Auf Spurensuche: Steinbearbeitung im Odenwald über die Jahrhunderte am Krehberg und am Johannesberg

 

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Kristallin nennt man die Gesteine im vorderen Odenwald, die als Tiefengestein aus magmatischen Schmelzen durch Kippung der Odenwaldscholle an die Oberfläche traten, als der Rheingraben einbrach. Das ist alles lange her, doch findet man Spuren aus allen Zeiten, seit der Mensch begann die Steine abzubauen. Nichts ist spannender, als bei einem Spaziergang alte Steinbrüche zu untersuchen. Prominentester Ort dafür ist das Felsenmeer, denn hier findet man eine fast 4000jährige Tradition der Steinbearbeitung. Die Hügel ringsum bergen nicht weniger spannende Geheimnisse: Bangertshöhe und Marmoritwerk, Katzenstein und Hohenstein, Krehberg, Johannesberg, Schenkenberg und Buch in Lindenfels, Meßbach und Seidenbach,  - überall zeugen bearbeitete Stücke von der mühevollen Arbeit im oft harten Gestein: Granit, Melaquarzdiorit, Gabbro. Feldspat, Quarz, Hornblende und Glimmer in unterschiedlicher Zusammensetzung wurde hier vor ca. 340 Millionen Jahren unter großem Druck zu Stein. Erstaunlicherweise findet man aber auch Schiefer: uralter Meeresboden, geschichtet aus Sedimenten, gefaltet und gehoben durch die Bewegung von Kontinenten. Von Nordost nach Südwest zieht sich der variszische Glimmerschiefer durch den kristallinen Odenwald, sichtbar wird er am Bismarckturm in Lindenfels, zieht weiter über das Seidenbacher Eck Richtung Heppenheim. Der variszische Glimmerschiefer am Bismarckturm wurde 2019 zum Geotop des Jahres gewählt (das erste Geotop des Jahres war 2002 das Felsenmeer).  
Genutzt wurden die Gesteine überall, wo dauerhaftes robustes Baumaterial  benötigt wurde: Maschinensockel für Fabriken im Ruhrgebiet, tragende Teile der Rheinbrücke in Worms, im Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Der Vorschlag August von Kotzebues (1761-1816, deutscher Dramatiker), die Riesensäule aus dem Felsenmeer für den Bau des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig zu verwenden, wurde zum Glück nicht realisiert. Aber das Tannenberg-Denkmal (bei Olsztynek in Polen) wurde mit Brandauer Rot (Granit) gebaut und zum Bau des Reichstages in Berlin soll auch Granit aus den Weberner Steinbrüchen am Johannesberg verwendet worden sein. Hier, im Streithain am Johannesberg zwischen Brandau, Lützelbach und Webern gibt es drei ehemalige Steinbrüche. Der oberste, in der Nähe von Lützelbach gelegen, ist heute Wildacker in Gemeindeeigentum. Früher hat die Destag hier gearbeitet, man sieht noch den Trafoturm mit elektrischen Anlagen im Wald. Der mittlere Steinbruch weist neben Bauwerksruinen ein sehr tiefes Wasserloch auf. Der unterste Steinbruch liegt oberhalb von Webern. Die Gesteinsart vor Ort wird im Volksmund Schwartemagen genannt, zeigt sich in geschliffenem Zustand rötlich und wird auch Brandauer Rot genannt, im Deutschen Museum so zu finden. Gearbeitet wurde hier ab Ende des 19. Jahrhunderts, Hauptzeit 20er Jahre, jedoch gab man schließlich auf, weil der Stein schwer zu bearbeiten war. Ich danke für die umfangreichen Informationen zum Johannesberg einem Herrn aus Brandau, der ungenannt bleiben möchte.
Vom Johannesberg nach Süden gelegen ist der Krehberg. Hier stellte eine Projektgruppe aus Reiner Rößler, Nathalie Benker, Harald Lannert und Wolf Nevermann Informationen zu ehemaligen Steinbrüchen zusammen. Ein Film mit Impressionen ist bereits auf www.schannenbach.de zu sehen. Von Norden bei Knoden, von Westen (Märkerwald bei Gronau) und den Hauptplätzen im Krehberg und Kesselberg Richtung Scheuerberg-Seidenbach zeigt sich der Granit in unterschiedlicher Gestalt, als Barytquarz oder Flasergranit etwa. In Schannenbach am Dorfgemeinschaftshaus wird ein Geopunkt eingerichtet: eine alte Seilwinde wurde bereits aufgestellt. Steinexponante, Natursteinmauer und Infotafeln werden folgen, derzeit läuft noch die redaktionelle Abstimmung, die Finanzmittel für das Projekt sind im Lautertaler Haushaltsplan eingestellt. Später soll ein Steinlehrpfad folgen, auf dem nicht nur über geologische Hintergründe, sondern auch über die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen des Abbaus Informiert werden soll.

Der Brandauer Karl Essinger, geboren 1913, lernte bei der Destag, arbeitete am Tannenberg Denkmal mit, war bei der Einweihung dabei und fand es nach seiner Rückkehr aus Rußland 1945 gesprengt vor.

Reichstagsgebäude Berlin: auf der Seite http://www.steine-und-minerale.de als Herkunft des Granits nur Strzegom in Polen erwähnt (im Magazin Suchwort Reichstag eingeben). Wer kann zur Herkunft aus Webern Genaueres mitteilen?

M. Hiller, September 2019