Vielen Einheimischen ist nicht bewußt, daß auf unserem Hügeln ein Schutzgebiet von europäischem Rang liegt: der Felsbergwald ist Natura2000-Gebiet. Im November 2021 erfragte der Lautertaler Bauausschuß bei Revierförster Dirk Dins, welche Gebiete sich zur Umwandlung in Naturwald eignen. Für Naturwald - nur besondere Waldstücke sind geeignet, bis 2020 sollten 5% der Wälder in Deutschland umgewandelt sein, was weit verfehlt wurde - wird ein Erlös-Ausfall an die Eigner gezahlt. Hessen zahlt jährlich 3,5 Mio. H Entschädigungen an den Landesbetrieb Hessen-Forst für den Verzicht auf Holzfällungen in Naturwäldern, hinzu kommen die Entschädigungen an Privatwaldbesitzer. Dafür muß jegliche Waldnutzung stillgelegt werden.

Auch die Möglichkeit, den Lautertaler Wald als Ausgleichsfläche für Baugebiete einzusetzen (Ökopunkte), wurde diskutiert. Allerdings: die Stadt Bensheim etwa kann einen Großteil ihrer Ökopunkte gar nicht verkaufen. Zudem schaffen Ökopunkte keinen Naturschutz-Mehrwert.

Dann eröffnete der NABU Seeheim-Jugenheim e.V. die Petition »Schützt das Naturschutzgebiet am Felsenmeer!«, und die Wohllebenstiftung* wurde auf die Lautertaler Waldgebiete aufmerksam. Das gesamte Naturschutzgebiet Felsberg liegt zu 2/3 auf Lautertaler Gebiet: 104 Hektar gehören zu Lautertal, 57 Hektar zu Bensheim. Die Wohllebenstiftung - ins Leben gerufen von Peter Wohlleben ("der mit den Bäumen spricht") - bietet der Gemeinde Lautertal die Anpacht der betreffenden Waldgebiete auf 50 Jahre als Naturwald an. Dafür würde die Stiftung den Eignern mehr zahlen als eine Beförsterung bringt. Von den Einlagen in die Stiftung in Höhe von 4,75 Euro pro Quadratmeter zahlt die Stiftung an Waldeigentümer 2 Euro, der Rest wird für Verwaltung und Betreuung verwendet. Die Gemeinde muß jetzt ihr Interesse bekunden und ihre Pläne für 10 Jahre einreichen. Dazu ist eine Inventur durch Hessenforst erforderlich, aufgrund dieser die Wohllebenstiftung ein Angebot für geeignete Flächen erstellt. Zum Datenabgleich wird eine Exkursion erfolgen.

* Anmerkung Wohllebenstiftung (Januar 2023): es handelt sich nicht um eine Stiftung, obwohl dies immer so kommuniziert wurde. In der Broschüre Wohlleben für Waldbesitzende, angehängt im Beitrag Klimawandel: unser Wald muß zukunftsfähig werden ist auf Seite 5 unter der Rubrik "Kontakt" zu finden: Wohllebens Waldakademie GmbH & Co. KG, Nordstraße 15, 53520 Wershofen. In diesem Beitrag vom November 2021 bleibt das Wort Stiftung aus Gründen der Transparenz stehen und muß jeweils durch Wohllebens Waldakademie ersetzt werden.

Es handelt sich bei der Pachtzahlung auch nicht um Stiftungseinlagen oder Erträge, sondern es werden für jeden Hektar stillgelegten Wald Sponsoren gesucht.

 

Die Gemeindevertretung Lautertal hat einstimmig beschlossen, die Wohllebenstiftung einzuladen. Zur Zeit gibt es im Gemeindewald keine Naturwaldflächen, möglich sind jeweils nur kleine Einzelstücke.

aus dem Bewirtschaftungsplan von 2011

 

Naturwald - was ist das?

Fragen und Antworten zum Thema sind anschaulich auf den Seiten des NABU zusammengestellt: https://hessen.nabu.de/naturundlandschaft/waelder/lebensraumwald/index.html

November 2021: Der Lautertaler Lautertaler Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschuß hatte im Oktober Revierförster Dirk Dins zu Gast, der über die Möglichkeiten informierte, die in der Ausweisung von Naturwaldflächen liegen.
Hier geht es vor allem um Ökopunkte: wer eine Waldfläche stillegt, also nicht mehr nutzt, kann Ökopunkte beantragen. So läßt sich mit einem Waldstück, das auf dem Holzmarkt negativen Gewinn verspricht, durch Nicht-Nutzung Geld verdienen: pro Quadratmeter sind 6 Euro möglich.

Ein Verzicht auf Einnahmen bedeutet: die Nutzung des Waldes durch Holzeinschlag  oder als Erholungswald (Strecken für Wanderer oder Mountainbiker) wird komplett eingestellt. Geeignet sind daher Waldstücke, die etwas abseits liegen. Es sollen gut geschlossene Altbestände mit Buchen (120 Jahre und älter) sein, die dauerhaftes Bestehen versprechen und Biotopverbünde schaffen können. Die natürliche Verjüngung soll zum Standort passen. Es sollte zudem Totholz vorhanden sein.
Der Ausschuß beschloß einstimmig, Hern Dins damit zu beauftragen geeignete Flächen zu ermitteln. Die Antragstellung muß dann bei der Unteren Naturschutzbehörde mit einem Fachgutachten erfolgen, die auch die Ökopunkte vergibt. Diese Ökopunkte können dann an Nutznießer verkauft werden, für Ausgleichsmaßnahmen etwa.
Dies ist für Gemeindewald ebenso möglich wie für Privatwaldbesitzer. Auch das Land Hessen hat Naturwaldflächen ausgewiesen. Hessen Forst hat im Bereich zwischen Raidelbach und Hohenstein (Dunkelbuch bis Steinbruch Krämer) sowie den Bensheimer Teil des Felsbergwaldes zu Naturwald umgewandelt. Dins schlägt für Lautertal zum Beispiel das Waldstück oberhalb des Parkplatzes Talweg am Felsberg (Heinzewald) vor.
Allgemein sagte Dins zum Zustand des Waldes, daß noch immer nicht ausreichend Wasser im Boden gebunden ist, meist fließt der Regen aufgrund von Oberflächenverdichtung zu schnell ab. Der 422 Hektar umfassende Lautertaler Gemeindewald setzt sich aus kleineren Flächen zusammen, die zu 84% aus Laubwald (davon 64% Buchen) bestehen. Gerade die Buchen sind stark geschädigt, auf manchen Stücken jeder zweite Baum. Viele abgestorbene Buchen müssen gefällt werden. 2021 wurden fast 1500 Festmeter gefällt, das sind 600 mehr als geplant. Bereits seit mehreren Jahren wird ausschließlich Schadholz eingeschlagen. Diese Entwicklung beeinflußt auch den Waldwirtschaftsplan, der demnächst vorgelegt wird.
Alle 10 Jahre wird eine „Forsteinrichtung“ durchgeführt, eine Art Inventur. Dies fließt in den Waldwirtschaftsplan ein. Die Bestandsaufnahme sieht diesmal ganz anders aus als bisher, auch finanziell. Momentan werden staatliche Zuschüsse für Schadholzeinschlag gezahlt.

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