Aufgeräumte Landschaft: weder Deckung noch Nahrung für Rebhühner

Mit dem Ackerbau ist das Rebhuhn aus den Steppen Osteuropas bei uns eingewandert. Es fand in dem vielfältigen Mosaik der Feldflur so gute Lebensbedingungen vor, daß es über Jahrzehnte ein beliebtes Jagdwild war. Heute ist das Rebhuhn extrem selten geworden und aus manchen Gebieten bereits ganz verschwunden. Kleinteilige abwechslungsreiche Kulturen mit Säumen, Brachen, Wegrändern und Hecken sind selten geworden. Auf großräumigen Ackerbauflächen mit nur wenigen Kulturpflanzen und ohne eingestreute Brachen und Säume leben kaum Insekten und Wildkräuter, die für die Ernährung so wichtig sind, außerdem bieten derartige Flächen insbesondere im Herbst und Winter keine ausreichende Deckung für die Familienverbände. Die Paare bevorzugen im Vorfrühling Altgrasstreifen und Brachen, wo ab Ende April bis zu 15 Eier ins gut versteckte Nest gelegt werden. Nur die Henne brütet, der Hahn hält Wache, bei der Jungenführung sind beide Partner beteiligt. Meist schlüpfen die Küken ab Ende Juni Anfang Juli. Als typische Nestflüchter verlassen sie umgehend das Nest und nehmen ihre meist tierische Nahrung auch selbstständig auf. Der Familienverband (Kette) bleibt bis zum Ende des Winters zusammen, erst dann lösen sich die Verbände rechtzeitig vor der neuen Paarbildung wieder auf.

Drastisch zurückgegangen ist der Rebhuhn-Bestand z.B. im Altkreis Dieburg, wo es keine 20 Rebhuhnpaare mehr gibt. Früher war das der durchschnittliche Bestand einer Gemarkung mittlerer Größe. Auf extrem schlechte Bruterfolge deuten auch die geringen Kettengrößen hin, waren es früher bis zu 20 Rebhühner in einer Kette, werden heute kaum noch 4-6 Vögel in einem Winterverband gezählt.

Artenreiche Blühstreifen können den Rebhühnern helfen. Sie sind besonders effektiv, wenn sie möglichst breit (mehr als zehn Meter) und unregelmäßig verteilt sind, um Nesträuber nicht direkt auf die Nester hinzuleiten. Ungünstig sind sie direkt an Straßen, wo die Insektenbevölkerung oft auf Winschutzscheiben endet.

Stoppelfelder und Zwischenfruchtanbau über den Winter ist ebenfalls hilfreich, Altgrasstreifen an Wegrändern, Böschungen, Gräben und Parzellengrenzen sollten stehen bleiben, auf das Mulchen von Wegrändern, Blühflächen, Altgrasstreifen in der Zeit von März bis Ende Juli sollte verzichtet werden.

Spaziergänger sollten solche Flächen meiden. aggl