Andrea El Abed ist die neue „Psychosoziale Fachkraft auf dem Land“ beim Kreis Bergstraße

Kreis Bergstraße (kb). So lange wie möglich selbstbestimmt und in den eigenen vier Wänden wohnen können, auch noch im fortgeschrittenen Alter – das ist ein Wunsch, den viele Menschen haben. Im Kreis Bergstraße hilft Seniorinnen und Senioren dabei die sogenannte „PauLa“, die psychosoziale Fachkraft auf dem Land. Ein Angebot, das es bereits seit 2018 in den neun Kommunen des Netzwerks Ortsnahe Versorgung Odenwald (NOVO) gibt. Seit Mitte Januar wird die bisher tätige Fachkraft Uta Brand nun aufgrund des großen Erfolgs des Projekts durch eine zweite PauLa unterstützt. Andrea El Abed ist bereits voll in ihre Arbeit eingestiegen. Im nachfolgenden Interview stellt sich die Bensheimerin vor.

Frau El Abed, als Erstes möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen.

Ich bin 54 Jahre, wohne in Bensheim und wurde dort auch geboren. Ich habe zunächst von 1984 bis 1987 eine Ausbildung zur Krankenschwester am damaligen psychiatrischen Landeskrankenhaus in Heppenheim gemacht.

Was verbindet Sie mit dem Odenwald?

Ich mag den Odenwald landschaftlich, aber auch kulinarisch – besonders den guten „Kochkäs‘ mit Musik“. Ich schätze am Odenwald aber auch die Menschen sehr mit ihrer direkten, ehrlich und warmherzigen Art!

Was reizt Sie an der Arbeit im Bergsträßer Odenwald?

Ich habe als gelernte Krankenschwester bei meinen vergangenen Arbeitsstellen den Umgang mit Seniorinnen und Senioren liebgewonnen. Dass mir dieser als „PauLa“ auch weiterhin erhalten bleibt und ich gleichzeitig neu herausgefordert werde, hat mir sehr gefallen. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit den Menschen aus dem Odenwald.

In welchen Bereichen haben Sie bisher gearbeitet?

Nach meiner Ausbildung arbeitete ich zunächst in einem Seniorenheim in Bensheim und wechselte dann für einige Jahre in die Klinik Auerbach, in den Schwerpunktbereich Rheumatologie und Innere Medizin. Danach war ich mehrere Jahre im ambulanten Pflegedienst tätig, zunächst in Bensheim, später dann in Heppenheim. Zuletzt habe ich dann in einer Wiedereingliederungseinrichtung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Jugenheim gearbeitet.

Sie haben also schon vor PauLa mit älteren Menschen gearbeitet. Was gefällt Ihnen daran besonders gut?

Die Lebenserfahrung, die die Menschen haben, beeindruckt mich immer wieder sehr. Sie haben viele interessante Dinge zu erzählen. Außerdem spüre ich immer eine große Dankbarkeit, die mich persönlich sehr motiviert und antreibt.

Wie wurden Sie auf diese Stelle aufmerksam?

Eigentlich hatte ich „nur mal so“ auf der Internetseite des Kreises gestöbert. Dabei bin ich dann zufällig auf die Stellenausschreibung für „PauLa“ gestoßen und dachte mir direkt: „Das ist doch was für mich!“

Was hat sie an der Stelle besonders angesprochen?

Die Hausbesuche bei Seniorinnen und Senioren und die Gespräche mit ihnen machen einen Großteil meiner neuen Aufgabe aus. Es ist mir dabei besonders wichtig, ihre Sorgen und Nöte anzuhören. Meine Stärken liegen besonders im Zuhören und darin, gemeinsam vor Ort nach Wegen zu suchen, wie unsere Klientinnen und Klienten ihren Alltag besser bewältigen können.

Sie haben in der Pandemie Ihren Job gewechselt. Wie viel Mut hat es Sie gekostet, diese neue Stelle anzunehmen?

Es hat mich einigen Mut gekostet, denn die neue Arbeit ist eine völlig neue Herausforderung für mich. Aber rückblickend habe ich die richtige Entscheidung getroffen und es macht mir viel Spaß.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke Ihrer neuen Arbeit?

Die Arbeit der PauLa ist sehr gut organisiert und die Seniorinnen und Senioren nehmen das Angebot „PauLa“ gerne wahr. Die Rückmeldungen auch aus den Rathäusern und von den zahlreichen Netzwerkpartnern wie Ärztinnen und Ärzte, Kirchgemeinden und Vereinen sind außerordentlich positiv. Also kann ich viel Positives aufnehmen und weiterentwickeln, das ist doch toll.

Wie funktioniert das Einarbeiten während der Corona-Pandemie für Sie?

Die Einarbeitung findet aufgrund der Corona-Pandemie teils im Homeoffice via Videokonferenz und teils vor Ort statt. Ohne die Corona-Pandemie wäre die Einarbeitung sicher leichter. Aber der Kreis als mein Arbeitgeber und Frau Brand geben mir sehr viel Input und engagieren sich stark, damit ich schnell gemeinsam mit ihr unsere Klientinnen und Klienten bestmöglich unterstützen kann.

Wie reagieren Ihre Klientinnen und Klienten darauf, wenn Sie mit Ihnen als neuer PauLa Kontakt haben?

Es gab ja bereits erste Zeitungsartikel und meine Kollegin, Frau Brand, hat mich den Klientinnen und Klienten gegenüber bereits angekündigt. Dadurch waren einige Anrufende bereits informiert und auch sehr interessiert. Ich habe auch schon einige Klienten telefonisch beraten können.

Dürfen Ihre Klientinnen und Klienten Sie PauLa nennen?

Aber natürlich. Das ist kein Problem und hat sich ja hier auch schon eingebürgert.

Sie haben Ihre Kollegin Frau Brand bereits erwähnt. Was macht Sie zu einem guten Team?

Frau Brand ist sehr engagiert und hervorragend vernetzt. Wir ergänzen uns schon jetzt sehr gut und haben viel Freude daran uns auszutauschen und auch mal gemeinsam zu lachen.

Wie nehmen Sie das Angebot PauLa wahr? Ist es eine Chance auch für andere Städte und Gemeinden?

Ja, auf jeden Fall! Die „PauLa“ füllt eine vorhandene Lücke insbesondere im Bereich Prävention. Unser Ziel ist es, die Menschen dabei zu unterstützen, so lange wie möglich selbstbestimmt und unabhängig in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können. Da sind vielfältige Hilfsangebote sehr gefragt.

Ihre Arbeit hat manchmal bestimmt aber auch Schattenseiten. Wie bewältigen Sie emotional herausfordernde Situationen?

Im Austausch mit Kollegen, das befreit die Seele.

Sie sind zwar noch ganz frisch in Ihrer Arbeit, aber was wünschen Sie sich für die Zukunft von PauLa?

Auf jeden Fall ist es mir ein großes Anliegen, dass diese wichtige Arbeit auch in Zukunft fortgeführt wird.