In Brandau und Lautern gab es in den letzten Wochen Wolfsrisse. Beim ersten Vorfall im Mai wurde leider versäumt, die getöteten Schafe und Lämmer auf Wolfs-DNA zu untersuchen, eine Woche später jedoch war es nachweislich ein Wolf, der Schafe gerissen hatte. Große Verunsicherung geht um: viele der Schafhalter - und auch andere Nutztierhalter - machen sich Sorgen. Denn wie schützt man Tiere vor dem Wolf?

Keine Lösung ist für sie, einfach den Schaden zu melden und finanziellen Ersatz für die Tiere zu bekommen. Ein Landwirt gibt seinen Tieren zwar keine Namen, dennoch sieht er sie als empfindende Lebewesen. Will man seine Herde wirksam vor Wolfszugriff schützen, braucht es aufwändige Zaunanlagen, die weit über 1000 Euro pro Hektar kosten. Lächerlich ist dagegen die Förderung, die Tierhalter für Schutzmaßnahmen erhalten: zunächst muß einwandfrei nachgewiesen sein, daß es sich um einen Wolf handelt. Dann ist ein umfangreicher Papierkrieg mit Antragsformularen erforderlich, und am Ende erhält der Tierhalter 40 Euro pro Hektar und Jahr - und das nur, wenn er eine bestimmte Herdengröße hat.

Schafhalter leisten mit ihren Schafherden einen unbezahlbaren Dienst an der Allgemeinheit, indem sie die Landschaft pflegen und offen halten. Sie  sollten daher finanziell so ausgestattet werden, daß sie ihre Herden wirksam vor Wolfsrissen schützen können, auch wenn sie nur kleine Herden haben.

Obwohl seit Jahren bekannt ist, daß Wölfe nach Deutschland einwandern und sich hier niederlassen, um Rudel zu bilden, war es dem Brandauer Landwirt im Mai 2020 nicht möglich, auf Anhieb eine zuständige Stelle zu erreichen, die ihm helfen kann.
Daher ist der Tipp, als erstes die Polizei anzurufen, sehr nützlich. Dort ist sieben Tage rund um die Uhr jemand erreichbar, und man kennt die erforderlichen Schritte. Diesen Rat erhält man auf der Wolfsmanagementseite des Landes Hessen: https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/naturschutz/arten-biotopschutz/wolfsmanagement
Hier gibt es zudem einen Meldebogen für Sichtungen, Hinweise oder Fragen.
Ein Teil der Landkreise mit regelmäßigem Vorkommen von Wölfen hat ehrenamtliche Wolfsbeauftragte etabliert, die sich aus den Bereichen des ehrenamtlichen Naturschutzes, der Jägerschaft, etc. rekrutieren. Sie beraten, informieren und sammeln Daten.Eine Liste der örtlichen ehrenamtlichen sachkundigen Helfer gibt es auf den Seiten des hessischen Wolfsmanagements - siehe Infokasten rechts unten.

Der Wolf ist in Hessen willkommen

Das sagt das hessische Wolfsmanagement ausdrücklich: in vielen Umfragen und Untersuchungen über mehrere Jahre hinweg hat sich der bundesweite Trend gefestigt. Rund drei Viertel der Bevölkerung finden es gut, daß es wieder Wölfe in Deutschland gibt.
Die Chance, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, ist aber äußerst gering. Viele angeblich einem Wolf zugeschriebene Ereignisse und Sichtungen stellen sich als Fehlmeldungen heraus.

Verhaltenshinweise bei Begegnung

Falls Sie einem wolfsähnlichen Tier begegnen, gibt das Wolfsmanagement folgende Tipps:

  • Wölfe sind für Menschen nicht gefährlicher als z.B. Wildschweine.
  • Wie bei anderen Wildtieren: Abstand halten, nie darauf zugehen oder gar bedrängen
  • Unter keinen Umständen Wölfe füttern! An Fütterung durch den Menschen gewöhnte Wölfe können Futter aufdringlich oder aggressiv einfordern, sie können dann eine Gefahr für Menschen darstellen.
  • Auch indirekte Fütterung unterlassen: Speisereste, Schlachtabfälle und Tierfutter, besonders solches für Hunde und Katzen, so verwahren, daß diese nicht für Wildtiere zugänglich sind. Wölfe wie auch andere Wildtiere gewöhnen sich an leicht zugängliche Nahrungsquellen im Siedlungsbereich.
  • Begegnungen mit Wölfen vom Auto aus: Menschen in Fahrzeugen oder auf Pferden werden von vielen Wildtieren nicht als solche erkannt und wahrgenommen
  • Begegnung zu Fuß oder mit dem Fahrrad: Wölfe, die sich nicht unverzüglich zurückziehen, im Auge behalten, aber nicht direkt anstarren. Sich langsam entfernen, bzw. mit dem Fahrrad langsam weiterfahren. Nicht hastig entfernen oder weglaufen, sondern langsam, betont uninteressiert weitergehen bzw. fahren und dabei laut sprechen.
  • Kommt der Wolf direkt auf Sie zu: unwahrscheinlicher Fall, es handelt sich in der Regel um neugierige Jungtiere: Stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen, ggf. sich mit einem Knüppel bewaffnen und – bei weiterer Annäherung des Tieres - mit Gegenständen werfen.
  • Hunde können von Wölfen angegriffen, verletzt und getötet werden, wenn sie sich unbeaufsichtigt in Wald und Flur bewegen. Auch angeleinte Hunde können Interesse, Neugier- und eventuell auch aggressives Verhalten besonders bei unerfahrenen Jungwölfen auslösen. Die Wölfe sind dann teilweise so auf den Hund fixiert, daß der begleitende Mensch durch die Wölfe scheinbar ignoriert wird. Die Wölfe durch lautes Rufen und Gestikulieren auf sich aufmerksam machen. Gefahr für Jagdhunde im jagdlichen Einsatz: alle Beteiligten werden vorab über die mögliche Anwesenheit von Wölfen informiert. Jagdhunde sollten erst von der Leine gelöst werden, wenn die Treiber unterwegs sind, den Hunden können Schutzwesten und Halsbändern mit mechanischen oder elektronischen Schutzvorrichtungen angelegt werden.
  • Wölfe, bei denen das Beutefangverhalten auf Haustiere (z.B. Schafe oder Ziegen) ausgelöst ist, können so auf die Beute fixiert sein, daß auch bei Anwesenheit mehrerer Menschen ein Vertreiben schwerfallen kann. In einem solchen Fall Wölfe nicht auf begrenztem Raum (Ecken hoher, für Wölfe nicht überwindbarer Zäune oder von Gebäuden) in die Enge treiben.
    w Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet: Nicht anfassen und Naturschutzbehörde, Forstbehörde oder Polizei informieren. Sofern Sie auf lebende Wölfe treffen, schildern Sie Ihre Beobachtung bitte der zuständigen Naturschutzbehörde (siehe Kasten). Tote Wölfe sind von großem wissenschaftlichem Interesse. Die Naturschutzverwaltung läßt sie untersuchen.
    Verbreitung des Wolfes in Hessen

Der Wolf war früher in ganz Europa verbreitet. In vielen Gebieten wurde er durch menschliche Verfolgung ausgerottet oder auf wenige, isolierte Vorkommen zurück gedrängt. Er mußte der zunehmenden Nutztierhaltung des Menschen und als Beutekonkurrent weichen. Erst in den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein Umdenken und der Wolf wurde in einigen europäischen Ländern unter Schutz gestellt. In Westdeutschland ist er seit 1987 eine streng geschützte Art, seit der Wiedervereinigung in ganz Deutschland. 1992 wurden Wölfe EU-weit als prioritäre FFH-Art unter Schutz gestellt. Seit 2006 finden sich in Hessen immer wieder einzelne durchziehende Wölfe ein, ohne daß sie ausgesetzt, angelockt oder angesiedelt wurden. Bis Anfang 2015 konnte nur ein Wolf nachweislich über mehrere Jahre im Reinhardswald überleben (2006 bis 2011). Dieser Wolf erfreute sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung, was vor allem auch der Umsicht der in Nordhessen mit dem Management betrauten Personen und Institutionen zu verdanken ist. In nächster Zeit werden erwartungsgemäß mehr Wölfe den Weg nach Hessen finden.

Das Wolfsmanagement Hessen möchte dafür eine Grundlage für konfliktarmes Zusammenleben von Wolf und Mensch schaffen und Fragen beantworten, Informationen vermitteln, Ängste nehmen und Auskunft über behördliches Handeln bis hin zur Gefahrenabwehr geben. Gespräche mit betroffenen Gruppen wie Schafhaltern, Jägern, Förstern, Waldbesitzern und dem ehrenamtlichen Naturschutz werden in diesem Prozeß geführt und weiterer Handlungsbedarf daraus abgeleitet.

Bleibt zu hoffen, daß Tierhalter bei künftigen Wolfsrissen leichter behördliche Unterstützung finden und höhere Schutz-Förderung erhalten.

Wen fragen, wenn ein Wolf vermutet wird?

  • Polizei Ober-Ramstadt 06154-63300,  Polizei Bensheim 06251 84 68-0
  • Ehrenamtliche Wolfsbeauftragte:
    Kreis Bergstraße: Gerd Reischert (0172-6245014)
    Odenwaldkreis Raina Kessler (06062-70101, 0174-9257322) und Karlheinz Kinzer (0170-9141354)
    Kreis Darmstadt-Dieburg: keine Infos
  • Fragen zu Herdenschutz, Entschädigung und Förderung:  Landesbetrieb Landwirtschaft oder die in Ihrem Landkreis zuständige Förderstelle
  • Die behördliche Zuständigkeit im Artenschutz für das Management der Arten Wolf und Biber liegt nicht beim Landkreis, sondern beim Regierungspräsidium Darmstadt, Obere Naturschutzbehörde. Herr Götz-Heimberger (Tel.: 06151-12 6838) ist dort der Ansprechpartner
  • siehe "Zusammenleben mit dem Wolf - Kreis Bergstraße"

Infos

Wolfsmanagement Hessen: https://www.ladadi.de/bauen-umwelt/naturschutz-und-landschaftspflege/natur.html
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Wolfshotline: 0611 / 815 3999
Wolfsbeauftragte des Landes Frau Susanne Jokisch Tel.: 0641 / 4991 -315, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Weiterlesen zum Thema Wolf auf www.felsenmeerdrachen

Geschichten-Zettelkasten "Schäfer und Wölfe": Kann ich trotz Wolf in den Wald gehen?

  • Wolf und Schafe: Ÿ Wildnis braucht er nicht  Ÿ
  • Der Wolfsbotschafter
  • ŸWas der Wolf tatsächlich frißt...   Ÿ
  • Canis lupus: wie er lebt...
  • Kaum hier und schon bedroht       Ÿ
  • Wilder Wolf - rote Rose
  • Schaf und Mensch: Kleidung          Ÿ
  • KnopfgeschichtenŸ
  • Märchen "Die weiße Wölfin"         Ÿ
  • Der tiefe finstere WaldŸ
  • Märchen "Der Aufstand im Zauberwald"   Ÿ
  • Wo die Boggels lebenŸ
  • Mein Name ist Hase - woher dieser Spruch kommt
  • ŸWarum es Monster und böse Wölfe geben muß
  • Feuer und Revolution: was der Wolf damit zu tun hat

 

M. Hiller