Liebe Leserinnen und Leser,

der Fortschritt hat uns fest im Griff. „Europa ist nur so breit wie eine kurze Sommernacht“ - so schrieb Heinrich Böll im irischen Tagebuch (1957). Ein fragiles Gebilde, wie auch Alexander Gerst bestätigt: „unser Mann im All“ kommt trotz allen Trainings und technischen Kenntnissen ins Schwärmen beim Blick auf die Erde aus einer Entfernung, die wir uns vor dem ersten Raumflug nur in unseren kühnsten Fieberträumen vorstellten.

Ging es Ihnen auch so: Erschrecken bei der Todesnachricht von Alan Bean, vierter Mann auf dem Mond. Die erste Mondlandung war doch erst neulich! Als die ersten Männer auf dem Mond landeten, waren wir so fortschrittsbegeistert, daß wir überhaupt nicht daran dachten, daß diese Männer einmal alt werden und einfach sterben könnten. Lesetipp: Das Gedicht vom abgeschraubten Mond ...

Nur mal angenommen, Sie hätten genau so viel Weitblick wie der US-Präsident ...

(ja, Weitblick - Sie haben richtig gelesen!). Für den gibt es keine Klimaerwärmung.

Und tatsächlich: die Statistik gibt ihm recht! So ist doch wirklich beispielsweise die gemessene Regenmenge in Indien im langjährigen Mittel gleich geblieben. Daß die indische Bevölkerung allerdings von einem stetigen Wechsel von Dürre und sintflutartigen Regenfällen heimgesucht wird, also de facto unter ständig steigenden Extremwetterereignissen bis hin zu Katastrophen leiden - tja, das ist so ein typisches PAL (ein Problem Anderer Leute).

Meine kleine Wörterwerkstatt

Solide Handwerkskunst als Marketingkniff: was mit gewaltigem Körpereinsatz und viel Schweiß hergestellt wird, muß einen hohen Wert haben.

Soweit ist ja alles richtig. Aber kürzlich entdeckte ich die „Zimmerschmiede“ - die sich als schnöde Immobilienmakelei entpuppte. Auch eine Fahrradschmiede und sogar eine Weinschmiede gibt es. Aber mal ehrlich: sehr bekömmlich dürfte geschmiedeter Wein nicht sein, ganz abgesehen vom Beigeschmack nach Schmiedschweiß. Und wer wollte gerne ein geschmiedetes Fahrrad über die Straßen wuchten!

Nur mal angenommen... Sie gehören auch zu den Leuten die immer sagen „früher war alles besser"

Haben Sie mal überlegt, daß dann ja heute alles nicht mehr so gut und morgen sogar noch schlechter sein muß?

Machen Sie eine Liste: was war früher besser? Was ist heute besser? Sie werden erstaunt sein...

Wer denkt, daß man nicht zur Wahl gehen muß, weil man sowieso keine Wahl hat - wer denkt daß "die" schon alles richtig machen werden, dem sei ein Zitat sehr ans Herz gelegt:

„Das wird immer einer der besten Witze der Demokratie bleiben, daß sie ihren Todfeinden die Mittel selbst stellte, durch die sie vernichtet wurde“
(Joseph Goebbels (1897-1945), Propagandaminister während des Dritten Reiches)

Nur mal angenommen: Sie wollten sich unsichtbar machen: keine Postadresse, keine Telefonnummer, keine Internetseite, keine Mailadresse.

Sie existieren einfach nicht. Geht gar nicht: Ihre Daten sind überall zu finden.

Irgendwann lassen Sie sich dazu hinreißen, einen besonders dummen Facebookeintrag zu kommentieren. Wenn Sie Pech haben, geht das Theater dann richtig los: shitstorm, jemand fotografiert Ihr Haus, Ihre Kinder, Ihren Hund, stellt Ihre Vorlieben online.

Gleichgewicht wird erzielt durch Ausgleich, vorher existiert ein Unterschied

Man kann den Beginn der Welt anhand der Bibel erklären: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“

So entstand nach jüdischer, christlicher und muslimischer Lehre der erste Unterschied auf der Welt: Tag und Nacht.

Aus dem Nichts, dem Chaos, entstand Ordnung. Auf der anderen Seite kann man sich auch den Kopf über die Urknalltheorie zerbrechen, was Kreationisten nicht gefallen wird, denn nach ihrer Ansicht entstand die Welt am Sonntag, den 23. Oktober 4004 v. Chr. (Ussher-Lightfoot-Kalender).

Nur mal angenommen:

Sie sehen in Folge 10 von Babylon Berlin einen unglaublich gutaussehenden älteren Herrn auf der Bühne. Seine Darbietung erinnert Sie an Roxy music. Und wirklich: im Abspann lesen Sie, daß Brian Ferry, Bandleader von Roxy music, mitgearbeitet hat.

Dann dauert es noch einen Tag, bis Ihnen wie mit Donnerschlag klar wird: das WAR Brian Ferry!

Als er jung war und Lederjacken und Pomadentolle trug, ließ er Sie ziemlich kalt, war überhaupt nicht Ihr Typ. Die Musik von Roxy music ließ Sie eher frösteln, trotz Ferrys faszinierender Stimme. Jetzt, wo er - mit über 70 - im Moka Efti auf der Bühne steht, könnten Sie reinweg dahinschmelzen...

Dann wird Ihnen klar: „der hat inzwischen bestimmt jede Menge Jüngere, viel Jüngere, 40 Jahre Jüngere!“
Und RUMMS - aus der Traum...

Euphemismen sind Wörter, die besonders gern von Politikern und Statistikern verwendet werden. Euphemismus bedeutet Beschönigung, und wer kennt sie nicht, all die netten Umschreibungen: „Minuswachstum“ für Rezession; „friedenserhaltende Maßnahmen“ für einen Kriegseinsatz, „Entsorgungspark“ für eine Müllkippe, „notleidende Banken“ für das Versagen einer überbezahlten Kaste. Harmlos dagegen, daß Mohrenkopf und Negerkuß jetzt Schokokuß heißen, aber daß Fastfood-Ketten sich selbst als Restaurant bezeichnen, ist ein Unding.

Rezeptsammlung des Marcus Gavius Apicius

(* um 25 v. Chr.; † vor 42), De re coquinaria („Über die Kochkunst“).

Die Sammlung wird geprägt von Absonderlichkeiten wie Flamingozungen als besondere Delikatesse, enthielt keine Maßangaben, dafür aber viele schwer zu beschaffende Zutaten. Plinius berichtet, daß Apicius die Idee aufbrachte, Schweine mit Feigen zu mästen, damit deren Leber später besonders wohlschmeckend würde. Daraus leitet sich der heutige Name für Leber in vielen Sprachen ab: von ficatum („mit Feigen versehen“) leitet sich ital. fegato, span. hígado und frz. foie ab.

Nach dem Tod des Apicius kam das Gerücht auf, er habe sich zu guter Letzt selbst vergiftet, weil er feststellen mußte, daß ihm nunmehr nur noch 10 Millionen Sesterzen zum Leben bleiben würden, nachdem er bis dahin bereits 100 Millionen für seine Küche ausgegeben hatte.

Die Römer brachten uns die Apfelbäume

„Ab ovo usque ad mala“ - zu deutsch „vom Ei bis zum Apfel“ umschrieb die Lieblings-Speisenfolge der alten Römer. Und dieses Menu hielten sicherlich auch die Römer in Germanien so ab, zumindest die Bessergestellten. Die Römer in Germanien, das ist ein mindestens so spannendes Thema wie die Römer in Gallien. Man denke nur an jenes kleine Dorf... Daß die Spuren der Römer, ihre Kultur, ihre Bauwerke und ihr Wissen nicht mit langweiligem Lateinunterricht in der Schule abgehandelt sind, das beweist der Odenwald als alter römischer Lebensraum in vielfältiger Weise. Der Limes im Osten, eine 80 km lange Spur aus der Zeit vor über 1900 Jahren, die römische Villa Rustica Haselburg und die mißglückten Werkstücke im Felsenmeer bei Reichenbach laden ein zu interessanten Ausflügen in die Hügel des Odenwaldes. Und wenn das Wetter mal nicht ins Grüne lockt, dann gibt es ringsum zahlreiche Museen, in denen römische Funde dargeboten werden. Was uns ganz besonders freut, ist die Tatsache daß die Römer einst den Apfel in den Odenwald brachten. Wer weiß was wir sonst heute als Stöffche trinken müßten! Die römische Hochkultur zeichnete sich durch hervorragende Organisation aus, alles war durchstrukturiert und es gab eine klare Hierarchie. Überall wo die römischen Legionen ihren Adler in den Boden rammten, sorgte die Provinzverwaltung dafür, daß neue Speisen und Gerichte ihren Weg zum Bauch der Welt, nach Rom, fanden. Doch auch umgekehrt fanden einige kulinarische Errungenschaften der Römer ihren Weg auf unsere Tische hier im rauhen Barbarenland. Der Apfel gehört dazu. Die Perser hatten bereits im 6. Jh v. Chr. Obstbäume, und über die Griechen kam das Wissen schließlich zu den Römern. Die entwickelten die Veredelung (Okulieren) und erhielten besonders gute Sorten über lange Zeiten sortenrein. Die Römer gaben den verschiedenen Obstsorten auch ihre Namen. Ab 800 v. Chr. verehrten sie die Göttin Pomona als Herrin des Gartens, des Obstes und des Obstbaus. Um 100 n. Chr. brachten die Römer schließlich ihre Kenntnisse und auch verschiedene Obstsorten nach Gallien und Germanien. Was die Römer am liebsten aßen, läßt sich heute nachvollziehen aus alten Quellen des Apicius, des Lucullus und anderer, wobei die Quellenlage teilweise sehr schwierig ist, denn die alten Rezeptbücher mußten schließlich viele Jahrhunderte überdauern (was sie oftmals leider nur in Form von Zitaten in späteren Werken schafften).

Ein römisches Schlachtfeld in Niedersachsen entdeckt

Es kam in Nano im Dezember 2008: Wissenschaftler sprechen von "spektakulärem" und "außergewöhnlichem" Fund

Irgendwann um das Jahr 235: Römische Truppen befinden sich auf dem Rückmarsch von einem Feldzug ins nördliche Germanien. Ihr Weg am westlichen Harzrand entlang führt über einen Pass. Doch auf dem "Harzhorn" haben sich Germanen verschanzt, um die Legionäre zu stoppen. So oder ähnlich, meint der Archäologe Günther Moosbauer von der Universität Osnabrück, sei die Ausgangssituation für eine bisher unbekannte Schlacht zwischen Römern und Germanen gewesen.

Die Römer in Germanien, das ist ein mindestens so spannendes Thema wie die Römer in Gallien - ganz Gallien? Nein, ein kleines Dorf.... - wer kennt nicht diese Einleitung aus Asterix und Obelix!

Daß die Spuren der Römer, ihre Kultur, ihre Bauwerke und ihr Wissen nicht mit langweiligem Lateinunterricht in der Schule abgehandelt sind, das beweist der Odenwald als alter römischer Lebensraum in vielfältiger Weise. Der Limes im Osten, eine 80 km lange Spur aus der Zeit vor über 1900 Jahren, die römische Villa Rustica Haselburg und die mißglückten Werkstücke im Felsenmeer bei Reichenbach laden ein zu interessanten Ausflügen in die Hügel des Odenwaldes. Und wenn das Wetter mal nicht zu einem Ausflug lockt, dann gibt es ringsum zahlreiche Museen, in denen römische Funde dargeboten werden. Was uns ganz besonders freut, ist die Tatsache daß die Römer einst den Apfel in den Odenwald brachten. Wer weiß was wir sonst heute als Stöffche trinken müßten!