Vom antiken Lärmfeuer bis zu 5G: Fernübertragung von Information zu zivilen und militärischen Zwecken

Wer wichtige Information schnell und zuverlässig über weite Entfernungen übermitteln kann, hat den Fortschritt in der Hand. Wer nur auf reitende Boten zurückgreifen kann, schafft eine Informationsweitergabe mit maximal 300 km pro Tag (mit mehreren Pferdewechseln). Wer heutzutage einen Brief mit der Post verschickt, bekommt ihn mit etwas Pech vier Wochen später als unzustellbar zurück - und das obwohl die Adresse korrekt war.

Römische Signalfeuerstation mit Feuerstapel und Strohhaufen: Darstellung auf der Trajansseule - Foto Wikipedia


Wer aber heutzutage eine Nachricht über die (a)sozialen Medien verbreitet, erreicht in Sekundenbruchteilen die halbe Welt - und hat keine Möglichkeit, dies rückgängig zu machen. Vorher gut überlegen ist daher erforderlich. Gut überlegen mußte man vor 50-70 Jahren ebenfalls: wenn man ein Telegramm verschicken wollte. Denn jedes Zeichen kostete: und so entstand der Telegrammstil "ankomme fr 19 Bhf. Bensh. STOP" - daraus konnte der Empfänger, sobald der Telegrammbote an der Türe geklingelt hatte, schließen, daß der Sender gerne am Freitag um 19 Uhr am Bahnhof in Bensheim abgeholt werden möchte. Ob er sich auf das Treffen freut oder ob es ein reines Geschäftstreffen sein wird: darüber sagt das Telegramm nichts. Kürzel wie "freu" wurden erst später von schreibfaulen SMSern erfunden. 

Ein Telegramm oder allgemein Telegrafie (= Fernschreiben) war die Übermittlung von codierten Nachrichten über eine Entfernung hinweg, ohne daß Gegenstände wie Wachstafeln, Schriftrollen oder Briefe zwischen Sender und Empfänger bewegt werden müssen.

Optische Telegrafiezeichen, Kommunikationsmuseum Frankfurt

Dies wurde schon in der Antike erfunden: Sichtzeichen über Semaphore mit Feuer, Rauch oder Spiegeln, später auch mit ausklappbaren Armen. Im 19. Jahrhundert gab es Feld-, Eisenbahn-, Haus- und Schiffstelegrafen. Als die Sichtzeichen durch das Morsealphabet (1837 von Samuel Morse erfunden) ersetzt wurden, konnten die Anlagen zum Senden und Empfangen immer diffiziler werden, die Technik machte schnelle Fortschritte.

Morse-Alphabet: Punkte und Striche stellen Buchstaben und Ziffern dar - die erste Digitalisierung von Zeichen!

 

Man verlegte ein dickes Unterseekabel von Europa nach Übersee - daher kommt der Ausdruck "kabeln" für das Versenden eines Überseetelegramms. Fyi: unsere nach Amerika ausgewanderten Verwandten kabelten "happy Xmas", was mit 10 Zeichen die preisgünstigste Möglichkeit war, den Lieben zuhause ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen. Telegrafie war langsam: 1867 konnte eine Übertragungsrate von 100 Buchstaben pro Minute geleistet werden (John Timbs, englischer Schriftsteller 1801-1875). Diese 100 Buchstaben pro Minute mußten eindeutig formuliert und vom Empfänger wieder entschlüsselt werden, daher war das System so langsam.

Telex Lochstreifen; in Zeitungsannoncen der 70er Jahre wurden für  ähnliche Arbeiten "Locherinnen" gesucht, nicht sehr genderneutral - aber stupide Arbeiten gab man gern an Frauen...

 

Information: ein gewichtsloses aber wichtiges Transportgut!

Heute - LOL! - genügen Sekundenbruchteile, und noch dazu völlig kostenlos*. In den 1930er Jahren wurde Telex entwickelt, Nachrichten kamen fortan über den "Ticker" mit 50 baud, das sind 50 Schritte oder Zeichen pro Sekunde. Der Ticker wiederum wurde in den 1980ern durch Modem und Fax abgelöst. Modem bezeichnet eigentlich nichts anderes als das Umwandeln von Buchstaben oder Zeichen in kodierte Versatzsücke, auch Module genannt. Diese Module modulierten und demodulierten Information - verschlüsselt und entschlüsselt.

Modems konnten schrecklich langsam sein, vor allem zwischen Lautertal und Reichelsheim, wo es eine Übertragungsrate von "nur" 14.000 baud gab (wir kommunizierten spaßhalber über "commute" auf dem 386er). Fax heißt eigentlich Faksimile (=lat. "ähnlich machen") und bedeutet, daß die Wiedergabe dem gesendeten Original gleich ist (faktisch konnte man aber froh sein, wenn es wenigstens ähnlich war). Faxe versendet heute kaum noch jemand, seit es Mails gibt. Wo es aber um "fälschungssichere" Dokumentation geht, müssen heute noch Faxe statt Mails geschickt werden. E-Mail, die elektronische Post, ist erst mit dem Aufbau des weltweiten Netzes, des World Wide Web oder www, möglich.

Als das Web 1989 entwickelt wurde, dachte niemand daran, daß diese Form der Informationsübertragung einmal die vierte industrielle Revolution auslösen würde. Niemand konnte sich Shitstorms vorstellen, oder das internet of things IOT. CERN-Wissenschaftler (CERN Forschungslabor bei Genf) wollten einfach ein System haben, um Forschungsergebnisse einfach mit Kollegen austauschen zu können. Dieses Hypertext-System konnte wissenschaftliche Artikel zu einem Netz verflechten, sprich automatisch multiple Querverbindungen schaffen. Das Netz ersetzte Stichwort-Zettelkästen, Karteien und isolierte Datenbanken, indem es alles mit allem verband.

Telefonschafe im Museum für Kommunikation Frankfurt

 

Natürlich darf hier das wichtigste Kommunikationsmittel nicht fehlen: das Telefon. Mobil wurde es 1916, aber es war noch ein weiter Weg bis zu den kleinen Geräten, die neben Fotografieren und heimlich Daten weitergeben oft sogar auch noch telefonieren können.

Das erste "Handy" der Welt: tragbares Telefon um 1916, gebaut um Luftschiffern im Ballonkorb unterwegs durch die Lüfte Kontakt zur Bodenstelle zu ermöglichen (Technikmuseum Berlin)

 

Die Mobilfunk-Standards entwickeln sich mit dem technischen Fortschritt der Geräte:  auf dem Land oft noch 2G oder 3G, mit weit entfernten Masten, so daß die Endgeräte (z.B. Handy) mit hoher Leistung suchen müssen und ständig der Akku leer ist. Der Standard 4G oder LTE (Long Term Evolution) reduziert die Sendeleistung bei höherer Übertragungsleistung, während 5G noch schwächer strahlt, aber dafür kurzwelliger. Die Diskussion über Gesundheitsbeeinträchtigungen kann noch nicht auf aussagekräftige Langzeitstudien zugreifen, einfach weil die Entwicklung der Standards noch zu frisch ist. Leider kommunizieren Mobilfunk- bzw. 5G-Gegner und Wissenschaftler oft nicht auf der gleichen Wellenlänge, was zu alarmistisch wirkenden Verschwörungstheorien einerseits führt, während sich andererseits hinter trockener Physik und Zahlengebäuden verschanzt wird. Es ist schwer, hier ein funktionierendes Kommunikationsmodell aus Sender - Inhalt - Empfänger zu schaffen. Dumm obendrein, daß jede Partei in ihrer Echoblase gefangen ist und zudem "die da oben uns ja bewußt dumm halten".  Das ist nicht so, wenn auch der Eindruck besteht. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, kurz ETH Zürich, versucht dieses Manko in bewußt allgemeinverständlicher Sprache aufzulösen.


M. Hiller, erschienen im Durchblick Heft März 2020

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