem Arbeitsdiensten im Bereich des Arbeitsamtes Darmstadt geht hervor, dass in der heutigen Gemeinde Lautertal insgesamt 3 Dörfer (damals eigenständige Gemeinden) mit freiwilligem Arbeitsdienst existierten. Es handelte sich dabei um Reichenbach, Lautern und Gadernheim.

Die auszuführenden Arbeitsvorhaben sind kartographisch als folgende Punkte vermerkt:
1. Der Wegebau von Gadernheim nach Neunkirchen, hier als Viecenalweg bezeichnet.
2. Die Anlage des Felsbergwegs, der später auch „Arbeitsdienstweg“ genannt wurde.
3. Anlage des sich dem Felsbergweg in westlicher Richtung anschließende, hier sogen. Thalhofweg*.
4. Vereinzelte Waldstücke für Waldarbeiten.

 *Kann sich noch jemand an die Bezeichnung Thalhofweg erinnern? Infos erbeten an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 06254-9403010!

Es zeigt sich also, dass der Schwerpunkt für den FAD in unserer Gegend vor allem auf der Anlage von Wegen bzw. dem Ausbau schon vorhandener, meist nicht, oder nur schlecht befestigter Pfade lag. Bedingt durch die Autonomie hinsichtlich der Arbeitsvorhaben dürfte im Lautertal die Auswahl auf Projekte gefallen sein, die für die Region notwendig oder zumindest wünschenswert waren. Die Gemeinnützigkeit eines Vorhabens war dabei laut des Gesetzes von 1931 keine zwingende Voraussetzung.

Nicht nur Gemeinden durften einen Arbeitsdienst einrichten. So existierte z.B. ein FAD Lager der evangelischen Kirche in Biblis oder aber auch ein Lager des Stahlhelms in Fränkisch-Crumbach. Auch die großen Parteien unterhielten allesamt eigene Arbeitsdienste bzw. Arbeitsdienstvereine.

Personelle Struktur des FAD

Wie setzte sich nun der FAD personell zusammen? Das 1933 auf dem Borstein im ehemaligen Wormser Naturfreundehaus eingerichtete FAD Lager zeigt, dass eine Gemeinschaftsunterbringung von Personen aus dem weiteren Umkreis nur zum Zwecke des Arbeitsdienstes durchaus existierte. Hierbei sprach man von einer geschlossenen Maßnahme. Es fand dabei gemeinsames Wohnen, Arbeiten und Essen statt. Eine flächendeckende, kasernierte Unterbringung kann man jedoch erst später beim RAD beobachten. So waren im FAD oft Personen tätig, die aus der Region stammten oder direkt aus dem Ort an dem der Arbeitsdienst eingerichtet worden war. Man fand sich täglich für das Arbeitsdienstvorhaben am Ort der Arbeit ein und arbeitete dann stundenweise oder auch einen ganzen Tag. Dies wurde offene Maßnahme genannt. Es fanden im Lautertal somit sowohl offene als auch geschlossene Maßnahmen statt. Die Zeit, die man im FAD verbrachte betrug meist nur ca. 10 Wochen. Der FAD Stein am Weg von Gadernheim nach Neunkirchen zeigt die Inschrift 1932 - 1933. Das Wirken des FAD im Lautertal begann also klar durch das Gesetz für den Arbeitsdienst vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Am Felsenmeerweg weist die Inschrift deutlich auf das 1933 eingerichtete FAD Lager auf dem Borstein hin. Es darf trotz der im Januar erfolgten Machtübernahme der Nationalsozialisten weiterhin vom FAD gesprochen werden, da eine Umorganisation erst in den darauf folgenden 2 Jahren stattfand und der RAD erst ab 1935 durch das entsprechende Reichsarbeitsdienstgesetz in seiner eigentlichen Form zu existieren begann.

Die ausgeführten Arbeitsdienstvorhaben des FAD im Lautertal waren somit allesamt noch Projekte der Weimarer Zeit.

Wie aus dem FAD der Weimarer Zeit der RAD wurde

Wie das FAD Lager auf dem Borstein, verschwanden auch zwischen 1933 und 1935 die anderen freiwilligen Arbeitsdienste der Gemeinden. Die FAD Lager stellen sich 1933 freiwillig unter die Kontrolle des Staates oder wurden mit Zwang gleichgeschaltet. Es erfolgte eine totale Umorganisation hin zu einer zentralisierten Einrichtung des NS Staates, die trotz gewisser Verquickungen mit der NSDAP faktisch eine staatliche Einrichtung und keine Parteiformation war. Von Anfang an fand dies unter Leitung des ehemaligen Generalstabsoffiziers Konstantin Hierl statt, der bis 1945 der Reichsarbeitsdienstführer blieb. Der RAD war nie als Instrument zur Schaffung von echten Arbeitsplätzen gedacht, sondern diente in erster Linie als Erziehungsinstrument.

Es wurden sogenannte Holzhauslager errichtet, die aus genormten Baracken bestanden in denen junge, arbeitsdienstpflichtige Männer für 6 Monate kaserniert lebten. Die Organisation erfolgte in Arbeitsgauen, die sich wiederum in Gruppen mit Abteilungen gliederte. Für Südhessen war dies der Arbeitsgau XXV und in unserer Gegend war vor allem die Arbeitsdienstguppe 255 aktiv. In Friedenszeiten, bis zum Kriegsausbruch wurden vom RAD hauptsächlich Bauarbeiten sowohl ziviler, als auch militärischer Natur ausgeführt. So war der Bau von Wegen und Straßen nach wie vor ein Kerngeschäft. Es erfolgten besonders aber auch in unserer Region Meliorationsarbeiten, wie die Entwässerung des hessischen Riedes und auch der Bau des sogen. Erbhofdorfes Riedrode. Die Erbhofdörfer* waren ideologisch und personell von Beginn an eng mit dem RAD verknüpft.

*siehe auch Hessenaue: dieses Erbhofdorf wurde von den Nationalsozialisten in Form eines Hakenkreuzes angelegt, was man auf der Karte noch erahnen kann. Anm. M. Hiller

Frühe Lager der 3. Phase, die schon den Organisationsstrukturen des RAD entsprachen sind auch für unsere nähere Umgebung bekannt. So zum Beispiel in Heppenheim in der ehemaligen Nudelfabrik Tuger und in Bensheim im heutigen Gebäude des AKG (damals Ernst-Ludwig Seminar).

Der Stein in der Nähe von Schannenbach

ist auch im Rahmen des Wegebaus durch den RAD im Jahr 1935 entstanden. Welche Abteilung genau ihn schuf, ist bisher nicht abschließend geklärt.

Aufgaben des RAD

Auch der Bau von Flughäfen und des Westwalls waren Aufgaben des RAD, an denen auch Abteilungen aus der Umgebung teilnahmen. Mit Kriegsausbruch wurde der RAD zum Teil in die Baubataillone der Wehrmacht eingegliedert, aber auch Heranziehung von Abteilungen zur Flak, wie zum Beispiel des Lagers „Erich Jost“ aus Lampertheim oder des Lagers „Ludwig der Deutsche“ in Einhausen waren üblich. Noch lebenden Zeitzeugen sind meist vor allem noch die sogen. Arbeitsmaiden des ab 1939 zur Pflicht gewordenen Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend (RADwJ) in Erinnerung, die in Ried und Odenwald als Ernte – und Haushalthilfen bei Großbauern und kinderreichen Familien eingesetzt wurden.

Heute sind die Steine historische Denkmäler, in großer Zahl...

Die Steine, die uns im Lautertal bekannt sind, waren keinesfalls Einzelerscheinungen, die nur in der Region des vorderen Odenwaldes zu finden sind. Es gehörte seit den Tagen des FAD zur Tradition, sich in irgendeiner Weise zu verewigen. So lassen sich auch heute noch über das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Steine des FAD bzw. des RAD finden. In Falken Gesäß bei Beerfelden fand sich zum Beispiel noch in den 1970/80er Jahren ein Stein des RAD. Die Steine dienten auch nach dem Krieg für Ehemalige Angehörige als eine gewisse Art von Identifikationsmerkmal und Beweis für die baulichen Leistungen sowohl des FAD als auch des RAD. Nach 1945 gründete sich der Bund der Notgemeinschaft ehemaliger berufsmäßiger Arbeitsdienstangehöriger und deren Hinterbliebenen e.V. (BNA) in dem sich das ehemalige Führerkorps des RAD organisierte. Von dem ehemals sehr ranghohen Arbeitsdienstführer Karl Lauritzen, der zur Reichsarbeitsdienstführung in Berlin gehörte, wurde 1983 im Auftrag des BNA das Buch „Steine als Zeugen – Gedenksteine, Gedenktafeln des ehemaligen Arbeitsdienstes“ publiziert in dem sich auch die Steine am Felsenmeerweg und in Falken-Gesäß finden. Weiter ist auch der mit Arbeitsdienst – und DAF-Symbolik verzierte Brunnen in Riedrode abgebildet. Alleine die Betrachtung unserer Gegend zeigt, dass diese Publikation nur einen Bruchteil der insgesamt erstellten Steine zeigt. Wie hier erläutert, sind alleine für das Lautertal insgesamt 3 Steine bekannt, von denen nur einer erwähnt wird. Die Gesamtzahl muss also ingesamt wesentlich höher sein als dokumentiert. Das gesamte Buch muss natürlich im Spiegel seiner Zeit und seines Autors betrachtet werden. Es ist sicherlich in die Kategorie der Erinnerungsliteratur einzuordnen, in der meist gewisse Tendenzen zur Glorifizierung zu beobachten sind. So ist nicht verwunderlich, dass auch der Reichsarbeitsdienst sich nach 1945 als Einrichtung zu präsentieren versuchte, die ausschließlich für segensreiche Bauvorhaben und Hilfsdienstleistungen stand. Unbestritten bleibt allerdings, dass sowohl FAD als auch RAD gerade in den Regionen des Odenwaldes und des Rieds die Landschaft, die wir heute als gegeben und schätzenswert wahrnehmen, teilweise in sehr starker Form mitgeprägt und verändert hat.

Der Komplex des Arbeitsdienstes bildet für unsere Gegend ein sehr ergiebiges Forschungsthema. Ich arbeite seit etlichen Jahren daran, eine Regionalstudie zu erstellen, die die komplexen Zusammenhänge von den Anfängen des FAD bis zum Ende des RAD 1945 an Bergstraße, Ried und Odenwald darstellt. Aufgrund der großen Zerstreuung der Quellen wird dies sicherlich auch noch einige Jahre dauern. Vor allem die Archive der einzelnen Gemeinden halten gerade in Bezug auf den FAD noch manche Überraschung bereit, die dabei helfen werden ein klareres Bild zu diesem Thema zu zeichnen.
Dieser Beitrag stammt von Felix Klingenbeck.
Er wird im März 2017 das Staatsexamen in Humanmedizin ablegen und ist am IMGWF der Uni Lübeck Doktorand und studentischer Mitarbeiter. Eines seiner Forschungsthemen neben seiner Dissertation ist mit dem RAD assoziiert: der bisher nicht erforschte Gesundheitsdienst dieser Einrichtung. Zu finden unter dem folgenden Link http://www.imgwf.uni-luebeck.de/256.html

November 2016, Marieta Hiller

 

Der besondere Stein Marmorit stammt von einem alten Riff, das vom Ozean in den Granitgrund gedrückt wurde, der Ozean zwischen Nord- und Südkontinent war 1000km breit. Das geschah im Karbon, vor etwa 340 Millionen Jahren.

Im Norden lag der Kontinent Avalonia, im Süden Armorica. Der Odenwald driftete 2-3cm pro Jahr nach Norden. Unter dem Odenwald ist der Boden des Ozeans. Das rheinische Schiefergebirge ist die oberste Schicht, die durch Kontinentverschiebung nach oben geschoben wurde. Der Altersunterschied zwischen dem Granit von Heidelberg zu dem der Grube Messel liegt bei 20 Mio Jahren, von Nord nach Süd wird der Stein immer jünger.

Der Odenwald war ein alpines Hochgebirge, 3000-4000m hoch. Granit entsteht nur in 10-12km Tiefe bei 800 Grad. Vor 280-250 Mio Jahren überlagerte Sandstein das Grundgebirge, das waren Wüstenflugsande die Wadis bildeten - weite Flußtäler.

Die Umgebung der Grube Messel ist 340 Mio Jahre alt, die Grube selbst nur 47 Mio Jahre. Die Temperatur lag ca. 5 Grad höher als heute, es war ein Flachmeer.

Die Bewegung der Kontinente liegt heute bei ca. 3 cm pro Jahr (so schnell wachsen Fußnägel), die Alpen wachsen ebenfalls 3 cm pro Jahr in die Höhe, werden aber etwa so viel erodiert.

Der Rheingraben stellt eine Besonderheit dar: hier liegt die mögliche Erdbebenstärke bei 8,5-9. Der Lockerschotter ist 5000m mächtig. Durch Regen werden Sande und Schotter pro 1 Mio Jahre 3 Meter abgetragen.

 

Man denke sich eine gerade Linie vom Borstein oberhalb Reichenbach bis zum Katzenstein in Raidelbach, mit einem leichten Knick nach Norden im Wald oberhalb des Hofgutes. Diese Linie geht mitten durch das Reichenbacher Zentrum, die Ev. Kirche steht genau dort, wo die Lauter sich einst durch den Quarz ihr Bett gegraben hat. Heute steht der Quarzgang als Naturdenkmal unter Schutz. An mehreren Stellen liegt er durch Verwitterung frei an der Oberfläche, so gehören Teufelsstein, der Steinbruch an der Körner-Eiche und weiter unterhalb Richtung Reichenbach, wo der Weg der Stille kreuzt, auf der anderen Seite der Hohenstein und der Katzenstein dazu.

Mitten durch Reichenbach zog sich die Quarzader: vom Teufelsstein und Borstein im Westen durch bis zum Hohenstein und Katzenstein im Osten. Kartenausschnitt aus Philipp Buxbaum, um 1925 nach Vorlage von 1830-1860 - HStAD Bestand O 61 Buxbaum Nr. 1/358; bearbeitet (Farbmarkierungen): M. Hiller

Die Ev. Kirche in Reichenbach steht tief unter einer Quarzader

Am Kleinen Hohenstein zeigen sich die Wellenmuster im Quarzit besonders schön.

 

30 Millionen Jahre alt ist das Gestein und damit wesentlich jünger als der Ursprung des Granitplutons, aus dem schließlich das Felsenmeer herauswitterte. Es hat eine Mächtigkeit von ca. 20 Metern und besteht aus Quarzit und Baryt. Das Baryt, auch Schwerspat genannt, wurde durch die Einwirkung von heißen Wässern zu Quarzit umgeformt. Das Gestein zeigt dadurch verzerrte Linien (Wellenmuster) und ist blättrig mit eingeschlossenen Kristallen von Malachit, Kupferkies und Sulfid.

Üblicherweise entsteht Quarzit durch Metamorphose aus Sandstein. Daß im vorderen Odenwald jedoch kein Sandstein zu finden ist, liegt daran, daß dieser erst viel später nach dem Granit auf die Scholle kam. Durch das Aufbrechen des Rheingrabens kippte die Odenwaldscholle von West nach Ost, die hochstehende Westseite wurde durch Verwitterung wieder geebnet, so daß der Odenwald von West nach Ost die Gesteinsabfolge von alt nach jung zeigt. In Reichenbach jedoch entstand der Quarzit nicht aus Sandstein, sondern durch Verkieselung von Schwerspat. Dabei entstanden die hübsch opalisierenden Glitzereffekte. Bis ins letzte Jahrhundert wurde in Reichenbach Kupfererz und andere Erze abgebaut, zum Teil stand das Kupfer gediegen ab. Aus den Schlacken wurde z.B. die Sperre des Wasserrückhaltebeckens oberhalb Reichenbach aufgeschüttet. Noch heute gibt es im Lautertal mehrere Betriebe, die den Odenwaldquarz zu Schmucksteinen verarbeiten.

Dort wo heute der Ortskern von Reichenbach liegt, war zur Zeit der Besiedelung vor 1000 Jahren natürlich kein Quarz mehr zu finden. Das Geländerelief ist tief abgetragen bis weit unter die ehemalige Lagehöhe der Quarzader. Aber am Teufelsstein, am Borstein, am Hohenstein und am Katzenstein ist der wunderschöne Quarz noch zu sehen.

Interessant wäre die Frage, warum die Kirche genau an dieser Stelle steht. Ansiedlungen entstanden im Mittelalter meist in Talgründen an Wasserläufen, so auch Reichenbach an der Lauter und der Einmündung von Graulbach von Norden und dem Bach von der Nonnenwiese im Südosten. Fruchtbare Böden und geschützte Lage fand man dort, und das Tal ist relativ breit.

Von anderen Orten weiß man, daß christliche Gotteshäuser oft genau auf die Stellen gebaut wurden, wo sich vorher ein heidnisches Heiligtum befand. Damit sollte zum einen die neue „Herrschaft“ des richtigen Glaubens eindrucksvoll demonstriert werden und zum anderen die Gewohnheit der Menschen, an Alther-gebrachtem festzuhalten, für die Kirche genutzt werden. Denn die Bewohner mußten zwar oft im Lauf einer Generation dreimal den Glauben wechseln, aber an ihren Traditionen hielten sie fest, und so besuchten sie einfach weiterhin die Plätze der Andacht, die sie gewohnt waren.

In Reichenbach war das etwas anders, denn nach dem Lorscher Kodex war der Odenwald vor der Besiedlung durch das Kloster Lorsch menschenleer. Walddickicht zog sich über unermeßliche Flächen und bedeckte auch die Talschaften. Handelswege, genutzt seit der Zeit der alten Römer, zogen sich immer auf den Höhen entlang. Es gibt keine Spuren der geheimnisvollen Kelten, auch wenn einst um 1900 jede Gemeinde die etwas auf sich hielt, dafür sorgte daß auf ihrem Gebiet mindestens ein Hügelgrab entdeckt und in die Kartographie aufgenommen wurde. Ob die Kelten doch im Odenwald waren, beispielsweise um die reichhaltigen Erzvorkommen zu nutzen, läßt sich nicht sagen.

Aber sehr wahrscheinlich ist, daß es in Reichenbach vor 1013 keine Menschen und damit auch keine Andachtsstätte gab. Da jedoch alte Heiligtümer immer an besonderen Orten in der Landschaft angelegt wurden, verwundert es daß auch die Ev. Kirche an einem solchen Ort gebaut wurde. Solche Orte werden von einigen Menschen als Kreuzungspunkte von Kraftlinien bezeichnet. Leider oftmals stark esoterisch angehaucht, ist das Thema trotzdem ungemein spannend. Nicht nur Wasseradern können auf das menschliche Wohlbefinden wirken, sondern auch geologische Formationen. Zu dumm ist nur, daß diese geologische Besonderheit - die Quarzader - längst vergangen war, als die Kirche dorthin gebaut wurde. (M. Hiller, Herbst 2013)

Der Teufelsstein: nordwestliches Ende der Quarzader


Der Teufelsstein: deutlich erkennt man die beiden Teufelshörner... Die würdevolle Inschrift zum Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege hat weder einen der Gefallenen wieder lebendig gemacht noch hält es manchen Politiker davon ab, immer weiter Richtung Krise und Krieg zu agieren.

"Teufelsstein bei Reichenbach.
Nicht weit von Reichenbach, dem hohen Steine gegenüber, in einem Walde liegt der Teufelsstein. Er sieht aus, als wären etliche hundert Karrn Steine kunstreich zusammengeschüttet, indem sich wunderbarlich Gemächer, Keller und Kammern von selbst gebildet, in welchen bei schweren und langen Kriegen die Bewohner der Gegend mit ihrem ganzen Haushalt gewohnt. Diesen Stein soll der Teufel in einer einzigen Nacht, nach der gemeinen Sage, also gebildet haben."

So steht es in "Winkelmann’s hessische Chronik" - Aus: Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Band 1. Nicolai, Berlin 1816, Seite 274. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutsche_Sagen_(Grimm)_V1_310.jpg&oldid= - (Version vom 31.7.2018)
Der Teufelstein auf dem Teufelsberg ist das eine Ende der Quarzader, die sich mitten durch Reichenbach zog und auch als "Reichenbacher Gold" bekannt ist. Das andere Ende ist der Hohenstein. Der Teufelsberg liegt westlich als Ausläufer des Felsberges  oberhalb Reichenbach.
Wer dazu eine Sage kennt, oder auch zum Hexenstein auf der Neunkircher Höhe, darf sich gerne an die Redaktion wenden. Entdeckt hat den Beitrag zum Teufelsstein Fritz Ehmke. mh

Naturdenkmal Teufelsstein - einst farbig bemalt oder markiert...

Der Hohenstein

Der Hohenstein ist das südöstliche Ende der Quarzader. Hier üben sich Kletterer - deutlich sieht man die schräg verlaufenden Klüftungen im Quarz

Kletterparadies: wer trägt sich ins Gipfelbuch ein?

fast waagerecht stehen die Felsbänder auf den Seiten des Quarzfelsens, der zum Reichenbacher Gold gehört

Zeugnis aus Zeiten der aktiven Steingewinnung am Hohenstein: im Baum eingewachsener Isolator für die Stromversorgung

Marieta Hiller, 2018

Bevor man in der Bruchhalde bei Messel entdeckte, daß hier archäologische Schätze verborgen sind, war geplant, den ehemaligen Tagebau mit Müll zu verfüllen. Nachdem kein Ytong mehr abgebaut wurde, war ein Loch von 20 Millionen Kubikmetern in der Erde, das - hätte man es sich selbst überlassen - nach und nach vergrünt wäre, bis es nicht mehr als ehemaliger Tagebau erkennbar gewesen wäre. 4 Milliarden Euro hätte man mit der Müllverfüllung verdienen können, denn pro Kubikmeter Müll werden 200 Euro gezahlt.

Müllablagerung am Rand der Grube Messel

Blatt im Ölschiefer

Allerdings bildete sich 1987 schnell eine Bürgerinitiative gegen die Müllablagerung. 1991 kaufte das Land Hessen die Grube für 32,6 Millionen Mark und übertrug die wissenschaftliche Auswertung der Grube der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft.

Im Ölschiefer entdeckte man unter anderem das weltberühmte Urpferdchen. 25cm hoch: Hygrotherius - 30cm Urpferdchen - 107cm Shetlandpony - 180 cm Shirehorse - 140 cm Przewalski

Man glaubte zunächst, daß das Urpferd ein Allesfresser war, da man in seinem Bauchraum kleine Knochen fand. Dann aber kam die Erkenntnis: das Pferd war schwanger!

Der Ölschiefer umfaßt die obersten 10 cm im Boden, reicht also bis 1000 Jahre in die Vergangenheit. Viele Pflanzenbestandteile finden sich in 80-81 Metern Tiefe. Darunter lieggen Konglomerate, die in mehrerern 100 Jahren entstanden und sich in schmalen Schichten von 8-15 Zentimetern aus Sanden und Kiesen zusammensetzen. Auf 30t Meter Tiefe stößt man auf vulkanische Asche und verkohlte Pflanzenreste, die durch eine gigantische Explosion verbrannt sind. Verursacht wurde die Explosion durch Magma, die auf Wasser traf. Die Steine wurden davon so deformiert, daß sie wie verkneteter Teig aussehen. Das Wasser befand sich in einem sehr tiefen Maarsee und verdampfte schlagartig. Heute besteht die oberste Schicht des Ölschiefer zu 40 % aus Wasser, zu 8% aus Öl. Der Rest ist Gestein. Man möchte hier den Zustand der 90er Jahre erhalten. Das BZ, 2011 eröffnet, konnte sich schon nach drei Wochen über 5000 Besucher freuen. Die Kläger gegen die Mülldeponie haben übrigens lebenslang freien Eintritt.

Geologischer Aufzug: geht man in eine Tiefe von 10 cm am Grund der Grube, so entdeckt man Relikte der letzten 1000 Jahre. Bei 1 Meter der letzten 10.000 Jahre, bei 100 Metern 1.000.000 Jahre und bei 400 Metern 4.000.000 Jahre! Bei 433.000 Metern Tiefe sieht man zerrissenes Gestein, die Brecchie. Hier entstand innerhalb von Sekunden im Schlund des Vulkans eine basaltische Schmelze. Alle 100 Meter steigt die Temperatur um 1 Grad, auch im Erdinnern. Auf der Höhe der Brecchie würden also 4330 Grad herrschen.

Vor 47 Millionen Jahren fand die Maarexplosion statt. Bis zu diesem Zeitpunkt kann man mit dem geologischen Aufzug in die Tiefe fahren.

M. Hiller, 2011 / 2012

Das besondere Biotop der Grube Messel

Bei einer Führung durch die Grube Messel, zugleich faszinierendes Geotop und biologisches Artenvielfaltswunder, erläuterte Dr. Renate Rabenstein vor einigen Jahren die tropische Flora und Fauna des Ölschiefers. Dabei wurde das wissenschaftliche Team durch Forscher aus Bolivien unterstützt, um alles zu erfassen.
Der Ölschiefer kann unterirdisch schwelen, daraus entstehen nicht sichtbare unterirdische Löcher. Es besteht Einbruchgefahr. Hier fühlen sich Birken, Nachtschattengewächse, Frösche, Blindschleichen, Nachtigallen und der Kuckuck wohl. Außerdem  natürlich die "übliche" Bevölkerung: Wildschweine, Rehe, Hasen, Jäger. Die Grube Messel ist einer von drei Orten, an denen die Kerbameise vorkommt. Die ehemalige Ytonghalde wurde in mehreren Jahrzehnten seit der Unterschutzstellung von der Natur zurückerobert, ist schön warm - daher gibt es viele Eidechsen und naturbelassene Wälder.

Die Grube Messel ist genauso alt wie die Grube Prinz von Hessen - eozäne Fossilgruben. Die Wasserflächen sind alte Grabungen, die heute ideale Laichplätze darstellen. In Messel sind das etwa 700x800m, 65m tief. Seit den 70er Jahren erfolgen hier Grabungen. Der Ölschiefer entstand vor 47-45 Mio Jahren, es gibt darin Grünalgen als Zeigerpflanzen. Erdöl entsteht aus Plankton, Kohle aus groben Pflanzenteilen. In Messel lag kein flüssiges Öl vor, nur Algen. DerÖlschiefer hat helle und dunkle Schichten: dunkel bildete sich der Sommer ab, wenn es viele Algen gab. Es werden pro Jahr ca. 30x30x10 Meter untersucht, man vermutet noch ca. 800.000 Funde. Die Auswertung erfolgt oft erst 3-5 Jahre später.

Ytong baute hier 20 Mio Kubikmeter Steine ab. Ein Verschwelungswerk holte 40% Wasser aus dem Gestein, mit Wasserdampfrückführung. Aus dem Dampf wurde Strom erzeugt, auch die Bagger hatten Elektroantrieb. Aus dem Gestein wurde 1 Mio t Rohöl gewonnen, der Rest war Schlacke.
800 Arbeiter, Grubenhunte. Schlacke liegt bei Gelsenrot, Blähton = gute Drainage, Tennis- o. Fußballplätze. Seramis, Dachbegrünung etc.

Das Grundwasser steht aufgrund eines Pumpschachtes von 20 Meter Tiefe, der zur Trockenhaltung der Mülldeponie eingerichtet worden war, stetig gleich hoch. Die Pumpe fördert 12 ltr/sec., Wasser hat einen hohen Eisenanteil.

Brunnen mit Tiefenwasser aus 300-340mtr haben einen Druck von 3,8 bar, das Wasser würde ohne Druckminderer 38m hoch schießen. Es riecht sehr schweflig, hat fast Heilwasserqualität. Diese entspricht der von Bad Homburg oder Wiesbaden.

Anärobe Verwesung am Kratergrund wandelte die Knochen von hineingefallenen Tieren um und konservierte sie perfekt. Das hier gefundene Urpferd hatte vorn 4 Zehen, hinten 3, weil es im Schlamm lief. Moderne Pferde sind Steppentiere und haben Hufe. Der Mageninhalt des Urpferdes waren vergorene Weintrauben und Lorbeerblätter. Es hatte 240 Grad Sichtweite, heutige Pferde haben 320 Grad, weil sie Fluchttiere sind. So groß wie ein Rehkitz oder ein Schäferhund war das Urpferd.

Früher das Urpferd, heute Fledermäuse

Spektakulärer Fund war eine tote Brillenblattnase, ein tropischer Früchtefresser. Sie wird zu Ansichtszwecken tiefgekühlt aufbewahrt.
Einheimische Fledermäuse fressen Fluginsekten, die Mückenfledermaß täglich 1000-2000 Mücken!

Mit einem Ultraschallgerät können ihre Rufe aufgenommen und 10fach verlangsamt wiedergegeben werden, so daß der Ultraschall US für das menschliche Ohr gut hörbar wird. Es lassen sich Mückenfledermaus (55kHz) und Zwergfledermaus (45 kHz) unterscheiden. Der große Abendsegler ruft mit 18 kHz, aus dem Gerät klingt das wie Flipflop Flipflop.

Fledermäuse lassen sich nicht mit eigenen Geräuschen anlocken. Alle fossilen Fledermäuse konnten Ultraschall hören, weil die Cochlea halbe Schädelbreite hatte. Flughunde haben eine kleine Cochlea, sie essen Früchte, weil sie nicht gut genug hören um Insekten zu fangen.

 

1765 wurde der Antrag auf Errichtung einer Achat- und Hartsteinschleifmühle bei Lindenfels gestellt, von dem Lindenfelser Amtmann Faupel. Ihm schien die Bearbeitung der hier vorkommenden Hartsteine lohnend. Daraufhin ließ sich die kurpfälzische Regierung Proben des Gesteins zusenden, erachtete es als brauchbar und erteilte die Genehmigung. Faupel erhielt daneben 15 Klafter Brandholz und zehn Jahre Steuerbefreiung.

Doch schon zwei Jahre später - Faupels Schleifmühle war aktiv und brachte tatsächlich Achatarbeiten hervor - klagte die Bergwerksdirektion, daß Bergleute und "mit Scheinen versehene Schürflustige" aus dem Amt Lindenfels verwiesen wurden.

Fundort: StAD Abt X G3 Konv 59 Fsz 2, Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße Nr. 6, 1973

Am Rauhestein bei Gadernheim steht dieser wunderschön geschmückte Stapler zwischen Grabsteinrohlingen und Bruchsteinen. Wer hat ihn wohl so liebevoll dekoriert?
Vermutlich konnte eine rührige Floristin während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2021 ihre Finger nicht stillhalten...

Mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht! Haggai 2 Vers 6
Ein Bibelspruch: Das Buch Haggai gehört zum Zwölfprophetenbuch im Judentum und damit auch zum Alten Testament des Christentums. Die vier Reden des Buches Haggai sind datiert in die zweite Hälfte des Jahres 520 v. Chr. in Jerusalem.
Die Inschrift findet sich auf einem Abfallstück nahe bei dem hübschen Stapler.

Bei der Recherche zum Reichenbacher Natursteinwerk DESTAG erhielt ich die Information von Philipp Degenhardt, daß es neben anderen auch einen Steinbruch der DESTAG bei Schannenbach gab. Auf Nachfragen ergab sich jedoch, daß nichts darüber bekannt ist. Herr Rainer Rößler aus Schannenbach hat dazu eigens nachgeforscht und mir die Ergebnisse zukommen lassen.

Hier finden Sie alle Informationen zum Natursteinabbau am Krehberg sowie viele Fotos der Gesteine von verschiedenen Steinbrüchen, die am Geopunkt Schannenbach zu sehen sind.