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Marieta Hiller, 1. April 2022

Nix für ungut, aber manchmal hilft es erstaunlich gut, mal auf den Kalender zu schauen...

Unser Aprilscherz 2021: die roten Textzeilen sind erstunken und erlogen, der Rest stimmt - und wenn Sie Näheres über das Bergwerk erfahren möchten, lesen Sie bitte hier weiter!
Reonga übrigens ist kein Aprilscherz...

Großer Bedarf an Seltenen Erden: vielversprechende Befunde in Reichenbach

Wo lag das legendäre Reonga aus dem Lorscher Kodex?

Laut Wikipedia sei Reonga der alte Name von Reichenbach, was jedoch so nicht stimmt. Im Lorscher Kodex wurde die Schenkung Karls des Großen im Jahr 795 an das Kloster Lorsch als Waldmark Heppenheim genau umschrieben. Wo jedoch der dort genannte Ort Reonga lag, darüber schweigt die Urkunde. Reonga wurde in der ersten Fassung von 773 erwähnt, die heute allerdings dem 10. Jahrhundert zugeordnet wird. In der Urkunde von 1012 (Schenkung des Forstbannes an Lorsch) fehlt Reonga wiederum. Karl Glöckner lokalisiert den geheimnisvollen Ort in seiner Schrift zum Codex Laureshamensis 1929 wie folgt: Der in der Heppenheimer Markbeschreibung (773) genannte Grenzpunkt wird heute auf der Wasserscheide zwischen Modau und Lauter mit dem Hinkelstein an der Grenze Beedenkirchen / Brandau identifiziert. Ob es ein Personenname war (Reun oder Hreun), ist nur schwach belegbar, auch um einen Gewässernamen handelt es sich nicht, da die Endung *ahe fehlt. Daraus schließt man, daß es sich um einen hoch gelegenen Ort gehandelt haben muß. Der Doppelvokal eo könnte aber auf die althochdeutsche Schreibung (h)rêo zurückgehen, was ‚Leichnam‘ bedeutet. Somit würde der Name auf eine frühe Begräbnisstätte hinweisen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bart: zeitgeschichtliche Betrachtungen zu einem Haarteil

Gartenzwerge tragen selbstredend Bärte. Dagegen ist der Milchbart gelegentlich unsichtbar.

Der Dreitagebart ist was für Männer, die vorsätzlich ungepflegt aussehen wollen, während sich der wildwüchsige Vollbart gerne auch für Prepper zum Verbergen geheimer Nahrungsvorräte in Zeiten der Krise

eignet. Doch Vorsicht: kommen die Mongolenbärte, sind die Vorräte in Gefahr! Gesellschaftlich völlig indiskutabel ist der Oberlippenbart à la : "(

Im Altertum gab es ein Sprichwort: "Ein Bart macht noch nicht den Weisen" - nur Philosophen trugen zu Zeiten Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.) lange Bärte.

Turnvater Jahn (1778-1852) züchtete bei seiner Turnjugend ordentliche Bärte, denn sein Gegner war die sauber rasierte napoleonische Besatzung. Später konnte ein Revolutionär ohne Bart gar keiner mehr sein. Dagegen legte der Brite Lawrence von Arabien (1888-1935) größten Wert auf eine saubere Rasur, um sich von den arabischen Verbündeten abzuheben. Er rasierte sich sogar unter schwierigsten Umständen täglich.

Die Rasur wurde traditionell mit scharfer Klinge durchgeführt, bis elektrische Rasierapparate erfunden wurden. Dann aber überschlugen sich die "Features": mit (gefühlt) 500 Klingen, der Rasierer "analysiert Ihren Bart und paßt sich an", immer aufwändigere Schnittmuster wurden möglich - und auch offen zur Schau getragen.

Was aber kaum jemand weiß, ist die Tatsache: in einer Ausgrabung vor vier Jahren in Breuberg-Hainstadt wurde ein Friedhof aus der Zeit Einhards (770-840) offengelegt. Und höchst erstaunlich war eine der Grabbeigaben der einstmals Bestatteten: ein Philishave Elektrorasierer! Thomas Becker, HessenArchäologie Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Darmstadt, kam ins Schwärmen: "es handelt sich um einen vermutlich voll funktionstüchtigen Akkurasierer mit schwenkbaren Scherköpfen. Sobald es uns gelungen ist, die Inkrustationen der langen Verweilzeit im Grab behutsam abzulösen, wird sich das Akkufach öffnen lassen, und dann wird sich zeigen, wie der Rasierer mit frischem Akku Bärte stutzt!" Aufgrund des aktuellen Veranstaltungsverbotes wird die Inbetriebnahme des antiken Gerätes nicht öffentlich gezeigt, jedoch hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen angekündigt, daß dieser denkwürdige Augenblick am 31. März unter Ausschluß der Öffentlichkeit filmisch dokumentiert stattfinden wird. Ab 1. April 2020 wird diese Aufnahme online zu finden sein, unter www.dblt.de wird der entsprechende Link dann zu finden sein. aa

Hier die Auflösung:

Das Foto zeigt eine silberne Riemenzunge aus einem Grab in Breuberg-Hainstadt. Diese Riemenzunge dient dem Verschluß eines schmalen Gürtels und ist eine Grabbeigabe. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Darmstadt unter Leitung von Thomas Becker hat sie neben zahlreichen weiteren Funden aus diesem Gräberfeld aus dem 8./9. Jahrhundert freigelegt. In der Zeitschrift "Der Odenwald" Heft 4/2019 des Breuberg-Bundes sind die Funde sowie ein ausführlicher Bericht abgedruckt. Der Breuberg-Bund und seine zahlreichen Mitglieder befaßt sich mit Heimatgeschichte und veröffentlicht viermal im Jahr die Zeitschrift mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Unregelmäßig erscheinen Bände zur Heimatgeschichte.

Wir danken Herrn Becker und dem Breuberg-Bund dafür, daß wir ungefragt und frech aus einer historischen Grabbeigabe unseren Aprilscherz basteln durften.

Infos: https://breuberg-bund.jimdo.com/