Waren die Kelten im Odenwald? Stand 2008...

Diese spannende Frage konnte bei einem Vortrag mit Dr. Peter W. Sattler geklärt werden, der auf Einladung der Felsenmeerkobolde im gemütlichen Turmstübchen auf dem Kaiserturm (Neunkircher Höhe) spannend und humorvoll über Spuren der Kelten berichtete. Spuren allerdings, die im Odenwald fehlen. Nur ringsum, in den fruchtbareren Ebenen im Westen und Norden sowie an den Flußufern können keltische Relikte sicher geortet werden. Die Kelten lebten in der Hauptsache von der Landwirtschaft, warum also sollten sie die rauhen unwirtlichen Wälder und Hügel des Odenwaldes besiedeln, wenn ringsum fette Böden lockten? Dr. Sattler ließ keinen Zweifel daran, daß die Kelten ein Volk waren, das zwar historisch interessant ist, aber es nicht verdient hat, aus Heimattümelei zu einem Mythos verklärt zu werden. Der Odenwald war zu Zeiten als die alten Römer hier einzogen, weitgehend menschenleer, so vermutet er. Gerade mit den Kelten - wie auch mit den Germanen - wird viel historisierender Unfug getrieben: da gibt es im Internet Seiten, über die man seine Ahnentafel bis zu ihren keltischen Ursprüngen erstellen kann, das Keltische ist geheimnisvoll und bietet vielen eine ideologische Heimat, die man argwöhnisch betrachten sollte. Dr. Sattler gestaltete seinen Vortrag witzig und unterhaltsam: zum Schluß verwies er auf die “keltischen” Wurzeln in heutigen Gebrauchswörtern: das Keltern sei eine Erfindung der Kelten (tatsächlich stellten sie Apfelwein aus Wildäpfeln her). Die Teilnehmer an der Veranstaltung, die nicht nur aus dem Vortrag bestand, sondern ein ganzes Abendprogramm darstellte, wußten Sattlers humorvolle Anmerkungen richtig zu deuten, und so begab man sich im Anschluß auf den Kaiserturm, um den atemberaubenden Blick über die dunklen Hügel zu genießen. Der Blick reichte an diesem Abend bis zu den hohen Sendetürmen in Mainflingen im Osten, zum Hardberg bei Siedelsbrunn im Süden, der Flughafen Frankfurt im Norden und die Industrieanlagen bei Mannheim / Ludwigshafen waren deutlich zu sehen. Zuvor hatten Thomas Maul und Marieta Hiller vom Odenwälder Kleinkunstverein DoGuggschde die Gruppe in einer Wanderung von Neunkirchen aus zum Kaiserturm geführt. Unterwegs gab es einen heißen Keltenzauber - die Kelten kannten Wildäpfel, Holunder, Johannisbeere, Honig, Löwenzahn, Thymian und Brennessel. Außerdem hatten sie Sellerie, Rettich und Zwiebel - letztere allerdings wanderten nicht in den Kessel mit Keltenzauber, aus Rücksicht auf die Geschmacksnerven der Teilnehmer. Statt dessen gab Marieta Hiller nach einem kurzen Überblick über keltische Ernährung einen guten Tropfen hinzu, denn das Schnapsbrennen kannten sie auch schon, die Kelten, ebenso wie die Metallverarbeitung. Auf dem weiteren Weg erläuterte Thomas Maul einige keltische Landmarken im Umkreis: vor allem die Flüsse Rhein, Main und Neckar haben Namen mit keltischer Wurzel, auch die Flüßchen Gersprenz und Weschnitz. An der Quelle der Gersprenz wurde Halt gemacht. Mit Lichtern geheimnisvoll geschmückt lud die Quelle zu einer kurzen Andacht ein. Quellen, Wasser überhaupt sind ja bereits seit die Menschen Sprache und damit auch Religion kennen,  Orte der Götterverehrung. Während auf dem Weg zum Kaiserturm alle Teilnehmer im stimmungsvoll dunklen Wald wanderten und die nächtliche Atmosphäre auf sich wirken ließen, wurde der Rückweg vom Kaiserturm mit einer Fackelwanderung abgeschlossen, bevor man in die beiden Gasthäuser in Neunkirchen einkehrte. Insgesamt hat die Veranstaltung allen so viel Spaß gemacht, daß man gleich beschloß, im nächsten Jahr wieder eine Wanderung mit Vortrag anzubieten. Auch das Thema war schnell gefunden: die Odenwälder Dialekte sollen unter die Lupe genommen werden. Manche Dialektausdrücke sind heutzutage ausgestorben, niemand verwendet sie mehr in der Sprache, und nur ganz wenige Hochbetagte können sich noch an sie erinnern.

Kelten im Odenwald - was wissen wir 2012 darüber?

Wer waren sie - die geheimnisvollen Kelten? Lebten sie hier im Odenwald, einst vor vielen Jahrhunderten - lange vor unserer Zeitrechnung? Oder gab es sie hier gar nicht!
Mein Name ist Kobold Kieselbart, und ich gehöre zum Großen Rat des Kleinen Volkes. Dazu gehört auch Duir Cimbriana, eine Waldelfe aus der Familie der Eichenfeen. Sie hat mir so einiges über jenes eigenartige Volk berichtet, und ich will es euch nicht vorenthalten! Aber vieles müßt ihr selbst herausfinden.
Übrigens: Duir ist keltisch und heißt Eiche. Und aus Eiche sind in früheren Wohnhäusern die Türen geschnitzt worden. Geht also mit mir durch die unsichtbare Eichentür (erkennt ihr die Ähnlichkeit zwischen ‘Tür’ und ‘Duir’?) hinein in den Zauberwald.
Über die Kelten im Odenwald weiß man nichts, viel dagegen über die alten Römer. Ihnen steckte die Furcht vor den Kelten noch jahrhundertelang in den Knochen, nachdem sie in Rom fast vierhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung überfallen worden waren, und nur durch wachsame Gänse wurden die römischen Ratsherren vor dem sicheren Tod bewahrt. Die Römer aber sind lange nicht so alt wie die Kelten, und ihr wißt alles über sie.
Aber wißt ihr auch etwas über Stonehenge? Waren das vielleicht die Kelten? Nein! Dieser berühmte Steinkreis in England wurde schon 1000 Jahre vor den ältesten Kelten angelegt. Merkt es euch gut, es könnte wichtig werden! Niemand weiß, ob im Odenwald einst Kelten waren, man vermutet aber, daß die Kimbern hier in der Nähe lebten.
Es gibt einen Forscher, der rundweg behauptet: es gab hier im Odenwald niemals Kelten. Denn es gibt keine Spuren. Der Forscher, das ist Dr. Peter W. Sattler, und er hat ein Leben lang versucht, etwas über die Kelten im Odenwald herauszufinden.
Nun ist es aber nicht etwas vorschnell, zu sagen: es gibt keine Spuren, also waren sie nie hier?
Schließlich findet man im Odenwald an sehr vielen Stellen Bodenschätze, auf die auch die Kelten seinerzeit schon scharf waren. Sei es Erz zur Eisenverhüttung, Salz oder Kohle - das weiße und das schwarze Gold der Kelten - sie schürften und gruben.
Tief hinein in die Erde trieben sie ihre Bergwerke vor, lange Wanderungen nahmen sie auf sich, um Gegenden mit vielversprechendem Erzvorkommen zu entdecken. Und dort werden sie ja sicher nicht nur Bergwerke betrieben haben. Die Kelten, so geheimnisvoll sie auch scheinen, müssen gegessen, geschlafen und geliebt haben. Aber um sich am Morgen vom Lager zu erheben, um den weiten Weg von einer - dort nachgewiesenen - keltischen Siedlung in den Odenwald-Randgebieten bis hin zum Bergwerk zu kommen, dort dann ein Tagwerk von 10 Stunden zu schuften, und danach den weiten Weg zurück nach Hause zu wandern - dafür erscheinen mir die Kelten nun doch wieder nicht geheimnisvoll genug. Sie werden sicher vor Ort gewohnt haben, werden in direkter Nähe des Bergwerkes ihr Vieh gehalten, ihre Felle gegerbt, ihre karierten Stoffe gewebt haben, Emmer und Dinkel angebaut haben, ihre Äcker mit selbstgeschmiedeten Scharen bearbeitet haben.
Doch lebten sie ja in Holzhütten. Hat man ein bißchen Glück, so bleibt selbst von einem hölzernen Hüttenpfosten noch nach tausenden von Jahren eine Spur im Boden, auffindbar durch Bodenverfärbung, durch Luftarchäologische Überflüge im Winter, durch Radar und Laserscan. Aber: Fehlanzeige im Odenwald.
Dies erscheint um so seltsamer, als es wirklich sehr viele und sehr alte Stollen gibt.
Das schwarze Gold fanden sie im Odenwald nicht, denn Kohlevorkommen sucht man hier leider vergeblich, auch weißes Gold. Aber Eisenerz in Hülle und Fülle!
Seit alters her ist der Odenwald ein Köhlerwald, mit unzähligen noch heute erkennbaren Kohlplatten. Zur Verhüttung von Erz zu Eisen brauchte es ein sehr heißes Feuer, das man mit bloßem Holz nicht anfachen konnte. Und so machten die Köhler zuerst aus Holz das Odenwälder Schwarze Gold - zwar keine Steinkohle, aber für keltische Verhüttungszwecke durchaus gut genug!
Schon in der Jungsteinzeit 11500-2200 v. Chr., der sogenannten Hallstattzeit, lebten die Kelten in Siedlungen aus Holzhütten, doch ihre Kultur wurde ausschließlich mündlich weitergegeben, es gibt keine keltische Literatur! Diese von den Griechen und Römern als Barbaren bezeichneten Menschen werden von Wissenschaftlern lieber als Band- und Schnurkeramiker (2500-1500 v. Chr) bezeichnet, nach Funden von keramischem Alltagsgeschirr, das mit Bändern und mittels Schnur in den feuchten Ton gedrückten Mustern verziert war. Sie trieben Ackerbau und Viehzucht und kannten die Salzgewinnung schon seit etwa 5000 v. Chr., so verarbeiteten sie ihre Fleischvorräte mit Salz zu Pökelfleisch. In diesem geheimnisvollen Material blieben sogar keltische Schuhe und Stoffstücke erhalten! Damals, etwa bis 350 v. Chr, hatten die Kelten rund um Hallstatt das Salzmonopol im Umkreis von 300 km! Händler waren sie also auch, und keine schlechten...
In der Villa Haselburg bei Höchst-Hummetroth wurde ein sehr altes Hockergrab gefunden, das den Kelten zugeordnet wird. Ihre Grabhügel legten die Kelten auf Anhöhen an, auch um ihre Nachbarn zu beeindrucken:
Germanen aus dem Osten, Römer aus dem Westen drückten auf die Kelten; und so fand im 5. Jh. v. Chr. ein kultureller Umbruch statt: die Kelten wanderten ab nach Süden, die Hallstattzeig ging zu Ende.
Dafür brach die La-Tène-Zeit an. Nun konnten sie schon Bronze herstellen.
Am Raibacher Bild im Odenwald gibt es eine Sandstein-Stele, die diesen Kelten zugeschrieben wird, sonstige Funde im Odenwald fehlen völlig. Aber aus anderen Gegenden ist bekannt, daß sie ihre Siedlungen immer in der Nähe von wichtigen Erzvorkommen und an Verkehrswegen anlegten. Gewandspangen, Schwerter, Tongefäße entlang wichtiger Handelsstraßen belegen dies - nur eben halt nicht im Odenwald.
Rundherum gibt es unzählige Orts- und Flußnamen, die keltischen Ursprungs sind: Worms = Borbetomagus = wasserreiches Feld, Mainz = Mogontiacum nach dem keltischen Gott Mogons, -iacum ist eine charakteristisch keltische Endung, Ladenburg = Lopodunum, dunom = Burg (siehe Zaun, town), Winterkasten von vindos = altkeltisch weiß und cest = Kasten, Bauch; der Neckar benennt sich von nig = waschen und bedeutet Wilder Kerl, die Weschnitz leitet ihren Namen von einem keltischen Flußgott ab, die Walburgiskapelle war ein einstiger Kultort der Kelten, und was finden wir ganz in der Nähe? Den Erzberg, das Dorf Erzbach, die Arezgrefte des Lorscher Kodex. Das Quellheiligtum Neunkirchen könnte ebenfalls schon von den Kelten verehrt worden sein, und ganz sicher die Gersprenzquelle auf der Neunkircher Höhe. Große Steinkreuze im Odenwald wurden oft aus alten Menhiren gemeißelt, die uns aus alter Zeit hätten berichten können, wenn...
Ja wenn! Hätten die Kelten doch ihren Göttern Denkmäler gesetzt, in Stein gehauen Eponna, Cernunnos, Belenus mit dem Hammer, gäbe es doch Funde zum Matronenkult, zum Druidenkult - würden doch die Heiligen Haine noch grünen!
Die Eiche war der heilige Baum der Kelten, und so erklärt sich auch, warum die Kelten keine Schriftkultur entwickelten: Bücher werden aus Buchstaben gesetzt, Buchstaben ursprünglich auf Buchentäfelchen geritzt, weshalb auch Runen so eckige Formen haben - aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Und Eichen finden sich im Odenwald nicht zu Hauf - Buchen viel eher! Das uralte Buchonia - auch der Odenwald gehört dazu, wenn auch als allersüdlichster Zipfel.
Doch auch im dichten dunklen Buchendom unserer weiten Wälder konnten die Kelten das Raunen der Götter erlauschen, konnten ihre Druiden es für menschliche Sinne erkennbar machen, als Runen in Buchentafeln ritzen. Die Natur war den Kelten sehr nah - in Holzhütten viel näher als in Steinhäusern! Der Hirsch, das heilige Tier des Keltengottes Cernunnus, durchstreift die Wälder scheu und heimlich, mit seinem mächtigen Hirschgeweih. Das giftige Bilsenkraut war dem Keltengott Belenus geweiht und wurde als Droge zur Steigerung der Kampfeslust genommen. Unzählige Kräuter, Insekten und Krabbeltiere belebten die Umgebung der Kelten, und für sie alle ist Eponna, die keltische Fruchtbarkeitsgöttin zuständig. Eine ganz besondere Bedeutung hatte für die Kelten die Natur, denn mit ihr mußten sie sich gut vertragen!
Und so sei es auch heute mit euch, die ihr mich hier im Zauberwald besucht und etwas über die geheimnisvollen Kelten zu erfahren wünscht!
Euer Kobold Kieselbart

 

Wer waren sie - die geheimnisvollen Kelten? Lebten sie hier im Odenwald, einst vor vielen Jahrhunderten - lange vor unserer Zeitrechnung? Oder gab es sie hier gar nicht!

Mein Name ist Kobold Kieselbart, und ich gehöre zum Großen Rat des Kleinen Volkes.

Dazu gehört auch Duir Cimbriana, eine Waldelfe aus der Familie der Eichenfeen. Sie hat mir so einiges über jenes eigenartige Volk berichtet, und ich will es euch nicht vorenthalten! Aber vieles müßt ihr selbst herausfinden. Übrigens: Duir ist keltisch und heißt Eiche. Und aus Eiche sind in früheren Wohnhäusern die Türen geschnitzt worden. Geht also mit mir durch die unsichtbare Eichentür (erkennt ihr die Ähnlichkeit zwischen ‘Tür’ und ‘Duir’?) hinein in den Zauberwald. Über die Kelten im Odenwald weiß man nichts, viel dagegen über die alten Römer. Ihnen steckte die Furcht vor den Kelten noch jahrhundertelang in den Knochen, nachdem sie in Rom fast vierhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung überfallen worden waren, und nur durch wachsame Gänse wurden die römischen Ratsherren vor dem sicheren Tod bewahrt. Die Römer aber sind lange nicht so alt wie die Kelten, und ihr wißt alles über sie. Aber wißt ihr auch etwas über Stonehenge? Waren das vielleicht die Kelten? Nein! Dieser berühmte Steinkreis in England wurde schon 1000 Jahre vor den ältesten Kelten angelegt. Merkt es euch gut, es könnte wichtig werden! Niemand weiß, ob im Odenwald einst Kelten waren, man vermutet aber, daß die Kimbern hier in der Nähe lebten. Es gibt einen Forscher, der rundweg behauptet: es gab hier im Odenwald niemals Kelten. Denn es gibt keine Spuren. Der Forscher, das ist Dr. Peter W. Sattler, und er hat ein Leben lang versucht, etwas über die Kelten im Odenwald herauszufinden. Nun ist es aber nicht etwas vorschnell, zu sagen: es gibt keine Spuren, also waren sie nie hier? Schließlich findet man im Odenwald an sehr vielen Stellen Bodenschätze, auf die auch die Kelten seinerzeit schon scharf waren. Sei es Erz zur Eisenverhüttung, Salz oder Kohle - das weiße und das schwarze Gold der Kelten - sie schürften und gruben.
Tief hinein in die Erde trieben sie ihre Bergwerke vor, lange Wanderungen nahmen sie auf sich, um Gegenden mit vielversprechendem Erzvorkommen zu entdecken. Und dort werden sie ja sicher nicht nur Bergwerke betrieben haben. Die Kelten, so geheimnisvoll sie auch scheinen, müssen gegessen, geschlafen und geliebt haben. Aber um sich am Morgen vom Lager zu erheben, um den weiten Weg von einer - dort nachgewiesenen - keltischen Siedlung in den Odenwald-Randgebieten bis hin zum Bergwerk zu kommen, dort dann ein Tagwerk von 10 Stunden zu schuften, und danach den weiten Weg zurück nach Hause zu wandern - dafür erscheinen mir die Kelten nun doch wieder nicht geheimnisvoll genug. Sie werden sicher vor Ort gewohnt haben, werden in direkter Nähe des Bergwerkes ihr Vieh gehalten, ihre Felle gegerbt, ihre karierten Stoffe gewebt haben, Emmer und Dinkel angebaut haben, ihre Äcker mit selbstgeschmiedeten Scharen bearbeitet haben. Doch lebten sie ja in Holzhütten. Hat man ein bißchen Glück, so bleibt selbst von einem hölzernen Hüttenpfosten noch nach tausenden von Jahren eine Spur im Boden, auffindbar durch Bodenverfärbung, durch Luftarchäologische Überflüge im Winter, durch Radar und Laserscan. Aber: Fehlanzeige im Odenwald. Dies erscheint um so seltsamer, als es wirklich sehr viele und sehr alte Stollen gibt. Das schwarze Gold fanden sie im Odenwald nicht, denn Kohlevorkommen sucht man hier leider vergeblich, auch weißes Gold. Aber Eisenerz in Hülle und Fülle! Seit alters her ist der Odenwald ein Köhlerwald, mit unzähligen noch heute erkennbaren Kohlplatten. Zur Verhüttung von Erz zu Eisen brauchte es ein sehr heißes Feuer, das man mit bloßem Holz nicht anfachen konnte. Und so machten die Köhler zuerst aus Holz das Odenwälder Schwarze Gold - zwar keine Steinkohle, aber für keltische Verhüttungszwecke durchaus gut genug! Schon in der Jungsteinzeit 11500-2200 v. Chr., der sogenannten Hallstattzeit, lebten die Kelten in Siedlungen aus Holzhütten, doch ihre Kultur wurde ausschließlich mündlich weitergegeben, es gibt keine keltische Literatur! Diese von den Griechen und Römern als Barbaren bezeichneten Menschen werden von Wissenschaftlern lieber als Band- und Schnurkeramiker (2500-1500 v. Chr) bezeichnet, nach Funden von keramischem Alltagsgeschirr, das mit Bändern und mittels Schnur in den feuchten Ton gedrückten Mustern verziert war. Sie trieben Ackerbau und Viehzucht und kannten die Salzgewinnung schon seit etwa 5000 v. Chr., so verarbeiteten sie ihre Fleischvorräte mit Salz zu Pökelfleisch. In diesem geheimnisvollen Material blieben sogar keltische Schuhe und Stoffstücke erhalten! Damals, etwa bis 350 v. Chr, hatten die Kelten rund um Hallstatt das Salzmonopol im Umkreis von 300 km! Händler waren sie also auch, und keine schlechten... In der Villa Haselburg bei Höchst-Hummetroth wurde ein sehr altes Hockergrab gefunden, das den Kelten zugeordnet wird. Ihre Grabhügel legten die Kelten auf Anhöhen an, auch um ihre Nachbarn zu beeindrucken:
Germanen aus dem Osten, Römer aus dem Westen drückten auf die Kelten; und so fand im 5. Jh. v. Chr. ein kultureller Umbruch statt: die Kelten wanderten ab nach Süden, die Hallstattzeig ging zu Ende.
Dafür brach die La-Tène-Zeit an. Nun konnten sie schon Bronze herstellen.
Am Raibacher Bild im Odenwald gibt es eine Sandstein-Stele, die diesen Kelten zugeschrieben wird, sonstige Funde im Odenwald fehlen völlig. Aber aus anderen Gegenden ist bekannt, daß sie ihre Siedlungen immer in der Nähe von wichtigen Erzvorkommen und an Verkehrswegen anlegten. Gewandspangen, Schwerter, Tongefäße entlang wichtiger Handelsstraßen belegen dies - nur eben halt nicht im Odenwald.
Rundherum gibt es unzählige Orts- und Flußnamen, die keltischen Ursprungs sind: Worms = Borbetomagus = wasserreiches Feld, Mainz = Mogontiacum nach dem keltischen Gott Mogons, -iacum ist eine charakteristisch keltische Endung, Ladenburg = Lopodunum, dunom = Burg (siehe Zaun, town), Winterkasten von vindos = altkeltisch weiß und cest = Kasten, Bauch; der Neckar benennt sich von nig = waschen und bedeutet Wilder Kerl, die Weschnitz leitet ihren Namen von einem keltischen Flußgott ab, die Walburgiskapelle war ein einstiger Kultort der Kelten, und was finden wir ganz in der Nähe? Den Erzberg, das Dorf Erzbach, die Arezgrefte des Lorscher Kodex. Das Quellheiligtum Neunkirchen könnte ebenfalls schon von den Kelten verehrt worden sein, und ganz sicher die Gersprenzquelle auf der Neunkircher Höhe. Große Steinkreuze im Odenwald wurden oft aus alten Menhiren gemeißelt, die uns aus alter Zeit hätten berichten können, wenn... Ja wenn! Hätten die Kelten doch ihren Göttern Denkmäler gesetzt, in Stein gehauen Eponna, Cernunnos, Belenus mit dem Hammer, gäbe es doch Funde zum Matronenkult, zum Druidenkult - würden doch die Heiligen Haine noch grünen! Die Eiche war der heilige Baum der Kelten, und so erklärt sich auch, warum die Kelten keine Schriftkultur entwickelten: Bücher werden aus Buchstaben gesetzt, Buchstaben ursprünglich auf Buchentäfelchen geritzt, weshalb auch Runen so eckige Formen haben - aber das ist eine ganz andere Geschichte. Und Eichen finden sich im Odenwald nicht zu Hauf - Buchen viel eher! Das uralte Buchonia - auch der Odenwald gehört dazu, wenn auch als allersüdlichster Zipfel.
Doch auch im dichten dunklen Buchendom unserer weiten Wälder konnten die Kelten das Raunen der Götter erlauschen, konnten ihre Druiden es für menschliche Sinne erkennbar machen, als Runen in Buchentafeln ritzen. Die Natur war den Kelten sehr nah - in Holzhütten viel näher als in Steinhäusern! Der Hirsch, das heilige Tier des Keltengottes Cernunnus, durchstreift die Wälder scheu und heimlich, mit seinem mächtigen Hirschgeweih. Das giftige Bilsenkraut war dem Keltengott Belenus geweiht und wurde als Droge zur Steigerung der Kampfeslust genommen. Unzählige Kräuter, Insekten und Krabbeltiere belebten die Umgebung der Kelten, und für sie alle ist Eponna, die keltische Fruchtbarkeitsgöttin zuständig. Eine ganz besondere Bedeutung hatte für die Kelten die Natur, denn mit ihr mußten sie sich gut vertragen! Und so sei es auch heute mit euch, die ihr mich hier im Zauberwald besucht und etwas über die geheimnisvollen Kelten zu erfahren wünscht!
Euer Kobold Kieselbart