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 Inhalt:

1. Bergbau im Odenwald - Kurioses
2. Das Bergwerk am Hohenstein
3. Die Bergwerksfelder Reichenbach, Heinrich und Alfred
4. Erzabbau im Odenwald: Eisen und Mangan
5. Graphit im Schieferzug Heppenheim - Gadernheim - Laudenau
6. Katzenstein - Bergwerksfeld Bleialf - Knoden
7. Schwerspat, Feldspat und Marmor
8. Elmshausen, Bangertshöhe zwischen Reichenbach und Elmshausen, Borstein und Teufelsstein
9. Silber, Gold und Glimmer
10. Bergrecht im Lauf der Jahrhunderte
11. Uran und Wolfram
12. Heiligkreuzsteinach und die Heiligkreuz-Legende
13. Noch einige Anmerkungen aus Dr. Ludwig Gottfried Klein
14. Begriffserklärungen: nicht immer ist die Sprache der Bergleute leicht zu verstehen...
15. Literatur

1754 notiert Amtsarzt Dr. Ludwig Gottfried Klein in seinem Kompendium „...statt des Confekts fressen sie eine gute Portion Kartoffeln...“ über den historischen Bergbau aus Zeiten lange vor der Mitte des 18. Jahrhunderts (lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag über Kleins Zeitgenossen, den Geometer Johann Wilhelm Grimm):

"Die Steinbrecher pflegen gemeiniglich nicht tiefer als 35 Schuh (1 Schuh hat um die 30 cm) zu graben, weil wir Steine im Überfluss haben, daher kommen sie selten auf Wasserquellen, als welche zuunterst aus unseren Bergen hervorzukommen pflegen. Inwendig in diesen Steinbrüchen findet man Ritzen und ausgehöhlte Räume oder Klüfte, die bisweilen in der Länge und Breite wohl 20 rheinische Schuh ausmachen..."

Klein berichtet von im nordwestlichen Odenwald gelegenen "blinden" Silberadern (Pechblende, silberfarbene Blende), Glimmer, Kristallstein oder Quarz und von dunkelschwarzer eisenhaltiger Erde so hart wie Stahl: Braunstein oder Stahlknochen. Er zitiert einen älteren Autor (Aloysius Marsilius 1726) über Funde von Edelsteinen, Zinnober, Vitriol, Rubis-Spinellen, silberhaltiger Erde, Granaten.

"Vor Alters waren Erzgruben angelegt und erbaut, woraus Silber, Kupfer, deren Gänge auch etwas Gold bei sich führten, dann Blei und Quecksilber gegraben worden, welche aber nicht gar lange fortgeführt wurden. Die uralten Eisenbergwerke aber haben noch ihren guten Fortgang,...
Die Silber-, Kupfer- und Bleibergwerke haben gar bald, und schon vor 250 Jahren, ein Ende genommen"
- also um 1500 herum. Das geförderte Silbererz enthielt nur eine halbe Unze Silber je Doppelzentner (Unze = 27 bis 31 Gramm, Doppelzentner = 100 kg; also 14-15 Gramm Silber je 100.000 Gramm Erz). Nach Kleins Wissensstand waren zahlreiche Eisenbergwerke und Eisenhämmer schon im 13. Jahrhundert in Gang. Reines Eisen ergab sich meist 10-16 Pfund je Zentner Erz, also 5-8 kg je 50 kg Erz).

Makabrer Quecksilberfund: Dr. Klein berichtet von einem Vorfall, bei dem ein Totengräber eine Unze fließendes Quecksilber fand und zur Obrigkeit brachte. dort beschied man, daß er keine neue Quecksilbergrube entdeckt hatte, sondern es müsse hier ein Mensch begraben gewesen sein, der zu Lebzeiten lebendiges Quecksilber als Arznei bekommen habe. Soweit Dr. Ludwig Gottfried Klein - mehr dazu siehe ganz unten!

Bergbau im Odenwald - wie alles begann

Der Odenwald war vor 340 Mio Jahren 8000 Meter hoch. Infolge der massiven Schollenbewegungen und der Klimabedingungen mit hohen Temperaturen entstand eine kristalline Schicht. Durch die Kippung der Odenwaldscholle tritt diese am Westrand zutage, während sich nach Osten zuerst der Buntsandstein und dahinter der noch jüngere Meeresgrund als Kalkstein zeigt. Die kristallinen Hügel sind kleinkuppig und stark durch Flüsse und Bäche eingetalt. Der nach Osten anschließende jüngere Buntsandstein-Odenwald mit weiten Höhenzügen und langen tiefen Tälern entstand geologisch später aus Wüstensand. Der Name Buntsandstein rührt nicht von seinen schönen Farbnuancen her, sondern bezeichnet den Verbund von Sanden.

In den magmatisch entstandenen Gesteinsstrukturen der Grundschicht gibt es Risse und Klüfte, in die Wasser eindringen konnte. Die vom Wasser mitgeführten Mineralien kristallisierten aus und bilden oft Gänge. Der Odenwald bietet auf kleinster Fläche (50x50km) die meisten vorkommenden Mineralien: Beryll (Hutzwiese), Opal (südl. Otzberg), Granat (Gadernheim, Winterkasten), Chalzedon, Karneol (Hummetroth, bei Otzberg), Gold (Niederklingen), Jaspis (südl. Otzberg). Eisen fand man bei Hummetroth, Wallbach, Steinbach, Zipfen, Hering und natürlich in Eisenbach bei Obernburg. Hier zwischen Eisenbach und Mömlingen gab es mehrere Eisenerz- und Basaltadern, deren Ausbeutung jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts unrentabel wurde.

Vor allem in den zerklüfteten Randbereichen massiver Quarzgänge finden sich diese Mineralien. Bei Winterkasten am Raupenstein wurde Graphit abgebaut, aber auch Hösbachit gefunden, eines der schwersten Mineralien. Auch Granate wurden in Nußgröße bei Winterkasten gefunden.

Über den Quarzabbau kam man vermutlich auch auf die metallischen Bodenschätze. In früherer Zeit hatte jeder Bauer ein Brechloch auf seinem Grund. Hier wurden einerseits Steine zum Bauen gewonnen, zum anderen der Flachs gebrochen, weil es in den Löchern immer feucht war. Schwerspat beispielsweise eignet sich gut als Deckel auf dem "Sauerkrautstänner". Es gab jedoch auch seit ca. 1500 regelrechte Bergwerke. Seit ca. 1300 gilt der Odenwald als besiedelt, so daß einerseits ein Bedarf an Metallen bestand, andererseits auch Arbeitskräfte vor Ort waren.

Die Steinschleifer, also diejenigen für die der Quarz interessant war, störten sich an Erzen im Gestein. Diese verursachten Störungen und Unebenheiten beim Schleifen. Quarz war gerade für Reichenbach immer ein gutes Geschäft: um 1987 noch erzielte bruchfrischer Quarz 1400 DM pro Kubikmeter.

Das Bergwerk am Hohenstein

Östlich der Hohensteiner Straße in Reichenbach lag ein Bergwerk. Hier wurden bereits in der Zeit ab 1513 immer wieder Erze abgebaut. Ein verkieselter Barytgang sowie ein danebenliegender Kupfererzgang wurden erschlossen. Der Barytgang zieht sich vom Katzenstein bis zum Borstein und Teufelsstein und wird auch als Reichenbacher Gold bezeichnet. Hier wurden bis ca. 1980 noch mächtige Quarzblöcke gewonnen.

Karte: M. Hiller, Openstreetmap

Die Quarzader durch Reichenbach, auch Reichenbacher Gold genannt... Sie beginnt beim Emmerlingsborn in der Nähe des Borsteins und tritt am Teufelsstein sowie in großen Steinbrüchen am großen und kleinen Borstein zutage. In 60m Tiefe unter Reichenbach zieht sie nach Osten, tritt am Hohenstein und am Katzenstein (großer Steinbruch) wieder zutage. Möglicherweise zieht sich der mächtige Quarzgang weiter nach Osten bis zum Leimberg südlich Gumpen, hier stand verkieselter Schwerspat an.

Der Quarzgang "Reichenbacher Gold" sorgte für Goldgräberstimmung, und so lautete auch der Spitzname eines der "Steinkerle", die um 1970 noch schwer aktiv waren, "Goldgräber". Dieser baute zuletzt 1999 am Hohenstein Quarz ab, dieser zeigte jedoch Risse und Verfärbungen. Doch während heute die meisten Steine aus Schweden, Finnland, Südafrika und Indien kommen, weil Transport und Arbeitskräfte billig sind, verarbeitete er noch bis zuletzt Steine aus Reichenbach.

Foto: M. Hiller

Der Felsen "Hohenstein" ist durch die winterlichen Bäume gut sichtbar...

Ein weiterer Quarzgang zieht sich südlich und parallel zum Reichenbacher Gold durch Knoden.

Doch zurück zum Bergwerk:

1590 wird erstmals ein Schacht bei Reichenbach erwähnt, 1591 besichtigt es der Bergbereuter Vischer aus Heidelberg und schlägt die Anlage eines Stollens vor. 9 Jahre später errichtet Bergverwalter Kast von Frankenberg hier eine Gewerkschaft zum Betrieb. Steiger ist Sebastian Platzer aus Armsfeld in Waldeck, er untersucht die Erze in Richtung auf den Hohenstein. 1604 wird das Reichenbacher Bergwerk erstmals wieder eingestellt. Hätte man hier den geplanten Stollen von 250 Lachter (500m) von der Talsohle bei der Mühle vorangetrieben, wäre man bereits 300 Jahre früher auf die Kupferlagerstätte gestoßen. Doch man blieb am Quarzgang, wo Vischer in vier Monaten 14 Zentner Erz förderte, deren jeder 72 Pfund Blei, 2 Loth 1 Quint Silber (ca. 36g) enthielt. 1602 war der Schacht bereits bis 20m abgeteuft, sollte jedoch auf 40m vertieft werden. Eindringendes Grundwasser verursachte große Probleme, auch war das Gestein sehr hart. Und so mußte Pfarrer Martin Walther in seiner Chronik vermerken, daß das Bleybergwerck zu Reichenbach auff Michaelis 1604 wieder eingezogen wurde, das Inventar wurde im Pfarrhaus gelagert, bis es 1608 nach Schönberg gebracht wurde. Pfarrer Walther hatte auch die Rechnungsführung des Bergwerkes inne, er vermerkte jährliche Ausgaben von 800 Gulden.

1712 wird hier eine Silberschmelze gebaut, die schon 1714 verkauft wird. Wiederum war ein Krieg das Ende. Die Schmelze wurde für 150 Gulden an einen Müller verkauft, der sie zu einer Papiermühle umbaute. Diese Mühle konnte - ebenso wie die Silberschmelze - mittels Wasserkraft aus der Lauter angetrieben werden. Ein Mühlgraben verlief am westlichen Rand des Bergwerksgebietes. Die Mühle stand auf dem heutigen Destag Gelände, wo die Vorbach in den Mühlgraben mündete.

Foto: M. Hiller

Auf dem Vermessungsriß von Johann Wilhelm Grimm um 1730 ist am Kletterfelsen keine Bergbauspur eingezeichnet. Die Zeichnung ist nicht genordet: der breite Weg liegt nördlich des Felsens, der schmale südlich, dieser führt nach Reichenbach (im Westen) und zum Hofgut (im Osten).

1837 fand man am Hohenstein Bleierzstücke, die die Wiederaufnahme des alten Bergwerks nahelegen.
1841 wurde am Hohenstein ein Schacht auf Bleierze abgeteuft, der jedoch auf eine Imprägnation von Kupfererz traf, das dann 1843-1944 abgebaut wurde. Das Bergwerk hatte mehrere Sohlen und erstreckte sich über eine Länge von 1100 Meter.
Bergmeister Storch baute hier den 40m tiefen Schacht am Alexanderplatz westlich des Felsens, er fand in einem Querschlag durch den Quarzgang Blei- und Kupfererze, vor allem Rotkupfer. Gediegenes Kupfer wurde erstmals am 9. Juli 1842 gefunden. Auch 1846 werden reiche Erze gefunden: 500 Zentner Erz, aber nirgends Silbergehalt. Ergiebiger als die Erze im Quarzgang waren die seitlichen Erzimprägnationen im mürben Nebengestein.

Foto: M. Hiller   Foto: M. Hiller

Links: an einem der Bäume direkt am Kletterfelsen sieht man noch einen alten Porzellanisolator, der inzwischen fast in die Rinde eingewachsen ist. Hier war eine Stromleitung verlegt, die in der letzten Bauphase den östlichsten Schacht des Bergwerkes versorgte.
Rechts: der Kletterfelsen von Norden betrachtet. Man sieht wie die - eigentlich waagerechten Gänge im Quarzit schräg verlaufen. Das ganze Band, auch "Reichenbacher Gold" genannt, zog sich durch die Mulde der Lauter bis hinüber zum Borstein und Teufelsstein. Im Bereich des Dorfes war der Quarzgang bereits vor den Zeiten der ersten Besiedelung längst abgetragen, an den Ortsrändern sind die guten Quarzfelsen abgebaut.

 Foto: M. Hiller

 Blick zum Hohenstein entlang der Quarzader vom Steinbruch Krämer in Richtung Hohenstein und Borstein

Foto: M. Hiller  Foto: M. Hiller

Gelungene und mißlungene Renaturierung: links am Steinbruch Krämer tummeln sich Kaulquappen, Kröten, Libellen, Vögel und Insekten in großer Vielfalt; rechts das ehemalige Dunkelbuch. Hier war nach Beendigung der Steinbruchtätigkeiten in den 70er/80er Jahren ein ebensolches Biotop und Idyll entstanden. Allerdings mußte dieses renaturiert werden:

Foto: M. Hiller

Man schob den Steinbruch einfach zu und errichtete auf dem unfruchtbaren Schutt einen eintönigen Fichtenforst, der mehrfach zugrunde ging und wieder angepflanzt wurde. Nach den letzten drei trockenen Sommern gingen die Fichten 2020 wiederzum zugrunde. Ein guter Vorschlag wäre: betonieren und Parkplätze anlegen...

Der neue Stollen, auch Grafenstollen genannt, zieht sich inzwischen vom Mühlgraben bis unter den Hohensteinfelsen. Eine Schmelzprobe in Thalitter 1849 war vielversprechend, so daß bei Reichenbach eine Kupferhütte erbaut wurde. Man kaufte die Rödermühle, die unmittelbar am Stolleneingang lag und baute sie zum Hüttenwerk um. Die Ergebnisse waren jedoch nicht kostendeckend, Bergwerk und Hüttenwerk wurden 1852 verkauft, die zwanzig Reichenbacher Arbeiter entlassen. Das Kupferbergwerk wurde in der 1. Periode von 1841 bis 1852 betrieben, in der 2. Periode von 1853-68 förderten bis zu 45 Bergleute 60.000 Zentner Erz, das in der Laugerei zu Garkupfer gereinigt wurde. Das Bergwerk wurde 1853 von den Grafen Erbach an Charles Rochaz verkauft, der es an den Amerikaner Simpson verpachtet. Dieser flieht 1855 unter Hinterlassung großer Schulden. Erst 1860 konnte wieder Erz gefördert werden.

Das Hohensteiner Garkupfer brachte in dieser Zeit 47.000 Mark für ca. 900 Zollzentner. 1857 wird der Firma Boyer & Co für die Verschmelzung von Roßdorfer Kupfererzen die Reichenbacher Hütte zur Verfügung gestellt. Rochaz und Simpsons Gläubiger gründeten 1864 die Aktiengesellschaft Reichenbacher Kupferbergwerk, um die erhebliche Förderung und Hüttenprodution des Kupferbergwerkes zu nutzen. 1867 wird jedoch trotz mehrjähriger guter Förderung Konkurs angemeldet. Der Grund war, daß man anstelle der ungünstigen Hochöfen ab 1863 Lauge verwendete, um das Kupfer aus dem Erz zu gewinnen. Dagegen erhoben sich Beschwerden der Fischerei- und Wiesenbesitzer und der Gerbereien. 1868 wird das Bergwerk Hohenstein für 15000 Gulden an den Müller Borger versteigert und kurz danach für frei erklärt.

Foto: M. Hiller

Blick von Osten zum Hohenstein, im Nebel verbirgt sich der obere Einstieg in das Gelände, auf dem das Bergwerk lag.

Die Bergwerksfelder Reichenbach, Heinrich und Alfred

1876 werden drei Kupfererzfelder verliehen: "Heinrich" und "Reichenbach" sowie bei Raidelbach "Bleialf", außerdem "Alfred" in Richtung Elmshausen.
"Reichenbach": 1.910.000 Quadratmeter groß, Kupfer-, Blei- und Silbererze; das Feld zog sich von Ober-Raidelbach bis Reichenbach Ost, also etwa vom Katzenstein bis zum Hohenstein. Steinmetzmeister Ludwig Best repräsentierte hier die Gewerkschaft Hohenstein in Darmstadt.
"Heinrich": 1.999.877 Quadratmeter groß, Kupfererze; zieht sich vom Feld Reichenbach nach Westen bis zum Westrand von Reichenbach.
"Alfred": 1.890.000 Quadratmeter groß, Kupfer-, Blei- und Silbererze; westlich vom Feld Heinrich über den Borstein und weiter westlich.
Steinmetzmeister Ludwig Best trieb am früheren Reichenbacher Schwimmbad 1895 einen Stollen nach Osten, kam aber nur bis auf Höhe des Friedhofes. Hierüber ist jedoch keine nähere Auskunft mehr zu erhalten. Weder der aktuelle Eigentümer des ehemaligen Schwimmbadgeländes noch der Reichenbacher Redakteur Walter Koepff können etwas dazu sagen. Über die Zeiten des Schwimmbades lesen Sie Näheres hier.
Von 1902 bis 1907 folgten weitere Erschließungsversuche durch Best im Feld Alfred, es fand keine Förderung statt. 

Die letzte Abbauperiode 1937-1944 am Hohenstein lieferte 171,1 Tonnen reines Kupfer, das in Hamburg verhüttet wurde. Dieser Abbau erfolgte, da das Naziregime alle erreichbaren Rohstoffe benötigte, auch wenn das Bergwerk zu dieser Zeit wenig ertragreich war. 1935 finden Untersuchungen durch die AEG Berlin statt. Die Hochtief AG Frankfurt unter Leitung von Betriebsführer Wagner ist im Bergwerk am Hohenstein tätig, ab 1939 wurde gefördert. 1940 wurde die Reichenbach AG gegründet. Bis 1944 wurde auf vier Sohlen abgebaut, das Bergwerk reichte bis in 135m Tiefe und erstreckte sich über 960m horizontal. Etwa 200 Arbeiter waren zu dieser Zeit tätig, 13025 Tonnen Erz wurden gefördert. Dies ergab 135 Tonnen Metall, verhüttet bei der Norddeutschen Affineri Hamburg.

Nach einer Zeichnung von Michael Fettel, die das Kupfererzberg um 1935 zeigt, lagen die Stollenmundlöcher und die Abraumhalden auf dem Destag-Gelände. Fünf Schächte erschlossen das unterirdische Gelände, einer davon direkt am Kletterfelsen. 1940 wurde die "Reichenbach GmbH" als Tochtergesellschaft der AEG gegründet, um die Förderung des Bergwerkes zu übernehmen.

Grafik: Michael Fettel, Geschichtsblätter Nr. 15

Grafik: Michael Fettel, Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße Nr. 15, 1982

 

Bereits während der letzten Betriebszeit standen einige der unterirdischen Bauten unter Wasser, obwohl die beiden Stollen (1847 auf 40m Tiefe und 1907 auf 90m Tiefe) als erzführend nachgewiesen waren. 1944 wurde angenommen, daß 50% der Gangfläche bauwürdig seien, also erzführend: über 61.000 Kubikmeter Gangfläche wurden 20.000 Tonnen Erz aufgeschlossen. Man förderte von Hand mit Förderwagen, diese hatten 400mm Spurbreite und konnten 0,17 Kubikmeter fassen. Über den Maschinenschacht wurde das Erz aus den Förderwagen in Förderkörbe geladen und oberirdisch wiederum von Hand weiterbewegt. 400 Liter Wasser flossen pro Minute in die Grubenteile, und zwar übers Jahr recht gleichmäßig. Vor allem durch den Quarz konnte das Wasser eindringen. Das Wasser wurde über elektrische Pumpen von der tiefen Sohle durch den Maschinenschacht und zwei kleinere Pumpen auf beiden Sohlen aus dem Bergwerk befördert.

Im Juni 1944 wurde die Kupfergrube letztmalig stillgelegt. Die Gründe: die Arbeiter wurden für kriegswichtigere Aufgaben gebraucht, die Lagerstätte war schwierig und ergab wenig und der Transport zur Aufbereitung war lang. Im Juli und August 1944 wurden Schienen, Kabel und Maschinen abgebaut, das Grubenholz zum Teil mit herausgebracht. Sofort führte der Gebirgsdruck zur Zerstörung der Bauten, das Wasser begann ab 19. August 1944 zu steigen. mitte September war die 40-m-Sohle geflutet. Der Wetterschacht am Hohenstein die Maschinenschächte von 1917 und 1935 wurden verfüllt und mit Eisenbetondeckeln gesichert. Das Wasser war in diesem Bergwerk schon 350 Jahre vorher ein großes Problem, wie uns Bergbereiter Vischer anno 29. Januar 1591 berichtet: "daselbst im alten Pleischacht des Hohensteins eingefahren, befunden, daß derselb Schacht zu dato 11 Berglachter von Tag nieder abgetiefft und mit dem Gezimmer wol gefaßt ist. Wiewo ich alda ziemlich Wasser angetroffen habe, im Tag und Nacht +über 2 1/2 Fuder (=25 Hektoliter) zu heben, stehet es dennoch über 2 Lachter höher nicht uff."
Nach Auskunft von Karlheinz Hechler (Reichenbach) wurde der Stollen zuletzt als Luftschutzbunker genutzt. Dies konnte jedoch sicher nur bis zum Ausbau des Grubenholzes gewesen sein, da mit der Entfernung des Holzes sofort das Wasser seine Arbeit begann.

Heute sind die Abraumhalden in die "Talsperre" des Lauter-Rückhaltebeckens integriert, die 1974 aufgeschüttet wurde. Im Abraum fand man gediegenes Kupfer. Die alte Mühle von 1714 ist seit der Destag-Gründung von 1889 in deren Betriebsgebäuden aufgegangen, die Stollen und Schächte stehen voller Wasser. Bis 1960 führte die Hohensteiner Straße mitten durch das DESTAG-Betriebsgelände, danach wurde die Straße "An der Steinaue" gebaut. Das alte Stollenmundloch "d" lag zwischen heutigem ALDI und DESTAG-Gelände.

Foto: M. Hiller

Blick von Westen in Richtung Hohenstein und auf das alte DESTAG-Gebäude.

Erzabbau im Odenwald: Eisen und Mangan

Weitere Erze wurden im gesamten Odenwald abgebaut: Eisen aus Hämatit-Quarzgängen z.B. bei Otzberg-Hering oder Mangan aus dem Zechsteindolomit, der bei Forstel, Rehbach, Weschnitz und Rohrbach zu Tage tritt. Die größten Manganvorkommen gab es im Revier Bockenrod-Rohrbach-Oberkainsbach. Man beutete in gemischten Vorkommen wie hier zunächst im Mittelalter auf Eisen aus, konnte dann später oftmals alte Halden noch auf Mangan verhütten, vor allem im 1. Weltkrieg. Am Morsberg wurde von 1890 bis 1901 eine 2,5 km lange Seilbahn betrieben, ihre Endstation war die Verladestelle in Bockenrod: links der B47 ein Stück nach dem Abzweig Ostern kurz vor Ortsbeginn Bockenrod. Die Manganknollen bestehen aus Psilomelan = schwarzer Glaskopf und werden auch als "Hundeknoddel" bezeichnet. Ein Abbau befand sich am Michelsberg nördl. B47 zwischen Kainsbach und Vierstöck direkt am Waldrand. Hier wurde früher der Schacht „Vulkan“ von einer Firma aus dem Ruhrgebiet betrieben.

Foto: M. Hiller

Links: Manganknollen, Vierstöck - rechts: Eisenerz mit Hämatit, Otzberg

Foto: M. Hiller Foto: M. Hiller

Korund, Pechofen bei Laudenau                                      Magnetit, Pechofen bei Laudenau

Aus römischer Zeit sind Eisenschmelzen bei Weschnitz bekannt, 795 n. Chr. wurden im Lorscher Codex die Arezgrefte (Erzgruben) in der Nähe des Gumpener Kreuzes (Grenzbeschreibung der Heppenheimer Mark, Michael Fettel vermutet die Arezgrefte bei Gumpen, während andere Autoren sie in Weschnitz und Erzbach lokalisieren) erwähnt. Das Wort Arezgrefte setzt sich zusammen aus ahd aruz = Erz und girophti gerephte = Graben Grube.
Das Kloster Lorsch hatte in Fürth einen Klosterhof, der seine Abgaben in eisernen Kesseln und Pfannen leisten mußte.

Graphit im Schieferzug Heppenheim - Gadernheim - Laudenau

Graphit wurde oberhalb Gadernheims sowie bei Seidenbuch und in Waldmichelbach (Grube Morgenstern) gewonnen. Zwischen Kirschhausen und Gadernheim zieht sich eine graphithaltige Ader hin. 1854 nahm der Bensheimer Lehrer und Mineraloge Philipp Seibert die Untersuchungsarbeiten auf. Am Schwarzen Buckel bei Gadernheim erschloß die Heidelberger AG das Vorkommen. Diese AG wollte eigentlich Schwerspat schürfen, gründete dann aber die Hessische Graphitgewerkschaft. An ihr sind verschiedene Adlige, Bankiers und ein Oberstudiendirektor beteiligt. Die AG fand später Schwerspat bei Nieder-Mumbach und Weschnitz. Um 1860 wurde entlang des Graphitvorkommens in 10 Gruben mit 70 Arbeitern ausgebeutet wurde. Das gewonnene Graphit wurde in der Borgersmühle in Gadernheim aufbereitet. Ca. 40-50.000 Zentner Rohgraphit erbrachten 10.000 Zentner reinen Graphit, aus dem dann u.a. Bleistiftminen hergestellt wurden. Die Gruben befanden sich auf der Schleichhöhe bei Winterkasten, in Kolmbach, am Schwarzen Buckel bei Gadernheim, in Winkel (Schacht und Stollen Neuthal) sowie am Seidenbacher Eck und bei Mittershausen. Aus dem Erlös aus dem Verkauf der zehn Gruben wurde die erste geologische Landesaufnahme des Odenwaldes finanziert.

1866 kommt die Graphitgewinnung zum Erliegen, die AG verzichtet auf ihre Graphit-Verleihungen, die Graphitmühle Gadernheim wird 1869 versteigert.

Foto: M. Hiller 

Der Schwarze Buckel zwischen Gadernheim und Kolmbach: hier stand Granatfels mit Kinzingit an

Foto: M. Hiller

Erde vom Schwarzen Buckel: links normaler Ackerboden, rechts graphithaltige Erde -

Foto: M. Hiller  Foto: M. Hiller

Die Borgersmühle in Gadernheim und ein Mühlstein; oben an der Hausfassade Eisen und Schlägel, als Symbol für ehemaligen Bergbau zeigen die Werkzeuge nach unten

Katzenstein - Bergwerksfeld Bleialf - Knoden

Verschiedene Bleierz- und Kupfererzmutungen wurden 1855-1860 an Philipp Jost aus Allertshofen vergeben: es waren Stellen bei Raidelbach, Gadernheim, Knoden sowie Schönberg, Seidenbuch und Glattbach, Reichelsheim und Frohnhofen.

1876 werden drei Kupfererzfelder verliehen: "Heinrich" und "Reichenbach" in in Reichenbach sowie "Bleialf" in Raidelbach. Auf Bleialf neben dem Katzenstein-Gang bei Raidelbach werden 1888 zwei Schächte von 10m und einer von 26m abgeteuft. Hier fand man Blei-, Kupfer- und Silbererze. Ähnlich wie am Hohensteiner Bergwerk enthält die Imprägnation seitlich des Quarzganges Ziegelerz, Chrysokoll, Cuprit, gediegenes Silber, Malachit und Kupferglanz.

In Knoden wurde um diese Zeit Malachit mit gediegenem Silber, Kupferlasur, Kupferglanz und Weißbleierz gefunden. Silber und Kupfererz wurde bereits 1746 am Jägerhäuschen bei Knoden gefunden.
Auch 1979/80 wurde von einem Quarzsteinbetrieb in Knoden gediegenes Silber gefunden, auch gediegenes Kupfer, Fahlerz, Rotkupfererz und Malachit.

Foto: M. Hiller Foto: M. Hiller

Quarz aus Raidelbach mit kupferhaltigen Stellen

Schwerspat, Feldspat und Marmor

Schwerspat (Baryt) wurde ebenfalls in Ober-Kainsbach und Ober-Ostern abgebaut, Feldspat bei Schriesheim, Hering und ebenfalls in Ober-Kainsbach.
Marmor gab es bei Hochstädten unter Tage und in kleinen Vorkommen zwischen Ernsthofen und Hoxhohl. Lesen Sie dazu auch "Ein Ausflug in die Marmoritstollen Hochstädten", mit vielen Fotos von unter Tage! 1571 wurde der Auerbacher Marmor erstmals erwähnt und als Steinbruch um 1720 und 1773 betrieben. Die Vordergrube wurde zwischen 1820 und 1850 als Stollen erschlossen. Die Hauptgrube wurde ab 1865 erschlossen. Ein Schrägschacht führte zu zwei 12m hohe Sohlen. Es gab vier Kalköfen, die später durch Dr. Linck durch einen gasbrandofen ersetzt wurden, zu dem direkt ein neuer Stollen getrieben wurde. Die 1. Sohle erreicht die Oberfläche, hier wurde im Tagebau gearbeitet. Die 2. Sohle wurde durch einen stollen mit der Untermühle (heute sichtbare Werksanlagen) geführt, wo ein Mahlwerk eingerichtet wurde. Eine 3. Sohle wurde angelegt, ab 1920 fand der Hauptabbau unter Tage statt.
Aus dem gewonnenen Material wurede Trockenmörtel hergestellt, der sogenannte Marmorit. Im 2. Weltkrieg wurden unter Tage von griechischen Zwangsarbeitern V2-Raketen montiert.
1946 bis 1974 wurde wiederum gefördert, es wurde eine 4., 5. und 6. Sohle angelegt, durch Blindschacht verbunden. Das gesamte Lager ist damit bis in eine Tiefe von 130 Metern erschlossen. Es handelt sich um einen Kalkzug, der in Bensheim (Kalkgasse) beginnt und sich über Hochstädten bis Hummetroth zieht, wo man Karneole entdeckte. Hier steht ein 20m mächtiger Zechsteindolomit mit Schwerspateinlagerungen an, aus dem Kalk gebrannt wurde (Straßenname am Kalkofen). Schwerspat wurde auch in den Tongruben Vierstöck abgebaut. Hier fand man jedoch Kristallstufen, deren Verkauf oft mehr brachte als Erzabbau. Die Kristalle wurden im Gasthaus Vierstöck verkauft. Ein himmelblauer Kristall von 20cm Größe ist im Museum Wien zu sehen.

Baryt fand man überall der Böllsteiner* Verwerfung. Das ist eine Bruchlinie von Nordost nach Südwest zwischen Klein-Umstadt und Schriesheim, die den kristallinen Odenwald vom Buntsandstein-Odenwald trennt. Diese Trennung kam geologisch durch schräges Abkippen und ebene Erosion der Odenwaldscholle zustande, so daß die Schichten verschiedener Entstehungsphasen angeschnitten wurden und in der Ebene zutage traten. Der kristalline Odenwald im Westen weist vor allem Gneise und Granodiorite auf, aber auch Biotit, Metamorphit, Schiefer und Basit sowie Basalt und Quarzporphyr.

Zwischen Hoxhohl und Ernsthofen sind im Wald gegenüber des Waldhauses noch Pingen vom Marmorabbau zu sehen. Hier sollen auch Granate und Schwerspat gefunden worden sein.

Foto: M. Hiller  Foto: M. Hiller

Schwerspat (Baryt) vom Otzberg                                               Marmor aus Hochstädten

Schwerspat wurde früher gern von Müllern unter das Mehl gemischt, dies ist der Grund dafür, daß man Mühlen und Müllern stets mit Mißtrauen begegnete... Zum Thema Mühlen siehe auch "Die Mühle - geheimnisumwitterter Ort" im Geschichte(n)-Zettelkasten! Natürlich wäre das eine waschechte Milchmädchenrechnung: die Gewinnung von Schwerspat ist unverhältnismäßig kostspieliger als ein paar Handvoll Getreide... Schwerspatmühlen gaben sich vermutlich auch nicht mit Lieferungen zum Mehlschummeln ab, eine der alten Odenwälder Schwerspatmühlen ist die Firma Mühlhäuser Hammer bei Michelstadt - eine ganz andere "Gewichtsklasse"...

Stichpunkte zum Hochstädter Marmorbergbau: 1841 wurde der erste Marmor in einem Stollen zwischen den beiden Gebäuden des alten Forsthauses abgebaut. Man fand Turmalin, Pegmatit, Feldspat und Glimmer. Turmalin ist ein Borsilikat aus der letzten Entstehungsphase der Magmenkörper im Dach des Pluton. Auch Granat und Doppelspat sind hier zu finden. Doppelspat ist ein Kalziumkarbonat, auskristallisiert im Gegensatz zum amorphen Marmor. Vor 340-360 Mio Jahren (variskische Phase) sank hier eine Sedimentschicht ab, wurde metamorph überlagert und später wieder an die Oberfläche gehoben. Man trieb 7 Sohlen bis in eine Teufe von 140m in den Abbau, der max. 50 m breit war. Der anstehende Marmor war schwarz bis weiß, hellblau war am begehrtesten (Färbung durch Graphit). Im Bergwerk gab es ein enorm hohes Wasseraufkommen, nach Abstellen der Pumpen lief das Bergwerk in acht Tagen voll. Als Wasserreservoir ist es leider nicht geeignet, weil das Wasser zuviel Blei und Arsen enthält. (Exkursion mit Herrn Haal - OWK Heppenheim - 10. März 2002)

Elmshausen, Bangertshöhe zwischen Reichenbach und Elmshausen, Borstein und Teufelsstein

Auch in Elmshausen muß es ein Bergwerk gegeben haben: hier wurde 1530 ein Vergleich geschlossen, nach dem Erbach 1/3 des Zehnten aus dem Bergwerk erhalten sollte und Kurpfalz 2/3. 1555 begannen Grenzstreitigkeiten zwischen Hessen und Pfalz um das Silberbergwerk bei Elmshausen. Als 1773/74 Erze bei Auerbach gefunden wurden, setzt sich der Streit weiter fort. Das Elmshäuser Erzbergwerk liegt auf der Grenze und wird 1578 durch eine Gewerkschaft betrieben. 1611 werden hier reiche Silbererze gefunden: 16-18 Pfund Silber und Kupfer je Zentner. 1660 erhält ein Monsieur De la Prêche von Kurpfalz und Hessen die Belehnung und bringt einen Schacht nieder.

Ein Jahr später wird am Borstein ein zweiter Schacht hergestellt.

Ein Hammerherr aus  Hirschhorn, Johann Cato, genannt von Gülch, hat 1687 nach Meinung zweier Personen das Elmshäuser Bergwerk "erfunden". Dennoch erwirken sie eine Belehnung. Diese Personen, ein Heinrich Poitier und die Witwe des Peter Paul, seien nach dem 30jährigen Krieg vier Jahre lang auf der Suche nach Catos Bergwerk gewesen und hätten ihn schließlich entdeckt, einen Schacht niedergebracht und die Probe machen lassen. Daraufhin erhielt 1660 François Pierre de la Prêche die Belehnung und man brachte am Borstein einen zweiten Schacht nieder. Als der Lothringer Krieg begann und der Geldgeber starb, war das Projekt aufgegeben worden. 1687 jedoch konnten Poitier und Paul hier in sieben Zentnern Erz 18 Pfund Silber und 1 Zentner Kupfer finden. "Dieses Erz sey tiefer gelegen, hart wie Feuerstein und in eyer- und faustgroßen Stücken. liege in Letten, habe auf beiden Seiten Warzen und dazwischen rothen, weißen und grünen Lett; die Ader seye eine gute Elle breit und streiche in die Tiefe. Der Fundort liege oberhalb des Dorfes Elmannshausen, seye aber nicht der Schacht, der jetzt noch 'die Goldgrube' heiße; dieser liege näher an der Darmstädtischen Grenze. Es habe sich auch Erz in Stücken von 40 Pfd. schwehr gefunden, das wie Schwämme ausgesehen" so aus dem Bericht von Poitier und Paul. Auf der Suche nach dem Elmshäuser Silber- und Kupferbergwerk wanderten die Gebrüder Poitier aufgrund einer alten Bergurkunde vier Jahre lang in allen deutschen Gauen umher und verbrauchten 1000 Gulden an Zehr- und Reisegeld, bis sie das richtige Elmshausen gefunden hatten (Reichenbacher Heimatbuch 1987). Drei Brüder, vier Jahre: 1000 Gulden; das sind pro Person und Jahr 83,3 Gulden, pro Tag also 0,23 Gulden für Essen, Unterkunft und Fahrkosten. Ohne Bausparvertrag und Reiserücktrittsversicherung, Steuern und Rentenrücklage.

Der Oberlehnsherr Kurpfalz verleiht den Grafen Erbach 1701 ein Drittel des Zehnten (Abgabe des Bergwerks) am Bergwerk bei Ellm(ann)shausen (der 1339 ersterwähnte Ort Elmshausen wurde in verschiedenen Dokumenten Elmshusen, Elmhusen, Elmeßhusen, Elmanßhusen, Elmeßhausen, Elmaßhusen, Elmeßhußen und schließlich im 16. Jahrhundert Ellmannshausen genannt, ab 1701 Elmanshausen).

1765 wird ein Kurpfälzischer Schürfschein an Johann Philipp Schoch aus Mannheim ausgestellt. Michael Fettel vermutet dieses Bergwerk auf der Bangertshöhe, von wo ein Stollen nach Westen vorgetrieben wurde. Da dieser Stollen jedoch auf hessisches Gebiet vordrang, lebte hier ein alter Grenzstreit wieder auf. Ein Marmorvorkommen, das zu Hochstädten gehört, lag auch auf der Bangertshöhe nordwestlich von Reichenbach. Hier war die Decke auf dem Lager nur 2m dick. In drei Schächten und zwei Stollen der Mergler-Gruben wurde bis ca. 1880 Marmor gewonnen. 1883 teuft Dude (kam aus dem Böhmerwald hierher) auf der Bangertshöhe einen Schacht auf Marmor ab. Hier soll sich inzwischen nach Mitteilung "aus üblicherweise gut informierten Kreisen" ein Schacht befunden haben, der verfüllt wurde, damit niemand hineinstürzt. Unter anderem liegen dort unten auch drei komplette VW Käfer im Schacht, als Deckel auf einer ca. 5-6m dicken Schicht Munition aus dem Kreis Bergstraße.

Zurück nach Elmshausen: arme Bergleute errichten um 1770 einen Stollen in der Grubenwiese im Struthgrund (= Striethgrund) in Richtung Goldgrube. Noch heute gibt es in Elmshausen ein Flurstück namens Grubenberg in der Nähe des idyllischen Strietteiches. Im Bereich um den Strietteich befand sich die Grube. Ihre Anlage ruinierte 1774 Wehr und Wassergraben für die Bewässerung der Wiese von Schultheiß Joh. Beutel, und über diesem Rechtsstreit wurde der Bergbau eingestellt.

1768 findet sich wiederum ein Dokument für die Elmshäuser Grube: Bergrat Schmitt schrieb an die Kurpfälzigsche Bergwerkskommission, daß in Elmshäuser Gemarkung unweit Reichenbachs eine alte Stollenhalde liegt, die vor etwa 60 Jahren von den Reichenbachern mitbetrieben wurde. Hier sei Kupfererz gefunden worden. Das Bergwerk wird von Hessen und Kurpfalz neu verliehen, d.h. die Schürfrechte und Abgaben werden neu vergeben. 

1780-87 wird ein Bleibergwerk am Teufelsstein betrieben, auf Elmshäuser Gemarkung, der kurpfälzische Bergmeister Ludolph war Grubeninspektor. Die Bergleute Günter und Minck schürften hier für ein Jahr, traten dann ihre Rechte an Dr. med. Utendörffer ab. Der von ihm beantragte Mutschein beschreibt "einen Gang in der Ellmannshäußer Gemarckung, welcher dem erbachischen Dorf Reichenbach gegen Abend (nach Westen), in einem von besagten Ort an gegen den Hang des Fellsberges zu aufsteigenden Bergrücken zu Tage sichtbar mit demselben streicht." Bergmeister Ludolph vermißt 1786 das Bergwerksfeld: "...nach diesseitiger (Erbach-Schönbergscher) Bergordnung geschehen, nemlich auf dem Streichen des Ganges à 8 4/8 Uhr (bezeichnet die Richtung des Ganges). Es ist 200 Lachter lang und 50 Lachter breit (ein Lachter ist im Bergbau die Spanne, die ein Mann mit ausgestreckten Armen greifen kann). Berühret oben hinterwärts einen Churmaintzer waldungsstein... Das Werk hat den Namen ... Teufels-Stein beigelegt bekommen."

Da die Erbacher am Teufelsstein auf Elmshäuser Seite schürften, beantragte Conrad Münck 1789 einen Schürfschein für die Bangertshöhe auf Reichenbacher Seite beim kurpfälzischen Oberbergamt: "mithin dieses solche gar nichts angeht".

1840 wird der alte Bergbau bei Elmshausen durch Berginspektor Storch erforscht, dieser schürft auch am Hohenstein am Alexanderplatz. Die Erbacher Grafen ließen so die Bergbauspuren aus vergangenen Jahrzehnten erfassen. Demnach gab es auf der Elmshausener Seite einen 6-7m tiefen Schacht mit Stollen am Teufelsstein, einen weiteren Stollen südlich des Teufelssteins sowie drei alte Schachtpingen und einen Stollen im Striethgrund und an der Grubenwiese. Auf Reichenbacher Seite verzeichnete von Storch den Bleischacht von 1591 am Hohensteinweg und einen neuen Nebenschacht.
Von Storch begann am 1.12.1841 mit zwei neuen Schächten: einer zwischen kleinem und großem Borstein (der kleine Borstein war bereits 1936 nicht mehr vorhanden), einer westlich des Hohensteinfelsens am Alexanderplatz. Am Borstein wurde der Schacht 40m abgeteuft, hier fand man walnußgroße Einsprenglinge von Bleiglanz und Malachit, auch Silberfahlerz. 1842 wurde dieser Schacht geschlossen.

Silber, Gold und Glimmer

Silber fand man in den verschiedenen Bergwerken des Lautertals auch am Silberberg (sic!) südlich von Ober-Ramstadt und in Waschenbach. Für Kupfer ist neben Goldvorkommen vor allem die Goldkaute am Rossberg bekannt. Hier wurde ab 1500 immer wieder abgebaut, im 19. Jahrhundert wurden die Erze in Reichenbach verhüttet. Kupfer wurde in Reichenbach, Rimbach, Hohensachsen und Ober-Ramstadt abgebaut, Blei oder Silber in Reichenbach, Hochstädten, Schriesheim, Hohensachsen, Großsachsen.

Silber:

  • in Schriesheim  - heute Schaubergwerk Grube Anna Elisabeth - stand das Erz vier Meter mächtig an. Die erste Quelle für einen Abbau nennt 1473: Schenke und Mühle wurde durch Kurfürst Friedrich I im Tal eingerichtet. Erst als 1780 auf der Suche nach Bleiglanz und Kobalt stattdessen Eisen-Kupfer-Vitriol gefunden wurde, arbeitete das Bergwerk rentabel. Nach einer abenteuerlichen Geschichte seit 1985 - http://www.bergwerk-schriesheim.de/Html_DE/Frame.htm - wurde es für die Öffentlichkeit hergerichtet und kann bei Führungen besichtigt werden. http://www.bergwerk-schriesheim.de. Anfangs konnten nur die Strecken vom Oberen Wetter bis zur Aussichtsplattform begangen werden, ich war jedoch während einer Spezialführung schon im Jahr 1996 über lehmverschmierte Leitern im "Keller", im Gesenk Blautopf, von wo aus man einen Blick in die Tiefsohle werfen konnte.
  • In Großsachsen wurde seit 1551 silberhaltiger Bleiglanz gewonnen. Das Bergwerk lieferte zwischen 1775 und 1783 aus zwei Stollen etwa 4 kg Brandsilber jährlich an die kurfürstliche Generalkasse in Mannheim und wurde 1784 stillgelegt. In Hohensachsen wurde in der Grube Marie in der Kohlbach seit 1012 die älteste urkundlich belegte Mine auf Blei und Silber in 4 Erzgängen betrieben. 1773-1795 fand mit 18 Bergleuten und 10 Waschkindern im Pochwerk der Hauptabbau statt, das Erz enthielt pro 100 kg bis zu 121 g Silber. Ein zweites Bergwerk St. Christian lieferte Vitriol zur Alaunherstellung nach Schriesheim. Lesen und schauen Sie hierzu auch: "Unter Tage in der Grube Marie" mit Geologe Jochen Babist!
  • In Ober-Ramstadt - Nieder-Modau förderte man auf der Ostseite des Silberberges ab 1506 Silber aus unverkieselten Gängen. Beim Auffahren eines Wasserhaltungsstollen fand man 1581 reiche Erzvorkommen: im Zentner fanden sich 30 Lot Silber und 20 Pfund Kupfer. Als der Tiroler Bergmeister Stalder um 1590 starb, wurde das Bergwerk geschlossen. 1858 bzw. 1907/08 fand man drei Sohlen und einen Hauptschacht.
  • In Nieder-Beerbach / Waschenbach wurde 1977 Silber gefunden: am Glasberg bei Nieder-Beerbach. Im November 1981 wurde ein Abbaufeld an die Gewerkschaft Anbgelika verliehen, die sich 1995 in Odenwälder Erzbergbau umbenannte. Seit 1986 wird jährlich ein Ausbeutetaler herausgegeben.

Kupfer:

  • In Gorxheim am Eichelberg wurde kurzzeitig Kupfergrün zur Farbherstellung gefördert.
  • Ein mächtiger Kupfergang lag in Rimbach, er wurde mit 20 Gewerken von 1775-77 ausgebeutet.
  • In Roßdorf an der Goldkaute gab es ein Kupferbergwerk im Rotliegenden-Schieferletten. 1500-1514 sowie 1577-1686 lieferte das Bergwerk Erze, die in Ober-Ramstadt verhüttet wurden. 1854-1859 wurde nach Reichenbach geliefert, doch die Reichenbacher Hütte wurde 1860 stillgelegt.

Für Isolationszwecke brauchte man Glimmer, dieser wurde z.B. von 1946-1948 in Ober-Kainsbach gewonnen. Wer das Felsberggestein kennt, der weiß: es besteht aus Quarz, Feldspat, Hornblende und Glimmer. Heutzutage ist Glimmer ein Rohstoff, der unter menschenunwürdigen Umständen von Kindern in Indien gewonnen wird (siehe auch: Natur Heft 3/2021). Glimmer bringt Lippenstifte und Autolacke zum Funkeln.

Gold dagegen ist - entgegen der vielversprechenden Flurnamen wie Goldkaute - im Odenwald nicht vorhanden. Ausnahmen: 1927 wurden bei der Brunnenbohrung in Niederklingen in ca. 20m Tiefe mehrere Goldkörnchen entdeckt (K.F. Günther, Bergwerk zu Auerbach, GKB 18, Anm. 11); hier war um 1980 eine Probe zur Analyse bei Degussa eingereicht worden, die alte Dame war zu diesem Zeitpunkg 83 Jahre alt und konnte sich nicht mehr genau erinnern, wo man die Goldkörnchen gefunden hatte.
Sedimentgold wurde im Auerbacher Marmor gefunden, und in Quarzgängen in Erlenbach, Mackenheim und Sonderbach gibt es Vorkommen an Freigold. Auch wenn Ortsnamen wie Waschenbach an eine Goldwäscheanlage denken lassen, wird das Vorkommen von Gold im Granit als unwahrscheinlich erachtet.

Reichlich gefunden wurde dagegen Katzengold (Pyrit) und Katzensilber (Muskovit), eine Glimmerart.

Bergrecht im Lauf der Jahrhunderte

Die Herrschaft, hier Kurpfalz oder Erbach, verleiht das Recht, ein Bergwerk zu betreiben. Dafür wird eine Abgabe fällig.
1512 errichten die Schenken von Erbach eine Bergwerksordnung, um Erz erschließen zu können. 1774 erscheint die Hessische Verordnung über die Freiheiten des Bergbaues, 1822 wird die Hessische Ober-Bau Direktion als Mittelinstanz für Bergsachen in Darmstadt errichtet. Sie ist bis 1876 zuständig, nachdem schon 1874 das Hessische Berggesetz veröffentlicht wurde. Dieses Berggesetz für das Großherzogtum Hessen vom 1. Juli 1876 belebt den Bergbau stark. Es kam zu vermehrter Ausstellung von Abbaukonzessionen im ganzen Odenwald, vergeben durch die Obere Forst- und Domänendirektion Darmstadt. In Reichenbach erfolgten drei Kupfererz-Verleihungen.

Uran, Kobalt und Wolfram

1973 bis 1978 wurden bei Mackenheim-Vöckelsbach zwei Konzessionen auf Uran vergeben und es erfolgte die Prospektion auf Wolframerze durch die Preussag. 1832 informierte der pensionierte Erbacher Landrat Dosch den Bergverwalter Storch, daß zwischen Erbach und Reichelsheim ein Kobaldlager entdeckt wurde. Man ließ dies jedoch auf sich beruhen.

Heiligkreuzsteinach und die Heiligkreuz-Legende:

Hier soll die hl. Helena ein heiliges Kreuz ausgegraben haben. Von der Tätigkeit Graben wurde die Verbindung zum Bergbau geknüpft. Im Bergbau gibt es viele Namen die vom Hl. Kreuz herrühren: im Odenwald gibt es zwischen Großsachsen und Rippenweiher eine Flurbezeichnung Heilkreuz, ein Stück davon gibt es den Ort Heiligkreuz (früher Asmannsweiler), dann natürlich Heiligkreuzsteinach, wo man 1890-1900 versuchte Manganerze abzubauen. Und die Heiligkreuzkapelle in Michelstadt, die einst in der Nähe eines alten Eisenbergwerkes stand.

Foto: M. Hiller Foto: M. Hiller Heiligkreuzkapelle bei Michelstadt

Als Erz bezeichnet man verhüttungsfähiges Gemisch ab 25-30 Vol% Metallgehalt. Im Buntsandstein gibt es viel Eisenoxyd, das sich jedoch nicht immer durch Verhüttung gewinnen ließ. Dazu muß ein weiterer Faktor kommen: Wasser. Das Wasser löst auf chemischem Wege das Eisenoxyd aus dem Gestein und reichert es an Brüchen und Verwerfungen an. Diese wurden dann früher von den Bergbau-Prospektoren gesucht und ergraben. Öfter begegnet man in Bergbauregionen Ortsnamen mit "Katze" oder "Kater", im Harz etwa den Ort Netzkater.  Katze ist ein technischer Begriff (Laufkatze) und bezeichnet ein Dreibein mit Kette zur Kübelbeförderung.
Übrigens: Die Schulpflicht wurde an vielen Orten nur eingeführt, weil die zum Militärdienst gezogenen jungen Rekruten körperlich schon so verbraucht waren, weil sie als Kinder hart arbeiten mußten.

Rolf Kutscher nahm mich im Oktober 2010 mit auf eine sehr interessante Führung in Michelstadt-Steinbach. Demnach beträgt der Erzgehalt im Erbach-Michelstädter Graben 4-18 %, während man in Brasilien etwa  60% findet! Bei den Rehbacher Mühlen ist ein alter Mühlgraben südlich des Rehbaches noch erkennbar, dies erläuterte Herr Geist bei einer Führung. Es gab hier eine Lohmühle, eine Schleifmühle und noch eine dritte. Mitten im Ort liegt der Eisweiher, und es gab einige Eiskeller, die früher zur Kühlung für das gebraute Bier benötigt wurden. Darin ließ sich das Eis aus dem Weiher in Blöcken bis weit in den Sommer haltbar machen und wurde aus den Kellern nach Bedarf zu den Kühlgängen unter den Brauereien geholt. Heute leben in den Kellern Fledermäuse. Noch in Benutzung sind die tiefen Kellergänge unter der Michelstädter Brauerei Dörr. Im Buntsandstein gbt es Klüfte und Züge, in denen ständig eine Temperatur von 2-3 Grad herrscht.

Im Odenwald wurde hauptsächlich mit Holzkohle gearbeitet. Im Rennofen lassen sich damit hohe Temperaturen erzielen, um den Metallgehalt aus dem Erz zu lösen. Bereits die Römer haben vermutlich Erz geschürft, bei einer Grabung in Hesselbach wurde ein römischer Rennofen entdeckt. Rennofen: engl. Bloomery, Hochofen Blast furnace.
Im 30jährigen Krieg soll hier Hals über Kopf ein Pferd im Stollen zurückgelassen worden sein, das dort verhungerte. Das Gerippe ist sicherlich noch zu finden...

Zahlreiche Orte im Odenwald lassen sich noch heute als ursprüngliche Hüttenwerke erkennen:
verräterisches Kennzeichen sind künstlich angelegte Teiche oder Seen wie z.B. in Marbach oder Steinbach. Schmelzen und Hütten entstanden immer dort, wo sich ein Fließgewässer stauen ließ, damit man genügend Betriebswasser und auch Löschwasser zur Verfügung hatte für die Hammerwerke. In vielen Orten gibt es noch Flur- oder Straßennamen oder sogar Ortsteile, die den Begriff Hammer oder Hütte beinhalten: unterer Hammer in Michelstadt oder Hüttenthal. Frühere Hüttenwerke machten im Zeitalter der Industrialisierung "Karriere": so entstand etwa die Firma Mühlhäuser in Steinbach, die heute Tunnelbaugeräte für Elbtunnel, den Kanal Calais-Dover und den Gotthard-Basistunnel liefert.

Aus Rennöfen wurden feste Hochöfen. Wenn alles Holz der Umgebung in den nur einmalig nutzbaren Rennöfen verkohlt ist, flößte man weiteres herbei, dazu mußten Stauteiche angelegt werden. Diese konnten die Hütten und Hämmer auch im Sommer mit Wasser versorgen. Insgesamt stand früher mehr Wasser zur Verfügung.

Der Marbachsee entstand ebenfalls zur Versorgung einer Hütte. An ihrer Stelle befinden sich heute mehrere Betriebe im Bereich des Abzweigs B460 von der B45.

Noch einige Anmerkungen aus Dr. Ludwig Gottfried Klein:

Bei Fürstenau lag ein Schmelzofen, der sich bis 1578 in Rehbach befand und nach Mangolds Zelle (Zell bei Michelstadt) verlegt wurde, weil es in Rehbach kein Holz mehr gab (!). Dieser Schmelzofen glühte 20 Wochen oder 140 Tage im Jahr und lieferte täglich etwa 24 Zentner Eisen. Zum Schmelzen wurden pro Tag vier Fuhren Kohlen oder zehn Klafter Holz benötigt, also pro Jahr für insgesamt 3360 Zentner Eisen 560 Fuhren Kohlen oder 1400 Klafter Holz. Wobei zweieinhalb Klafter Holz gemeiniglich eine Fuhre Kohlen ergab. Gutes Eisen wurde zäh Eisen genannt, schlechtes als Kaltbruch oder Giessighohl.

Im Eisenhammer wurde das Eisen geschlagen. Für drei Waagen Eisen (à 111 Pfund) brauchte man eine Fuhre Kohle. Zu Kleins Zeiten (1754) hatte der Odenwald nach der menschenleeren Zeit ohne Landwirtschaft (30jähriger Krieg und Pest) weitreichende Wälder. Dieser Holzüberfluß wurde nun lästig. Mit Einführung der Kartoffel erlebte die Bevölkerung einen landwirtschaftlichen Quantensprung. Das Holz wurde eingeschlagen, zum Teil verbrannt und als Dung eingesetzt. Ein Klafter Buchenholz kostete um 1700 zehn Kreuzer, Birken- und Tannenholz 6 Kreuzer. 50 Jahre später zahlte man zwei Gulden und mehr.

1578 kostete eine Fuhre Kohlen 6 Batzen, 1667 waren es neun Batzen. Ein Zentner gehämmertes oder geschmiedetes Eisen kostete 2,5 Gulden, als Masseleisen (in Stangen gegossen) 18-20 Batzen. Um 1750 kostete eine Fuhre Kohlen 7-8 Gulden, ein Zentner gehämmertes Eisen 7 Gulden. (Ein Batzen im frühen 18. Jahrhundert sind fünf Kreuzer oder 1/12 Reichsgulden - Wikipedia; demnach ist der Preisunterschied für die Fuhre Kohlen im Jahr 1750 das Sieben- bis Achtfache zu 1578)

Begriffserklärungen: nicht immer ist die Sprache der Bergleute leicht zu verstehen...

GKB ist die Abkürzung für Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße - ein wahrhaft ergiebiges "Bergwerk"
hangendes und liegendes: das liegende ist das Gestein unter einem Bergbau, das hangende das drüberliegende Gestein.
Stollen: in waagerechter Richtung verlaufende Bauten im Berg
Schacht: in senkrechter Richtung verlaufend, etwa als Wetterschacht oder für Transporte in und aus dem Bergwerk
Abteufen, Teufe: in die Tiefe graben
Wetter: als Wetter bezeichnet man die Luft im Bergwerk
Steiger: sozusagen der Meister der Bergleute
Bergbereiter: kurpfälzischer Aufsichts-Bergbeamter, der von Grube zu Grube ritt
Gewerkschaft: bergbauliche Verbindung, entspricht etwa einer AG
Gedinge: Arbeiten gegen Bezahlung, Auftragsarbeit
Fahren: Fortbewegung unter Tage, auch zu Fuß
Aufwältigen: einen alten Bergbau wieder eröffnen
Streichen: Richtung in der Klüfte, Gänge oder Verwerfungen verlaufen
Stufen: Erzproben in Handgröße
Lachter: bis 1868 Bergmaß von ca. 2 Meter Länge (die ausgestreckten Arme eines Bergmannes)
Pinge: oberirdischer Einbruch eines unterirdischen Stollen, als Trichter erkennbar

Literatur

  • Die meisten hier erwähnten Infos erfuhr ich bei einer Odenwald-Exkursion mit dem Geologen Michael Fettel (Heppenheim) im November 2001 sowie aus seinem Skript, das er den Teilnehmern freundlicherweise zur Verfügung stellte. Von Michael Fettel sind zahlreiche Bücher und Aufsätze erschienen
  • Bergbaugeschichte des Odenwaldes - Aufschluß-Sonderband 25, Heidelberg 1975
  • Der Schwerspatbergbau im Odenwald, Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße 20, 1987
  • Michael Fettel, Zur Geschichte des Bergbaus bei Reichenbach im Odenwald, Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße Band 15, 1982
  • Erwin Nickel und Michael Fettel, Sammlung geologischer Führer 65, Odenwald, 2. Auflage 1985
  • K.F. Günther, Das Bergwerk zu Auerbach am Hanberg und im Schloßhof der Ruine des Schlosses Auerbach (nach Urkunden), Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße Band 18, 1985
  • Aufzeichnungen des Erbacher Archivrats Christian Kehrer über den Bergbau im Odenwald, Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße Band 15, 1982
  • Reichenbacher Heimatbuch, Matthes / Kunz 1987 - hier wird weitgehend ungekürzt der Beitrag von Michael Fettel mit Karten aus dem Jahr 1982 wiedergegeben, der auch in den Geschichtsblättern Band 15 veröffentlicht wurde.

Dieser Beitrag wird gelegentlich weiter ergänzt - reinschauen lohnt sich immer mal!
Alle Textbeiträge aus der oben genannten Literatur zusammengestellt, Fotos Marieta Hiller, im Jahr 2021