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Eisenbahnstrecken im Odenwald: Vortrag von Horst Schnur 2019

Industriekultur Wie die Werkstücke aus dem Felsenmeer zum Bahnhof in Bensheim gebracht wurden

Sieben-Meilen-Stiefel Der Gadernheimer Meilenstein

 

Wer wichtige Information schnell und zuverlässig über weite Entfernungen übermitteln kann, hat den Fortschritt in der Hand. Wer nur auf reitende Boten zurückgreifen kann, schafft eine Informationsweitergabe mit maximal 300 km pro Tag (mit mehreren Pferdewechseln). Wer heutzutage einen Brief mit der Post verschickt, bekommt ihn mit etwas Pech vier Wochen später als unzustellbar zurück - und das obwohl die Adresse korrekt war. Wer aber heutzutage eine Nachricht über die (a)sozialen Medien verbreitet, erreicht in Sekundenbruchteilen die halbe Welt - und hat keine Möglichkeit, dies rückgängig zu machen.

"Meine Herren, diese 28.000 Landbriefträger machen täglich einen Kreislauf von 560.000 Kilometern - das ist vierzehnmal der Umfang der Erde!" Ausspruch von Ernst Heinrich Wilhelm Stephan 1896 zur Leistung der Briefträger. Stephan (1831-1897)  war u.a. deutscher Generalpostdirektor des Deutschen Reiches

Telegramm: jedes Zeichen kostete - und so entstand der Telegrammstil "ankomme fr 19 Bhf. Bensh. STOP" - daraus konnte der Empfänger, sobald der Telegrammbote an der Türe geklingelt hatte, schließen, daß der Sender gerne am Freitag um 19 Uhr am Bahnhof in Bensheim abgeholt werden möchte.

Freu: Ob er sich auf das Treffen freut oder ob es ein reines Geschäftstreffen sein wird: darüber sagt das Telegramm nichts. Kürzel wie "freu" wurden erst später von schreibfaulen SMSern erfunden.            

Telegrafie-Sichtzeichen über Semaphore mit Feuer, Rauch oder Spiegeln, später auch mit ausklappbaren Armen. Im 19. Jahrhundert gab es Feld-, Eisenbahn-, Haus- und Schiffstelegrafen.

Das Morsealphabet (1837 von Samuel Morse erfunden) erlaubte es, daß die Anlagen zum Senden und Empfangen immer diffiziler wurden.

Kabeln: ein dickes Unterseekabel von Europa nach Übersee für das Versenden eines Überseetelegramms. Man kabelte "happy Xmas", was mit 10 Zeichen die preisgünstigste Möglichkeit war, den Lieben zuhause ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen.

Übertragungsraten: 1867 gingen 100 Buchstaben pro Minute (John Timbs, englischer Schriftsteller 1801-1875), weil jedes Zeichen eindeutig formuliert und vom Empfänger wieder entschlüsselt werden mußte.

Telex: in den 1930er Jahren entwickelt, Nachrichten kamen über den "Ticker" mit 50 baud, das sind 50 Schritte oder Zeichen pro Sekunde.

Modem und Fax: 1980er - Modem = Umwandeln von Buchstaben oder Zeichen in kodierte Versatzsücke, auch Module genannt. Diese modulierten und demodulierten Information - verschlüsselten und entschlüsselten. Fax = Faksimile, lat. "ähnlich machen"

Mails: elektronische Post wurde erst mit dem Aufbau des weltweiten Netzes, des World Wide Web möglich. 1989 entwickelt, löste das WWW die vierte industrielle Revolution aus. CERN-Wissenschaftler (CERN Forschungslabor bei Genf) wollten einfach ein System haben, um Forschungsergebnisse einfach mit Kollegen austauschen zu können. Dieses Hypertext-System konnte wissenschaftliche Artikel zu einem Netz verflechten, automatisch multiple Querverbindungen schaffen und ersetzte Stichwort-Zettelkästen, Karteien und isolierte Datenbanken. Shitstorms und internet of things IOT waren die Folge... Was das Internet wiegt und was es kostet, lesen Sie hier.

Telefon: wurde 1916 mobil...  Es war noch ein weiter Weg bis zu den kleinen Geräten, die neben Fotografieren und heimlich Daten weitergeben oft sogar auch noch telefonieren können.

Mobilfunk-Standards: darüber läßt sich trefflich streiten... auf dem Land oft noch 2G oder 3G, mit weit entfernten Masten und hoher Sendeleistung, 4G oder LTE (Long Term Evolution) mit Sendeleistung bei höherer Übertragungsleistung, 5G strahlt noch schwächer aber dafür kurzwelliger.

Die Diskussion über Gesundheitsbeeinträchtigungen kann noch nicht auf aussagekräftige Langzeitstudien zugreifen, einfach weil die Entwicklung der Standards noch zu frisch ist. Leider kommunizieren Mobilfunk- bzw. 5G-Gegner und Wissenschaftler oft nicht auf der gleichen Wellenlänge, was zu alarmistisch wirkenden Verschwörungstheorien einerseits führt, während sich andererseits hinter trockener Physik und Zahlengebäuden verschanzt wird. Es ist schwer, hier ein funktionierendes Kommunikationsmodell aus Sender - Inhalt - Empfänger zu schaffen. Dumm obendrein, daß jede Partei in ihrer Echoblase gefangen ist und zudem "die da oben uns ja bewußt dumm halten".  Das ist nicht so, wenn auch der Eindruck besteht. Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, kurz ETH Zürich, versucht dieses Manko in bewußt allgemeinverständlicher Sprache aufzulösen.
Lesen Sie dazu Pro und Contra auf www.dblt.de

Lesen Sie dazu auch: Wie in Klein-Bieberau anno 1858 die Post ausgetragen wurde

In den Briefen Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833 findet man zahlreiche Belege für die Preise in Amerika im Vergleich zu unserer Region. Im Jahr 1830 zogen 100.000 Seelen von Europa nach Amerika.

Geldwert

Ein Dollar war 2,5 Gulden wert, für 3 Gulden 45 bekam man in Amerika 1 Dollar.

Reiche Einwanderer konnten gleich nach Ohio weiterziehen, wo man für 1-2 Taler einen Morgen Land kaufen konnte. Dagegen kostete der Morgen in Waynesboro 30-40 Taler. Pro Auswanderer wurden für die Überfahrt 100 Gulden für Erwachsene und Kinder über 12 Jahren, 50 Gulden für Kinder unter 12 Jahren verlangt.

Ein gemeinsamer Wagen von Baltimore nach Wheeling für die Raidelbacher, Lauterner und Hohensteiner Auswanderer mußte für 100 Dollar gemietet werden.

Über Anschaffungen, laufende Kosten und den Ertrag berichten zahlreiche Briefe der Auswanderer. Das Foto eines Auswanderers, Adam Tracht aus Raidelbach, zeigt einen alten Mann, obwohl er zur Zeit des Fotos erst 65 Jahre alt ist und seit 20 Jahren in Amerika lebt. Seine Züge zeugen von einem entbehrungsreichen Leben. Trotzdem konnte Adam Tracht mit seiner Frau in Freiheit leben, und er verdiente bereits in seinem ersten Jahr in Amerika 110 Dollar!

Für ein Doppelgewehr aus Deutschland konnte man in Amerika 50 Taler = 125 Dollar bekommen, deshalb waren Gewehre begehrte Mitbringsel aus der Heimat. Neuankömmlinge mußten oftmals Schulden machen, wie Johannes Rettig aus Reichenbach. Dennoch rät er seinen Verwandten davon ab, anderen Geld zu leihen. Die Leute seien noch "Darmstädtisch".

Entfernungen

28 Stunden brauchte man auf dem Landweg für 120 Kilometer, 3 Meilen schaffte man in einer Stunde.

Amerikanische Maßeinheiten

1 Buschel etwas mehr als ein Simmer S. 52
Die Maßeinheit 1 Acker = acre entspricht 1 Morgen.

Lesetipp:
Wir ziehen nach Amerika - Briefe Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833, zusammengestellt von Marie-Louise Seidenfaden und Ulrich Kirschnick, 1988.
ISBN 3-923366-03-5

 

In den Briefen Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833 findet man zahlreiche Belege für die Preise in Amerika im Vergleich zu unserer Region. Im Jahr 1830 zogen 100.000 Seelen von Europa nach Amerika.

Geldwert

Ein Dollar war 2,5 Gulden wert, für 3 Gulden 45 bekam man in Amerika 1 Dollar.

Entfernungen

28 Stunden Landweg = 120 km S. 40, 3 Meilen = 1Std S. 126 und S 109 Friedrichstadt - Cincinatti 120 Meilen.

1 Acker = acre S. 43 = 1 Morgen, S. 65

Amerikanische Maßeinheiten

1 Buschel etwas mehr als ein Simmer S. 52

 

Mühlen 55 Mühlarzt Jakob Lick *1801 in Lautern, Müller Joh. Arras *1807 in Gadernheim, Müller S. 126, Mühlarzt S. 127

Reiche Einwanderer konnten nach Ohio, 161 Meilen von Waynesboro S. 53, Waynesboro - Baltimore 61 Meilen = 120 km = 27 Std.

in Ohio 1-2 Taler pro Morgen, Waynesboro 30-40 Taler pro Morgen S. 55-56

Schön Heimatchen S. 88

Anschaffung und laufende Kosten und Ertrag 99-91 Thema Landwirtschaft

Diebstahl und Polizei S. 96

Tierschutz 97

Eisernes Joch 101

Darmstädtische Kleidung S. 111

Pest 111

Stempelpapier als Wurzel allen Übels? 112

Fleisch 124

Dunkle Sonne 124

Auswanderung kostete ab 12 Jahre 100 Gulden, unter 12 J. 50 fl. unter 6 J. 25 fl. S. 127

Silber kontra Lumpengeld 127

Maße und Gewichte 132

Reise 50 Gulden Lehrer S. 103

Foto AT 106 entbehrungsreiches Leben, aber Freiheit! Verdienst im 1. Jahr 110 Dollar! *1785, nach USA 1831 = 46 Jahre alt. Das Altersfoto zeigt AT mit ca. 65 Jahren, also 20 Jahre im Überfluß, und dann solche von Entbehrungen gezeichneten Gesichtszüge?

Ein gemeinsamer Wagen für Raidelbacher, Lauterner und Hohensteiner für 100 Dollar von Baltimore nach Wheeling S. 108

Riegelstraße: Bau der Eisenbahn S. 109

Doppelgewehr aus Deutschland 50 Taler = 125 Dollar

Zuckerpreis in Bremen 500g 1/2 Taler (1,15 Gulden)

Schulden: JR machte 18 Gulden Schulden bei der Ankunft, rät aber S. 111 ab, anderen Geld zu leihen. Die Leute seien noch Darmstädtisch.

Schon 300 vor Christus schreibt der griechische Dichter Theokrit von einem gebackenen Honigkuchen, denn Honig war - neben Dörrobst - vom Altertum bis ins Mittelalter das Einzige, was man zum Süßen von Speisen hatte. 

Odenwälder Lebkuchenmodel

 

Im Odenwald gab es neben Honigkuchen auch Hutzelbrot, das ist ein Früchtebrot aus Dörrobst. Im 13. Jahrhundert buken (das klingt so viel kräftiger als backten...) Mönche aus Heilkräutern und -säften mit Honig ihre Lebkuchen.

Honig galt im Mittelalter als Schutzmittel vor Unheil und Dämonen, er ist seit der Zeit der alten Griechen eine Götterspeise: Himmelstau. Bei den Germanen fiel der Tau nicht vom Himmel, sondern von der Weltesche Yggdrasil - in jedem Fall war es Honig.

In jedem Bauernhaus gibt es noch alte Holzmodel für die Lebkuchen

Alte Holzmodel für Lebkuchen zeigen eine Frau, Darstellung der Frau Holle, einer mythischen Figur aus der vorchristlichen Zeit. Sie trägt z.B. drei Ähren oder einen Blütenzweig, manchmal auch eine Sichel. Es sind Fruchtbarkeitssymbole, so wie die Frau meist auch deutliche Brustansätze zeigt. Oft wurde auch das Zeichen des Herzes in Holzmodeln verwendet: ein Herz aus dem ein Lebensbaum wächst, oder ein Herz dessen Spitze unten sich in Spiralen aufspaltet, die den Sonnenlauf symbolisieren sollen. Der Weihnachtsstern und die Jakobsleiter sind beliebte Motive, Nikolaus und andere Soldaten hoch zu Roß (auch mit Reichsadler) oder das Christkind sind zu finden, auch viele Tier-, Pflanzen oder Früchtedarstellungen.

Da der Odenwald schon immer eine waldreiche Region war, gab es Holz für die Modelschnitzerei im Überfluß. Holz ließ sich leichter handhaben als der zerbrechliche Ton, aus dem die Model vorher waren. Man brauchte Holzmodel für die Lebkuchenbäckerei, für die Verzierung von Butterballen oder auch im Blaudruck für wunderschöne Stoffmuster und für Tapeten.

Ihre Seele erhielten die Model durch begnadete Holzschnitzer, die in den Wintertagen, wenn die Feldarbeit ruhte, zuhause am warmen Ofen saßen und neben Knöpfen und Holztierchen eben auch Model schnitzten. Jedoch: für ein wundervolles Model mit einem reichverzierten Herz bekam ein Schnitzer um 1900 25 Pfennige. Friedrich Maurer, Heimatforscher um 1914, erfaßte für den Odenwald etwa 4400 Modelformen aus Obsthölzern oder Ahorn oder Buche. Aber 1908 gab es nur noch einen einzigen Modelschnitzer, der in Reichelsheim wohnte.

Die Motive wurden sehr plastisch herausgearbeitet und sind heute begehrte Sammlerstücke.

Der Pate (Pedden) schenkte seinem Patensohn einen Reiter, die Patin (Got') ihrer Patentochter eine Puppe.

Der Lebkuchen mit seinen Heilkräutern - übrigens: jeder Lebkuchenbäcker hütet das Rezept wie seinen Augapfel! - sollte in der dunklen Jahreszeit Kraft und Schutz spenden. Im Gersprenztal sagte man früher:

Wem's nit gut is, wer's im Leib hot, der ißt en Lebbkuche, so werd's em bald besser."

Zimt, Anis, Imgwer, Fenchel, Nelken, Koriander, Kardamom - sie alle wirken sehr positiv auf eine gute Verdauung, denn sie regen die Verdauungssäfte an. Dadurch werden Speisen gut verdaulich und ihre Inhaltsstoffe kommen samt und sonders dem Organismus zugute.  (* Zum Thema Gewürze: Spicys in Hamburg!) Gebacken wurden Lebkuchen nicht zuhause im Ofen oder im Backhaus, sondern beim Bäcker, denn das war Meistersache.

Mandeln, Ritzungen und Sprüche aus Zuckerguß oder Stärkebrei ergänzten das fertige Lebkuchenkunstwerk.

"Liebchen nimm dies Herz von mir, es ist für dich gebacken.
Und gib mir einen Kuß dafür, laß mich nicht lange warten."

Oder

"Gott behüte uns vor teuerer Zeit, vor Maurer und vor Zimmerleut, vor Doktor und Barbiere, denn das sind böse Tiere".

Lebkuchenzentren in Deutschland

In Venedig gibt es die Lebkuchen oder Laibkuchen schon seit 1150, im´n Ulm seit 1296 und in Nürnberg seit 1395. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es eine strenge Lebküchnerordnung, das Strecken des Teiges mit Pottasche war bei Strafe verboten. Hier hatte man ein ähnliches Reinheitsgebot wie beim Bier. Die Gesellen durften keinen Degen tragen, nicht in der Öffentlichkeit fluchen oder saufen und raufen, denn die Lebküchnermeister waren hochangesehene Leute. In Frankfurt waren die Lebkuchen 1358 angekommen, denn in diesem Jahr gründeten die Frankfurter ihre Lebzelterinnung.

Lebkuchen im Odenwald

Aber das erste Odenwälder Rezept für Lebkuchen stammt wohl aus Walldürn, wohin es Hugenotten aufgrund ihres mißliebigen Glaubens verschlagen hatte. Oder aber - und das klingt wahrscheinlicher: ein Vorfahre der Familie Delp aus Kirch-Beerfurth kam auf der Wanderschaft nach Straßburg und brachte von dort das Rezept mit. In Kirch-Beerfurth gibt es schon seit über 200 Jahren Lebkuchenbäckerei.

Eine sehr romantische Erklärung besagt, daß die Bäckergesellen auf ihrer Wanderschaft vom Lehrmeister das Rezept für Lebkuchen mit auf den Weg bekamen, sobald sie dessen würdig waren. Auf dem Nachhauseweg machten sie alle 30-50 Kilometer Rast. Und just in diesen Orten - immer in Etappen einer Tagesreise - siedelte sich Lebkuchenbäckerei an, denn der Geselle mußte ja vor seiner jeweiligen Geliebten etwas ganz Besonderes preisgeben, als Unterpfand seiner Liebe. Die Geliebten waren wohl schon damals klug: war auch der hübsche Bäckergeselle fort, so blieb doch das Lebkuchenrezept. Diese Geschichte aber entbehrt jeglicher historischer Belegbarkeit; doch wenn man sich die Landkarte anschaut, so könnte doch ein Gramm Wahrheit enthalten sein...

Jedenfalls verbreitete sich das Lebkuchenrezept aus Kirch-Beerfurth weiter in den Odenwald, vom Gersprenztal ins Mümlingtal und in die Seitentäler, es gab etwa 20 Lebkuchenbäckereien. 1870 stellte man in Kirch-Beerfurth tausend Zentner (50.000 Kilo oder 50 Tonnen) Lebkuchen her, in Pfaffen-Beerfurth immerhin 600 Zentner (30 Tonnen). Bewerkstelligen mußten dies sämtliche Familienmitglieder: man begann morgens früh um fünf Uhr und buk 15-18 Stunden lang.

Reich werden mit Lebkuchenbäckerei?

Aber reich werden konnte man mit der Lebkuchenbäckerei nicht - sieht man vom gesundheitlichen Reichtum einmal ab - denn vom Verkaufspreis eines Lebkuchens blieben nach Abzug der kostbaren Zutaten und der Betriebskosten 20 %. Aus Kirch-Beerfurth weiß man, daß anno 1900 herum drei Arbeitskräfte an einem Tag für 30 Mark Lebkuchen buken. Zog man die 24 Mark für die Kosten ab, blieben für jeden von ihnen ein Verdienst von zwei Mark (entspricht heutzutage einem Euro, läßt sich aber aufgrund der damaligen Kaufkraft nicht direkt vergleichen).

Leichter wurde die Arbeit, wenn man eine Teigknetmaschine sein Eigen nannte. Schafften fünf Arbeiter in 15 Stunden ohne Maschine einen Zentner (es tut mir leid, der Zentner gehört in diese Geschichten wie das Klafter und das Simmer, ein Zentner sind 50 Kilogramm), konnten sieben Arbeiter mit Maschine zwei Zentner herstellen (nun müssen wir noch 2 ztr durch sieben mal fünf teilen, dann erhalten wir in diesem Fall als Ergebnis 71,4 Kilogramm, also knapp eineinhalb Zentner.

Wer brachte die gebackenen Lebkuchen in alle Welt?

Interessant ist auch der Verkauf der Lebkuchen: das übernahmen Hausierer, die Lebkuchenfrauen oder Hutzelweiber. Lesen Sie hierzu auch über Hausierer in Schannenbach, über Babette Streun, über Köhlers Bawweddsche oder was es früher zu essen gab...

Bei den fünf Lebkuchenbäckereien in Kirch-Beerfurth versorgten sich 350 Abnehmer, die über die Odenwalddörfer nach Heidelberg, Mannheim, Worms, Darmstdt, Mainz, Frankfurt, Limburg, Gießen zogen.

"So vier Woche ver de Weuhnachte is die Lebkuchefraa es erstemol kumme,
un do hot mer gewißt, jetz is es Christkinnsche unnerwegs.
Sie wor vun Braäischboch un hot e große Monne uf em Kopp gehatt
un mäistendaals noch zwäi Kerb, an jedem Orm an.
Ui wie gut hot des geroche, un wie häwwe die Lebkuche geglenzt!
Uf manche häwwe schäine Sprich un Versjen gstanne.
En klaane Lebkuche hot jed Kind kriggt.
Die Große sin im Klaarerschrank beim Weißzeig ufgehowwe worn
fer die Feierdag, fer Petter und Gode."

So der Odenwalddichter Fritz Krämer, Bauernlewe im Odenwald.

2017: Werden Sie Imkerpate!

Beteiligen Sie sich an der Durchblick-Aktion und schenken Sie Unterstützung  für einen Jungimker! Werden Sie Imkerpate.
Wie das geht, sagen wir Ihnen gern: der Durchblick - Monatszeitschrift für Lautertal und Modautal - verschenkt dieses Jahr an seine Kunden keine Präsente, sondern unterstützt mit diesem Geld einen Jungimker.
Ein Nachwuchsimker kann mit Ihrer Hilfe ein Jahr lang probieren, ob die Bienenhaltung sein oder ihr neues Hobby wird - und die Natur dankt es Ihnen.
Der Durchblick wird dieses Jahr regelmäßig begleiten und Erfahrungsberichte und Fotos an dieser Stelle veröffentlichen.

Wenn Sie noch ein nettes Geschenk für sich selbst suchen: pflanzen Sie einen insektenfreundlichen Blühstrauch für den Garten oder den Balkon, so haben Sie das ganze Jahr Ihr persönliches Weih-nachtsgeschenk, oder bauen Sie ein Insektenhotel!

Drei Neulinge starten in die Imkerei

14. Januar 2018: Beim Familientag des Imkervereins Lautertal wurden drei Interessenten ins Handwerk der Imkerei eingeführt: in Elmshausen wollen Margit Dypa-Seyfert und Nils Sturm auf ihren Gartengrundstücken mit Bienen arbeiten, in Lautern der junge Simon Götz. Betreut werden sie künftig von erfahrenen Imkern aus dem Verein. Das erste eigene Bienenvolk werden die Jungimker im Frühjahr übernehmen können, nun ist zunächst einmal der Anstrich der Beutenkästen und ein bißchen Theorie an der Reihe. Der Durchblick wird das Probejahr begleiten und immer wieder über die Fortschritte und Erfahrungen der Neulinge berichten. Ermöglicht wurde die Anschaffung der Ausrüstung durch eine Spende des Durchblick. Sie verbleibt beim Verein, denn wer nach einem Jahr überzeugt ist, daß die Imkerei das Richtige ist, der kauft sich seine eigene Ausrüstung nach individuellen Wünschen. So kann der Imkerverein ab sofort jedes Jahr zwei bis drei Neuimker aufnehmen. 
Den Abschlußbericht über das Projekt finden Sie hier: Unser Imkerprojekt 2018

Wer durch die Felder und Wälder rund um die Lautertaler Ortsteile streift, der findet an unzähligen Stellen alte Steinbrüche, die bis vor ein paar Jahrzehnten in Betrieb waren, heute aber von Buschwerk und Gras überwuchert sind. Einige wenige Steinbrüche sind auch heute noch aktiv, z.B. am Rauhestein am Fuß der Neunkirchener Höhe in Gadernheim. Hier schnurrt das Transmissionskabel, und es stehen Rohblöcke ebenso wie fertige Werkstücke da, eins in seiner Maserung schöner als das andere.

Einer der großen Kenner der Steinbranche in Lautertal hat jetzt ein neues Buch herausgebracht: "Die Odenwälder Steinhauerei im Wandel der Zeit. Betrachtet mit den Augen von Steinhauern", Autor Hans Heldmann. Man kann also davon ausgehen, daß in diesem großformatigen Band mit seinen 120 Seiten die unverfälschte Betrachtung eines Spezialisten zur Sprache kommt. So berichtet Hans Heldmann - bekannt durch die Gadernheimer Chronik - über die harte Arbeit am Stein, über Spalttechniken, die verschiedenen Eigenarten der Steinsorten, über Sitten und Gebräuche der Steinarbeiter. Und er vermittelt sprachliche Besonderheiten: so sagte man früher, wenn ein Stein begann sich zu spalten: "Awwel bawwelt er" (Jetzt spricht er).

Im Buch finden sich alte Dokumente, Fotos von Steinhauer-Originalen wie "de Dick Helmut" und "de Kaiser", von den Belegschaften der DESTAG oder auch des freiwilligen Arbeitsdienstes, der zwischen 1932 und 1933 die Straße von Gadernheim nach Neunkirchen baute. Ein Gedenkstein erinnert noch heute daran (unser Foto).

Ausflüge in den Bergbau oder die heutige Situation der Steinindustrie, die weitgehend am Boden liegt aufgrund ausländischer Preiskämpfe, auch in die Techniken der alten Römer erklären anschaulich die Geschichte unserer Landschaft.

Die Sammlung all dessen, was man nur über die Steinindustrie im Lautertal oder auch im Odenwald wissen kann, ist erhältlich im Papiertiger Reichenbach und kostet 20 Euro. (mh)