Als man fürstlicherseits noch in die Sommerfrische reiste, anstatt eine "Spritztour" oder einen Ausflug in die Natur zu machen, gab es in den Wäldern um uns herum zahlreiche Plätze, die heute fast unbekannt sind.
Um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden diese Orte der Lustbarkeit für Adelsangehörige: Jennis Höhe bei Breitenwiesen, die Elisabethenruhe und die Ferdinandenhöhe bei Reichenbach zum Beispiel.

Auf dem Felsberg gab es eine regelrechte Anlage für Sommerfrischler: das Hotel Felsberg. Erbaut 1882 von Förstersohn Justus Haberkorn (1848-1899) als landwirtschaftliches Wohngebäude, der pfiffige Sohn des grossherzoglichen Försters Georg Christian Theodor Haberkorn (1802-1874) war im Felsberg-Forsthaus zur Welt gekommen. Die Familie Haberkorn war hier seit Jahrhunderten als Förster-Dynastie etabliert.

Justus Haberkorn also erbaute zwar ein landwirtschaftliches Wohnhaus, hatte jedoch schon vor Baubeginn ein Hotel im Sinn. Dafür erhielt er keine Genehmigung, also ging er Schritt für Schritt vor. Das erste Gesuch stammt von 1879, das ursprüngliche Projekt wurde 1882 genehmigt und gebaut: Wohnhaus mit Fünf-Fenster-Achsen, mit Genehmigung aus den Jahr1885/86 folgte ein Risalit (dekorativer Fassadenvorsprung) und 1895 der erste Anbau, alles im klassizistischen Stil der Zeit. Zur architektonisch aufwändigen Gestaltung des ersten westlichen Anbaues sollte in schöner Symmetrie der zweite östliche Anbau hinzukommen. So wollte Haberkorn dem schlichten Gebäude allmählich die Optik eines Schlößchens verleihen. Der zweite Anbau solte jedoch noch 125 Jahre auf sich warten lassen.

Da die Fundamente des ersten Stockwerks des östlichen Anbaues nach Gutachten des Bauforschers Prof. Rudolf Pörtner aus Karlsruhe für mehr als einen eingeschossigen Küchenanbau ausgelegt waren, gab das Denkmalamt schließlich - 125 Jahre später - die Genehmigung, den zweiten Anbau im klassizistischen Stil analog zum ersten zu vollenden.

 

Blick vom Chaisenweg zum früheren Felsberg-Hotel

 

Da die Fundamente das erste Stockwerk des östlichen Anbaues nach Gutachten des Bauforschers Prof. Rudolf Pörtner aus Karlsruhe für mehr als einen eingeschossigen Küchenanbau ausgelegt waren, gab das Denkmalamt schließlich - 125 Jahre später - die Genehmigung, den zweiten Anbau im klassizistischen Stil analog zum ersten zu vollenden.

Doch zwischen Justus Haberkorn und dem Bauherrn unserer Zeit, Dr. Holger Zinke (Biochemiker und Gründer der B.R.A.I.N Biotechnology Research and Information Network AG Zwingenberg) lag eine wechselvolle Geschichte. Haberkorn verstarb schon 1899, auch aus dem Forsthaus war bereits eine touristische Ausflugsstätte geworden. Haberkorn hatte bei seinen Planungen stets den Heiligenberg bei Jugenheim im Blick. So sollte sein Haus ebenfalls aussehen, und ebenso sollte es erlauchte Gäste anlocken. Zar und Zarin verkehrten dort und zahlreiche Angehörige der Fürstenhäuser.

Zeitungsnotiz aus dem Illustrierten Unterhaltungs-Blatt des Darmstädter Tagblatts von 1895

 

Im Darmstädter Tagblatt - hier ein Titelblatt von 1897 - erschien in Nr. 36 aus dem Jahre 1895 ein Beitrag "Der heiligenberg bei Jugenheim" mit Abbildung. Siehe unten. Erhalten  habe ich diese Info vom Pungschder (bzw. Traaaasaer) Urgestein Ernst Schulze, der eine Kopie des Zeitungsausschnittes aus dem Tagblatt seinerseits an einen Freund geschickt hatte. Säuberlich hat Schulze seine handschriftliche Notiz mit an den Artikel geheftet, und ihren Inhalt möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: "hallo Heinz, das Bei-bild 'Heiligenberg' erschien einst in der 'wöchentlichen Beilage zum Darmstädter Tagblatt', und zwar in No 36, 1895, auf S. 288; Haupttitel jenes Beiblattes: 'Illustrirtes Unterhaltungs-Blatt' - Oh schnörkelreiche Zeit! ... und bei der Orthographie war man seinerzeit auch noch nicht so weit... Heinz! Alles klar empfangen? Vom Alten Knaben Ernst anno 30. Mai 2021 aus Pungschd! Punktum."

Die Seite aus dem Tagblatt: "Bei Alsbach an der lieblichen Bergstraße zwischen Heidelberg und Darmstadt liegt das freundliche Dorf Jugenheim am Fuße des Heiligenbergs, der keilförmig das Stettbacher von dem Balkhäuser Thal trennt. Das auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges gelegene Schloß Heiligenberg (siehe unsere Ansicht) gehört der Wittwe des 1888 verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen, der Fürstin von Battenberg. Der Besuch der schönen Park- und Gartenanlagen ist den Fremden gestattet. Von der Schloßterrasse aus genießt man eine herrliche Aussicht auf das Rheinthal, den Taunus, Riederwald und die haardt mit dem Donnersberg. Von Jugenheim, das ein beliebter Sommeraufenthalt und Luftkurort ist, lassen sich zahlreiche schöne Ausflüge nach den interessantesten Punkten des Odenwaldes unternehmen, namentlich nach dem Felsberg mit dem Felsenmeer und weiter nach dem Melibokus." Auf dem Stich erkennt man rechts unten eine zweispännige offene Kutsche mit Kutscher und "shotgun" (so nannte man den Beifahrer des Kutschers, der mit dem Gewehr im Anschlag die Wegränder nach Strauchdieben absuchte) sowie zwei Fahrgästen, einer von ihnen vermutlich weiblich mit Sonnenschirm, damit die vornehme Blässe bei der Fahrt durch die freie Natur erhalten blieb...

 

Justus Haberkorn: Tourismus-Manager in eigener Sache

Haberkorn streute die Brosamen aus, denen die Fürstlichkeiten und das Bildungsbürgertum folgen sollten: standesgemäß sollten diese mit der Pferdekutsche anreisen, die Fahrt durch den nordöstlichen Felsbergwald genießen - bis sich der Blick auftut auf eine große Waldwiese mit parkähnlichem Baumbestand im Rund.

Ansichtskarte vom Hotel Felsberg, zur Verfügung gestellt von Günther Dekker: hier wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Haberkorn warb mit allem was er vorzuweisen hatte, nur nicht mit dem Felsenmeer...
Herrlicher Aussichtspunkt, prächtige Waldspaziergänge - reelle Bedienung und billigste Preise waren ihm erwähnenswert.

Aus dem Jahr 1887, zur Verfügung gestellt von Holger Zinke. Hier ist das Felsenmeer erwähnt: in 10 Minuten erreichbar. Die verkehrstechnische Anbindung des Felsberges war damals wie heute eher nach Jugenheim bzw. Auerbach orientiert denn nach Reichenbach, obwohl der Felsberg seit der Gebietsreform 1972 mit zwei Gebäuden zu Lautertal gehört, während das ursprüngliche Forsthaus zu Jugenheim gehört.

Erlebnisberichte von Sommerfrischlern: Prinzessin Marie und Vikar Hager

In ihren Memoiren schreibt Marie Fürstin zu Erbach-Schönberg, wie sie am Montag den 12. September 1864 auf Eseln auf den Felsberg geritten ist, mit einer illustren Gesellschaft: "mama, Marie, Serge, Alexis, unsere drei Buben, Arseniew und Fräulein Tutschew". Ins Felsenmeer kam sie bei diesem Ausflug von Jugenheim her jedoch nicht: "Wir ritten bei schönstem Wetter fort, aber am Fuße des Felsberges gab es auf einmal einen solchen Platzregen, daß wir ganz patschnaß oben ankamen, denn keiner hatte einen Regenschirm bei sich. Oben angelangt, wurden alle Knaben ausgezogen und in Hemden des Försters gesteckt, während ihre Kleider zum Trocknen in die Küche gebracht wurden. Wir Mädchen waren glücklicherweise nicht so naß geworden und wurden nicht ausgekleidet. Man brachte nun Bier, Kaffee, Käse und Brot, und wir tranken und aßen, soviel wir nur konnten, weil wir des strömenden Regens wegen doch nicht mehr zum Vieruhressen rechtzeitig nach Hause gekommen wären. Als der Regen aufhörte, wurde ein Leiterwagen bestellt, mit dem wir heimfuhren. Der Kaiser, die Kaiserin und die ganze Gesellschaft saßen n och bei Tisch, aber sie stürzten alle heraus in den Hof und begrüßten uns lachend."

Hier wird auch beschrieben, wie die Kaiserbuche eingeweiht wurde: 14. September 1864 "Wir gingen alle mit dem Kaiserpaare und seinen (sieben) Kindern vor dem Frühstück an die große Buche, die auf dem Wege nach dem Felsberg steht, um sie mit ihrem neuen Namen 'Kaiserbuche' einzuweihen. Am Stamm hing ein weißes Schild, auf dem stand: 'Kaiserbuche. 14. September 1864' - Wir bildeten eine Kette und tanzten alle dreimal um den Baum herum und gingen dann nach Hause zum Kaffee. Unterwegs hatten wir beiden Marien sehr viel zu leiden unter den Neckereien der Knaben."

Der gemeinte Kaiser ist Zar Alexander II. Nikolajewitsch.

Der Kirchenrat Dr. Heinrich Hager, Erzieher der Prinzen Battenberg, erinnert sich an eine Partie auf den Felsberg mit Kaiser und Kaiserin. Das Kaiserpaar fuhr in seinem Hofwagen, die andere Gesellschaft saß in Leiterwagen von Jugenheimer Bauern. Da Hager wußte, daß die Kutscher am Zielort gerne ordentlich tranken, befahl er dem Wirt und Forstwart auf dem Felsberg, jedem Kutscher nur einen Schoppen Wein zu verabfolgen. Die Gesellschaft genoß auf dem Felsberg die Aussicht (!) und wanderte dann ins Felsenmeer. "Meine Zöglinge, die Prinzen Ludwig und Alexander, kletterten sofort auf dem Felsenmeer umher; sie waren darin geübt, und ich konnte sie ohne Sorge der eigenen Geschicklichkeit überlassen." Auch Großfürstin Marie (Großfürstin Marija Alexandrowna von Russland) wollte hier nicht zurückstehen: "Da unsere Prinzessin (Marie Fürstin zu Erbach-Schönberg) schon öfter gesehen hatte, daß ich mit großer Sicherheit ihre Kinder und auch erwachsene Damen auf den glatten Felsen geführt hatte, vertraute sie mir die Führung der Großfürstin Marie an; es war ein schweres Stück Arbeit, ich war in Schweiß gebadet, als ich die Großfürstin wieder glücklich auf ebenen Boden zurückbrachte."

Man nahm auf dem Felsberg den Kaffee ein, der allerdings mit dem "nötigen Gebäck" von Jugenheim geschickt worden war. "Die Kaiserin saß in der Mitte der Tafel, wo sie die Aussicht auf das Felsenmeer hatte." Man konnte also demnach vom Forsthaus auf dem Felsberg bis ins Felsenmeer blicken. Natürlich hatten die Kutscher ordentlich gebechert, und es ging in gefährlicher Fahrt den Berg hinab. Die Kaiserin ließ auf das ängstliche Geschrei der beiden Großfürsten Sergei und Paul hin ihren Hofwagen anhalten und nahm die beiden an Bord. So kamen alle schließlich doch wohlbehalten am Wilhelminenweg und im Schloß Heiligenberg an.

"Die Herrschaften hatten auch das Fremdenbuch des Wirtshauses auf dem Felsberg mitgenommen, um es auf dem Heiligenberg durchzusehen und ihre eigenen Namen einzutragen. Dasselbe war auf einem der Wagen verstaut gewesen, jedenfalls nicht sehr vorsichtig, und war unterwegs herabgefallen. Glücklicherweise wurde es schon am anderen Morgen fefunden, ehe der Verlust bemerkt worden war. Es wäre sehr peinlich gewesen, wenn es verloren gegangen wäre; ein derartiges Buch hat für den Besitzer großen Wert - die hohen Herrschaften hätten eine große Entschädigung zahlen müssen, wenn es nicht gefunden worden wäre."

  • Erzieher der Prinzen Battenberg 1862-1871 - Aus den Erinnerungen des Kirchenrats Dr. Heinrich Hager ISBN 978-3-93850200-6

 

Der Chaiseweg: Staunen nach der letzten Kurve

Die letzte Kurve des Kutschweges auf den Felsberg sollte ihnen den Mund vor Staunen offenstehen lassen: mitten im Wald, hoch auf einem abgelegenen Berg, fällt der Blick auf das malerische Bauwerk des Haberkornschen Hotels!

Zunächst sieht der Kutschgast nur die weite Wiesen-Parklandschaft, bevor sich die Kutsche auf der letzten Kurve dem Felsberg-Anwesen zuwendet.

Noch erkennbar im Geländerelief: der frühere Chaisenweg, der im Bogen von der Parkwiese am Hotel Felsberg um das heutige Adas Buka herum nach Nordwesten führt. Der Weg ging durch den Felsbergwald hinunter ins Tal des Quattelbach (Straße L 3101), überquerte den Bach über einen Weg, der heute noch sichtbar ist und eine Brücke aufweist, zwischen der Straße "im Winter" und dem Wasserwerk und führte auf der anderen Seite wieder bergan zum Heiligenberg oberhalb Jugenheim.

Das Forsthaus heute (ganz hinten im Nebel). Die junge Pappel im Vordergrund kennzeichnet den Endpunkt des Chaisewegs.

 

zeitgenössisches Gemälde des Anwesens und des regen Gastbetriebes, mit vorfahrender Kutsche. Diese kommt allerdings nicht vom Chaiseweg, sondern aus Westen. Im Hintergrund erkennt man den Otzberg am linken Bildrand, rechts erhebt sich die Neunkircher Höhe. Zwischen den beiden Fahnen auf dem Hausdach liegt Neunkirchen. Repro von Walter Koepff

 

Das Felsberg-Hotel: viele Betreiber versuchten hier ihr Glück

Das gelungene landschaftsarchitektonische Arrangement sorgte gewiß für Gesprächsstoff in den Kaffeekränzchen, und das Felsberghotel profitierte davon. Doch nicht lange, denn anhand der umfangreichen Postkartensammlung von Günther Dekker aus Reichenbach läßt sich belegen, daß das Anwesen oft den Betreiber wechselte: als Sommerfrische-Hotel wurde es vom Nachfolger Simon betrieben, später von Cl. Hallmann (leider ohne zeitlichen Beleg, es existiert nur eine nicht gestempelte Ansichtskarte "Hotel Felsberg, Höhen-Luftkurort i.O." 515m ü.M., und schon mit Post- und Telegraphenstation) danach war es Erholungsheim der Betriebskrankenkasse von Lanz Mannheim, später der Landesversicherungsanstalt, noch später Kindererholungsheim des Deutschen Roten Kreuzes.

Auf historischen Ansichtskarten erkennt man den - wenn auch übertrieben gezeichneten - Bogen des Chaisewegs zum Felsberg, den Ohglyturm und den Heiligenberg sowie die Eisenbahnstation Jugenheim. Ebenso erkennt man die Bahnlinien von Weinheim nach Fürth und nach Wald-Michelstadt, und daß Mannheim nicht den begehrten Bahnknoten erhielt, sondern Friedrichsfeld (in the middle of nowhere). An letzterem waren die Viernheimer Gemeinderäte schuld: 19. Jahrhundert: Eisenbahnkomitees allerorten

Der Riesensarg unterhalb des Felsberg-Gipfels; hier - im Bildhintergrund - sind noch heute die Installationen für Stromversorgung und Wasserwerk für die Gebäude oben zu sehen; errichtet wurden sie zu Zeiten als das DRK das Gebäude betrieb.

 

Die Restaurierung der historischen Herrlichkeit: aus dem Vollen geschnitzte Maßarbeit von Zimmerleuten, Natursteinwerkern, Architekten und Installateuren

Nach mehreren weiteren Inhabern kam das Anwesen über eine Zwangsversteigerung schließlich zu Dr. Zinke. Er perfektioniert die ursprüngliche Idee des Justus Haberkorn: er baute den zweiten Flügel ans Gebäude und stellt mit einer ganzen Reihe von Kooperationspartnern aus Handwerk und Wissenschaft die Außenanlagen und die Inneneinrichtung nach historischen Quellen (Fotos, Ansichtskarten, Bauzeichnungen) her.

Dabei wird "aus dem Vollen geschnitzt": Naturmaterialien müssen höchsten Ansprüchen genügen, Bauteile müssen historisch adäquat sein. Dabei verfolgt Zinke auch das alte Haberkornsche Konzept der Nachhaltigkeit: vorhandene Baumaterialien werden neu verwendet, Fensterleibungen, Fassadenelemente, Mauerwerk.

Alles wird wieder verwendet und bekommt ein zweites Leben. Die Handwerker stellten ihre Bauteile so detailverliebt her, daß für Denkmalschutz, Optik und Sicherheit nichts zu wünschen übrig blieb.

Mit Planern und Handwerkern aus der direkten Nähe setzt er seine Vision um:

  • die Planer Christoph Turetschek, Johannes Pappert und Monika Heiser aus Gadernheim
  • Baugeschäft Essinger & Beilstein aus Beedenkirchen Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit ihrem Mitarbeiter Markus Jost
  • Elektromeister Dirk Krämer aus Reichenbach mit seinem Mitarbeiter René Degenhardt
  • Michal Nowakowski Baurenovierung aus Raidelbach mit seinem Schwager Bartek Adamski für die Schreinerarbeiten
  • Zimmerermeister Wendelin Wagner aus Glattbach für die Dächer
  • Martina Löw aus Ober-Ramstadt ist für die Wandmalerei zuständig: die Farben werden aus Steinmehlteig und Wasserglas aus den ehemaligen Silinwerken Gernsheim (jetzt Siofarben Viernheim) gemischt - http://farbe-funktion-form.de/html/werk.htm
  • der rote Sandstein kommt vom Sandsteinbruch Hans Hintenlang aus Grasellenbach, der Granit von Wilferth Granit
  • Die historische Installation der Heizkörper und der Verrohrung aus Schwarzrohr schuf Bernhard Strahl Sanitär Alsbach Hähnlein-Sandwiese, die modernen Heizkörper wurden als zeitgenössisch nachgebildete hochdekorative Elemente aus England bezogen, die Verrohrung liegt natürlich auf Putz, so daß die fachmännische Arbeit klar erkennbar ist

Holger Zinke gibt auf Wunsch Interessierter gerne die Kontaktdaten der Handwerker weiter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

                                    Das Foto oben rechts zeigt die Original-Wandmalerei im historischen Speisesaal des Felsberg-Hotels

 

"Klassizismus" im Neubau: die Pilaster wurden unten mit Feinzugmörtel von Firma Remmers ausgeführt. Die Pilaster im alten großen Speisesaal bestehen ebenfalls unten aus Feinzugmörtel und oben aus kannelliertem Holz. So sollen die Pilaster im Neubau ebenfalls werden, für ihre Gestaltung ist Maurer / Verputzer Jacek Ruszkowski (Mitarbeiter von Michal Nowakowski) zuständig Die Dekostäbe zur historisch passenden Gestaltung der Deckenbalken, eigens gedrechselt und in vier Viertelprofile zersägt von Bartek Adamski (Mitarbeiter von Michal Nowakowski)  rechts Kristallüster mit Deckenkassette

 

Die neugestaltete Außenterrasse, im Hintergrund die historische Gabelsberger Eiche. Einst stand sie ganz am Ende des Anwesens, denn der Zugangsweg vom Hotel zum Felsenmeer führte östlich am Gelände vorbei. Heute schaut der Gedenkstein an der 1892 gepflanzten Gabelsberger Eiche daher vom Felsenmeerweg und vom Parkplatz weg nach Osten. Die Eiche war einst aus anlaß eines Festes der Stenographenvereine Bensheim und Heppenheim gepflanzt worden.

 

Recycling und Nachhaltigkeit: im Garten des ehemaligen Forsthauses lagern Sandsteinquader von einem früheren Lokschuppen in Mannheim. Ursprünglich kommt der Stein aus dem Steinbruch Grasellenbach (heute Hans Hintenlang).

 

Original-Farbbemusterung für die Räumlichkeiten des Felsberg-Hotels

   

Wandfarben von Martina Löb: auch wenn sie aus Ober-Ramstadt kommt, haben ihre Farben doch nichts mit der Caparol zu tun. Ihre Farben werden aus Steinmehl und Wasserglas gemischt. Die Mustertische zeigen, wie die verwendeten Farbtöne abgemustert wurden. Auch ein Ultramarin-Zimmer ist dabei. Das verwendete Farbpulver kommt von der Ultramarinfabrik Büchner in Pfungstadt (1890) und von der Blaufarbenfabrik Marienberg in Lautern (1970er Jahre).

  

Fliesen im Ultramarin-Zimmer und die RAL-Farbe Ultramarinblau: RAL 5002 100 cyan 90 magenta  0 yellow 10 black (k)

 

Das Felsberg-Ensemble und der Chaisenweg auf alten Karten

Der Situationsplan: Norden ist unten, der Pflanzgarten gehört zum heutigen Forsthaus, wo zur Zeit der Restauration die Sandsteinquader lagern. Auf hochauflösenden Karten läßt sich noch das Wegkreuz im Garten erkennen, der nach den damals üblichen Regeln mit vier Beetabteilungen angeordnet war. Wo "Forsthaus" steht, ist heute das Adas Buka, und das Felsberg-Hotel ist mit "Hotel" gekennzeichnet. Sehr gut erkennt man die Anlage des Chaiseweges, der - links auf der Karte - im Bogen nach Nordwesten zieht und dann abknickt. Auch oberhalb des Hotels ist der Zugangsweg ins Felsenmeer erkennbar: er zweigt von einem Weg hinter dem Hotel nach Süden ab Richtung Riesensarg und Riesensäule.

Noch heute erkennt man auf modernen topographischen Karten den Bogen des Chaisenweges:

Quelle: open street map

 

Der Chaisenweg soll in der Landschaft wieder erlebbar gemacht werden

Bei einem Besuch im Gebäude und auf dem Gelände zeigte Dr. Zinke mir und Günther Dekker auch die noch sichtbare Anlage des Chaisenwegs. Der weitgeschwungene Bogen am Ende des Weges, wenn sich der Blick auf das Anwesen öffnet, ist noch gut erkennbar und durch eine neugepflanzte Säulenpappel markiert. Der weitere Verlauf dieses Kutschweges, der die Verbindung zwischen Schloß Heiligenberg und dem Felsberg schuf, soll in der Landschaft wieder erlebbar gemacht werden.

Dazu hat die Stiftung Heiligenberg (Dr. Joachim Horn) mit der Akademie auf dem Felsberg (Dr. Holger Zinke) gemeinsam ein Forschungsstipendium ausgelobt, in Kooperation mit dem Institut für Personengeschichte (Prof. Dr. Volkhard Huth) wird auch der frühe touristische Verkehr der „vornehme Leut“ auf den Felsberg beforscht werden. Es fanden auf dem Heiligenberg bereits zwei Kolloquien statt, in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk HR2-Kultur und der hessischen Landeszentrale für poltische Bildung, „Die Battenbergs – eine europäische Familie“ in 2018 „Eine optimistische Welt – Mensch und Natur in den Umbrüchen des 19. Jahrhunderts“ und in 2020, zu beiden Kolloquien sind Tagungsbände im Verlagshaus Römerweg – Verlag Waldemar Kramer zum Nachlesen erschienen.

Der Chaisenweg hat eine Länge von etwa 10 km, google maps gibt für einen Fußmarsch zwei Stunden an, mit Pferdekutsche dürfte es in der Hälfte der Zeit zu schaffen sein, wobei ein Zwischenstopp auf der Kuralpe ganz sicher gern eingeplant worden ist. Der historische Weg kreuzt die Straße unterhalb der Straße "im Winter" am Wasserwerk.

 

Historische Ansichten des Forsthauses und des Anwesens Felsberg-Hotel

Das ursprüngliche Forsthaus auf dem Felsberg, in dem Justus Haberkorn zur Welt kam, auf der geometrischen Rißkarte von Johann Wilhelm Grimm um 1730. Man erkennt gut den Gemüsegarten und den Grenzverlauf. Das Forsthaus liegt auf Hochfürstlich Hessen-Darmstädtischem Grund, die Grenze zur Reichenbacher Gemarkung verläuft über den Felsberg über den westlichen Rücken durch den heutigen Standort des Ohlyturm und zwischen Forsthaus und Felsberg-Hotel. Das Gebäude des afrikanischen Restaurants Adas Buka liegt wie das Felsberg-Hotel heute auf Lautertaler Grund. Das Adas Buka, vormals Waldrestaurant Felsberg, wurde 1937/38 von Familie Jost erbaut.

 

Ansichtskarte "Gruss vom Felsberg" vom Haus Haberkorn, einst mit der Deutschen Reichspost an die "Hochwohlgeborne Frau Ludwina v. Furtenbach in Feldkirch /Vorarlberg Österreich" geschickt. Bei der dortigen Poststelle wurde die Ankunft mit einem Stempel quittiert. Die Karte datiert vom 12. August 1882 und erhielt am 13. September 1892 den Poststempel von Reichenbach. Auf der Vorderseite der Karte sieht man das zu allen Zeiten beliebte Bild des "schwitzenden Mannes" - siehe Tuborg-Plakat unten. Die rechteckige Vignette zeigt das Felsenmeer, jedoch nicht naturalistisch. Eine wilde Anhäufung von Felsen mit leicht weitwinkeliger Optik - hier hat wieder einmal jemand das Felsenmeer gezeichnet, ohne es gesehen zu haben... Die runde Vignette zeigt das Hotel haberkorn mit einer ganzen Reihe illustrer Gäste "mit Schirm Charme und Melone". Die Ansichtskarte wurde von Günther Dekker zur Verfügung gestellt.

Der durstige Mann - ein Werbeplakat der Tuborg-Brauerei (hängt in meiner Werkstatt, warum auch immer...)

 

   

Drei Ansichtskarten aus der Haberkorn-Ära:
Links: der durstige Mann zieht seine beschirmte Dame den steilen Berg hoch, denn oben wartet im Hotel Haberkorn ein erfrischender Trunk! Kaum erkennbar, auch von der umgebenden Topographie her, ist die Riesensäule...
Mitte: September 1895, mit Riesensäule, Odenwälder Trachten, dem Phantasie-Felsenmeer und dem Hotel mit Holzpavillon
Rechts: die Riesensäule wird mit den seitlich liegenden Abfall-Felsbrocken gezeigt, wie sie auch tatsächlich liegen. Über das Felsenmeer schweift der Blick zum Knodener Kopf, und der durstige Mann ist - uff! wie man mit wenigen Zeichenstrichen ein zufriedenes erfrischtes Gesicht zaubern kann - auf dem Heimweg. Seine Dame eilt voraus.

 

 

Hotel Felsberg. Sommerfrische.
1903: Man sieht den 1901 erbauten Ohlyturm und ein etwas naturgetreueres Felsenmeer. Das Felsberg-Hotel hat einen Holzanbau westlich des Anbaues erhalten. Das Hotel verfügt inzwischen über eine Post- und Telegraphenstation, und wieder ist der Absenderstempel "Reichenbach (Odenwald) und der Empfängerstempel "Frankfurt" zu sehen. Auf dem Karteneindruck ist der Felsberg zum Höhen-Luftkurort geworden.

 

 

Links: Neben dem Hotel Haberkorn firmiert jetzt im Forsthaus J. Simon mit seiner Forsthaus-Restauration. Kleidung und Gestaltung der Karte weist auf eine frühe Zeit hin, das Hotel hat bereits den Holzpavillon
Rechts: jüngere Karte mit handkolorierten Fotos vom Felsenmeer und dem Hotel, das jetzt J. Simon gehört.

 

 

1912: Hotel und Speisesaal; Die Bäumchen vor dem Gebäude haben inzwischen schattenspende Funktion, und im Speisesaal erkennt man die Deckenkassette und an der Rückwand die große Pendeluhr. Bei den Bauarbeiten ab 2016 wurde die Wandmalerei dieser Wand freigelegt, die Umrisse der Pendeluhr sind deutlich erkennbar. Schon vor 100 Jahren gab es also Faulpelze, die wie ich gern um die Möbel herum tapezierten oder anstrichen...
Der Bullerofen mitten im Raum war durch ein langes Ofenrohr mit dem Kamin verbunden. Man kann sich vorstellen, daß die Klimazonen im großen Speisesaal alle Weltzonen zwischen Arktis und Regenwald umfaßten.

 

Blick nach dem Felsberg 1925: Ohlyturm, Forsthaus und Hotel Felsberg von der Hutzelstraße aus betrachtet. Das Hotel wirkt auf der Karte, als hätte es drei Giebel. Der dritte kam jedoch erst 100 Jahre später... Aber diese Ansicht wurde für die Denkmalbehörde letztlich ausschlaggebend, um die Genehmigung zum Bau des zweiten östlichen Anbaus zu erteilen. Hell sind die Wegverbindungen zu sehen, es führt auch ein Weg nach links zur Kuralpe. Hier war 1896 ein Wohngebäude mit Trinkhalle genehmigt worden. Als Station nach dem schwierigen Anstieg von Jugenheimer wie von Staffeler Seite (Staffel bedeutet Treppe und zeigt so im Namen schon, daß es hier steil ist) brauchten Pferde und Kutscher - und sicherlich auch die illustren Fahrgäste - hier auf der Höhe eine Pause. Von Osten kommt genau an dieser Stelle die Hutzelstraße, nach Westen führt ein direkter steiler Fußpfad hinauf auf den Felsberg. Eine Raststation, die quasi alternativlos war.

Der Kartenschreiber notiert unten am Rand: "Die Winterlandschaften sind von überwältigender Schönheit" und auf der Rückseite (am 19. März!): "Die ganze Zeit konnte ich mir kein genaues Bild darüber machen, ob das Schneewetter anhält oder nicht. Nun nehme ich aber mit Bestimmtheit an, daß es anhält..."

Auf dieser Ansichtskarte ist der Blick von der Hutzelstraße zum Felsberg koloriert.

 

Kinder und Jugendliche im Erholungsheim in den 1960er / 1970er Jahren

 

 

Rechnungsblock mit Jahreszahl 189_ mit Notiz: "In deiner Jugend sollst du dich zum Arbeiten halten fleißiglich. Hernach zu schwer die Arbeit ist, wenn du zum Alter kum bist" (?) vom Alter krumm?

 

Marieta Hiller, Oktober 2021