„Am 17. Februar 1619 hat der Herr Ambtmann das erste Mal auf dem Rahthaus zu Gadern gericht gehalten“ - so steht es in der Chronik des Reichenbacher Pfarrers Pfarrer Martin Walther (1599-1620), die glücklicherweise auch Hinweise auf die Nachbardörfer Reichenbachs verzeichnet.

Somit kann das Gadernheimer Rathaus auf eine vierhundertjährige Geschichte als öffentliches Gebäude zurückblicken.

Ähnlich dem Bauboom heutzutage war der Beginn des 17. Jahrhunderts von Bautätigkeiten geprägt: 1606 wurde die Stadt Mannheim erweitert, in Gadernheim erbaute man 1608 - nach einer langen Friedenszeit - die alte Schmiede.

1617 im Februar „haben die Gadern angefangen Stein zu führen zu ihrem Rathausbau (613)*.... Das Bauholz zum Rathaus zu Gadern ist auf 28 Wagen beigebracht und den 16. Octobris 1617 ufgeschlagen worden.“ (644)

Der Bauplatz liegt an der Stelle, an dem vorher der Gemeindebrunnen (Erwähnung 1561) gestanden haben soll, südlich der Mündung des Salztrogbaches in die Lauter. Am 30. März 1617 wurden die Zimmerarbeiten für 200 Gulden** an Matthes Schwanfelder aus Ladenburg vergeben (619).

Allerdings mußten die Gadernheimer trotz wirtschaftlich guter Zeiten - bis der 30jährige Krieg auch in den Odenwald kam - für ihren Rathausbau sammeln gehen: Maurer, Tüncher, Glaser, Schreiner, Schlosser wollten für ihre Arbeit bezahlt werden: „Dies ganze 1618. Jahr haben die drei Ober-Dörfer (Gadernheim, Lautern, Raidelbach) an ihrem Rathaus (in Gadernheim) gebauet, decken, kleiben und tünchen lassen, ... darzu viel Almen und Flecken verkauft worden“. (699)

Die Kleinfehde zwischen Reichenbach und Gadernheim scheint vor 400 Jahren noch nicht ausgebrochen, denn die Reichenbacher schenkten den Gadernheimern die Glocke auf dem Rathausturm.

Heute beherbergt das alte Rathaus in Gadernheim das Heimatmuseum, in dem auch viele Ausstellungsstücke zur „Blaufabrik“ in Lautern zu sehen sind. Leider ist die Seite www.vereinsring-gadernheim.de momentan nicht online, so daß es Infos dazu in einem späteren Heft gibt.

Modell von Klaus Elbert

* Südhessische Chroniken aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Sonderband 6 der Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, „Dies Jahr ist eine Schmiede zu Gadernheim gebaut und von der Gemeinde daselbst an- und aufgerichtet worden.“ (193). Die Ziffern in Klammern geben den Absatz in Walthers Chronik an

** für einen Gulden konnte man im 17. Jahrhundert 12-18 kg Rindfleisch kaufen.


M. Hiller, im Januar 2019