Im Flurnamenbuch von Erzbach bei Reichelsheim taucht anno 795 im Lorscher Kodex Walehinhoug auf, später im 11./12. Jh. als Welinehouc bezeichnet. Eine uralte Grenze verläuft über den Kahlberg: hoch erhebt sich der Berg mit dem Walburgiskapellchen über dem Weschnitztal südöstlich von Fürth im Odenwald. Die Grenzen der fränkischen Gaue Lobdengau, Mingarteiba, Oberrheingau und Maingau endeten hier, wo Weschnitz, Marbach, Osterbach und Ulfenbach die Landschaft bestimmen. Karl der Große umriß die Mark Heppenheim 773 und schenkte sie dem jungen Kloster Lorsch.

Urkunde 6 (Reg. 849) Schenkung Karls des Großen in Heppenheim

Karl der Erlauchte, von Gottes Gnaden König der Franken, allen unseren Getreuen, den gegenwärtigen und den zukünftigeen. Was weir den Niederlassungen der Klöster aus wohltätiger Überlegung gewähren, wird uns, wie wir fest vertrauen, ohne Zweifel durch Gottes Schutz zur ewigen Seligkeit gereichen. Aus diesem Grunde sei euch kund und zu wissen, daß wir um des Herrn Namen und unserer Seele Seligkeit willen unserem Kloster, welches Lorsch genannt wird, wo der Leib des heiligsten Märtyrers Nazarius beigesetzt ist und Gundeland als Abt regiert, eine Schenkung zu machen....

Über die Mark Heppenheim (Urkunde 6a)

Das ist die Beschreibung der Mark beziehungsweise der Waldmark Heppenheim, so wie sie immer seit alter Zeit unter den Herzögen und Königen zu diesem Dorf gehörte, bis sie dann der Kaiser Karl zu seinem Seelenheil dem Hl. Nazarius übergab.

Grenzen:

  • Steinvorotwa (Steinfurtau = steinige Furt über die Lauter am Winkelbach, westlich von Fehlheim, südwestlich Langwaden, Grenze zur Gernsheimer Mark
  • Langwata und Ginnesloch (Langwaden und Ginnesloch bei Hähnlein)
  • Woladam (Knüppeldamm bei Zwingenberg)
  • Aldolvesbach (Alsbach, von Adolfsbach)
  • Getwinc (Zwingenberg, Gezwinge = Paß zwischen Sumpf oder alten Flußläufen und dem Odenwald-Steilhang)
  • Von hier zieht die Grenze zum Felisberk (Felsberg), vom Felsberg nach Reonga (auf dem Höhenrücken Felsberg - Neunkircher Höhe als Wasserscheide Lauter-Modau), von da zum Wintercasten (nicht das Dorf sondern die Windherrenhöhe, heute Neunkircher Höhe)
  • Von da führt die Grenze zur mittleren der Arezgrefte (Erzgrüfte, Erzgruben zwischen Erzberg und Erzbach) nach dem Welinehouc (Walenhab, Welschenhügel = Kahlberg)
  • Hildegeresbrunno (Quelle des Hiltersklinger Baches, heute verm. Streitbach zw. Wegscheide und Lärmfeuer)
  • Burgunthart (zu Worms gehörig?)
  • Eicheshart (bei Hiltersklingen), Grenze zur Waldmark Michelstadt, "wo der Königsbote Rado ... einen Steinhaufen aufwerfen ließ
  • Vlisbrunnen (Ulisbrunnen südlich Untermossau
  • Mosehart (Moswald oberhalb Mossau
  • Lintbrunnen (Lindelbrunnen zw. Hiltersklingen und Hüttental)
  • Albwines sneida (?, Wasserscheide? Oben zwischen Sensbach und Schöllenbach?)
  • Moresberk (Morsberg, Mauersberg)
  • Entlang der Jutra (Itterbach) bis Eberbach am Neckar
  • Am Neckar bis zur Mündung von Ulvena (Ulfenbach) und Franconodal (Fränkeltal Fränkelhöhe in der Nähe von schiumeten wage - spumosum stagnum - schäumender Tümpel
  • Hier Quelle der Steinhaha (Steinach)
  • Pendens Rocha (überhängender Fels, Götzenstein?)
  • Gunnesbach (Kundenbach Kunzenbach)
  • Katesberk (Goldknopf bei Oberkunzenbach)
  • Strata publica (strata montrana platea mountium, Bergstraße) aus dem Ladengau
  • durch die Wisgoz (Weschnitz) zurück nach Lorsch
  • und zurück zur Steinfurtau

Grenzhügel: Eicheshart, Mosehart, Lintbrunnen. In diesem Grenzmarkierungssystem hatte der Kahlberg oder Welschenhügel eine wichtige Funktion. 795 ließ Karl der Große hier ein placitum abhalten. Das war ein Gericht unter dem Vorsitz des Grafen des Oberrheingaues, Warin, mit 37 namentlich genannten Zeugen. Hier, oben auf dem Berg, wurden die Grenzstreitigkeiten beendet und ein für allemal festgeschrieben. Leider verrät uns das Dokument aus dem Lorscher Kodex nicht, wo solch geheimnisvolle Orte wie Reonga, Albwines sneida, Pendens Rocha lagen.

placitum - Kaiserliches Gericht hoch oben auf dem Kahlberg

Man stelle sich vor: die kaiserliche Wandergruppe mitsamt den 37 Honoratioren ächzt und stöhnt, um diesen immerhin 521 Meter hohen Berg zu erklimmen. Oben angekommen, war man gewiß nicht mehr in der Laune, sich auf Diskussionen einzulassen... Und so konnte die Grenzbeschreibung ohne viel Hin und Her fixiert werden. Der Ort aber, an dem sich die Herren auf dem Kahlberg versammelten, soll genau an der Stelle gewesen sein, wo heute die Walburgiskapelle steht. Andere meinen, es sei an einer anderen Stelle auf dem Kahlberg, wo man noch herumliegende verwitterte Sandsteinstücke findet.

Die Abgelöststeine

Noch heute läßt sich die historische Grenze zwischen der Neunkircher Höhe (Gelichaberga, gleiche Berge), dem Walehinhoug und den Arezgreften bis Hilderesbrunno erkennen, denn die modernere Grenze zwischen dem Mainzer Rad und den Kurpfälzer Rauten ist durch gut erkennbare Grenzsteine markiert. Das sind die Abgelöststeine, denn sie markieren die Rück-Übergabe des östlichen Gebietes aus pfälzischer in mainzerische Hand nach dem 30jährigen Krieg anno 1650. Denn zuvor, 1461, waren diese Gebiete durch den Mainzer Erzbischof Dieter von Isenburg an die Kurpfalz verpfändet worden.
Diese Steine findet man in der Fortsetzung der Grenzlinie auf den Stotz beim Gumper Kreuz, wo sie auf der Rückseite die drei Erbacher Sterne zeigen.

Rätselhafte Ursprungsdörfer an der Weschnitz: Richgisesbura und Manegoldescella

Die Wisgoz (Weschnitz, zurückgehend auf das keltische Wort für Wasser "viscantia", um 800 n. Chr. Wisgoz, um 1200 n. Chr Weschez***) fließt entlang an Manoldescella und Richgisesbura, Furte, Rintbach, Morlenbach, Birkenowa, Winenheim; Fürth, Rimbach, Mörlenbach, Birkenau, Weinheim ist soweit klar. Aber wo lagen Richgisesbura und Manoldescella? Die Weschnitz hat zwei Quellbäche, am oberen liegt der Hammelbacher Richardsbauer, der noch heute im Volksmund "Am Riwisch" heißt. Nach der ersten Flußstrecke trifft die Weschnitz auf Manoldescella, ein Einsiedlerzelle bei dem Ort Weschnitz (so vermutet wiederum mein hochgeschätzter Lateinlehrer Wolfram Becher), die Zelle des Manegold. Weschnitz hatte um 1050 sieben Höfe. Denkbar wäre es, daß vorher bereits Kelten hier siedelten und Erz schürften im nahegelegenen Erzberg. Ebenfalls denkbar, daß die Cella des Manegold auf dem Welschenberg lag, auf dem denkbaren Kultstättenberg Walehinhoug. Josef Metzendorf vermutet hier eine keltische Fluchtburg mit einem Weitblick vom Beobachtungsplatz auf 471m Höhe. A.L. Grimm (Die malerischen und romantischen Stellen der Bergstraße, des Odenwaldes und der Neckar-Gegenden, 2. Auflage Darmstadt 1842. Albert Ludwig Grimm war Gymnasialdirektor und Oberbürgermeister in Weinheim) nahm an, daß hier ein Kultplatz für den Keltengott Visucius war und jener der Weschnitz ihren Namen gab. Die Vermutung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, denn die christlichen Missionare überbauten immer alte heidnische Kultplätze mit Kirchen oder Kapellen oder auch nur mit einem Andachtskreuz.

Wie bekam die uralte Bergwallfahrtstätte ihren Namen?

Um 730 kam Walburga mit ihren Brüdern Wunnibald und Willibald von England, um im Frankenland zu missionieren. Willibald starb 787 in Eichstätt, Wunnibald 761 in Heidenheim, wo auch Walburga 779 in verstarb. Man bewahrt ihre Reliquien* in Eichstätt im Walburgakloster auf, hier entsteht auch das wundersame Walburgisöl**. Der Legende zufolge war der Ort auf dem Kahlberg eine ehemals keltische, später germanische Kultstätte, die durch Walburga zum Christentum "bekehrt" wurde. Eine Mitschwester Walburgas, Hugeburc, berichtet über die rauhe Landschaft, die die Missionare im Odenwald vorfanden:

"die Ländereien waren durchweg noch Wildnis und Wald, Bäume mußten gefällt werden, es galt zu roden, Disteln und Dornen rissen die Hände auf. Die Wohnhütten armselig und kalt. Noch gab es Zauberer mit teuflischer List, Götzendiener, Wahrsager, die, von Dämonen getrieben, zu Gottes und des Volkes Schaden wirkten. Aber noch schlimmer, daß bekehrte Christen, sogar Kleriker zügellos lebten, der Unreinheit ergeben."

Tag und Nacht lauerten Gefahren, und Walburga muß in Wahrheit ein ganz anderes Kaliber gewesen sein als die mildtätige Frau, die den Menschen Gott näher bringen wollte. Aber als sie 779 starb, soll - so die Sage - das Glöckchen auf dem Berg von selbst geläutet haben. Später sprach man sie heilig, was sie in den Status der Reliquienquelle versetzte. Man zerteilte ihre sterblichen Überreste, so daß jede Walburgisgemeinde ein Stückchen Knochen für die Monstranz oder den Altar erhielt*. Der Heiligen Walburga widmete man übrigens nicht nur die Kapelle auf dem Kahlberg. Auch auf dem Schwanberg im Kreis Kitzingen und auf dem Ehrenbürg bei Forchheim wurden alte heidnische Kultstätten christlich überprägt. Und man legte ihren Namenstag auf den 1. Mai, der einem uralten heidnischen Kultdatum entspricht. So wurde aus der heiligen Walburga die Walpurgisnacht vor dem 1. Mai. Der April macht was er will, und nach allen Kapriolen fahren die Hexen fröhlich zum Hexentanz auf dem Brocken, bevor der Spuk vorbei ist. Vorbei bis zum Allerheiligentag, dem 1. November. An dessen Vorabend führte man sich auch im Odenwald schon immer toll auf, mit Riewebouze und Mummenschanz.

"... daß hin und wieder in unßeren Landen Mummereyen gehalten, auf Waldpurgis oder am ersten Tag May nachts von denen jungen Purschen und Knechten theilß Meyen gesteckt, theilß die alßo genante Leyhen (= Lehen) außgetheilt, auch geschosßen und allerhand Excessen verübet werden sollen. Die Übertretter sollen mit Thurm oder Gefängnüß Straaf belegt werden, damit solches Unwesen außgetilget werde. Darmstadt, den 19ten Octobris 1698, renoviert (=erneuert) 1728. Ludwig, Landgraf" (Auerbach)

Am 1. Mai streute man zudem mit Asche drei Kreuze in die sauber ausgefegten Ställe, damit es nicht walbert (wäwwert, = spukt). Nikolaus Eisenhauer, Weschnitz 1932. Eigentlich aber sollte es ja walbern, also das Böse vertrieben werden. Walbersnacht wird im Odenwald eine schlechte Alptraumnacht genannt. Der 1. Mai bildet den Wendepunkt für Kälte, danach sind kaum noch Fröste zu erwarten (so wie vom 20. auf den 21. April 2017 fast die gesamte Apfelernte im Odenwald erfror). Sind die Hexen auf ihren Besen erst davongeritten, sind Unfruchtbarkeit in Haus und Stall gebannt, dafür stehen die drei Kreuze. Noch heute sagt man "ich mache drei Kreuze, wenn das vorbei ist".

Und was kam nach Walburga?

Jahrhundertelang war der Ort ein christlicher Kultort, bis der 30jährige Krieg kam. Viele Dörfer wurden völlig menschenleer, die Pest hatte mit den geschwächten Bewohnern leichtes Spiel. Die Gegend war entvölkert. Als der Krieg zuende war, nach 1648, besann man sich aber auf das Bergheiligtum der Heiligen Walburga, wo Einsiedler lebten. Noch lange Zeit später betrieben diese Eremiten eine Klosterschule in Brombach (Fürth).

Eine neue Kapelle auf dem Kapellenberg 1671 und 1935

Auf dem Kahlberg errichtete man 1671 eine neue Kapelle, selbst das Glöckchen aus dem Turm war noch erhalten. Leider sprang es bei dem großen Brand, der alles zerstörte und den Einsiedler vertrieb, so daß es sein "Soli Deo Gloria" nicht mehr erklingen läßt.

A. L. Grimm berichtet um 1843, daß ein Zufall ihm eine handschriftliche Nachricht über den Berg zuspielte aus dem Jahre 1664. Darin wurde festgehalten, daß sich achtzigjährige Männer daran erinnern, daß hier einst Wallfahrten stattfanden, daß es auch Zeichen von Heilungen an Lahmen und Blinden gegeben habe.

Dieser Bericht Grimms, dem man zunächst wenig Glauben schenkte, wurde aber bestätigt durch einen Bericht zweier Brombacher Kapuziner 1768 an das Erzbischöfliche Generalvikariat Mainz. Daraufhin überprüfte der Bensheimer Pfarrer Heckmann die Sache und erklärte, daß tatsächlich aus dem ganzen Odenwald Besucher zur Kapelle kämen. Daher sei ein angedachter Kreuzweg empfehlenswert. Der Pfarrer meinte aber auch, daß die beiden Kapuziner die Last der unentgeltlichen Schulhaltung loswerden wollten, weil sie mit dem Kreuzweg und den dort abzuhaltenden Andachten genug zu tun hätten. Es wurden in Brombach tatsächlich im Winter viele Kinder unterrichtet, von Weschnitz weiß man, daß dort 22 Jahre lang ca. 60 Kinder den Unterricht besuchten. Infolgedessen lehnte das Generalvikariat den Kreuzweg ab, die Kapuziner mußten weiter unterrichten. Bei Ausgrabungen 1933/35 fand man den Brandschutt, Nägel und den Klöppel des Glöckchens. Gute Mauersteine waren längst fort: die sind in den umliegenden Dörfern als willkommenes Baumaterial vermauert worden. Um 1815 erbaute man aus kleinen Bruchsteinen ein neues Kapellchen mit dem erhalten gebliebenen Standbild der St. Walburga als Äbtissin. Später wurde das Kapellchen zum Chor der neuen Bergkirche, federführend vom Lehrer Josef Metzendorf betrieben, am 17. September 1932 wieder geweiht. Zur Bauernwallfahrt 1933 hörte man ein neues Walburgisglöckchen, das der Mitstreiter Metzendorfs Lehrer Hofmann aus Heppenheim stiftete. 1935 machten sich viele Freiwillige an die Arbeit, um die neue Kapelle zu erbauen. Man baute zwar in einem Stil, der sich bei näherer Betrachtung unschwer den künstlerischen Ideen des 1000jährigen Reiches zuordnen läßt (die ja auf die Optik heidnischer Thingstätten bezug nahm), trotzdem machte die NS-Zeit alles sehr schwierig. Lehrer Metzendorf war gewiß nicht "infiziert": schließlich war er von 1933 bis 1945 vom Schuldienst suspendiert. Doch in sieben Wochen konnte man den Rohbau soweit errichten, daß die Bauernwallfahrt 1935 hier stattfinden konnte, dem NS-Regime zum Trotz.1937 konnte die Kirche mit einer großen Wallfahrt geweiht werden. Während der NS-Zeit wurde die Kapelle "ruhiggestellt", Wallfahrten wurden verboten, das Bergglöckchen wurde entfernt und den Berg hinabgeworfen. Im März 1945 blieb der Ort von Kriegsbeschuß verschont, und 1949 konnte man wieder das Glöckchen hören. Seit 1967 findet wieder jährlich am 1. Mai eine Wallfahrt hinauf auf den Kahlberg statt. Hier hört man seither wieder das Walburgislied:

Jungfrau, die wir hier verehren auf dem Berge Dir geweiht,
wolltest unsere Bitten hören, wie Du tatest alle Zeit!
Halte schützend Deine Hände über unsern Odenwald,
alles Unheil von uns wende, wenn wir rufen, Jung und Alt:
O Walburga, o Walburga: Schütze unsern Odenwald! ... weitere vier Strophen folgen

Allerdings wurden im Februar 1967 die drei Standbilder der Walburga und ihrer beiden Brüder gestohlen, doch dank guter Polizeiarbeit der Kripo Heppenheim schon zwei Monate später sichergestellt. So kehrten die drei Missionare am 1. Mai 1967 zurück in ihre Bergkirche.

* das ist einer der Gründe, warum mir der Katholizismus suspekt war und ist: man bewahrt Knochenteile von Toten im Altar oder in der Monstranz auf. Es gibt einen Science Fiction Roman (mir fällt leider nicht mehr ein welcher es war), in dem geschrieben steht, daß der Heilige Thomas acht Tonnen wiegen müßte, würde man alle ihm zugeschriebenen Reliquien auf einmal wiegen.
Reliquienkult, Missionierung - Dinge, die sich nicht ohne weiteres in meine Weltsicht fügen wollen...

** Walburgisöl: eine klare geruchlose Flüssigkeit, die ölig aus dem Sarkophag der Heiligen Walburga rinnt, und zwar seit 1042 jedes Jahr vom 12. Oktober, dem Tag der Übertragung der Gebeine Walburgas, bis zum 25. Februar, ihrem Todestag. Das aus dem aus weißgrauem Eichstätter Kalkstein gebauten Grab herabtropfende Öl wird durch silberne Rinnen in vergoldeten Schalen gesammelt, im Kloster in kleine Glasfläschchen abgefüllt und gegen Spende abgegeben. Das Öl soll in neun Jahrhunderten für etliche wundersame Heilungen gesorgt haben. Man sieht die Heilige Walburga auf Gemälden immer mit Ölfläschchen. Die modernen Schwestern des Klosters St. Walburg sagen allerdings selbst, daß das Walburgisöl selbst gar nicht heilkräftig sei, sondern daß das Wunder der Heilung durch Gott geschieht, der den Gläubigen hilft. Da sage noch einer, daß Homöopathie nicht wirkt!

*** Zum Flußnamen Weschnitz: viele Flüsse haben an mehreren geografischen Orten Namensähnlichkeiten. Rhein - Rhone; Neckar - Niger; zur Weschnitz (Visantia) paßt die Wiesaz in Württemberg, die Visance in Frankreich, die Visontia im Wallis, die Visentios in Italien, Visention bei Besançon in Frankreich, Viešintà in Litauen. Vis ist das indogermanische Wort für Wasser (Quelle: Hans Krahe, Sprache und Vorzeit, Heidelberg 1954)

Mehr dazu: Josef Metzendorf, Die Walburgiskapelle und andere bemerkenswerte Stätten bei Weschnitz im Odenwald, Sonderdruck aus: Geschichtsblätter für den Kreis Bergstraße Band 13, 1980.