Der Lautertaler Lautertaler Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschuß hatte im Oktober Revierförster Dirk Dins zu Gast, der über die Möglichkeiten informierte, die in der Ausweisung von Naturwaldflächen liegen.
Hier geht es vor allem um Ökopunkte: wer eine Waldfläche stillegt, also nicht mehr nutzt, kann Ökopunkte beantragen. So läßt sich mit einem Waldstück, das auf dem Holzmarkt negativen Gewinn verspricht, durch Nicht-Nutzung Geld verdienen: pro Quadratmeter sind 6 Euro möglich.

Ein Verzicht auf Einnahmen bedeutet: die Nutzung des Waldes durch Holzeinschlag  oder als Erholungswald (Strecken für Wanderer oder Mountainbiker) wird komplett eingestellt. Geeignet sind daher Waldstücke, die etwas abseits liegen. Es sollen gut geschlossene Altbestände mit Buchen (120 Jahre und älter) sein, die dauerhaftes Bestehen versprechen und Biotopverbünde schaffen können. Die natürliche Verjüngung soll zum Standort passen. Es sollte zudem Totholz vorhanden sein.
Der Ausschuß beschloß einstimmig, Hern Dins damit zu beauftragen geeignete Flächen zu ermitteln. Die Antragstellung muß dann bei der Unteren Naturschutzbehörde mit einem Fachgutachten erfolgen, die auch die Ökopunkte vergibt. Diese Ökopunkte können dann an Nutznießer verkauft werden, für Ausgleichsmaßnahmen etwa.
Dies ist für Gemeindewald ebenso möglich wie für Privatwaldbesitzer. Auch das Land Hessen hat Naturwaldflächen ausgewiesen. Hessen Forst hat im Bereich zwischen Raidelbach und Hohenstein (Dunkelbuch bis Steinbruch Krämer) sowie den Bensheimer Teil des Felsbergwaldes zu Naturwald umgewandelt. Dins schlägt für Lautertal zum Beispiel das Waldstück oberhalb des Parkplatzes Talweg am Felsberg (Heinzewald) vor.
Allgemein sagte Dins zum Zustand des Waldes, daß noch immer nicht ausreichend Wasser im Boden gebunden ist, meist fließt der Regen aufgrund von Oberflächenverdichtung zu schnell ab. Der 422 Hektar umfassende Lautertaler Gemeindewald setzt sich aus kleineren Flächen zusammen, die zu 84% aus Laubwald (davon 64% Buchen) bestehen. Gerade die Buchen sind stark geschädigt, auf manchen Stücken jeder zweite Baum. Viele abgestorbene Buchen müssen gefällt werden. 2021 wurden fast 1500 Festmeter gefällt, das sind 600 mehr als geplant. Bereits seit mehreren Jahren wird ausschließlich Schadholz eingeschlagen. Diese Entwicklung beeinflußt auch den Waldwirtschaftsplan, der demnächst vorgelegt wird.
Alle 10 Jahre wird eine „Forsteinrichtung“ durchgeführt, eine Art Inventur. Dies fließt in den Waldwirtschaftsplan ein. Die Bestandsaufnahme sieht diesmal ganz anders aus als bisher, auch finanziell. Momentan werden staatliche Zuschüsse für Schadholzeinschlag gezahlt.