Der Dichter Werner Bergengruen lebte eine Zeitlang in Lindenfels und sammelte Odenwälder Sagen - vor allem gruselige. Der Rodensteiner und das Wilde Heer faszinierte ihn besonders. Wenn ein Krieg sich ankündigte, so hörte man früher in der Nacht, als die Stuben noch von Kien und Kerzenlicht erhellt wurden, das Wilde Heer vom Schnellerts durch den Haalhof ziehen. Heute ruht im Wald still die Ruine der Schnellertsburg, und auf dem Haalhof rasseln allenfalls Kühe mit Ketten.

Als man fürstlicherseits noch in die Sommerfrische reiste, anstatt eine "Spritztour" oder einen Ausflug in die Natur zu machen, gab es in den Wäldern um uns herum zahlreiche Plätze, die heute fast unbekannt sind.
Um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden diese Orte der Lustbarkeit für Adelsangehörige: Jennis Höhe bei Breitenwiesen, die Elisabethenruhe und die Ferdinandenhöhe bei Reichenbach zum Beispiel.

Lange nachdem laut Schöpfungsbericht das "Es werde Licht" erscholl, lernten die Menschen ihre Wohnhöhlen und später Häuser zu erleuchten. Brennende Holzspäne, Öllampen, Kerzen sorgten ordentlich für Feinstaub.

Um 1860 gab es Petroleumlampen mit Öl aus Rumänien. 1866 erfand Werner v. Siemens die Dynamomaschine, damit konnte elektrischer Strom erzeugt werden. Thomas A. Edison (und andere!) erfand dazu 1879 die Glühbirne, die ersten Hochspannungsleitungen wurden 1882 gebaut. 1891 gelang die erste Drehstromübertragung durch den Odenwald: von Lauffen am Neckar bis Frankfurt durch Eberbach entlang der Odenwaldbahn bis Hanau.

Vom antiken Lärmfeuer bis zu 5G: Fernübertragung von Information zu zivilen und militärischen Zwecken

Wer wichtige Information schnell und zuverlässig über weite Entfernungen übermitteln kann, hat den Fortschritt in der Hand. Wer nur auf reitende Boten zurückgreifen kann, schafft eine Informationsweitergabe mit maximal 300 km pro Tag (mit mehreren Pferdewechseln). Wer heutzutage einen Brief mit der Post verschickt, bekommt ihn mit etwas Pech vier Wochen später als unzustellbar zurück - und das obwohl die Adresse korrekt war. "Meine Herren, diese 28.000 Landbriefträger machen täglich einen Kreislauf von 560.000 Kilometern - das ist vierzehnmal der Umfang der Erde!" Ausspruch von Ernst Heinrich Wilhelm Stephan 1896 zur Leistung der Briefträger. Stephan (1831-1897) war u.a. deutscher Generalpostdirektor des Deutschen Reiches.

Auf dem höchsten Punkt des alten Ortskerns von Nieder-Beerbach steht die Kirche: erbaut wurde sie um 1404 anstelle einer älteren Kirche, die mutwillig zerstört worden war.

Das Anwesen der Pappenfabrik Brücher in Reichenbach liegt auf dem Gelände der früheren Klinger- oder Metzgersmühle, direkt an der Lauter. Diese Mühle war von Johannes Görisch erbaut worden, von 1713 bis 1719 wird er als Besitzer genannt. Ab 1744 wird Johann Philipp Klinger aus Unter-Ostern als Besitzer genannt, seine Familie bleibt für drei Generationen hier. Für den Wasserfall der Lauter waren drei Gulden zu zahlen. Weitere Besitzer waren 1846 Peter Marquardt und 1850 Wilhelm Metzger. Kurz darauf Mayer Bentheim aus Auerbach; er verkaufte die Mühle 1855 für 4600 Gulden an Georg Brücher aus Groß-Zimmern. Die Familie Brücher blieb 160 Jahre auf der Mühle bis zum Tod von Michael Brücher.

Lesetipp:
Wir ziehen nach Amerika - Briefe Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833, zusammengestellt von Marie-Louise Seidenfaden und Ulrich Kirschnick, 1988. ISBN 3-923366-03-5

Sehr aufschlußreich sind die Beispiele in den Briefen Odenwälder Auswanderer aus den Jahren 1830-1833. Man findet zahlreiche Belege für die Preise in Amerika im Vergleich zu unserer Region.

Louise von Ploennies lebte von 1803 bis 1872 und ist damit Zeitgenossin der Industriellen Revolution in Deutschland. In ihrem Gedicht "Auf der Eisenbahn" verbinden sich die Veränderungen im Rahmen der Industrialisierung mit liberalen Gedanken, so daß es der Zeit des poetischen oder bürgerlichen Realismus zugeordnet werden kann. Einer ihrer neun Kinder ist August von Ploennies, der Gründer der Blaufarbenfabrik Lautern (https://www.lagis-hessen.de/pnd/116246057)

Vor gut 150 Jahren machte unsere wirtschaftliche Entwicklung einen Riesensprung: die von Fürsten regierte Agrargesellschaft kam ins Wanken durch eine wahrhaft bahnbrechende Erfindung.
Ein drastischer Anstieg der Futtermittelpreise in England brachte findige Ingenieure auf die Idee, diese von weither zu beziehen und über eine Eisenbahn transportieren. Bekannt war das Prinzip seit Jahrhunderten aus dem Bergbau. 1825 baute George Stevenson in England die erste Lokomotive mit neuzeitlicher Dampfkraftnutzung, mit der sogar schon Personen befördert werden konnten. Die unaufhaltsame Erfolgsgeschichte der Eisenbahn begann.

Foto: BW Kranichstein, Lokschuppen bei Nacht

In den 1980er Jahren entdeckte sich zugleich mit der wachsenden Verfügbarkeit von Wissen und Forschungsergebnissen auch eine uralte Literaturform ganz neu: die Utopie.
Alternative Gesellschaftsformen und fremde Welten beschäftigten phantasievolle Geister schon immer, doch nun wurde ein Pool an gesammeltem Wissen von Ethnologen und Naturwissenschaftlern zugänglich, der den Anreiz für eine breite Palette an Science fiction Literatur bot.  

Auf Thomas Morus‘ (1478-1535) „Utopia“ und die fantastische Literatur von Jules Verne (1. industrielle Revolution - Stichwort steampunk!) folgte nun eine Welle an abenteuerlichen Geschichten um neue Lebensformen, neue Lebenswelten, neue Techniken und zugleich auch neue Gefahren für Mensch und Umwelt.

Eisenbahngeschichte: manchmal ist es wie Schatzgräberei...

Ein Schatz ist ein Schatz ist ein Schatz... Nur wer ein »gülden Sonntagskind« sei, der könne ihn heben - in tiefem Schweigen, mit einem Erdspiegel...
Aber was kann ein Erdspiegel helfen, wenn der Schatz im Wasser versunken ist?

Rätselfrage: Wie oft kann man ein normales DIN A4 Blatt falten?

       10 mal?             20 mal?     oder nur 7 mal?
Auflösung: faltet man ein DIN A4 Blatt einmal, hat man DIN A5, zweimal = A6, dreimal = A7 (Karteikärtchen), viermal A8 - und jetzt wird es schon ziemlich klein und schwierig sauber zu kniffen! Bei sieben Faltungen ist definitiv Schluß. Man muß bedenken, daß man bei sieben Faltungen einen Papierstapel aus 128 Lagen erhält.

Mahlzeit - das ist die Zeit, die die Bauern warten mußten, bis ihr Getreide gemahlen war. Die Müllerin wird einst einen kräftigen Trunk dazu serviert haben.

So entwickelte sich in den Mühlen nicht nur die Grundlage für moderne Industrieanlagen, sondern auch der Ursprung der Gastfreundlichkeit - gepaart mit Geschäftssinn.