Im November-Durchblick 2016 (noch nicht online digitalisiert) haben wir Zahlen und Fakten zusammengestellt. Die Seiten finden Sie im Anhang.

AG Gewässerschutz und Landwirtschaft jetzt beim ZVG angesiedelt

Seit dem 1. Oktober 2014 ist das Team der Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft (AGGL) beim Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG) angesiedelt. Seit dem Jahr 2000 entwickelt und betreut die AGGL standortbezogene Beratungskonzepte in den Wasserschutzgebieten der Mitgliedskommunen. Seit 2011 setzt die AGGL im Auftrag des RP Darmstadt und gefördert durch das Land Hessen die Europäische Wasserrahmenrichtlinie im Maßnahmenraum Bergstraße/Odenwald um.

Mit dieser Richtlinie soll bis 2027 der qualitativ und quantitativ gute Zustand aller Grund- und Oberflächengewässer erreicht werden. Der Zweckverband Dieburg ist ein regionaler Wasserversorger der im Raum Dieburg über 133.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt. Auch für seine Brunnen arbeitet er schon seit Jahrzehnten kooperativ mit den Landwirten zusammen. Seit Beginn dieses Jahres hat er die Trinkwasserversorgung für die Gemeinde Otzberg übernommen und damit auch die Organisation der AGGL. Der ZVG führt damit die langjährige vertrauensvolle Arbeit zwischen Landwirten und Wasserversorgern in der Region Starkenburg fort, damit auch künftigen Generationen Trinkwasser in ausreichender Menge und guter Qualität zur Verfügung steht. Informationen gibt es beim Team der AGGL:
Tel. 06073-603-24 oder 06162-9604-0.
(red)

Die Wasserversorgung der Gemeinde Modautal: aus Brunnen und Quellen (Stand Januar 2015)

In den elf Ortsteilen Modautals gibt es insgesamt acht selbstständige Wasserversorgungsanlagen. Alle einzelnen Anlagen haben eigene Gewinnungsgelände, Quellgebiete mit Quellfassungen an den Hängen oder Brunnen in den Talauen.

Da die Ortsteile der Gemeinde Modautal in verschiedenen Tälern liegen, sind auch die Gewinnungsanlagen in diesen einzelnen Tälern verteilt.
Asbach und Herchenrode werden jeweils aus einem Tiefbrunnen versorgt, der direkt das Trinkwasser in den Hochbehälter fördert und von dort in das Leitungsnetz.
In Lützelbach fließt das Wasser aus Quellen in den Hochbehälter. Nach UVBestrahlung und Entsäuerung wird das Wasser in das Ortsnetz eingespeist.
In Ernsthofen fließen drei Quellen in den alten Hochbehälter Ernsthofen. Von dort wird das Wasser in den Hochbehälter Klein-Bieberau gepumpt, der für die Versorgung der Ortsteile Ernsthofen und Klein-Bieberau/ Webern errichtet wurde.
In der Ortslage Klein-Bieberau befindet sich ein Quellgebiet, aus dem das Wasser in den alten Hochbehälter Klein-Bieberau geleitet wird. Auch Brunnenwasser aus dem Johannisbachtal wird in diesen Hochbehälter gepumpt und zum gemeinsamen Behälter gehoben, entsäuert und nach UV-Bestrahlung in die Ortsnetze von Ernsthofen und Klein-Bieberau/Webern abgegeben.
Brandau wird aus zwei Quellen versorgt, die direkt dem Hochbehälter zufließen. Nach Entsäuerung und UV-Bestrahlung fließt das Wasser in das Ortsnetz. Aus einer dritten Quelle fließt Wasser zu einem Sammelschacht mit Pumpenanlage und so in das Ortsnetz, zusätzlich speist ein Brunnen beim Sportplatz das Ortsnetz.
In Neutsch kommt das Wasser aus einer Quelle, die das Trinkwasser nach Entsäuerung mittels Pumpe in den Hochbehälter fördert, von wo es nach UV-Bestrahlung in das Ortsnetz eingespeist wird.
Neunkirchen wird über mehrere Quellen versorgt, die über den Hochbehälter nach Entsäuerung und UV-Bestrahlung in das Ortsnetz fließen.
Mehrere Quellen versorgen auch Allertshofen und Hoxhohl: das entsäuerte Trinkwasser wird in den Hochbehälter gepumpt, UV-bestrahlt und in das Ortsnetz eingespeist.

Weiches Wasser im Lautertal hilft Waschpulver sparen

Mittel bis weich ist das Trinkwasser in den Ortsteilen Lautertals. Nur in Elmshausen ist es mit 14,6 dH hart.

Alle Trinkwasserwerte der Ortsteile sind auf http://lautertal.de/trinkwasserwerte.html zu finden. Das weichste Wasser ist in Beedenkirchen und Staffel zu finden: mit 6,2 bzw. 5,8 dH. Am Raidelbacher Hochbehälter hat es mit 11,0 dH eine mittlere Härte. Die Trinkwasserqualität der Ortsteile muß permanent überwacht werden nach einem Probennahmeplan nach Trinkwasserverordnung. Je weicher das Wasser, desto sparsamer kann das Waschmittel dosiert werden.

Von der Waschkampagne  www.waschkampagne.de - analog zur Teekampagne) gibt es drei verschiedene Zusammensetzungen:  „passt!“ für weiches Wasser (= 328 Waschladungen), für mittlere Wasserhärte (=248 Waschladungen) und für hartes Wasser (= 200 Waschladungen). „Passt!“ gibt es im Karton zu acht mal 1,5 kg für alle Temperaturen von 20 bis 95 Grad. Es enthält keine Füllstoffe, keine Duftstoffe und keine Bleichmittel und die Tenside kommen zu 60% aus nachwachsenden Rohstoffen. Auch Weißes und Schwarzes wird so sauber, nur für Wolle und Seide braucht man ein anderes Waschmittel. Passt! enthält auch keine optischen Aufheller oder Bleichmittel. Diese brauchen nämlich nur bei Bedarf zugesetzt werden. Gängige Waschmittel enthalten alle die gleiche Menge Enthärter, obwohl für weiches Wasser keine  benötigt werden. Das ist oftmals überflüssig, muß aber stets mitbezahlt werden und belastet die Umwelt. Mit Passt! wird der Verbrauch deutlich gesenkt. Ein Paket Passt! mit 12 kg Waschpulver reicht für eine vierköpfige Familie bei weichem Wasser etwa eineinhalb Jahre und kostet 32 Euro.


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Bei den Arbeiten am Feuchtbiotop "Käsebrünnchen" zwischen Kimbach, Weiten-Gesäß und Vielbrunn stieß um 1993 der Rutengänger Erich Schuck auf einen unterirdischen See im Muschelkalkgestein. Er wird aus drei Einsickerungsgebieten gespeist und versorgt die Stadt Michelstadt, Weiten-Gesäß und Vielbrunn über den "Grundlosen Brunnen" mit einer großen Schüttung hochwertigen Trinkwassers.

Eine Erkundung durch SSP-EXPLORATION - Peter Schneider und Erich Schuck Forschungsgemeinschaft Radiästhetische Feldanomalie Detektion ergab einen Durchmesser von ca. 250 Metern und einer Tiefe von ca. 150 Metern.

Odenwälder Heimatzeitung, "Rutengänger entdeckt unterirdischen See" von Jörg Schwinn, Erbach, 14.2.1994 

http://ssp-exploration.eu/grundwassersituation_vielbrunn.htm

Auf der Neunkircher Höhe entspringt neben Lauter und Modau auch die Gersprenz. Sie sprudelt in einem Natursteinbecken auf 580 m Höhe NN und fließt auf ihren 62 Flußkilometern durch Winterkasten und Reichelsheim, Reinheim und Dieburg, bis nach Stockstadt (Achtung: es ist ein anderes Stockstadt als das, wo die Modau mündet! Die Modau mündet bei Stockstadt in den Rhein, die Gersprenz mündet bei Stockstadt in den Main), genauer bei der Schleusenanlage Kleinostheim.

Ihr Name lautete 786 Caspenze, 1012 Gaspensa, 1408 Gersprenze. Ursprüngliche Endung war -antia (anza enze enza inza), ein deutschwes Grundwort, das Fluß bedeutet (Wilhelm Sturmfels, Die Ortsnamen Hessens, 1910)

Der Großherzoglich Hessische Geometer G. W. Justin Wagner beschrieb die Gersprenz entlang ihres Laufes Im Jahr 1827. Auf ihrem Weg begleitet sie u.a. die Seite http://www.oberes-gersprenztal.de/ von Karl-Heinz Bayer aus Reichelsheim. Allerdings gibt es offenbar in Reichelsheim die Ansicht, daß auf der Neunkircher Höhe "nur" der Mergbach entspringt, der dann erst bei Bockenrod zusammen mit dem Osterbach die Gersprenz bildet.

Seit im Jahr 2013 der Oberlauf des Flüßchens in Mergbach umbenannt wurde, ist die schöne Tafel des Verschönerungsvereins Lützelbach entfernt worden. Dagegen wird die Gersprenzquelle seit 1952 im amtlichen Naturdenkmalverzeichnis des Kreises Bergstraße geführt, und seit 1889 kümmert sich die OWK-Ortsgruppe Neunkircher Höhe um die Anlage an der Quelle. Die Steineinfassung, Tische und Bänke und die Tafel wurde von den engagierten Mitgliedern errichtet und über die Jahre gepflegt. Sie können sich nicht damit anfreunden, daß die Quelle fortan Mergbachquelle heißen soll. Auch die Anwohner der Oberlauf-Dörfer wollen vermutlich gerne weiterhin an der Gersprenz leben. Der Lützelbacher Ernst Wege führt als schlagendes bzw. schäumendes Argument folgendes an:

die Gersprenz bedeutet "schäumender, rasch fließender Bach", während Mergbach "Sumpfbach, Grenzbach oder Marienbach" heißt. Weder ist der Oberlauf von Sumpfgelände geprägt, noch kennzeichnet er eine Grenze. Das starke Gefälle von der Neunkircher Höhe hinab ins Gersprenztal (sic!) läßt eher an ein schäumendes als auf ein sumpfiges Gewässer denken. Um Reichelsheim gibt es weite Wiesenbereiche, die sumpfig sind und als Retentionsräume dienen, so daß Ernst Wege eher hier das Sumpfige vermuten möchte.

Aber bevor die Fetzen fliegen zwischen zwei Odenwälder OWK-Ortsgruppen (Neunkircher Höhe und Reichelsheim), schauen wir uns lieber noch ein paar schöne Fotos an und halten Frieden.

 

 

Auch wurde zwischenzeitlich die ursprüngliche Gersprenz-Holztafel in restaurierter Form wieder aufgestellt und verkündet:

Gersprenzquelle!
Ohne Dich, klein und schlicht,
gäb es unsre Gersprenz nicht.    Münster, Jahrgang 1932 / 33

Fotos: M. Hiller

Zwölf Dörfer bilden die Gemeinde Lautertal, vier von ihnen liegen auch im Lautertal. Das Flüßchen selbst entspringt auf der Neunkircher Höhe auf 540m über NN, also 65 Meter unter dem höchsten Punkt der Höhe. Ihre Quelle wurde in Schmiedeeisen gefaßt und liegt in der Nähe des Hexensteines. Da die Quelle jedoch nicht (mehr) ganzjährig Wasser spendet, kann man auch das Sumpfgebiet etwas weiter unten in der Nähe der Allmeihütte als Lauterquellen bezeichnen.

Die Lauterquelle am Hexensteinweg

Die Lauter, Taufpatin des gleichnamigen, sich hier in das Hessische Ried öffnenden Tals, entspringt an dieser Stelle in 540m über NN an der Neunkirchener Höhe (605m).
Sie ist gleichzeitig Namenspatronin der insgesamt 12 Ortsteile umfassenden Großgemeinde Lautertal, welche im Rahmen der Gebietsreform 1972 gebildet wurde.
Die Lauter durchfließt zunächst in welstliche Richtung den kristallinen Odenwald bis Bensheim an der Bergstraße, um dann zum dortigen Rinnentor, einem Rest der alten Stadtmauer, nach Norden fast rechtwinklig abknickend sowohl ihre bis dahin gewohnte Umgebung als auch ihren Namen zu verlieren. D
Den Rhein bei Gernsheim erreicht sie dann nach rund 31km als Winkelbach.

 

Von diesem Punkt aus führt das Bächlein immer Wasser, fließt durch Gadernheim nach Süden und danach in Richtung Ried durch die Dörfer im Tal.

Dabei durchschneidet sie den kristallinen Odenwald bis Bensheim. Das Profil in NW-SO-Schnitt zeigt am eindrucksvollsten in Reichenbach, welche Urgewalt dieses kleine klare Gewässer in den letzten Jahrmillionen innehatte: der Bach sägte sich durch die als Reichenbacher Gold bekannte Quarzader vom Borstein bis zum Katzenstein und schuf ein breites V-Tal mit der Evangelischen Kirche Reichenbach an der Tiefstelle.

In Bensheim verläßt die Lauter den Odenwald und verwandelt sich auf ihrem Weg zum Rinnentor, einem Rest der alten Bensheimer Stadtmauer, zum Winkelbach. Hier knickt sie auch nach Norden fast rechtwinklig ab und mündet nach 31km bei Gernsheim in den Rhein.

Lauter ist ein sehr alter germanischer Name, er bedeutet "klar, rein". Althochdeutsch lutter, mittelhochdeutsch lutra oder liutra. Klar und rein war die Lauter bis vor einigen Jahren ganz und gar nicht: als die Blaufarbenfabrik in Lautern noch aktiv war, flossen jahrzehntelang Stoffe zur Farbherstellung in die Lauter, so daß diese jeden Tag eine andere Farbe hatte. Die Leute beklagten sich nicht und kannten die Zeiten, in denen man in der Lauter Wasser schöpfen konnte, ohne daß die Wäsche bunt wurde. Der ganze Ort Lautern lebte von der Fabrik.

Ähnlich ging es in Gadernheim, Reichenbach und Elmshausen: die Schleifabwässer der Steinbetriebe waren der Umwelt auch nicht förderlich. Und so stellt die Gewässergütekarte von 1984 der Lauter das Prädikat "kritisch belastetes Gewässer Stufe II/III" aus. Inzwischen aber ist die Lauter wieder so klar und rein, daß es darin Forellen gibt. 1869 gab es laut Chronist Heinz Bormuth (s.u.) unterhalb Reichenbachs keine Forellen mehr, da die Lauter durch die Kupferbergwerks-Abwässer stark verschmutzt war. Man mußte den Fischbestand erneuern.

1907 gab es wiederum ein Fischsterben aufgrund der Steinschleifer-Abwässer. Revierförster Kunkelmann beklagte sich: "das Wasser, das in früheren Jahren klar und rein war, ist jetzt durch die Verunreinigungen trüb und grau und führt viel Schlamm mit sich fort" (siehe Bormuth, Quelle: StAd F21 B Fasc. 243/1).

Ein paar Details zur Fischerei: 3 Gulden Pacht zahlte Bürgermeister Jakob Lamperts Witwe in Reichenbach jährlich für das Fischereirecht von 1840 bis 1846. Später ging das Recht auf den Verwalter des Kupferbergwerks bzw. Fa. Charles Rochaz Paris über. Der wanderte 1867 nach Amerika aus, und der Vertrag ging an Jakob Lampert. 1879 übernahm der Brauereibesitzer Justus Ulrich in Pfungstadt gemeinsam mit Jakob Lampert die Rechte, wo sie dann 1901 an Christian Ulrich, Justus Hildebrand und Jakob Lampert übergingen und schließlich 1906 an die Brauerei Hildebrand in Pfungstädter, gemeinsam mit dem Gastwirt Lampert aus Reichenbach. Heute ist die Brauerei als "Pfungstädter" bekannt. Die

Fischrechte blieben stets bei der Standesherrschaft und konnte zeitweise gepachtet werden. Der Fischereibezirk, dessen Pächter hier dargestellt wurden, reicht von der Lettersbrücke zwischen Gadernheim und Lautern (im Volksmund "in de Lärreds" genannt) bis zur Brücke unterhalb Reichenbach (Falltorweg). Literaturhinweis: zum Dorf Lautern Heinz Bormuth, "Lautern im Odenwald" 1993

Lesen Sie dazu auch die Beitragssammlung Wasser: Beginn des Lebens... zu Lauter, Modau und Gersprenz sowie Quellenweg um die Neunkircher Höhe

Der Hexenstein

Der Hexenstein liegt unweit der obersten Lauterquelle unter einem hohen Solitärbaum. Zum Hexenstein ernannt wurde der Granitfels vom Gadernheimer Schmied Roß, der den Schriftzug mit Hexe geschmiedet hat.

Lesen Sie auch:

Neunkirchen, höchster Ort im Modautal

 

 

Texte und Fotos: M. Hiller

Fischbachtal aktiv setzt sich jedes Jahr ein Motto: Um „Ressourcen und Nachhaltigkeit“ dre­hen sich die Aktivitäten in 2021 und 2022. Veranstaltungen zum Thema finden Sie hier: https://www.fischbachtal-kreativ.org/

Ende August 2021 führten drei Fachleute eine trotz Regen beachtliche Gruppe interessierter Wanderer am Steinbach entlang hinauf in den Wald zwischen Steinau und Lützelbach. Am Parkplatz Zindenauer Schlößchen begrüßten Werner Bert von Fischbachtal Kreativ, Karl Schwebel, Georg Allmann und Laurenz Pries die Unerschrockenen. Es begann mit einer Schweigeminute: direkt am Parkplatz lauschten alle den Wassergeräuschen, nahmen den besonderen Geruch des Ortes wahr. Karl Schwebel, Wasserspezialist vom Verband Hessischer Fischer, erläuterte dazu, daß man Wasser schmecken muß. Jeder Bach, jede Quelle habe ihren eigenen spezifischen Geschmack. Nur ein Bach, der murmelt weil das Wasser über Steine springen muß, ist ein lebendiger Bach. Er holte ein Stück Holz aus dem Steinbach, auf dem die Teilnehmer Köcherfliegen und Mückenlarven entdecken konnten. Auf der Unterseite eines Steinbrockens aus dem Bachbett wimmelte es von Lebewesen: unter anderem Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen. Auf dem Weg hinauf zum Quellbereich stellte Schwebel die beiden Fischarten vor, die hier leben: Steinforelle und Mühlkroppe.

Ein großer Brand zerstörte in Beerfelden fast alle Häuser im Jahr 1810. Die Stadt mußte völlig neu aufgebaut werden, und so plante man auch gleich die Brunnenanlage der Mümlingquelle neu.

Aus dem ehemaligen Achtröhrenbrunnen, der von großen Bäumen umstanden war, wurde der heutige Zwölfrohrbrunnen. Reparaturen einige Jahre später (1832) kosteten jedoch fast 1.000 Gulden. Dieser Brunnen versorgte bis zum Bau der Wasserleitung 1895-98 die Bevölkerung mit Wasser, hinzu kamen einige Handpumpen und Ziehbrunnen. Am Zwölfrohrbrunnen durfte nur Trinkwasser entnommen werden, Wasser für das Vieh und zum Waschen konnte auf der gegenüberliegenden Seite geholt werden.
Seit 1991 feiert Beerfelden alljährlich im Mai ein Brunnenfest, 1992 wurden Auslaufrinnen und Bodenplatten erneuert.

1810 wurde der bestehende Achtrohrbrunnen zum Zwölfrohrbrunnen umgebaut

Der Kindelbrunnen: man erzählt sich, daß das Wasser von Kindelbrunnen in früheren Zeiten für Fruchtbarkeit sorgte...

Der Kindelbrunnen bei Beerfelden (in der Nähe der Mümlingtalstraße) ist von einer giebelförmigen Sandsteinplatte überdacht. Es ist ein sehr seltener Brunnentyp, wie er außerdem nur in Boxbrunn und Breitenbach zu finden ist.  

 

Die Wasserversorgung war für Städte und Dörfer eines der wichtigsten Grundprobleme.
Brunnen lieferten den mittelalterlichen Ortschaften Wasser, es gab Zieh- oder Laufbrunnen. Ziehbrunnen zapften über einen tiefen Schacht das Grundwasser an, Laufbrunnen faßten das Hangwasser. Brunnen waren auch als Löschwasserspeicher wichtig.

Februar 2013: Eine Million Bürger sagen: Trinkwasser soll keine Handelsware werden

Der März ist der Wassermonat, in landwirtschaftlich geprägten Regionen beginnt der Jahreszyklus, und Wasser ist dabei der wichtigste Faktor. Deshalb ist seit 1993 alljährlich am 22. März der Tag des Wassers. Aktuell geht es um das Motto „Wasser und Zusammenarbeit“, nicht nur am 22. März, sondern ein ganzes Weltwasserjahr 2013 lang. Federführend ist die UNESCO, während der Weltwassertag von UN-Mitgliedsstaaten und einigen Nichtstaatlichen Organisationen iniziiert und seit 2003 von UN-Water  organisiert wird. In Deutschland wird zudem alle zwei Jahre die Flußlandschaft des Jahres gekürt: 2011 war dies die Emscher, einst das schmutzigste Gewässer Deutschlands und „Kloake des Ruhrgebietes“, begradigt, tiefergelegt, auf weite Strecken tot. 2013 wurde die Helme in Thüringen zur Flußlandschaft des Jahres gekürt. Weitere Infos: www.flusslandschaft.naturfreunde.de.

Am 23. April 2018 ging ein Wolkenbruch über Neutsch nieder, der in kürzester Zeit die Keller vollaufen ließ. Hier mußten sehr schnell zahlreiche Heizöltanks von der Freiwilligen Feuerwehr gesichert werden. Die Bewohner rückten mit Besen und Schaufeln an, um den Schlamm zu beseitigen. Der Einsatz ist noch zu finden auf den Seiten der Freiwilligen Feuerwehr Modau.

"Man muß nicht grün sein, um etwas für die Natur zu tun." Mit diesen Worten begrüßte mich der Reichenbacher Alfred Hogen, Ortsvorsteher und für die Lautertaler Bürgerliste im Gemeindeparlament. Wer grün denkt, findet nicht alles gut, was andere Parteien tun. Doch wenn etwas vor Ort getan wird, das allen nutzt und niemandem schadet, bringt das alle weiter voran als die große Politik.

Daß sich unter dem "Straßenbegleitgrün" der Reichenbach verbirgt, konnte man kaum erkennen - Foto Alfred Hogen

In der Nähe von Amorbach liegt Amorsbrunn, der Überlieferung nach eine römische oder germanische Quellenkultstätte. Im Jahre 734 wurde sie vom Heiligen Amor ins Christentum übernommen, wie viele alte heidnische Kultplätze. Ob dieser Ort der Ursprung der späteren Abtei Amorbach ist, kann wissenschaftlich nicht belegt werden. Auch der Heilige Amor winkt uns aus dem Legendenhaften herüber. Tatsächlich könnten nämlich die Ortsnamen Amorbach und Amorsbrunn vom Ammerbach herrühren. Dieser Bach erfuhr im um 1200 eine Lautumwandlung zu Amarbach. Ammer bedeutet Sumpf oder Gewässer. Im 11. Jahrhundert wurde hier ein Mönch von der Gicht geheilt und nannte den Bach "rivus amoris". Er meinte damit jedoch, daß er hier die Liebe Gottes erfahren habe.

Die Witwe des Grafen Georg Wilhelm zu Erbach-Erbach erließ gemeinsam mit ihrem Neffen Graf Georg Ludwig II im Jahr 1969 die Mühlordnung, die genau regeln sollte, wie sich Müller und Bevölkerung zu verhalten hatten. Geldstraßfen zwischen 15 Kreuzern und 10 Reichstalern wurden bei Zuwiderhandlungen gegen ihre Vorschriften verhängt. Ämter, Mühlbeschauer und Müller erhielten jeweils Abschriften.

Aus drei Exemplaren, die erhalten geblieben sind, stellte der Odenwälder Historiker Georg Freiling aus Zell 1992 durch Vergleich einen vereinheitlichten Text her. Eine der Vorlagen war eine Kopie von Georg Dascher, eine stqammte aus dem Stadtarchiv Michelstadt und eine war eine Abschrift von Ingeborg Diersch, Stadtarchiv Erbach.

Der Bau einer Mühle

Niemand durfte ohne herrschaftliche Erlaubnis eine neue Mühle bauen, der Wasserbau mußte so eingerichtet werden, daß anderen Grundbesitzern kein Schaden entstand. Mühlgräben mußten sauber gehalten werden, Schutz- und Stellbretter mußten eingerichtet werden, um größere Gewässer vor Sand- und Kiesablagerungen zu schützen und zugleich die Anrainer vor Hochwasser zu bewahren.
Wenn ein Müller eine defekte Schaufel an seinem Wasserrad nicht binnen 24 Stunden ersetzte, wurden 15 Kreuzer Strafe fällig, wer aber dem Müller das Wasser ohne Not abstellte, der mußte 10 Gulden Strafe zahlen. Wie Wände, Fenster, Türen und Böden im Mühlengebäude auszusehen hatten, wurde hier geregelt ebenso wie die Steinwerke (Bodensteine und Läufer, Gerbsteine) erhalten und ersetzt werden mußten. Zu weiche Steine durften nicht verwendet werden, da sie zuviel Abrieb ans Mehl abgaben. Der Mehlkasten mußte ganz trocken sein, doppelte Böden oder Wändungen waren verboten. Zugluft durch offene Türen oder zu große Löcher für den Wellbaum mußte vermieden werden, um Staubentwicklung zu verhindern.

Wie die Müller betrügen konnten

Und ein Absatz verweist auf den Volksglauben, nach dem der Müller stets verdächtig war... : "Heimliche Gerb-Rohr oder Staub-Häuschen sind verboten. Keinem Müller ist erlaubt, sondern bei 10 fl Strafe verboten, daß er unter dem ordentlichen Gerbrohr und Staub-Häuslein ein heimlich oder gedoppeltes Rohr oder noch ein Staub-Häuschen halte, weil dadurch den Mahlgästen ein heimlicher Abtrag geschieht."

Ein ordentliches Stück Geld kostete es den Müller auch, wenn er dabei erwischt wurde, wie er Mehl oder Kleie zurückbehielt und das fehlende Gewicht durch Sand ersetzte: 10 Reichstaler = 1 1/2 Gulden.

Die Mahlsteine

Ein frisch behauener Mahlstein mußte zuerst mit Spreu "eingemahlen" werden, vorzugsweise im Beisein des nächsten Mahlkunden, bevor dessen Mahlgut aufgeschüttet wurde. Nach dem Mahlen mußte 3x an die Zargen geklopft werden, damit alles Mahlgut des Kunden herausfiel. Wichtig war auch, daß das Mehl durch ein geschlossenes System von Rohren und Kästen vom Mahlstein bis in den Mehlkasten lief.
Der Müller durfte seine eigenen Futter- und andere Kästen aus der Mühle schaffen, "um allen Verdacht eines Abtrages und Vorteilhaftigkeit abzuwenden".

Die Gerbmühle (hier wurde Dinkel entspelzt) durfte vom Mahlkunden jederzeit geprüft werden: "beibet nun etwas von den Kernen auf den Händen liegen, es mag so wenig seyn als es wolle, so ist die Gerbmühle nicht recht, und der Müller inst in 3 fl. Straf verfallen." Die saubere Trennung von Körnern und Spelzen war also sehr genau vorgeschrieben. Beim Entspelzen (gerben) fielen die Spitzen (Keimlinge der Kerne) an, die dem Mahlgast unbedingt ausgehändigt werden mußten, da sonst bei einer Mühlbesichtigung der Mühlbeschauer vermuten könnte, diese würden dem Mahlgut beigemengt. Dagegen wurde die Spreu (Spelzen) zwischen Mahlgast und Müller geteilt. Auch dies hatte sauber und gewissenhaft zu erfolgen.

Unfallverhütungsvorschriften anno 1769

"Kämme, Zapfen und Spindeln sind fleißig zu schmieren, damit nicht der Mühlgast oder der Müller selbst ein Unglück bekomme" - mit 1 fl. oder mehr geahndet.

Vom richtigen Maß...

Der wichtigste Absatz handelt von den vorgeschriebenen, erlaubten oder verbotenen Maßen und Gewichten. Nur geeichte Maße und Gewichte durften eingesetzt werden, und jede Mühle hatte einen vollständigen Satz davon vorzuhalten. Die Eichung erfolgte durch das Centzeichen (Cent von Zent, dem Verwaltungsbezirk). Dem Mühlgast stand es frei, seine Frucht in Hohlmaß oder in Gewichten messen zu lassen. Nicht frei stand es ihm, zu einer anderen Mühle zu gehen, wenn ihm in dieser etwas nicht paßte. Welche Mühle wessen Gut mahlen durfte, war ganz genau festgelegt (Bannmühle). Erst wenn ein Müller einen Mahlgast vier Tage und vier Nächte nicht bedient hat, darf er seine Frucht aus der Mühle wieder mitnehmen zu einer anderen Mühle.

Eine Tabelle mußte Aufschluß darüber geben, "was ihnen nach dem Gewicht gebühret": 1 Center (Zentner = 100 Pfund = 50 kg) Frucht ergibt (z.B.) 80 Pfund Mehl und 10 Pfund Kleie (Kleie = Schrot) bei Korn, bei Dinkel ergibt sich 70 Pfund Weißmehl, 20 Pfund Bollmehl (schlechtere Qualität) und 10 Pfund Kleie. Da aber "bisweilen die Frucht schlecht sey oder allzuviel Staub haben sollte, kann oder soll der Müller solches gleich erinnern, da dann ein jeder Mahlgast, besonders wenn er selbst die schlechte Beschaffenheit seiner Frucht sieht, sich weisen und billig finden lassen wird."

Diese Tabelle muß sichtbar in der Mühle aufgehängt sein, die Gewichte oder Hohlmaße der gelieferten Frucht und des sich ergebenden Mehls muß auf einer Holztafel notiert werden. Streitigkeiten hierüber mußten vom Mühlbeschauer geklärt werden bzw. von Centgraf und Centschöffen entschieden werden.

Mahlgäste und Vieh und "wer zum ersten kommt, der mahlt zum ersten"

"Die Müller sollen nicht mehr Schweine, Gänse, Enten, Hahnen, Hühner, Kapaunen, Tauben und anderes Geflügel halten, als was sie nach Vermuthen wohl halten können. Keines davon durfte - ebenso wie anderes Vieh - in die Mühle gelassen werden, insbesondere die Lastesel mit den Säcken nicht.

Die Mahlgäste dagegen durften sich so lange in der Mühle aufhalten, bis ihr Mahlgut komplett ausgemahlen, abgesackt und aufgeladen ist. Das Mahlgut verschiedener Mahlgäste durfte nicht vermischt werden.
Der Müller hat einen Handkarren für den Transport der Säcke zu benutzen, damit die Säcke nicht über den Boden schleifen und kaputt gehen. Auch mußte das Mahlgut eines Mahlgastes vor dem Absacken vermischt werden, damit jeder Sack die gleiche Qualität enthielt.

Heikles Thema: wieviel Mahlgut steht dem Müller zu?

"Wie die Mitz zu nehmen ist" heißt es in der Mühlenordnung. Mitz oder Mitze ist Naturallohn des Müllers, ein Anteil am Mahlgut. Bei Dinkel wird die Mitz in Höhe von jedem 12. Molzer (Fruchtmaß 1/3 Simmer = 6,45 Liter) vor dem Mahlen von den Kernen genommen, bei Korn vom Mehl. "Der Müller solle aber bei Straf 5 fl. die Mitze nicht ohne des Mahlgastes oder der Seinigen Anwesenheit nehmen."

Will sich der Müller über die Höhe oder Angemessenheit einer Strafe beschweren, so geht dies nur über die Centschöffen. Diese können an die Ämter oder an die Regierung appellieren.

Gegeben Erbach und Schönberg, den 11. September 1769.

Ein faszinierendes Fenster in die Vergangenheit öffnete sich bei Bauarbeiten am Bensheimer Marktplatz. Bensheim ist seit 765 urkundlich bekannt als Basinsheim und erhielt 956 das Marktrecht. Zur Stadt wurde es spätestens 1320. Als 1979 beim Bau des "Hauses am Markt" in der östlichen Marktplatzecke Gebäudereste entdeckt wurden, versäumte man es, dies archäologisch zu dokumentieren. Man arbeitete mit schwerem Gerät und zerstörte vermutlich zahlreiche Funde. Was gerettet wurde, konnte - aus dem historischen Befund herausgelöst - nicht zuverlässig interpretiert werden.

2016 traten wiederum Funde zutage: mittelalterliche (11. Jh.) und gotische (15. Jh.) Relikte wurden entdeckt: ein Keller mit bis zu 10 m starken Grundmauern, mit Bodenfliesen ausgelegt, eine massive Mauer quer über den Marktplatz und der wichtigste Fund: eine Kloakengrube auf der Westseite des Platzes. Und diesmal wurde alles sorgfältig erfaßt und ausgewertet.

"Normale" Menschen können einer Kloakengrube wenig abgewinnen, aber für Archäologen eröffnen sie intensive Einblicke in das frühere Leben.

Die Müllentsorgung war für Städte zu allen Zeiten ein großes Problem. Fäkalien, Unrat, Tierkadaver - alles wurde im Mittelalter einfach auf die Straße geworfen, weshalb die Bürger auf hohen Holzklötzchen unter ihren Schuhen durch die Straßen waten mußten. Siehe auch den Fund in Miltenberg. Übler Gestank und Krankheiten aufgrund mangelnder Hygiene waren allgegenwärtig.

Hochmittelalterliche Städte legten daher öffentliche Abzugsgräben und Kloaken an, in die sämtliche Abfälle nach ihrer Zwischenlagerung auf dem eigenen Hof entsorgt werden mußten. Man hatte Knechte, später Mistrichter, die vor allem auf den Marktplätzen dafür sorgten, daß die Müllentsorgungsgebote eingehalten wurden. In München zahlte man bei Verstoß 36 Pfennige an die Stadtkasse, 7 Pfennige an den Richter und 12 Pfennige an den Gerichtsdiener.

Die Kloakengrube, auch Ehgraben genannt, auf dem Bensheimer Marktplatz war am östlichen Ende 1,5m tief, am westlichen Ende 3 m. So konnte Unrat durch das Gefälle vom Regen weggespült werden. Man fand in dieser Kloakengrube Münzen, Nägel, Bronzeteile und Keramikscherben, die ältesten Scherben aus dem 14. Jahrhundert. Der Kloakengraben gab außerdem Tonrohre von Wasserleitungen preis.

Was aber viel spannender war, waren die Tierknochen. Diese wiesen Hack- und Schnittspuren auf und lieferten einen Beleg für die mittelalterliche Fleischerschranne am Marktplatz (jetzt Haus Fleck). Durch Staunässe unter einer Steinsetzung in der Kloake konnten sich organische Materialien wie Leder und Holz erhalten. Pflanzenteile und Samen lieferten bei der archäobotanischen Großrestuntersuchung sowie der C-14-Datierung aufschlußreiche Erkenntnisse.

Solche Funde sind recht selten, oft wird versäumt, solche Bestandteile für die wissenschaftliche Auswertung zu sichern. Es gibt für die Region Bergstraße nur zwei wissenschaftliche Auswertungen solcher spätmittelalterlicher Pflanzenbefunde. Aus der Bensheimer Grube konnten über 1000 Pflanzenreste sowie Holzteile gesichert werden.

der älteste Weintraubenkern Südhessens

Die Knochen aus der Metzgerschranne erzählen über die mittelalterliche Fleischhauerzunft: nach dem Schlachten und fachgerechten Zerteilen wurde das Fleisch in der Schranne verkauft. Das war eine offene Halle. Der Schlachter handelte zudem mit Vieh, er erhilet sein Schlachtvieh entweder direkt vom Bauern oder kaufte es auf Viehmärkten. Diese Schlachterzunft entstand im 12. Jahrhundert als selbständiges Handwerk.

Vorher schlachteten die Knechte auf Gutshöfen oder in Klöstern. Schon im 14. Jahrhundert konnten die städtischen Metzger die Nachfrage nicht mehr abdecken, es mußte Vieh aus anderen Regionen zugekauft werden. Man schlachtete zwischen Oktober und Dezember, verarbeitete Blut, Fleisch und Därme und lieferte Haut und Hörner an die Gerberei bzw. an Kamm- und Knopfmacher. Die Knochen warf man in die Kloake, sie stammen von Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Huhn, man fand auch Fischschuppen. Ebenso wie die Knochen entsorgte man in der Kloake den Darminhalt der Schlachttiere, der heute so interessante Hinweise auf die mitelalterliche Pflanzenwelt liefert. Die Früchte und Samen sind meist zerdrückt, hieraus schließt man, daß sie aus Tierdärmen stammen. Etwa achtzig Pflanzenarten konnten daraus bestimmt werden: Weizen, Dinkel, Spelz, Roggen, Hirse, Linsen, Lein, Sellerie, Walnuß, Kirschen, Birnen, Weinrauben, Brombeeren, Wald-Erdbeeren, Hasel und Holunder, außerdem zahlreiche Wildpflanzen und Baumsamen. Der älteste Traubenkern der Region wurde hier gefunden: mittels C-14 Methode konnte er auf 1034-1156 datiert werden. Dies ist der älteste Nachweis für Weinbau in Südhessen.

Das Mittelalter war in vielerlei Hinsicht anders als unsere Zeit: Fleisch und Wurst stand nicht oft auf dem Küchenzettel der einfachen Bevölkerung, wurden aber wie Fisch oft auch als Bezahlung durch den Landesherrn ausgegeben. Schenk Erasmus zu Erbach zahlte seinen Knechten, Tagelöhnern und Mägden 1483 täglich zweimal Fleisch mit einem halben Krug Wein!

Wasser und Müll: zwei Seiten mittelalterlichen Wohnens...

Neben der Müllentsorgung war die Wasserversorgung das wichtigste Grundproblem. Brunnen lieferten den mittelalterlichen Ortschaften Wasser, es gab Zieh- oder Laufbrunnen. Ziehbrunnen zapften über einen tiefen Schacht das Grundwasser an, Laufbrunnen faßten das Hangwasser. Brunnen waren auch als Löschwasserspeicher wichtig.

Sie mußten stets rein gehalten werden, ihre Wartung verursachte oft hohe Kosten.Hierfür hatten die Grundherrschaften oder die Städte zu sorgen. Kleidung, Windeln, Schuhe, Gemüse durfte nicht im Brunnen gewaschen werden, Müll und Hausrat durfte auf keinen Fall hineingeworfen werden. Doch was würden unsere Archäologen heute erforschen, gäbe es nicht zahllose tiefe Brunnen voller spannender Funde!

Jedoch baute man oft Aborte und Kloaken in direkter Brunnennähe, da man über die Wege des Wassers im Untergrund nichts wußte. So entstanden gefährliche Infektionskreisläufe.

Ein alter Ziehbrunnen aus Holz wurde an der Nordostecke des Bensheimer Marktplatzes im Jahr 1887 gefunden. Dieser Brunnen war bis 1528 in Betrieb, die Ersterwähnung stammt aus dem Jahr 1487 als "neuer Brunnen", was auf einen Vorgängerbrunnen an dieser Stelle schließen läßt. 1528 wurde der Holzbrunnen durch einen Röhrenbrunnen aus Stein ersetzt. Aus dem Ziehbrunnen war ein Laufbrunnen geworden.

Der Handel in einer mittelalterlichen Stadt

Die Kloakenfunde liefern wichtige Hinweise auf den Warenhandel im mittelalterlichen Bensheim. Als im 12. und 13. Jahrhundert die Städte wuchsen, entwickelte sich auch der Handel zu Land und auf dem Wasser, wobei Städte an Flüssen und Küsten die bessere Position hatten, denn Straßen waren schlecht ausgebaut und Warentransporte durch Plünderungen und Wegelagerer bedroht. Waren aus dem Fernhandel mußten mit Geld bezahlt werden, während Grundmittel oft durch Tausch erworben werden konnten. Man fand in der Bensheimer Kloake Silber- und Bronzemünzen aus dem 13./14. Jahrhundert.

Die gastronomische Situation anno 900-1300

Handelsreisende und andere Weggenossen wurden bis ins 10. Jahrhundert in den Städten unentgeltlich aufgenommen und verpflegt. Erst im 11. Jahrhundert entwickelten sich Gaststätten und Tavernen, wo man Speisen und Getränke kaufen konnte. Zu den neu entstehenden Herbergen mußte man seine eigene Verpflegung mitbringen.

Um 1300 entstanden die bekannten drei Kategorien der Gastwirtshäuser: für Reisende zu Pferd, für Fuhrleute und für Fußvolk wie Pilger. Letztere mußten in Sälen mit bis zu 50 Betten übernachten, die Gaststube war der einzige beheizte Raum.

Doch nur von den Durchreisenden konnten die neu entstandenen Gasthäuser nicht existieren: auch die einheimische Bevölkerung wurde gern gesehen, das Gasthaus entwickelte sich zum Kommunikationsplatz, wobei meist weder Glücksspiel noch Frauen zugelassen waren.

Übrigens war das gesellschaftliche Trinken von Alkohol nicht auf Gaststätten beschränkt: da das Wasserso stark verkeimt war, konnte man den täglichen Flüssigkeitsbedarf nur mit Molke decken, oder mit Haferbier. Oder mit Bier und Wein, das man dem Wasser beimischte. Viele hochmittelalterliche Menschen waren daher Spiegeltrinker, mittags waren Große wie Kleine meist schon betrunken. So erklärt sich, warum die Menschen ihre schlechten Lebensbedingungen ertragen konnten.

 M. Hiller, Februar 2018